ff ' a;. H"l^ > i % J i f, ;-^V >#* >V ; -,5**< ,*rx . < / .>N,/ > -4 J * V r ?*&* -: 4 I. *JV J v V- 1 j .',-*% '* r*w 7 ' /' X ,:ll ,. ' ' '' >ll 1 ! , 1 ''','( '' 4 'i' 13 '> I '"I ..:::! , T "V JttTi-t i i> " I i I. I 'ill- i. 'Ilt t, kj , ' ,1'" '' , i. ' A *' ,, t, S ^ iBi ;IH' V !/";;, '!\;;;"( ; ' Sjk.iat/' Redigirt von Dr. II. Potonie. ->m 471 Dana, Bodenbeschaffenheit der Meere 297 Dantz, Unsere Steinkohlen (Orig.) . 123 Seite Enge I hard t, Eine Blitzfahrt durch Nordbhmens Braunkohlengebiet (mit Abbild., Orig.) 91 Ueber die Tertirpflanzen Chiles . 66 Engler, Ueber Erdl ...... 416 Fraas, Merkwrdige Fossilisation einer Finne von Ichthyosaurus .... 67 Geinitz, E., Mittheilungen vom Nord- Ostsee-Kanal (mit 1 Karte) (Orig.) 513 v. Gmbel, Mineralisch - geologische Ergebnisse der Forschungsreise S. M. S. Gazelle" . . . ... . 296 II abe nicht, Todesursache diluvialer Sugethiere (Orig.) 448 Jaeckel, Die Gattung Pristiophorus 406 Mller, W., Allgemeine Versammlung der deutschen geologischen Gesell- schaft in Freiburg in Baden (mit 1 Abbild.) (Orig.) 391 Kiesen der Krystallwclt (Orig.) . 341 Ueber die granitischen Gesteine des Riesengebirges (mit Abbild.) (Orig.) 21 Nch ring, Schneestrme als Todesur- sache diluvialer Sugethiere (Orig.) 71, 449, 516 Oppenheim, Eocn - Schnecken des Vicentiner Beckens (Orig.) . . . 457 Pabst, Ueber den Ursprung und die Entstehung des Erdls 274 Pech, Mineraliensammlung .... 100 Philipp so n, Ueber den geologischen Bau des Isthmus. von Korinth . . 96 Rntgen, Elektrische Eigenschaften des Quarzes 208 Roth, Sammlung fossiler argentinischer Sugethiere 317 Sauer, Ueber die olithische Ent- stehung des Lss am Rande der norddeutschen Tiefebene .... 168 Schreiber; Glaeial-Erseheinungon in Magdeburg 213 Scudder, Ueber amerikanische ter- tire Hemipteren 406 Steinmann, Ueber Schalen- und Kalk- sleinbildung 48 S t u e r 's Fossilien-Stnder (mit Abbild.) 59 Wahnschaffe, der Charakter der Canon-Landschaft(mit3Abb.) (Orig.) 361 Unsere gegenwrtige Kenntniss ber die Temperatur des Erdinnern (mit Abbild.) (Orig.) 171 Physik. Amagat, Verschiebung des Maximums der Dichte des Wassers durch Druck 337 Andries, Eine neue Methode Govi's um den Ort, die Lage und Grsse der Bilder von Linsen oder Linsen- systemen zu construiren und zu be- rechnen (mit Abbild.) (Orig.) ... 101 B a c h m e tj e w , Entstehungsursache des Tones, welcher unter dem Einflsse der intermittirenden Magnetisirung in magnetischen Mitteln erzeugt wird 236 Cailetet u. Collardeau, Der Zu- stand der Materie in der Nhe des kritischen Punktes 328 Dreher, Zur Theorie der Farbenwahr- nehmung (Orig.) 208 Elster u. Geitel, Ueber einen hem- menden Einfluss der Belichtung auf elektrische Funken- und Bschel- entladungen 177 Fischer, Beziehung der Berhrungs- oder Contactelektrizitt zur Atom- dichte 256 - Wesen und Bedeutung der Elek- trolyse (Orig.) 133 Galitzine, Ueber das Daltou'sche Gesetz 199 Grimsehl, Phonometer 138 v. Helmholtz, Ueber atmosphrische Bewegungen 56 Hertz, Fortpflanzung elektrischer Wellen durch Drhte (mit 2 Abbild.) 409 Natur der 2 Schwingungsformen der Elektrizitt 289 Januschke, Gesetze des Oberflchen- drucks u. s. w 318 Knig, Gegen die Richtigkeit der Joung - Helmholtz'schen Farben- theorie 125 Ueber Klnge mit ungleichfrmigen Wellen ..228 Langley u. Very, Billigste Form des Lichtes 158 Lommel, Selbstschatten einer Flamme 398 Mller, Einfacher Schulversuch zur Bestimmung der Wellenlnge des Lichtes 228 Ritter, Zu den Hertz'scheu Versuchen ber Strahlen elektrischer Kraft . 289 Rottok, Ueber die Wirkung des Oels auf die Wellenbewegung des Meeres 55 Rubens u. Ritter, Anwendung des Boloineters zur quantitativen Mes- sung der Hertz'schen Strahlung . . 308 Sachs, Accumulator und Trans- formator. (Orig.) 154 Schott u. Gen., Einfluss der Ab- khlung auf das optische Verhalten des Glases und die Herstellung ge- presster Linsen in gut gekhltem Zustande 214 Tait, Fortpflanzung der durch Ex- plosionen hervorgerufenen Luft- strungen 328 Wallen tin, Ueber die Anwendung des Telephons zur Bestimmung der Dielektrizittskonstante (Orig.) . . 245 Wassmuth, Die bei der Torsion und Detorsion von Metalldrhten auf- tretenden Temperaturnderungen . 229 Wiener, Stehende Lichtwellen und Schwingungsrichtung polarisirten Lichtes 336 v. Wyss, Ueber die Strahlung von Flammen (mit 1 Abbild.) (Orig.) . 251 Mathematik. Gutzmer, Eine geometrische Frage (Orig.) Hollmann, Poetisches Gedchtniss- mittel fr die Zahl n (Orig.) . . . Lucas, Poetisches Gedchtniss fr die Zahl n (Orig.) 178 Schubert, Mglichkeiten der Bezah- lung in deutscher Reichsmnze (Orig.) Selling'sche Rechenmaschine . . . Simon, Die acht Kniginnen auf dem Schachbrett (mit 2 Abb.) (Orig.) . 399 229 214 247 291 Astronomie. Barnard, Die Kometen 1889 II. u. I. 419 Rthsel am Jupiter ....... 459 Wiederauffindung des d'Arrest'schen Kometen "''' Brooks, Ein neuer Komet . . . 209 Charlois, Neue Planetoiden 248, 348, 377, 428 Coggia u. Denning, Zwei neue Ko- meten 848 Courty, Photographie des Ringnebels in der Leier 378 Denza, Vatikan-Sternwarte .... 378 Duner, Nachweis der Rotation der Sonne auf spectroskopischem Wege 319 Fo er st er, Die leuchtenden Schweife, Ringe und Wolken der Feuerkugeln und Sternschnuppen (Orig.) ... 241 Henry, Neue Mondphotographicn . . 257 Janssen, Partielle Sonnenfinsterniss vom 17. Juni . 378 Kessler, Bewegung planetarischer Nebel . . . . , . 512 3 H 8 1 r> IV Inhalts -Verzeichnis. Seite Langlev, Ueber die Temperatur des Mondes 188 Lehmann - Fi 1 h ('s. Komet Wolf . . 13S ilarcii.se. Vernderlichkeit der Pol- lilien 511 Ma 1 1 h i essen, Das System der kleinen Planeten (Orig.) 603 Maurer, Ueber die Sternenstrahlung 178 Palisa, Neue Planetoiden 248, 377,469; 512 Picke ring, CUrsae ma juris ein3facher Stern .' 189 Schiaparelli, Rotation des Merkur 78 Rotation der Venus 367 Schubert, Der Vlondumlauf als Zeit- einheit (Orig.) 141 Stadthagen, Hat sich die Dauer der ieslnge in historischen Zeiten gendert? (Orig.) 237, 440 Vogel, Bahnbewegung der Spica . . 512 Wilsing, Spectographisehe Beobach- tungen an Algol und Ergebnisse aus denselben 216 Wilon, Sdpolarfleck des Mars 428, 470 Eine neue Sternwarte bei Tananarivo 209 Neue Planeten 170 Neues aus der Astronomie 77 Photographie des Leier-Ringnebels . 189 Stern von Bethlehem 521 Ueber die Venus 469, 501 Meteorologie. Aitkeu, Zahl der Staubtheilchen in der Atmosphre 297 Angot, Die Windgeschwindigkeit auf der Spitze des Eifielthurnis ... 8 Jesse, Die leuchtenden Wolken 17. 230, 179 K irchhoff, Notiz zur Windgeschwin- digkeit (Orig.) 68 Klein, Temperaturbeobachtungen im Ballon 327 Knipping, l>ie Form der Cyelonen 216 Koppen, Die ersten grossen Strme dieses Winters (1889/1890) .... 76 Ueber harmlose und kritische Tage (z. Tb. Orig.) ' . 136 Lortzing, Die Tornados in den Ver- einigten Staaten 197 Mittmann, Eine Luftspiegelung auf offener Strasse (Orig.) 236 Mller (M.), Ueber Rauhreif und Glatt- eis (mit Abbild.) (Orig.) 49 Picot, Ueber eine vom Luftdruck ab hngige tgliche Periode in der Richtung der Passatwinde . . . 215 Schneidern hl, Kant und die moderne Theorie der Winde 411 Scouller u. Thomson, Ueber einen durch das vom Meere reflectirte Sonnenbild erzeugten Regenbogen (mit Abbild.) . 88 Steinhauser, Luftthermo- und Luft barometer 27 Thompson, Die Imitation des Donners 215 Wagner, Einwirkung von Lftet schtterungen auf das Wetter (Orig.) 69 Weber, Untersuchungen ber atmo- sphrische Elektrizitt 156 - Ueber Blitzphotographien .... 97 Der Anschluss der Blitzableiter an Wa lex und Gasleitungsrohre . . 28 Der meteorologische Bericht der Chal !'< i ! pedition 147 Elektrische Sinn,,,- auf Pike's Peak . 499 Chemie. 1 (ober die Sj nt hose des A 1 tma n n , Zuckers A r ii a u d ii. B a ii in a n n, Stoff ans W( Curtius, Stickstoff ai len toffsure I m m en d r f, ( 'arotin Km w ickelung von S t Braunstein auf nassem 123 127 L36 127 Seite llarnaek. Reines, asehenfreies Al- bumin 39 Robert, Spermin 96 Kronberg, Das Cubiponderalgesetz, die Hypothese vom Atom-Isomor- phismus und die speeifische Natur der Elemente (Orig.) . . . . 301, 458 Ltzen, Aus der Enzvmologie (Orig.) : 24. 74, 103 Moissan, Ueber die Farbe und das Spectrum des Fluors 27 Ostwald, Ates und Neues in der Chemie 414 v. d. Pfordten, Neue Nomenclatur anorganischer Verbindungen . . . 207 Ramsay, Cubiponderalgesetz (Orig.) 457 Ritsert, Natur der sogenannten Con- taetwirkungen 427 Nomenelatur der neueren Arznei- mittel 51 - Untersuchungen ber das Ranzig- werden der Fette (Orig.) .... 331 Wink ler, Wesen der chemischen Ele- mente 416 Gummiferment : >-'. Geographie und Verwandtes. Albrecht, Die IX. Generalconferenz der Internationalen Erdmessung (Orig.) 5 Eggers, Die neuen Gewrzinseln (Orig.) 121 Franzius, Flutherscheinung. zwischen Helgoland und Bremen 405 Galle, lieber Normalzeit, Regional- zeit und Weltzeit u. s. w 431 Hellmann, 8. internationaler Ameri- kanisten-Congress 510 K r ause , Die Emin - Pascha - Expedi- t innen und ihre wissenschaftlichen Ergebnisse (mit 1 Karte) (Orig.) . 401 Meyer, Ersteigung und Erforschung des Kilima-Ndscharo .... 37, 79 Philipp so n, Der Wald in Griechen- land (Orig.) 334 Ptz, Anleitung zum richtigen Ver- stndnis und Gebrauch topogra- phischer Karten (mit Abbild.) (zum Theil Orig.) 231 S tu der, Eigenthmliehe Strandhhleu in Kerguelenland 176 Thulesius, Ebbe und Fluth (mit 5 Fig.) (Orig.) 381 Afrika im Jahre 1889 25 Antarktische Expedition 79 Eisverhltnisse im nrdlichen Atlan- tischen Ocean 318 Medizin, Hygiene und Verwandtes. Albu, Hirnchirurgie 66 - Impfung und Impfzwang (Orig.) . 41 Behring u. Kitasato, Ueb.er das Zustandekommen der Diphtherie- Immunitt und der Tetanus - Im- munitt 497, 507, 519 Co Kit, Raupenplage des Fichten- spinners (Orig.) 499 Briegeru. Frank el. Diphtheriegift 307, 505 Bnchner, Bakterienfeindliche Wir- kung des Blutes 137 Esmarch, Verbleib der pathogenen Mikroorganismen im todten Krper 75 G er lczy, Abfallstoffe zu desinficiren 6 lloegvos. Wuthkrankheit .... 16 KocIk Heilung der Tuberkulose . . 163 Weitere M i 1 1 hei 1 1 1 nge 1 1 iilier ein Heil- mittel der Tuberkulose ..... 165 Laveran, Ursache der Malaria-Er- krankung 316 Lodge, Beseitigung der Rauchbe lstigung durch Elektrizitt ... 55 Seite Oelkers, Vorkommen von Queck- silber in den Bandwrmern von Syphilitikern 205 Petri, Farbenreaction auf Cholera . 418 Feuerbestattung 389 Stoffwecbselproducte der Cholera- bakterien 506 Ritsert, Ueber Stoffwechselproducte pathogener Bakterien (Orig.) . . . 505 Wesen der Impfung 464 Salkowsky, Zur Kenntniss der phy- siologischen Wirkung desSaccharins 269 Schmitz, Einfluss des elektrischen Lichtes auf die Augen (Orig.) . . 136 St i Hing, Anilin-Farbstoffe als Anti- septica 277 Tagahashi u. Inoko, Todesflle in Folge des Genusses von Fischen . 17 Uffelmann u Schmitz, Dauer der Lebensfhigkeit der Typhus- und Cholerabacillen hiFcalmassen (zum Theil Orig.) 87 Massenvergiftung durch Austern . 105 Mittel gegen Leichenfulniss .... 75 Landwirthschaft und Verwandtes. Kessler, Wald Verwstung in Nord- amerika 269 M u n t z , Zerfall der Gesteine und Bil- dung von Erde 478 Vilmorin, Andrieux u. Co., Samm- lung von Modellen eultivirter Wur- zeln, Gemsepflanzen und Frchten 177 Wittmack, Ueber Grassmerei (Orig.) 107 Technik. v. Eggers, Westindische Pflanzen- fasern oll Fischer, Barthel's Benzinbrenner u. s. w. (mit 1 Abbild.) (Orig.) . . 336 llainpe, Sauerstoff in Stanleylindern (Orig.) . 4S5 Loewenherz, Die Anlauffarben der Metalle 321 Mariani, Grnfrbung des Parmesan kses 449 Pratt, Ausbessern von Platintiegeln 68 Riehard, Neuer Geschwindigkeits- messer (mit Abbild.) 438 Sachs, Metallbleche galvanisch zu vernickeln (Orig.) 210 Schirm, Das erste Atelier zu photo- graphischen Aufnahmen mittelst Magnesiumblitzlicht 2'.* Vogt, Gold- und Silbergewinnung. . 308 Elektrotechnische Versuchsstation zu Magdeburg 278 Herstellung wasserdichter Gewebe . . 210 Neuer Objectivwechsler fr's Mikroskop (mit Abbild.) (Orig.) 128 Normalthermometer 512 Telephonkabel 469 Zusammensetzung und Verwendung der Wickersheimer'schen Flssigkeit . 128 Biographieen, Nekrologe, Personalien. Fischer, Justus Freiherr von Liebig (Orig.) '-60 Gutzmer, In Chuki (Orig.) .... 418 Koken, Friedrich August Quenstedtf H9 Nehring, Vau knappes Lebensbild des Naturforschers P. S. Pallas (Orig.) .... 243 Rosenthal, Lavoisier und seine Be- deutung fr die Entwicklung unserer Vorstellung von den LebenSVOr- gngen 415 Stadthagen, Rosenberger t (Orig.). 99 v. Zittel, Melchior Neumayr t 98 Buys Ballot t 80 [nhalts-Verzeichniss. Seite Casorati f 512 Govi t 200 Hirn f 80 Mathieu t 470 Peters f 379 Vereinswesen, Museen etc. Advanc. of sc., American Ass. . . . 319 Advanc. of sc, British Ass 329 Amerikanisten-Congress : >1 Anthropologische Gesellschaft, den (sehe S09 Balneologen-Congress 89 Chirurgen-Congress 128 Congres des Soeietes sayantes . . . 200 Forstmnner- Versammlung 339 Internationaler elektrischer Congress . 229 Forst- und landwirtschaftliche Aus- stellung, internationale l s 'i ( lartenbau- Ausstellung in Berlin, grosse allgemeine 150 Gartenbau-Ausstellung und Congress in Paris .200 Geologische Gesellschaft, allgemeine Versammlung der deutschen . . . 309 Hunde-Ausstellung, internationale . . 189 Lehrer der Mathematik und Natur- wissenschaften, Congress der . . . 369 Medical Association, British .... 289 Medicin, Congress fr innere .... 139 Medicinal - Beamten - Versammlung. preussische 289 Medicinischer Congress, 10. inter- nationaler 28!) Medicinisch- wissenschaftliche Ausstel- lung, internationale 240 Naturforscher - Gesellschaft, schweize- rische 319 Naturforscher und Aerzte, Versamm- lung deutscher 369, 404 Naturforscher und Aerzte, ungarische 319 Naturforscher-Versammlung, russische 79 ( leffentlicheGesundheitspflege, deutsche Versammlung fr 369 Ornithologisehe Gesellschaft, allgemeine deutsche 179 Tuberkulose-Congress 289 Zoologen-Congress von 1889 .... 386 Litteratur und Bcherliste. Abel u. Galois, Abhandlungen ber die algebraische Auflsung der Glei- chungen 10 Ball, Theoretische Mechanik starrer Systeme 180 Barfuss, Handbuch der Feldmess- kunde 20 Bastian, Ueber psychische Beobach- tungen bei Naturvlkern .... 249 Baumhauer, Reich der Krystalle . . 339 Baut, Mathematische und geodtische Abhandlungen 430 v. Bell her, Lehrbuch der Meteorologie 90 Bellam3*, Rckblick aus dem Jahre 2000 . 339 Bertrand, Leeons sur la theorie mathematique de l'electricite . . . 120 Bisch off, Ueber das Geoid . . . 502 Boas, Lehrbuch der Zoologie . . . 210 Borggreve, Die Verbreitung und wirtschaftliche Bedeutung der wichtigsten Waldbaumarten inner- halb Deutschlands 19, 50 Bothe, Physikalisches Repetitorium . 190 Brass, Die Zelle . . 239 Braun, Ueber Kosmogonie vom Stand- punkt christlicher Wissenschaft mit einer Theorie der Sonne und einigen darauf bezglichen philosophischen Betrachtungen 218 Brehm, Thierleben 440 - Vom Nordpol zum Aequator . 270, 502 Bchner, Die Darwinsche Theorie . 399 (-'nie man, Ueber die Muskelbewegung 369 Seile Colson, L'Energie et scs Trans- formations 19 Craig, Treatise of Linear Differential Equations 320 Daurer, Uebimgsbuch zum Studium der elementaren Mechanik . . . 120 Dies ter weg's populre Himmels- kunde und mathematische Geo- graphie 179 Dillmann, Mathematik, die Fackel tragerin einer neuen Zeit .... 480 Dippel, Die Blattpflanzen 502 Dodel Port, Moses oder Darwin? . 229 Dreher, Der Hypnotismus, seine Stillung zum Aberglauben und zur Wissenschaft >'.' - Physiologie der Tonkunst .... 309 Encke, Gesammelte mathematische und astronomische. Abhandlungen . 130 Engler u. Prantl, Die natrlichen Pflanzenfamilien 200 v. Ettingshausen, Das australische Florenelement in Europa .... 40 Far aday, Experimental-ntersuchung ber Elektricitt 319 Fischer. Versuch einer Theorie der Berhrungs-Elektricitt 259 Fo erster, Sammlung von Vortrgen und Abhandlungen 290 Studien zur Astrometrie .... 30 Franke, die Kreuzotter .">22 Frass, Geologie in kurzem Auszge 380 Frieder ich, Naturgeschichte der deutschen Vgel 450 Fritz, Di'' wichtigsten periodischen Erscheinungen der Meteorologie und Kosmologie 200 Garcke, Flora von Deutschland . . 290 Gernertli, Sstellige gemeine Loga- rithmen . -. :;.'i0 Gopp elsro eder, Feuerbestattung . :;:;'.! Gremli, Excursionsflora f. die Schweiz Gruey, Excercices astronomiques . . 329 Gnther u. Gtz, Geographie . . 490 Grich, Geolog. Karte von Schlesien nebst Erluterungen 450 Giitzm e r , Litt, zum Studium des Prin- cips der Mechanik (Orig.) .... 150 Haeckel, Natrliche Schpfungs-Ge- schichte ... los Hallier, Kulturgeschichte des 19. Jahr- hunderts in ihren Beziehungen zu der Entwicklung der Naturwissen- schaften 429 H artig, Die anatomischen Unter- scheidungsmerkmale der nicht in Deutschland wachsenden Hlzer . 410 Hayek, Handbuch der Zoologie . . 480 He inemann, Kultur und Verwendung der Sommergewachse 170 Pflege der Pflanzen im Zimmer . . 170 v. Helmhol tz, Handbuch der physio- logischen Optik 70 Herzen, Grundlinie einer allgemeinen Psychophysiologie 150 Hobbs, Berechnung elektrischer Messungen .319 Hoff mann , Sinn fr Naturschnheiten 439 Hoppe, Lehrbuch der anal. Geometrie 430 Jacob, Die Welt 429 Jaeger, Apothekergarten 309 Jaukowski, Denguefieber .... 349 Jochmann u. H ernies, Experimental- physik 470 Joubert, Tratte elementaire d'elee- . triefte 219 Js r a el-Hol tz wart, Elemente der theoretischen Astronomie . . . . 170 Katzer, Geologie von Bhmen . . 50 Kayscr, Lehrbuch der Physik . . . 390 Klein, Lehrbuch der Erdkunde . . 300 Koller, Chemische Prparatenkunde 80 Korn ig, Hygiene der Keuschheit . . 350 Krass u. Landois, Lehrbuch fr den Unterricht in der Botanik .... 329 Seite Krebs u. Grawinkel. Jahrbuch der Elektrotechnik 310 Krei del, Untersuchungen ber den Ver- lauf der Fluthwellen in den < leeanen 210 Lachmann, Reptilien und Amphibien Deutschlands 410 Ladenburg, Handwrterbuch der Chemie ;,i 1 Landois, Annette Freiin v. Droste- Hlshoff als Naturforseherin . . . 379 Lang, Lehrbuch der vergleichenden Anatomie 249 Lang, Zur Charakteristik der For- schungswege von Lamarck und Darwin 9 Lska, Lehrbuch der sphrischen und theoretischen Astronomie und der mathematischen Geographie . . . 219 Lasswitz, Geschichte der Atomistik 260 Lensch, Der Bau des menschlichen Krpers (mit Abbild.) ]00 Leuckart, Die Parasiten d. Menschen 139 Liebe, Winke betreffend das Auf- hngen der Nistksten fr Vgel . 108 Ligowsky, Tafeln der Hyperbel- funktionell u. s. w 490 Li iidemann, Die Nordseeinsel Helgo- land in topographischer, geschicht- licher, sanitrer Beziehung .... 29 Lippmann, Cours de Thermo- ilvamique 190 Lombroso, Der geniale Mensch . . 379 Der Verbrecher II 429 Mann, der Feuerstoff 219 Mantegazza, Hygiene der Arbeit . 379 Hygiene der Lebensalter .... 129 Hygiene der Nerven 40 - Hygiene des Kopfes .",01 - Physiologie des Hasses 108 Marktanne r -Turne retscher, Die Mikrophotographie 420 Marshall, Die Spechte 380 Spaziergnge eines Naturforschers 440 v. Martens, Aufzhlung von Con- chylien- Atlassen (Orig.) .",70 Mathieu, Theorie des Potentials . . 270 Metzger, Wrttembergische For- schungsreisende und Geographen des 19. Jahrhunderts ...... ].",:i Migula, Die Charaeeen 179 Mink's Leitfaden der analytischen Geometrie 210 Moll, Der Hypnotismus 449 d e M ra 1 es, Flora arb.origola de Cuba 279 Mo sso, Die Furcht 4011 Mller, Medicinalflora ;;.',:> Mimch, Lehrbuch der Physik . . . :;-_:i Neuhauss, Lehrbuch der Mikrophoto- graphie . . 4 _' t > X eii m a y er, Anleitung zu wissenschaft- lichen Beobachtungen auf Reisen . 279 Nickel, Die Farbenreactionen der Kohlenstoffverbindungen .... 239 Nldeke, Flora des Frstenthums Lneburg u. s. w ].",:i ( >f finger, Dcutsch-Engl.-Franz.-Ital. Technolog. Taschenwrterbuch . . 310 Oppenheim, Die Insel der Sirenen . 229 Ostwald, Grundriss der allgemeinen Chemie 150 - Classiker d. exaeten Wissenschaften 70 Otto u. Diesener, Lehrbuch der ge- sammten nied. Mathematik . . . 279 Pahde, Der Afrikaforscher Eduard Vogel, geb. 1829 in Krefeld, er- mordet 1856 in Wadai 40 Pellat, Leeons sur l'electricite' . . 340" Pfeiffer, Ueber die bacillre Pseudo- tuberkulose bei Nage.thieren . . 190 Piltz. Aufgaben und Fragen fr Na- turbeobachtung des Schlers in der Heimath 250 Ueber Naturbeobachtung d. Schlers 250 Plassmann, Die neuesten Arbeiten ber den Planeten Mercur . . . . 330 VI Inhalts -Verzeichniss. Seite PI ass mann, Meteore and Feuerkugeln 279 - Vademecum astronomi 90 Poisson, Lehrbuch der analytischen Mechanik 319 Reichen o\v. Systematisches Verzeieh- niss der Vgel Deutschlands und des angrenzenden Mittel-Europas . 179 Reiff, Geschichte der unendlichen Reihen 70 Hei mann, Beitrge zur Bestimmung der Gestalt des sehe in baren Himmel- gewlbes 300 Remsen, Anorganische Chemie. . . 410 Reyer, Theoretische Geologie . . . 140 Richter, Culturpflanzen 489 Kult', Elemente der projectivischen Geometrie 9 1 1 e Sau ssure, Chemische Untersuchun- gen ber die Vegetation .... 460 Seheidt, Vgel unserer Heimath . . 329 Schlmilch, stellige logarithmische und trigonometrische Tafeln . . . 330 Seier, Reisebriefe aus Mexico . . . 217 S p i t te 1 . Aussaat und Cultur der Per- ennen und Topfgewchse .... 170 Gartenkalender 170 Steffen, Lehrbuch der reinen und technischen Chemie 319 Stein mann u. D der lein, Elemente der Palontologie 339 Thomson, W., Abhandlung zur Elec- tricitt und zum Magnetismus . . 350 J. J., Anwendungen der Dynamik auf Physik und Chemie .... 259 - E., Was ist Elektricitt? .... 512 Tommasi, Traite des piles clectriques 229 Umlauft, Das Luftmeer 522 V i 1 m orin- Andrieux u. Co., Instruc- tions pour les semis de fleures de pleine terre 170 de \ ries. Pflanzen und Thiere der Rotterdamer Wasserleitung . . . 460 W a 1 d , Die Energie und ihre Ent- werthung 109 W Urning, Handbuch der systema- tischen Botanik 218 Weber, Elektrodynamik 280 Weiler, NeueBehaiullung derParallel- projeetionen und der Axonometrie 200 Weyrauch, Robert Mayer .... 340 Wink, Deutschlands Vgel .... 80 Winkelmann, Handbuch der Physik 30 Wolf, Handbuch der Astronomie . . 400 Klimatische Verhltnisse der Stadt Meissen 470 Wossidlo, Leitfaden der Zoologie fr hhere Lehranstalten .... 40 Wundt, System der Philosophie . . 9 Zacharias, Bilder und Skizzen aus dem Naturleben 80 - [te Zetschke, Betrieb und Schaltungen elektrischer Telegraphen .... 390 Zimmermann, Naturkrfte und N turgesetze 309 Beilmagnetismus 258 ( h'iiithologische Zeitschriften .... 258 Universal-Taschenatlas 310 Bcherliste 10, 20, 30, 40, 60, 70, 80, 90, 110, 130, 140. 150, 170, 180, 190, 200, 220, 230, 250, 260, 280, 290, 300, 310, 320, 330, 340, 360, 39, 380, 390, 400, 410, 420, 440. 450, 460, 480, 490, 502, 522. Verzeichniss der Abbildungen. Abbildungen zum Artikel Fort- pflanzung elektrischer Wellen durch Drhte . . . _ 409 zu Ptz: Anleitung zum richtigen Verstridniss und Gebrauch topogra- phischer Karten" 231-235 - zur Abhandlung von Andries: Eine neue Methode etc. vergl. unter Physik (Orig.) . . . . . . . . 102 zur Demonstration des blinden Fleckes im Auge (Orig.) .... 100 - zur Erluterung der Ebbe und Fluth (Orig.) 384 - zur Erluterung d. Wasserbewegung in deu Pflanzen (zum Theil Orig.) 83 Acanthostoma (Orig.) 493, 494 Alpenpartie der pflanzengeographischen Anlage im kniglichen botanischen Garten zu Berlin (Orig.) .... 264 Archegosaurus (Orig.) 492, 494, 405. 496 Barthel's Spiritusbrenner 336 Bohrkernstck mit Stigmaria (Orig.) . 174 Bohrkrone eines Diamantbohrers (Orig.) 174 Bolometer (Orig.) .251 Botanische Station am Rande des Ur- waldes in Tjibodas (Mittel-Java) (Orig.) 65 Branchiosaurus (Orig.) 483, 484, 492, 493, 494, 495, 496, 497 Canarienallee im botanischen Garten in Buitenzorg (Orig.) 61 Canon des Yellowstone - River (Orig.- Nachbildung) 363 Coeosallee im botanischen Garten in Buitenzorg (Orig.) 64 Dinosaurus (Orig.) .... 494, 495, 496 Corypha umbraculifera im botanischen Garten in Peradeniya (Ceylon) (Orig.) ........... 65 Farngruppe im knigl. botanischen Garten zu Berlin 223 Fossilien-Stnder 59 Freiland- Vivarium im Humboldthain in Berlin 206 Seite Ganggr.init mit kugelfrmiger Abson- derung im Riesengebirge (Orig.) . . 21 Geologisches Profil durch das Osseg- Teplitzer Gebiet 93 Geschwindigkeitsmesser 4:'.!i Gliederung des bhmischen Tongrien . 92 Grand Canon am Fuss des Taroweap (Orig. Nachbildung) 361 Grand Canon, innere Schlucht . . . 362 Haupteingang des botanischen Gartens in Buitenzorg. Eine Entada auf einem Pterocarpus windend (Orig.) 64 Herz und Schlagadern in der oberen Krperhlfte (Orig.) 461 Hydrodictvon utriculatum 117 Hylonomus (Orig.) .... 494, 495, 496 Kaladiosaurus-Bauchrippen (Orig.) . . 509 Karte der Emin- Pascha -Expeditionen (Orig.) 401 Karte der Fundorte glacialer u. postgla- cialer Sugethiere in Mittel-Europa 155 Karte der Linie des Nord - Ostsee- Canales (Orig.) 514 Liebig's Kugelapparat (Orig.) .... 267 Melanerpeton (Orig.) 492, 495 Objecthalter mit verticaler Verschie- bung nach Prof. Koch. 2 Figuren . 18 Objectivweclisler fr's Mikroskop . . 428 Oetave der Claviatur von Tanaka's Enharmonium (Orig.) 191 Palaeohatteria-Skeletttheile (Orig.) . . 508 Palmenhaus im knigl. botanischen Garten zu Berlin 224, 225 Pandanus- und Cycadeengruppe in dem Palmenhause des knigl. botanischen Gartens zu Berlin 226 Pelosaurus (Orig.)483, 492, 493, 494, 495. 196 Petrobates (Orig.) ...... 495, 496 Plan der pflanzengeographischen An- lage im knigl. botanischen Garten zu Berlin (Orig.) 262 Profil der Glarner Doppelfalte (Orig.- Nachbildung) .392 Profil des Stegocephalen - Kalkstein- Fltzes von Nieder-Hsslich (Orig.) 472 Profil des Bohrlochs bei Schladebach (Orig.-Nachbildung) 175 Regen-, Meeres- und Nebenbogen (Orig.) 89 Schema der Wasserbewegung in den Pflanzen (Orig.) 83 Schematische Abbildung zur Mittheilung Mller's ber Rauhreif (Orig.) . . 49 Sclerocephalus-Rippe (Orig.) .... 495 Seleroderma vulgare 317 Stegocephalen - Bauchpanzer - Schuppen (Orig.) 484 Succulentengruppe in dem knigl. bo- tanischen Garten zu Berlin . . . 222 Tuber melanosporum 347 Weisser Berg bei Misdroy (Orig.) . . 4 Beilage zur Naturwissenschaftlichen Wochenschrift. 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Um die fr jede Lebenserklrung erforderliche Kennt niss der allen lebenden Wesen ohne Ausnahme zukom- menden ursprnglichen Lebensvorgnge zu gewinnen, ist es nothwendig, alier auch ausreichend, smmtliche Lebens- vorgnge des freilebenden Protoplasma durch Beob- achtung und Versuch genau festzustellen, weil dasselbe - obwohl an sich unbegreiflich verwickelt - - von allen lebenden Wesen das am wenigsten verwickelte ist und alle dem Protoplasma im freien Zustande eigenthmlichen Functionen auch allen anderen lebenden Krpern zu- kommen und sich in ihnen oder an ihnen nachweisen lassen mssen; denn alle entwickeln sich aus Protoplasma, enthalten Protoplasma und leben nur so lange als ihr Protoplasma lebt. Die Notwendigkeit der Untersuchung aller Protoplasma- Functionen ist dadurch erwiesen. Sie ist aber auch ausreichend zur Beantwortung der gestellten Frage. Denn jede Function, welche wie z. B. das Fliegen oder Schreiben, dem Protoplasma an sieh, etwa dem einer Ambe nicht zukommt, kann eine allgemeine, ur- sprngliche oder Grund-Funetion nicht sein, mnss somit aus einer solchen erst abgeleitet werden. Das Fundament der Physiologie, welche alle ein- fachen und abgeleiteten Functionen zu beschreiben und zu erklren sucht, wird also gegeben durch die Kenntniss smmtlicher Functionen des Protoplasma im freien Zustande. I Kirch die rege Thtigkeit vieler Forscher ist in dem letzten Vierteljahrhundert diese Kenntniss erheblich ge- frdert worden. Wir wissen, dass alles freie Protoplasma .Strmungen zeigt und Stoffe, die. von ihm verschieden sind, in sich aufnimmt, diese in Protoplasma verwandelt, assiniilirt, dadurch an .Masse und Volum zunimmt, d. h. wchst, bis es sich (heilt und theils nach innen, z. B. in Vaeuolen, theils nach aussen an der Oberflche neues, zum Theil dissimilirtes Material abscheidet und ausscheidet, auch eines Gaswechsels bedarf, um seine auffallendste Eigen- schaft, die Contractilitt, zu ussern, Wrme zu bilden und wahrscheinlich zugleich elektromotorisch wirksam zu werden. Ferner ist sicher, dass dem freien Protoplasma ein Unterscheidungsvermgen zukommt, welches hier eins! weileu mit dem alten Ausdruck Sensibilitt" bezeichnet werden soll. Endlich kann die Fhigkeit des frei leben- den Protoplasma sich zu difterenziren, welche schon aus der erwhnten secernirenden, dissimilirenden und exeer- nirenden Thtigkeit folgt, ebensowenig bestritten werden. wie sein Vermgen, seine Eigenschaften auf die aus ihm durch Theilung hervorgegangenen Stcke , d. h. seine Nachkommen, zu bertragen, mit anderen Worten zu ver- erben, da ja die Theilprodukte vor der Theilung das Ganze bildeten. Die von mir gewhlte Eintheilung aller dieser Func- tionen in vier Gruppen, nmlich Stoffwechsel, Kraft Wechsel, Formwechsel und Reizwechsel mag durch eine bessere ersetzbar sein, jedenfalls ist sie sehr bequem zur Ordnung der Thatsachen. Man hat hiernach als Grund- funetionen des Protoplasma : I. Die Vorgnge der Saftstrmung, Athmung, nhrung und Absonderung. Sie bilden zusammen Functionen des Stoffwechsels. II. Die Wrmebildung, Elektricittsentwicklung Er- die Be- wegung und Arbeitsleistuni;' sind Functionen des Kraft- wechsels. III. Das Wachsthum, die Theilung, Differenzirung id. h. Entwicklung i. e. S.) und Vererbung heissen zu- sammen Functionen des Formwechsels. IV. Das auf der Sensibilitt beruhende ungleiche Verhalten, namentlich bezglich, der Bewegungsrichtung, nach Einwirkung ungleicher Reize, nthigt zur Anerken- nung einer besonderen Art von nicht chemischen, nicht physischen, nicht morphptischen , sondern psychischen Functionen des Reizwechsels, welche die Empfindung, Wahrnehmung, Vorstellung und den Willen ermglichen. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. Nr. 1. Oli allen Protisten alle diese physiologischen Grund- eigenschaften zukommen, ist noch nicht ausgemacht. Viele knnen berhaupt nicht als selbstndig lebende Wesen gelten. Die Bacillen und Kokken sind zu klein, als dass mau in ihrem Innern Strmungen wahrzunehmen, thermische und elektrische Vernderungen an ihnen nachzuweisen vermchte. Sie knnen nicht in gengenden Mengen isolirt werden. Dass sie aber einen Stoffwechsel haben, ist ebenso gewiss wie ihr Wchsthuro, ihre Theilung, Beweglichkeit und Sensibilitt, und niemand fhrt ihre Lebensvorgnge auf etwas anderes als ihr Protoplasma zurck. In Betreff des in vielzelligen Wesen frei existirenden Protoplasma herrscht kaum noch ein Zweifel, dass es ganz dieselben Grundfunctinen zeigt, wie die frei lebende Ambe. In der That bieten die Leukocyten und Wander- zellen, Lymphkrper und Biudcgewebskrper und andere in hheren Organismen isolirt lebende Protoplasmagebilde, je genauer sie mikroskopisch -physiologisch untersucht werden, um so mehr Achnlichkciten mit den Amben. Quantitative oder graduelle Unterschiede, eonstante oder temporre Structurdifferenzen sind vorhanden, aber die obigen ursprnglichen Functionen, soweit sie berhaupt haben erkannt werden knnen, identisch. Besonders auffallend trat diese physiologische Ueber- einstimmung des Protoplasma der Amben und Lymph- krper der Wirbelthiere hervor, als ich. unmittelbar nach Recklinghausens Entdeckung der wie Amben wandern- den Hornhautkrpercken, im Jahre 1863 beide mit ge- frbten Partikelchen und Milchkgelehen ftterte und zum ersten Male die Intussusception fremder Krper seitens des Wirbelthierproteplasma direct nachwies. Schon da- mals erklrte ich die farblosen Blutkrper und Lymph- zellen der Batrachier sind somit wesentlich dasselbe, was die Blutzellen der Wirbellosen sind: hllenlose Proto- plasma-Klmpchen, von denen die meisten einen oder mehrere deutlich sichtbare Kerne haben." Ilckel hatte nmlich schon vorher i 1862) farblose Blutkrper einiger wirbelloser Thiere geradeso wie Amben fttern knnen und diesen sehr hnlich gefunden. Und da ich, diese wichtige Entdeckung besttigend, an den Eiterkrperchen dasselbe wahrnahm, so behauptete ich, dass die von mir damals im mndlichen Vortrage Fresszellen" genannten 'jetzt als Phagocyten bezeichneten) farblosen Blut-, Lymph- und Eiter- Krperchen durch nichts voneinander zu unterscheiden sind, als den Ort ihres Vorkommens. Ihr Protoplasma ist aber auch zur Zeit in physiologischer Hinsicht durch nichts von dem Protoplasma gewisser Amben zu unterscheiden. Ich bestreite durchaus nicht, dass das Rhizopodenprotoplasma andere (auch functionell wichtige Eigenschaften, als das Leukoeytenprotoplasma, und dieses andere als jenes haben kann, aber nachge- wiesen sind sie nicht und die bleibende Uebereinstimmung bezglich der Grundfunctinen wird dadurch nicht, weniger bemerkenswert!). Nun ist aber diese Art des Vorkommens des Proto- plasma in kleineu , vielleicht stets nur mikroskopischen, isolirten, amboiden Krperchen bekanntlich nicht die einzige. In den letzten zehn Jahren ist die zuerst von dem Entdecker der Netzstructur des Zellenprotoplasma (1867) Karl Frommann (1879 gefundene, von mir so- gleich als ausserordentlich wichtig begrsste, von Bota- nikern anfangs mit Spott aufgenommene oder ignorirte Thatsachc von dir Verbindung des Protoplasma einer Pflanzenzelle durch die Cellulosewand hindurch mit dem Protoplasma der benachbarten Zellen, zu immer grsserer Anerkennung gelangt. Die Beobachtungen hufen sich, denen zufolge in den Pflanzen fast alles Protoplasma durch feine Verbindungsstcke, in denen aber das Strmen fortgeht, zusammenhngt. Dabei ist aber je nach der Art der Arbeitsteilung, und dem entsprechend der morphologischen Differenzirung, das Protoplasma in dem einen Theil anders beschaffen und reichlicher vorhanden, als in dem anderen. Aeussere Einflsse, an welche es sich anpassen muss, namentlich Wechsel der wichtigsten usseren Lebensbedingungen, bestimmen wesentlich solche topische Verschiedenheiten, so dass unter dem EinHuss des Lichtes z. B. das Pro- toplasma der grnen Bltter aus der atmosphrischen Kohlensure Sauerstoffgas abspaltet, dagegen im Dunkeln in der Wurzel Nhrstoffe aus dem Boden aufnimmt. Kurz alle Grundfunctinen des freilebenden Protoplasma muss auch, nur in ungleichem Grade, das Protoplasma der Pflanzen, das ich der Krze wegen Phytoplasma" ge- nannt habe, besitzen. Wenn es aber auch noch so ver- schiedener Leistungen im pflanzlichen Organismus fhig ist, je nach dem Organ oder Gewebe, in dem es lebt, so wird man die vorausgesetzte Zusammengehrigkeit des Ganzen, die organische protoplasmatische Verbindung aller Theile des Phytoplasma untereinander durch feine intercellulre Fden lebenden Protoplasmas nicht mehr als unwahrscheinlich bezeichnen drfen. Diese Art des Vorkommens des Protoplasma, wonach also ein ganzes Gewehe, Organ oder Organsystem oder ein vollstndiger grosser Organismus, ein Stock, etwa ein Baum, zusammenhngendes Phytoplasma. ein Protoplasma- geblk, -Netz oder -Fachwerk enthlt, welches alle Theile mit allen verbindet, wie in dem einzelligen Radiolar, schlicsst selbstverstndlich die ersterwhnte Art seines Vorkommens in lebenden Wesen nicht aus. Vielmehr beruht meine Auffassung der Lebensvorgnge aller hheren Organismen wesentlich auf der Wechselbeziehung der frei beweglichen amboiden Zellen und dem grossen Protoplasma-Gerst. Um schleppende Bezeichnungen zu vermeiden, soll das Protoplasma der ersteren Mikro- plsm", das des letzteren Makroplasma" heissen. Dann halte ich das Zustandekommen aller Functionen eines beliebigen lebenden Krpers, auch des Menschen in seinen snmitlichen Entwicklungsstadien, fr untrennbar geknpft an die Thtigkeit des in ihm alle Theile mit allen verbindenden Protoplasma, welches ein ausserordent- lich fein verzweigtes Netzwerk bildet, Zooplasma bei Thieren, Phytoplasma bei Pflanzen. Die Maschen des Netzwerks werden durch alles brige, was allein durch die Thtigkeit des Protoplasma zur Abseheidung, Aus- scheidung und Ausbildung kam, ausgefllt. Ebenso ist das Protoplasma die Ursache aller Integumentbildungen. Mit diesem Makroplasma des lebenden Netzwerks steht nun das Mikroplasma der Amboidzellen im Wechsel- verkehr. Whrend das erstere die graue Substanz des Axencylinders aller Nervenfasern, Ganglienzellen und peripheren Sinnesepithelien, ferner die graue Substanz der Netze zwischen den Ganglienzellen in den nervsen Cen- tralorganen , smmtliches Muskelprotoplasma und Drsen zellenprotoplasma umlsst. kurz alles dasjenige Proto- plasma, welches mit dem im Axcncylinder der Nerven fasern, dem Ncuroplasma" organisch verbunden ist. be zieht sich der Ausdruck Mikroplasma" nur auf die isolirt in allen Krpertheilen sich bewegenden Amboidzellen, also namentlich Leukocyten, Lymphzellen, Schleim- krperchen, Speichelkrperchen, dann auch Freier. Samen fden. embryonalen Bildungszellen (Urkeimzellen u. a.). Die Th'atsaehen und Ueberlegungen , welche diesen Anschauungen zu Grunde liegen, namentlich den Satz begrnden, dass der Axencylinder in der Nervenfaser ganz aus Protoplasma besteht, will ich hier nicht zu- sammenstellen, weil es sieh hier nur um die allgemeine an sieh schon umfangreiche Skizzirung der Theorie, welche ich schon lauge hege, handelt und mir in erster Linie Nr. 1. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. daran liegt, die ausserordentliche Fruchtbarkeit derselben, ihre heuristischen Vortheile und ihre berraschende Lei- stungsfhigkeit in der Vermittlung unvermittelter That- sachen an Beispielen darzuthun. Ausserdem hat bekannt- lich Pflger den Gedanken eines zusammenhngenden animalen Fasernetzes" in sehr scharfsinniger Weise be- handelt. Ich war durch seine Arbeiten ber die Theorie der physiologischen Verbrennung, deren erste 1875 er- schien, um so mehr erfreut, als ich schon zehn Jahre vorher, in meinen akademischen Vorlesungen in Bonn 186.0, der damals gelufigen Vorstellung entgegengetreten war, als ob das Protoplasma eine Art Eiweiss "der Schleim, eine structurlose homogene Substanz, etwas einfaches sei. Ich nannte es zuerst eine Emulsion, reich an Eiweiss, nur die Flssigkeit im Protoplasma sei homogen, und suchte, nachdem ich 1864 hauptschlich durch den anregenden Verkehr mit Max .Schnitze in Bonn dazu bewogen, das Protoplasma der verschiedensten Herkunft unter den mannigfaltigsten physiologischen und pathologischen Ver- hltnissen beobachtet hatte, sinnitliehc Lebensvorgnge nur auf Protoplasmafunctionen zurckzufhren. Ich sprach diese in den folgenden Aufstzen nher zu begrn- dende Ansicht in mndliehen und gedruckten Vortrgen mit grosser Bestimmtheit aus, z. B. 1869: Erwgt man, dass diese vier usseren Lebensbedingungen dem einfachsten wie dem hchsten Organismus unerlsslich zum Lelien sind, bedenkt man, dass das Protoplasma des ersteren dem Protoplasma der zur Differenzirung noch nicht verbrauchten aber entwicklungsfhigen mor- photischen Elementartheile . . . des letzteren sehr hnlich ist, und nimmt man dazu, .dass alle Thiere und Pflanzen im allerersten Stadium ihres Werdens nichts anderes als ein Protoplasmaklmpchen , hnlich dem nie- dersten lebenden Krperchen darstellen, so kann man es fr hchst wahrscheinlich halten, dass alle Lebenserschei- nungen in der That nichts anderes sind als niolcculare Bewegungen des Eiweisses oder deren unmittelbare Folge und das Mysterium reducirt sich darauf, zu er- mitteln, nach welchen Gesetzen die Molekle im befruch- teten Ei u. s. w. sich so und nicht anders bewegen, wie sie es thun. Welches ist die Ursache ihrer Bewegung?" (Der Kampf um das Dasein- von W. Prever, Bonn lS(i l J, S. 40). Ferner sagte ich (in der Naturforscherversamm- lung zu Leipzig am 12. August 1872): Das Bioplasma im Ei und im Keim bildet die Grundlage, aus der alle Organe sich differenziren, es ist fr sich allein schon der Trger der wichtigsten Lebensfunctionen, da es sowohl fr sich, wie innerhalb der Organismen athmet und sich ernhrt, sich bewegt und vermehrt. Es bildet sogar, wie Haeekel entdeckte, fast ausschliesslich die Leibesmasse der niedersten Lebensformen. Es kann also nicht als eine Lebensbedingung schlechtweg bezeichnet, nicht zur Erklrung des Lebens benutzt werden, sondern ist selbst mit seinen wunderbar wechselvollen Gestalten das aller- erst zu erklrende. Durch die Bewegungen des Proto- plasma im winzigen Keim eines Samenkorns wird die unigebende Erde, die Luft und das Wasser unter dein Einfluss der Wrme in einen riesigen Baum verwandelt und durch die Bewegung im erwrmten Ei wandelt sich dessen Inhalt in ein lebendiges Thier um. Was ertheilt den Anstoss? Was zwingt die Stoffe sich so zu ordnen, dass Leben daraus resultirt? Vergebens tastet die Chemie nach einer Antwort." (Ueber die Erforschung des Lebens. Jena, Jan. 1873, S. 22.) Sodann: Das Wort Zelle ist unleugbar ein recht ntzliches Wort, aber da es ein- zellige" Wesen gibt, die ... in Stcke zerschnitten werden knnen, ohne dass die Theile aufhren, die Lebenserscheinungen des Ganzen zu zeigen, so kann un- mglich die Zelle als letztes physiologisches Element, als allgemeine Lebensbedingung bezeichnet werden, so nt't tlas auch frher geschehen ist und noch geschieht. Wenn mau nicht die Zelle, sondern die Cytode (Haeekel) als letztes morphologisches Element ansieht , so kann man dieselbe nicht auch als physiologisches Element gelten lassen. Denn wenn die Cytoden theil- bar sind, ohne Verlust der Lebenseigenschaften, dann kann man als Individuen niederster Ordnung sie nicht mehr betrachten. Es sind keine Individuen. Man nniss also auf das Molekl zurckgehen." (1872 ebenda S. 23.) Dieses bat nun in seiner bahnbrechenden Arbeit vom April 1875 Pflger zuerst gethan, welcher merkwrdiger Weise bezglich der Herkunft und ununterbrochenen Selbstzersetzung des lebenden Protoplasma dieselben Ideen aussprach, wie ich sie in einer nur wenige Tage vorher verffentlichten Abhandlung (Die Hypothesen ber den Ursprung des Lebens-, erschienen Ende Mrz 1875) vor- getragen hatte. Die Pflgersche Begrndung, namentlich der Herkunft des Protoplasma aus einem feurigen Stoff- gemenge, ist aber eine total andere als die meinige, welche mich zu demselben Ergebniss gefhrt hatte. Ich setze im Folgenden die Kcnntniss jener Untersuchungen ber thierische Verbrennung voraus und werde nun zu zeigen versuchen, wie die oben zusammengestellten all- gemeinen oder Grund-Functionen des freien Protoplasma in allen, auch in den hchst entwickelten lebenden Krpern, nur durch die Thtigkeit des in ihnen enthaltenen Makro- plasma und Mikroplasma zu Stande kommen. Dabei verstehe ich aber unter beiden durchaus nicht etwas einfaches "der bestndiges, sondern, wie ich es schon lngst bei .jeder Gelegenheit vorgetragen habe, etwas ausserordentlich zusammengesetztes und vernder- liches, und wenn ich sagte: Was ist berhaupt Proto- plasma? Was ist Eiweiss? Jedenfalls etwas hchst Vernderliches, jedenfalls keine ehemische Verbindung, sondern ein beraus complicirtes Gemenge von testen und flssigen Krpern, die in fortwhrender Zersetzung, in stets wechselnden Dissociationen , Substitutionen, Syn- thesen begriffen sind- (in der Zeitschrift Kosmos" 1. Bd. S. 386, Leipzig 1877), so habe ich damit garnicht etwa nur die chemische, physikalische und morphologische Coniplicirtheit und Vernderlichkeit des freien Proto- plasma andeuten wollen, sondern auch die des Protoplasma in den hheren Thieren und Pflanzen, wie schon aus mehreren Stellen in frheren Schriften von mir und aus- fhrlicheren Darlegungen iu Vortrgen hervorgeht (vgl. auch meiue ..Elemente der allgemeinen Physiologie", Leipzig 1883), z. B. aus dem Satze: Leicht liesse sich . . . zeigen, wie alle bekannten im lebenden Pro- toplasma, und dadurch in allen Organismen, statt- findenden Vorgnge die Strmungen, Stoff-Wanderungen und -Wandelungen bei der Ernhrung und Athniung, die Wrmeentwicklung, die Gestaltnderungen, das zeitweilige Waehsthum, die Theilung und der Tod auch in Systemen anorganischer Krper sieb wiederfinden Deut- sche Rundschau I. Bd., Heft 7. S. 72: erschienen Ende Mrz 1875). Die Aufgabe, welche vorliegt, ist also diese: Es soll nachgewiesen werden, dass smmtliche Grund- funetionen des freien Protoplasma auch den hchst diffe- renzirten Organismen zukommen, aber in einer durch die Differenzirung sehr ungleichen Vertheilung, ferner dass alle Functionen, auch die der hchst differenzirten < Irga- nismen, einschliesslich des Menschen, nichts anderes sind als Functionen des in ihnen enthaltenen Protoplasma, endlich dass alle Grundfunctionen eines lebenden Krpers nothwendig miteinander zusammenhngen mssen, weil alle an eine zusammenhngende Protoplasmamasse ge bunden sind. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. Nr. 1. Ein Baumkirchhof. Vom Landesgeologen Prof. Dr. G. Bereu (lt. Wer htte nicht bereits gehrt oder gelesen von den 100 bis nahezu 200 Fuss ansteigenden, vom Scheitel bis zur Suhle aus dem Flugsande des Meeresstrandes auf- gewehten, meilen- und meilenlang sich hinziehenden Dnen der frischen und namentlich der kurischen Nehrung? Wer htte nicht mit einem gewissen Gefhl der Sicherheit einerseits und des Mitgefhls andererseits die Berichte vernommen von dem langsamen aber sicheren Wandern dieser hohen Dnen landeinwrts,*! von den durch sie dort verschtteten Wldern und unter ihrem hohen Kamme allmlig begrabenen Drfern, deren Vorhandensein bis vor Jahrzehnten den Bewohnern jener Gegenden noch erinner- lich war**), ja deren alte Hausstellen jetzt, nach Menschen- altern am entgegengesetzten Fusse des Dnenkammes ebenso allmlig wieder zum Vorschein kommen?***) Wen beschliebe nicht ein leiser Schauer ob der Vergnglich- keit und Unbestndigkeit alles Irdischen bei der einfachen Schilderun begrabenen des mit den ersten Hausstellen eines dieser Drfer f) wieder zum Kirchhofes, Vorschein gekomme- Baumkirchhof im Grund neu dessen schlichte Holzkreuze im Jahrzehnte lang darber lasten- den Sande eben- so vollstndig ver- modert und dann mit dem Sande fortgeweht, wie seine Leichen auf's zarteste zu Skeletten prpa- rirt waren, die nun, langsam Rei- he nach Reihe durch die Sand- wehen freigelegt, in derselben Son- ne bleichten und demselben See- winde preisgege- ben waren, denen jene Fischer im Leben einst getrotzt hatten. Aber nicht jedem ist es vergnnt, die Dneneinsam- keil der frischen oder der kurischen Nehrung in ihrer Grossartigkeit zu schauen und doch wnscht so mancher sieh ein Bild zu verschaffen von diesem langsamen und stillen Wirken der rastlos thtigen Natur. Daher sei es mir gestattet den Leser heute in eine ihrer hnlichen aber kleineren Werksttten zu fhren, die bei weitem den meisten leichter zm anglich sein drfte. Ein einfacher Nachmittagsspaziergang von dem bekannten und viel- besuchten Ostsee Badeorte Misdroy aus fhr! uns dorthin. I Uebei' Messung des Duen-Vorrckens u. a. s. Nheres in Geologie des kurisclien Haffes u. .- Umgebung". Knigsberg i. Pr 1869. s. 85 IV. i (Jebev dem zu Anfang dieses Jahrhunderts auf der ku- rischen Nehrung vom Sande verschtteten Dorfe Karwaitcn, der Geburtasttte des in Ostpreussen, zugleich :ils Dichter, noch in gutem Andenken stehenden Konsistorialrath Rhesa, der auch den Untergang seines Drfchens in einem wehmthigen Linie (s. Pru- tena, I. Theil. 1809. S. 45) besingt, erhebt sich heute der Diinen- ka i im sogenannten Karwaitenschen Berge zu 183 Fuss Hhe. **) s. ;. Berendt, ,Reise ber die Kurische Nehrung" in Utprcuss. Monatsschrift, Bd. IV. 1867. S. 216. S. a. Bezzen- berger Die Kurische Nehrung und ihre Bewohner" in Forschungen /.uv deutschen Landes- und Volkskunde, Stuttgart 1S89. f) Das ehemalige DorfKunzcu bei Rossitten. Altpr. Monats- schi'ift a. a, ( I, Folgen wir dem Wege ber den zum Nachmittagskaffe so beliebten Kaffeberg weiter durch die schn bewal- deten Uferhhen, so weist uns bald ein Wegweiser halb links Zum Baumkirchhof." Die meisten Badegste sind mehr oder weniger oft diesem Wege gefolgt, der im tiefen Waldesschatten zu einer durch ihre Abgeschlossen- heit etwas melancholisch stimmenden Senke inmitten der allseitig aufragenden Uferhgel hinabfhrt, haben auch in der Regel die an einer alten Buche angebrachte Tafel mit der Aufschrift Baumkirehhof" gelesen, selten aber einen anderen Kindruck von diesem Baumkirehhof mit- gebracht, als den eines einsamen, Kirchhofsstille athmen- den Pltzchens im Walde, das noch des weiteren durch einige besonders alte Bume sich auszeichnet. Wer jedoch aufmerksamer um sich schaut, besonders angeregt durch den Namen Baumkirehhof" und im An- gedenken, dass der Deutsche bei einer Nameugebung, Aus- legung, allerdings auch sich in der Regel mehr zu denken pflegt als andere Nationen, der bemerkt bald, dass gerade die alten Bume, Misdroy. . 1 i deren verschiede- ne zwischen den jungen Stmmen sichtbar werden, nach dem zur Seeseite hin sich erhebenden Berg- abhange immer krzere Stmme zeigen, ja dass einer derselben wirklich bis zur Krone hinauf im Erdboden steckt und seine gewal- tigen Aeste un- mittelbar aus demselben in die Lfte reckt. Un- willkrlich wird man an einen Er- trinkenden erinnert, der seine Arme hlfesuchend in letz- ter Anstrengung emporstreckt. Und wirklieh sehen wir hier einen bis in die Krone hinein im Sande begra- benen Baumriesen vor uns. Ja wenn wir den Bergabhang hinaufsteigen, einem unscheinbaren, in seinen Anfngen garnicht sichtbaren Fusssteige folgend, erkennen wir, dass noch einige dieser Baumriesen unbemerkt hier ihr Grab gefunden haben. Ich sage unbemerkt, denn ihre noch ans dem Boden emporstrebenden Aeste halten die meisten hierher sich verlierenden Badegste, ohne sich ber die weniger schlanke Form Rechenschaft zu geben, wohl eben falls fr junge Stmme, wie sie als geschlossener Wald ringsumher auf den Grbern diese Baumgeneration aufgeschossen sind. Wir haben es also in der That mit einem Baum kirchhof, wenn man so sagen darf, zu thun. Und steigen wir den Abhang vllig hinauf, so belehrt uns der schlanke Wuchs der nur in liefern Sande so freudig gedeihenden Kiefern auf der Hhe, vereint mit dem ungehindert Strand- auf und ab, wie ber die See hin, freischweifenden Lcke, sehr bald ber den Urheber des einst hier stattgefundenen Begrbnisses. Derselbe frische Seewind, der ebenso un- gehindert wie unser Blick auf die See hinaus, Jahr aus, Jahr ein ber die weite Flche derselben daherfegend, uns pltzlich hier oben umbraust, er lauert gleichsam nur untergegangenen Nr. 1. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. auf jede Lcke im Walde, durch die er, sei es nun den auf dem Strande getrockneten oder, wie in diesem Falle bei hohem Steilufer, den aus letzterem zu Zeiten rauch- artig emporgewirbelten Saud Verderben bringend landein- wrts treiben kann. So ist es ihm auch offenbar vor Jahrzehnten einst gelungen an dieser Stelle, wahrscheinlich in Folge wirth- schaftlich vorgeschriebenen, aber in solchem Falle stets unheilvollen Abtriebes des zum Schlage reifen Waldes auf der Hhe der Uferkante, den Sand ber diese hinweg in die dahinter liegende Senke zu treiben, deren Laubwald wie die alten Baumriesen beweisen, langsam aber sicher begrabend. Nur die grsste Energie einer geregelten Forstwirtschaft vermag es in solchem Falle den began- genen Fehler wieder gut zu machen und der Verwstung noch einmal Halt zu gebieten. Ihr nur ist es auch im vorliegenden Falle zu danken, dass der Versandung durch Wiederaufforstung der Hhe endlich Halt geboten wurde und so ein neuer Laubwald auf dem allen Baumkirchhof in die Hhe kommen konnte. Doch nicht immer gelingt es, dem Winde und seinen Sandwehen zum Trotz, einen Wald in die Hbe zu bringen; und wenn der geneigte Leser mir noch auf dein be- gonnenen Spaziergange ein weniges weiter folgen will, so bin ich im Stande ihm einen ganz tri sehen Baum- kirchhof zu zeigen, wo der Wind noch ungehindert sein grausames Werk des Lebendigbegrabens fortsetzt. Ver- folgen wir den vorhin verlassenen Hauptweg, bei der ge- nannten Tafel vorber kaum mehr als 100 Schritte weiter, so linden wir bei einem rechtwinklich sich abzweigenden unscheinbaren Fusswege linker Hand einen Wegweiser mit der Aufschrift zum weissen Berge." Folgen wir ihm ! Er fhrt uns durch ganz junges Stangenholz in wenigen Minuten zu einem kstlichen Aussichtspunkte, von dessen Bank auf dem hohen Steilrande der Uferkante man seinen Blick ber See, Strand und dicht bewaldete Uferhhen nicht nur bis zu dem hinter den letzteren hervorblicken- den Seebnd Misdroy, sondern, im nebenstehenden Bildchen nicht mein- siebtbar, auch an Swineninde, Ahlbeck und Heringsdorf vorbei bis zum fernen Streckelberg vor Zinno- witz schweifen lassen kann. Was unsern Blick aber in diesem Augenblick mehr fesselt als das in der Wirklichkeit selten schne Land- schaftsbild, das ist der allernchste Vordergrund zu unsern Fssen. Ein kahler, wunderbar sanft und regelmssig gerundeter, bei Sonnenschein fast blendender Sandhgel (s. d. Skizze) liegt vor uns. Es ist der auf dem Weg- weiser angedeutete weisse Berg," in Wirklichkeit ein fris c h e r B a u m k irchh o f. Frisch vom rastlosen Seewinde auf der Hhe der Uferkante aufgeweht und noch tglich durch ihn gespeist, huft stell der Sand hher und immer hher ber einer garniebt mehr so jungen Kiefernschonung. Nur die usser- sten Spitzen der weit ber mannshohen Stmmchen ragen noch hie und da aus der sammetartigen Flche hervor. Sie sind schon vllig verdorrt, auch der letzten Nadel durch ihren Todtengrber beraubt, whrend die weiter und weiter dem Rande des Hgels zu sichtbaren Bum- chen, je hher sie aus ihrem weichen Grabe emporragen noch desto volleren Nadelschmuck und desto frischeres Grn desselben zeigen. Also hier wie auf der kurischen Nehrung dieselbe Ur- sache, dieselbe Wirkung; hier im Kleinen, dort im Grossen. Aber bei aller Gleichartigkeit immer wechselnde Bilder und immer wechselnde Folge derselben. Ebenso langsam wie hier Reibe fr Reihe der jungen Bume im Sande verschwindet, ebenso langsam kommt dort auf der Neh- rung Reihe fr Reihe der bleichenden Gerippe wieder zum Vorschein. So kommen und verwehen, hier Wlder dort Menschengeschlechter und die Zeit gebt darber hin wie Sanddnen und Wasserwellen im steten Wechsel von Blhen und Verwelken, von Sommer und Winter, von Leben und Sterben. Aber, Gott sei Dank, dass auch dieser Wechsel der Zeit ebenso wenig bestndig sein wird, wie irgend etwas Irdisches und dass wir Grund zur Hoffnung haben, auf ein vollkommenes Jenseits, wo berhaupt kein Tod mehr sein wird, sondern ewiges Leben. Die IX. Generalconferenz der Internationalen Erdmessung. Von Prof. Dr. Vom 2. 12. October 1889 tagte in Paris die IN. Ge- neralconferenz der Internationalen Erdmessung. Durch die Denkschrift des Generallieutenant Dr. J. .1. Baeyer: Ueber die Grsse und Figur der Erde" an- geregt wurde im Jahre 1861 unter lern bescheidenen Namen der Mitteleuropischen Gradmessung" ein Unter- nehmen ins Leben gerufen zu dem Zwecke, durch Ver- einigung geodaetischer Messungen mit astronomisch -geo- graphischen Ortsbestimmungen die Grsse und Figur zunchst eines Theiles der Erdoberflche in einheitlicher Weise und mit allen der Wissenschaft zu Gebote stehen- den Mitteln festzustellen. Das Unternehmen nahm einen raschen Aufschwung, so dass auf den Geueralconferenzen der Delegirten der betheiligten Staaten in den Jahren 18G4 und 1867 beide Male zu Berlin bereits ber gnstigen Fortgang der Arbeiten Bericht erstattet werden konnte. Schon auf der II. Conferenz im Jahre 1867 wurde in Folge des Beitrittes von Frankreich, Spanien und Portugal der Name Mitteleuropische Gradmessung in den einer Europischen Cradniessung" umgendert und es landen weitere Geueralconferenzen 1871 in Wien, IST! in Dresden, 1877 in Stuttgart, 1880 in Mnchen und 1883 in Rom statt. Im Jahre 1885 starb der hochverdiente Begrnder der Internationalen Vereinigung, der bis an sein Lebens- fh. Albrecht. ende an der Spitze derselben gestanden hatte, und es erfolgte Dank der Initiative des Preussischen Unterrichts ministers, welcher mit lebhaftem Interesse fr ein Yer bleiben des Centralbureaus in Preussen eintrat, eine Re- organisation des weitumfassenden wissenschaftlichen Unter- nehmens. Auf der VIII. Generalconferenz in Berlin im Jahre 1886 wurden die vorlufigen Vereinbarungen seitens der Delegirten der einzelnen Staaten gut geheissen und zugleich, der fortgesetzten Entwicklung der Gradmessung Rechnung tragend, die Umnderung des Namens in Inter nationale Erdmessung- 'Association geodesique inter- nationale) beschlossen. Eine solche Erweiterung erschien um so mehr angezeigt, als inzwischen auch aussereuro pisehe Staaten der Vereinigung beigetreten waren und derselben gegenwrtig bereits die Vereinigten Staaten von Nordamerika, .Mexico, Chile, die Argentinische Re publik und Japan angehren. In Europa sind bis jetzt nur England und die Trkei dem Internationalen Unter- nehmen fern geblieben. Die IN. Generalconferenz wurde einer Einladung der Franzsischen Regierung folgend im October 1889 in Paris im Sitzungssaal des Ministeriums des Aeusseren abgehalten. 38 Vertreter von 15 Staaten (im Ganzen sind der Internationalen Erdmessung 26 Staaten beige treten) wohnten dieser Conferenz bei und hatten sieb 6 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. Nr. 1. einer sehr entgegenkommenden Aufnahme seitens der Franzsischen Regierung zu erfreuen. Nicht allein, dass der Minister des Auswrtigen Spuller im Beisein der Minister Freycinet und Falberes den Congress mit einer Ansprache erffnete und ihn im Namen der Franzsischen Regierung bewillkommnete, es wurde den Delegirten auch die Ehre eines Empfanges beim Prsident Carnot zu Theil. welcher dieselben nach erfolgter Vorstellung und Begrssung zur Theilnahme an einer Musikauffhrung in den glnzenden Reprsentationsrumen des Elysees ein- lud. Unter den weiteren Festlichkeiten, welche zu Ehren des Congresses veranstaltet wurden, ist ein Diner heim Minister Spuller und ein solches im Hotel Continental her- vorzuheben, eine Vorstellung in der Grossen Oper und ein Besuch <\<-< Eiffelthurmes bis zur vollen dem Publicum nicht zugnglichen Hhe von 300 Meiern auf Einladung und unter Fhrung Eiffel's, des genialen Erbauers dieses ebenso imposanten als schnen Bauwerkes. Auch wurden den Delegirten gleich bei Beginn des Congresses perma- nente Eintrittskarten fr die Ausstellung zur Verfgung gestellt. Den Gegenstand der Verhandlungen bildete zunchst der Bericht der Permanenten Commission seitens des stndigen Secretrs derselben Prot. Hirsch und derjenige des Centralbureaus seitens Prof. Helmert, dem Nachfolger von General Baeyer in der Leitung des Centralbureaus und des Preussischen Geodtischen Instituts. Alsdann folgten die zusammenfassenden Berichterstattungen ber die astronomischen Bestimmungen der Lngen, Breiten und Azimuthe durch Prof. van de Sande - Bakhuyzen (Niederlande), die Triangulationen durch General Ferrero Italien i, die Basismessungen durch Commandant Bassot (Frankreich), die Prcisionsnivellements durch ltter von Kalmar (Oesterreich-Ungarn), die Mareographen durch Marquis de Mulhacen (Spanien), die [ntensittsbestimmun- gen der Schwere sowie die Lothablenkungen durch Prof. Helmert (Preussen). Den Schluss bildeten die Berichte der Delegirten ber die Fortschritte der Arbeiten in den einzelnen Lndern. Es wrde hier zu weit fhren, einen bis ins Einzelne gehenden Berieht ber die Verhandlungen zu geben; aus der fidle dessen, was auf diesem Congress geboten wurde, mgen aber einige Hauptergebnisse von allge- meinerem Interesse hervorgehoben werden. Zunchst konnte allseitig ber guten Fortgang der arbeiten berichtet und zugleich constatirt werden, dass das Unternehmen der Internationalen Erdmessung durch Hinzu- treten neuer Staaten eine bestndige Erweiterung erfahrt, so dass es in immer umfassenderer Weise seine Aufgabe : die Grsse und Figur der Erde zu bestimmen, erfllen kann. In betreff der mathematischen Gestalt der Erde ge- langte ferner die Ansicht zum Durchbrach, dass es zur Bestimmung derselben nicht hinreichend sei, einzelne Messungen von Meridian- bezw. Parallel-Bgen mit ein- ander zu combiniren. Es hat sich als unerlsslich heraus- gestellt, die einzelnen Gradmessungen durch Zwischen -linier mit einander zu verbinden, da sehr wohl der Fall eintreten kann, dass die Bogen zwar denselben Ellipsen entsprechen, dass aber die Rotationsaxen und die Mittel- punkte der einzelnen Ellipsen fr die verschiedenen Meridianbgen nicht zusammenfallen. Ein sehr bemerkenswerthes Resultat hat die nivelli- tische Verbindung der verschiedenen Mareographen unter einander ergeben. Whrend man noch vor wenigen Jahren nicht unbetrchtliche Hhenunterschiede der ein- zelnen Meere als erwiesen annahm, hat sich gegenwrtig nach Bercksichtigung aller erforderlichen Correctionen das interessante Resultat ergeben, dass abgesehen von vereinzelten lokalen Strungen innerhalb der Europa um- gebenden Meere nirgends Hhenunterschiede aufgefunden worden sind, welche sich nicht durch die Unsicherheit der die Meere verbindenden Nivellements erklren lassen. Hinsichtlich der allmhlichen Senkung des centralen Theiles von Frankreich, welche aus der Vergleichung der Resultate des noch in der Ausfhrung begriffenen Nivelle- ment general de la France mit denen des lteren Bour- daloue'schen Nivellement gefolgert worden war, hat sich ergeben, dass eine solche Senkung thatschlicb nicht existirt, sondern dass die Unterschiede in den Ergebnissen beider Nivellements lediglieh auf systematische Fehler des lteren Nivellement zurckzufhren sind. Die gleichzeitigen Polhhenbestimmungen, welche seit Anfallt;- des Jahres 1889 in Berlin, Potsdam, Strass- burg und Prag zu dem Zwecke ausgefhrt werden, um endgltig festzustellen, ob die geographische Breite inner- halb krzerer Zeitperioden Schwankungen unterworfen sei, haben in der Berichtsperiode von Anfang Januar bis Ende Juni 1889 in betreff der Existenz derartiger Schwan- kungen ein negatives Resultat ergeben. Endlich wurde von General Ferrero in Anregung gebracht, die grundlegenden und im Buchhandel ver griffenen Werke der Geodsie auf photozinkographisehem Wem' zu vervielfltigen und dieselben dadurch den Thcil nehmern an der Internationalen Erdmessung zugnglich zu machen. Als Beweis der leichten Durchfhrbarkeit dieses Vorschlages legte General Ferrero einige Exemplare des Thesaurus Logarithmorum completus (der bekannten lOstelligen Logarithmentafel von Vega) vor, deren Her- stellungskosten sich bei einer Auflage von 500 Stck auf mir ."> Francs belaufen, whrend gegenwrtig Exemplare dieses Werkes nicht unter 10) Mark zu beschallen sind. leber die beslc und praktischste Methode, um Ab- lallstoffe zu desinficiren, hat von Gerlczy im Pester hygienischen Institute Versuche angestellt. Als Versuchs- objekte whlte derselbe Senkgrubeninhalt, Canalflssig- keit, Canalschla i, trockenen Strassenkehricht und frische Excremente; als Desinfektionsmittel prft er Sublimat, Kupfervitriol, Zinkvitriol, Eisenvitriol, Carbolsure, Car- bolkalk, Creolin, Oxynaphtholsure , rohe eoncentrirte Schwefelsure, frisch gelschten Kalk, siedendes Wasser, heisse und abgebrhte Holzaschenlauge, sowie starke Kochsalzlsung. Aus den interessanten Versuchen heben wir hervor, dass Sublimal und Carbolsure fr die Desinfektion der genannten Abflle nichl dasjenige leisten, was man von diesen als wirksame Desinfektionsmittel bekannten Stoffen erwarten soll. Zumal erscheinen dieselben nicht geeignet, um Senkgrubeninhalt und ganz frische Excremente in kurzer Zeit vollstndig zu desinficiren. Als sehr zweck massig zur Desinfektion des Senkgruben- und Canal- inhalies erwies sich Kupfervitriol. Trockener Strassenkehricht wurde mit den obengenannten Sub- stanzen niemals desinlicirt. Daher empfiehlt es sich, den Kehricht anzufeuchten und mglichst schnell aus der Stadt abzufa liren. Zur Desinfektion frisch er Excremente bewhrten sieh Kupfervitriol (1 g auf KHK cem), Kalkmilch (1 Theil Kalk in 20 Theilen Wasser gelscht und hiervon 1 Theil zu 5 Theilen Ex- crementen zugesetzl . sowie siedende Holzaschenlauge (] Theil Asche auf _' Theile Wasser und hiervon 3 Theile zu 1 Theil Excremente zugegeben). Kreisphysikus Dr. L. Schmitz. Nr. 1. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. Das Celebes - Schwein. Durch die Unter- suchungen von Mller und Schlegel (18391844) hat die europische Wissenschaft zuerst nhere Kunde von den verschiedenen Wildschwein-Arten erhalten, welche auf den grsseren und kleineren Inseln des zwischen Sdost-Asien und Australien sieh ausbreitenden Archipels existiren. Eine dieser Arten ist das Celebes-Sehwein, Sus eelebensis. Doch sind von vielen Autoren nachtrglich Zweifel dar- ber erhhen worden, ob (las Celebes-Sehwein als eine besondere Art anzusehen sei; man betrachtet es meistens nur als eine kleinere Form des javanischen Pustelschweins (Sus verrucosus). Durch die eingehenden, auf ein reiches Material ge- sttzten Untersuchungen, welche ich krzlich ber Sus eelebensis und Verwandte anstellen konnte, glaube ich nachgewiesen zu haben, dass das Celebes-Sehwein nicht nur eine selbstndige, sondern auch eine sehr merkwrdige, alterthmliche Species von Wild- schweinen bildet, welche das Interesse der Zoologen, Palaeontologen und Zoogeographen in vieler Hinsicht verdient. Dieselbe kommt nicht nur auf Celebes vor, son- dern auch auf den Philippinen (namentlich auf Luzon) und auf den Molukken (namentlich auf Morotai, Halma- hera, Batjan); sie hat also eine viel grssere Verbreitung, als mau bisher annahm, und man darf aus dieser geogra- phischen Verbreitung des Sus eelebensis den Schluss ziehen, dass whrend einer gewissen Epoche der Vorzeit eine nhere Verbindung zwischen Celebes und den genannten Insel-Gruppen existirt hat, sei es nun. dass eine feste Landverbindung vorhanden war, oder dass die trennenden Meerestheile ehemals viel schmaler, die betreffenden Inseln also ausgedehnter waren, als heutzutage. Das Celebes-Sehwein bildet zusammen mit dem Pustel- schwein (Sus verrucosus i, dem Langrsselschwein (Sus longirostris) und dem Bartschwein (Sus barbatus) eine be- sondere Gruppe von Wildschweinen, welche sowohl durch ussere Charaktere, als auch namentlich durch die Eigen- thniliehkeiten des Schdelbaues und des Gebisses sieb von den anderen Wildschweinen unterscheiden. Das Pustel- schwein ist hauptschlich von Java bekannt, soll aber auch auf Borneo und Ceram vorkommen; das von mir als be- sondere Art unterschiedene Langrsselschwein lebt auf Borneo und Java, das Bartschwein auf Borneo und (wie ich jetzt nachgewiesen habe) in einer zwerghaften Varie- tt auf Palawan. Genaue Naehweisungen hierber, sowie eingehende Beschreibungen und Messungen finden sich in meiner so eben erschienenen Arbeit: lieber Sus eelebensis und Verwandte", mit 15 Holzschnitten und 2 lithographirten Tafeln, 3 1 Seiten in gr. Quart, Berlin 1889 bei Fried- lnder u. Sohn, Sep.-Abdr. aus d. Abb. u. Ber. des K. Zool. u. Anthrop. -Ethnograph. Museums zu Dresden, her- ausgegeben von A. B. Meyer. Prof. Dr. A. Nchring. Die Frage, ob Giftschlangen durch ihr eigenes Gift getdtet werden knnen, ist von verschiedenen Autoren in verschiedenem Sinne beantwortet worden. Namentlich war es Weir-Mitchell in Philadelphia. welcher diese Mglichkeit fr die Klapperschlange nach angestellten Experimenten behauptete, whrend schon der alte Fontana sie fr die Viper, Russell, Fayrer, Richards, Nicholson und Hopley fr die Naja tripudians und Breton und Fayrer fr smmtliche Giftschlangen in Abrede stellte. Waddell legt ein besonderes Gewicht darauf, dass die zu den einschlgigen Versuchen benutzten Thiere frisch gefangen und nicht schon lngere Zeit im Kfig gehalten sind, weil die Gefangenschaft hchst ungnstig auf die Sehlangen einwirkt. Er experimentirte mit der Brillenschlange, Naja tripudians, welche Thiere er mit ihrem eigenen, mit gleichen Theilen Wassers verdnnten Gifte durch sofort nach der Gewinnung vorgenommene subcutane Injectiou am Kcken zu vergiften versuchte. Diese Schlangen blieben vollstndig gesund und zeigten, als sie nach einer Reihe von Tagen getdtet wurden, bei der Obduction keine krankhaften Vernderungen, whrend gleichzeitig mit ihnen durch subcutane Injectiou de- gleichen Giftes behandelte Versuchstiere (kleine Vgel und junge Hhner) in ungefhr 10 Minuten bis hchstens 37 Minuten unter den charakteristischen Er- scheinungen der Schlangenvergiftung zu Grunde gingen. Eine Selbstvergiftung dei Schlangen hlt Verf. also fr ausgeschlossen und ist bemht, die gegenteiligen Beo baehtungen des genannten Experimentators als Todesflle durch Septicmie und nicht durch Schlangengift bedingt darzuthun. Eine zweite Versuchsreihe sollte darber aufklren, ob Giftschlangen durch das Gift anderer Schangenarten getdtet werden knnen. Es wurden zu diesem Zwecke Exemplare der Grubenviper, Trimeresurus erythrurus und Trimeresurus gramineus mit Brillenschlan- gengift subcutan behandelt. Sie starben smintlich in ungefhr einer Stunde unter den Erscheinungen des Schlangenbisses. Auch andere Beobachter haben hierber Untersuchungen angestellt und aus diesen -cht hervor, dass der Biss von Naja tripudians fr Daboia russellii wirkungslos, fr Bungarus fasciatus zweifelhaft wirksam. fr Echis carinata tdtlich, von Daboia russellii fr Naja tripudians wirkungslos, fr Bungarus fasciatus wirkungs- los, fr Bungarus caeruleus wirkungslos, von Bungarus caeruleus fr Naja tripudians wirkungslos, fr Echis carinata zweifelhaft wirksam, von Bungarus fasciatus fr Naja tripudians wirkungslos, von Echis carinata fr Bungarus caeruleus wirkungslos ist. Alle kleinereu nicht giftigen Schlangen, sind bei des Verf. Versuchen mehr oder weniger schleunig dem Klapperschlangenvjfte erlegen. Er befindet sieh in Uebereinstimmung mit an- deren Beobachtern. Die grossen Arten (Python und Ptvasi standen ihm nicht zur Verfgung. Wir befinden uns hier einem Probleme gegenber. Wie kommt es. mssen wir uns fragen, dass das Schlan- gengift fr die Schlange selber unschdlich ist, whrend es andere Thiere tdtet? Besondere Unterschiede in der ( rganisation des Schlangenkrpers gegenber derjenigen der anderen Thiere anzunehmen, ist doch absolut unzu- lssig. Es wrde hierfr noch eine gewisse Spur von Wahrscheinlichkeit vorliegen, wenn der Biss der Schlangen nur auf die Warmblter tdtliche Wirkung bessse. Da durch denselben aber auch die kaltbltigen Thiere, bis zum Alligator inclusive, und sogar auch andere Gift- schlangen getdtet werden, so muss eine solche Annahme gnzlich von der Hand gewiesen werden. Da nun aber die Immunitt der Schlangen gegen ihr eigenes Gift eine ununistssliche und experimentell bewiesene Thatsache ist. so muss sich hierfr doch auch eine Erklrung finden lassen. Waddell hat den Versuch gemacht, eine solche Erklrung festzustellen. Er glaubt, dass durch die un- zweifelhaft sehr hufig vorkommenden kleinen Verletzun- gen der Mundschleimhaut bei den giftigen Schlangen fortwhrend kleine Mengen ihres eigenen Giftes in ihren Blutkreislauf und ihre Krpersfte eingefhrt werden, und dass durch diese immer wieder von Neuem eintretende Minimalvergiftung allmhlig eine Immunitt des Schlangen- krpers gegen das Gift hervorgerufen wird, wie man das ja auch in gleicher Weise bei Impfungen anderer Natur nachgewiesen hat. Untersttzt wird diese Hypo these durch den Umstand, dass, wie wir oben gesehen haben, nicht alle Giftschlangen dem Gifte anderer Schlau- gen erliegen, sondern dass dasselbe bei einigen ganz wirkungslos ist. Und hierbei zeigt es sieh, dass immer Naturwissenschaftliehe Wochenschrift. Nr. 1. die strker giftige Schlangenarl bei der schwcher gif- tigen den Tod herbeizufhren vermag, whrend das eilt der Letzteren auf die Erstere ohne jede schdliche Ein- wirkung bleibt. Wahrscheinlich muss man fr das Gift verschiedener Schlangenarten auch gewisse Unterschiede in der chemischen Zusammensetzung annehmen. Weir- Mitchell und Reicher! haben im Schlangengifte drei Pro- teinsubstanzen (Venom-Albumin, Venom-Globuliu und Ve- noin-Peptone nachgewiesen. Eine Ungleiehmssigkeil in dem Verhltniss dieser drei Stoffe knnte eine Erklrung fr die Unterschiede in der Giftwirkung hei den ver- schiedenen Schlangenarten abgeben. Vgl. L.A. Waddell (Silliguri, Bengalen.) Are venomous- snakes auto toxic? An inquiry into tbe effect of serpent- venom upon the serpents themselves. Scientific Memoirs by Medical Officers of the Armv of India. Part. IV. Calcutta L889. Dr. med. Max Bartels. Ueber die Pilzsymbiose der Leguminosen. Nach meinen neuesten Untersuchungen, welche in vor- lufiger Mittheilung in den Berichten der Deutsch, bot. Gesellsch. vom 25. October d. .1. publicirt worden sind, ist es mir gelungen, das symbiotische Microb, welches die Wurzelknllchen der Leguminosen veranlasst, auf seinem Wege ans dem Erdboden in die Pflanze und aus dieser wieder zurck in den Boden lckenlos zu verfolgen. Es sind beraus kleine mieroeoeeen- oder bacterienartige Krperchen (0,91,3 ,"l. welche angelockt durch eine Ausscheidung der Wurzel sieh ausserhalb der Wurzel- liaare oder der Wurzelepidermis ansammeln, dann unter mehreren besonderen Eigenheiten in die Zellen eindringen und sich mit dem Plasma der Leguminosenwurzel ver- mischen, welches in diesem verpilzten Zustande (Myco- plasma) neue Eigenschaften annimmt. Eine der letzteren bestellt darin, reichlich Eiweissstoffe zu erzeugen und sich umzuformen zu den spter in den Knilchen sieh bilden- den sogenannten Bakterofden, welche bisher von Manchen irrig fr die Microorganismen seihst gehalten wurden. In denselben sind aber die Keime jener Mieroeoeeen einge- schlossen, und diese bleiben zurck, wenn in den alt- werdenden Knilchen der Bakteroiden von der Pflanze resorbirt und zu anderweiten stofflichen Bildungen ver- werthet werden. Aus den verwesenden entleerten Knil- chen gelangen die micrococcenartigen Krperchen wieder in den Erdboden. Es gelingt, dieses Mikrob auf Gelatine in Reinkulturen zu zchten und durch Impfungen sterili- sirtcr Nhrstofflsungen mit kleinen Mengen aus solchen Reinkulturen wiederum Knllchenbildung an den in soleheu Nhrstofflsungen w achsenden Leguminosen hervorzurufen. Damit ist die von mir vor U> Jahren sei gemachte Beobachtung, dass die Leguminose in sterilisirtem Erd- boden keine Knilchen bildet, besttigt und erklrt. Die Symbiose mit dem Knllchen-Mikrob bi einen Impuls aul' eine ganze Reihe von Lebensthtigkeiten der Leguminose zugleich aus. Die schon mehrfach fr eine teststehende Wahrheit ausgegebene Hypothese, wonach das hier betheiligte Mikrob den elementaren Stickstoff der Lull fr die Leguminose zu brauchbaren Stickstoffver- bindungen verarbeitet, verlier! an Wahrscheinlichkeit. Es werden durch diese Symbiose nachweislich folgende Lebens- thtigkeiten erhht: das Wachsthum, die Chlorophyllbil- dung, die Assimilation der Kohlensure in den Ckloro- phyllkrnern, die Assimilation freien Stickstoffes. Diesen Nutzen von der Symbiose haben aber nur diejenigen Le- guminosen, welche auf ganz humuslosem Boden zu wachsen vermgen, fr andere, z. B. fr Phaseolus vulgaris hat das Mikrob keinen Nutzen. Jene, zu denen besonders die gelbe Lupine und die Erbse gehren, werden aber auch nur wenn sie auf hinaus und stickstofflosem Hoden wachsen, durch das Mikrob in den genannten Beziehungen untersttzt; auf humushaltigem Boden entwickeln sie sieh auch ohne Pilzhlfe sehr ppig'. Der Umstand, dass hei Phaseolus vulgaris die Symbiose keine Befrderung der Ernhriingsthtigkeifen bewirkt, zeigt deutlich, dass es nicht der Pilz sein kann, welcher bei den Leguminosen die Assimilation des freien Stickstoffs vollzieht, sondern dass es die Pflanze sein muss. welche dies auf den durch die Symbiose gegebenen Impuls je nach Arten vermag oder nicht. ' Prof. Dr. 1'. Frank. Die Windgeschwindigkeit auf der Spitze des Eiffel - Thurms. Die meteorologischen Beobach- tungen auf der Spitze des Eiffelthurms whrend der drei ersten Monate Juli, August und September d. J. haben schon sehr beachtenswerthe Resultate in Betreff der Wind- geschwindigkeit geliefert. Dieselbe wird mittelst eines Richard'sehen Anemometers, dessen Schalenkreuz in einer Hhe von 303 m ber dem Erdboden sich befindet, re- gistrirt. Ein ganz gleiches Instrument ist auf dem Thurme des meteorologischen Central-ureaus in "_'l m Hhe ber dem Erdboden und in 500 m Entfernung vom Eitfelthurm aufgestellt. Am I. October betrug die Zahl der vollstn- digen Beobaehtungstage 101, wovon 12 in den Juni. 28 in den Juli, 31 in den August und 30 in den September fallen. Die tglichen Schwankungen der Windgeschwindig- keit, fr jeden Monat gesondert berechnet, befolgen auch in jedem Monat genau dasselbe Gesetz. Nachstehend folgen die Mittelwerthe der 101 Tage fr jede Stunde des Tages, zugleich mit den auf dem meteorologischen Central- Bureau gefundeneu Mittelwertben; die letzte Kolumne giebl das Verhltniss der Windgeschwindigkeit auf der Spitze des Eiffelthurms zu derjenigen auf dem Thurme des Central-Bureaus an. Mittlere Windgeschwindigkeit in Metern pro See. Stunde Eiffelthurm Central - Bureau Verhltniss II 1 ' Mitter- 8. 18 1.85 4.6 | nacht 8.42 1.73 4.9 _> 8.10 1.61 5.1 ) >> 7. 7.4U 1.50 5.1 1 6 7.( >s 1.64 4.3 7 6.55 1.86 3.5 s 5.60 2.09 2.7 !) :,47 2.40 2.3 10 .").:')."> 2.66 2.1 1 11 5.9 i 2.95 2.0 12 Mittag 6.03 3.07 2.0 1 6.32 3.19 2.0 _> 6.44 3.07 2.1 :; 6.21 2.82 2.2 4 6.46 2.85 2.3 5 6.69 2.78 2.4 6 6.73 2.47 2.7 i 6.98 2.11 :;.:', s 7.72 2.02 3.8 '.i 8. 1 2 1.98 4.1 li) 8.60 2.( 17 4.2 11 8.75 1.95 4.5 Das Gesamml Mittel fr diese 101 Tage betrgt 7.0;") m pro See. auf der Spitze des Eiffelthurmes und 2.21 in auf dem Thurme des Central-Bureaus, was fr den Hhen unterschied von 282 m eine dreimal (3.1) grssere Wind geschwiudigkeit in der Hhe als in der Nhe des Erik Nr. 1. Naturwissenschaftliehe Wochenschrift. bodens ergiebt. Auf dem Central-Bureau wie bei allen niedrig gelegenen Stationen zeigt sich in der tglichen Schwankung der Windgeschwindigkeit nur ein Minimum bei .Sonnenaufgang und ein Maximum um 1 Uhr Nach- mittags, sie ist also ganz analog der tglichen Periode der Temperatur. Die Grnde fr die Aehnliehkeit im Gange beider Erscheinungen sind bekannt. Auf hher gelegenen Stationen hat die tgliche Periode der Wind- geschwindigkeit einen umgekehrten Gang, wie man auf allen Bergstationen beobachtet Puy du Dome, Pie du Midi, Sntis, Obir, Sonnblick etc.). Es ist nun sehr bemerkenswert!], dass diese Um- kehrung sieh schon bei einer relativ so geringen Hhe wne die des Eiffelthurms kund giebt. Das tgliche Minimum der Windgeschwindigkeit stellt sich dort gegen 10 Uhr Vormittags und das Maximum gegen 11 Uhr Abends ein; das eharacteristische Maximuni niedrig gelegener Stationen in der Mitte des Tages ist dort kaum angedeutet. Diese Umkehrung tritt noch schrfer in dem Gange des Ver- hltnisses der Windgeschwindigkeit in der Flhe und in der Nhe der Erdoberflche hervor. Dieses Verhltniss ist in den ersten 5 Tagesstunden nahezu constant gleich 5, es nimmt dann raseh ah, wird gleich 2 gegen 10 Uhr Vormittags, behlt diesen Werth bis 2 oder 3 Uhr Nach- mittags und nimmt dann regelmssig zu bis Mitternacht. Man knnte sich fragen, ob diese Eigenthmlichkeit nicht ganz oder zum Theil strenden Factoren zuzuschreiben sei, die die Bewegung der Luft durch die Masse des Thurmes und die Erwrmung, welche derselbe am Tage unter dem Einflsse der Sonnenstrahlung erleidet, Iteeiu- flussen. Schon a priori ist diese Strungsursache nicht sehr wahrscheinlich, wegen der Gestalt des Thurmes, seiner relativen Leichtigkeit und der geringen Oberflche, die er dem Winde bietet. Um diese Einflsse besser er- kennen zu knnen, wenn sie existiren sollten, hat Herr Arigot die Mittelwerthe ZAveier Reihen von heiteren und trben Tagen gesondert berechnet, deren erste aus 20 Tagen mit unbedecktem Himmel und vorherrschenden Nord- und Ostwinden, die zweite aus 33 Tagen mit bedecktem Himmel und Sd- und Westwinden bestand. Diese beiden Reihen ergaben Curven, die sowohl unter sich als auch mit derjenigen aus dem allgemeinen 101 tgigen Mittel ab- solut hnlich waren. In einer Hhe von 300 m und in freier Luft ist also die tgliche Periode der Windgeschwindigkeit ganz ver- schieden von derjenigen in der Nhe des Bodens und nhert sieh mehr derjenigen auf hohen Bergen. Ein anderer Punkt, der specielle Beachtung verdient, ist der, dass die Windgeschwindigkeit in 300 m Hhe viel grsser ist, als mau gewhnlich annimmt; fr die 101 Soinmertage betrgt sie ber 7 m pro Secunde. Unter 2516 Beobachtungsstunden betrug die Windgeschwindig- keit whrend 986 Stunden (39"/o) mehr als 8 m, whrend 522 Stunden (21%) mehr als 10 m. Die Kenntniss dieser Zahlen besitzt grosses Interesse fr die Luftschifffahrt. (Comptes Rendus, Tome CIN. 1889. No. 19.) Dr. P. Andries. Litteratur. Wilhelm Wundt, System der Philosophie, Verlag von Wilhelm Engelmann. Leipzig 1889. Das Ideal und letzte Ziel der Naturforschung ist: erkennen zu wollen, was die Welt im Innersten zusammenhlt. Die einzelnen Disciplinen derselben aber sind bei ihrer Beschrnkung' auf be- stimmte Erfahrungsgebiete nicht in der Lage dieses Ziel zu er- reichen. Hier ist die Philosophie berufen die Fhrung zu ber- nehmen. In Uebereinstimmung hiermit, spricht Wundt aus, dass die Philosophie mit den brigen Wissenschaften Fhlung behalten muss, und dass in einem System der Philosophie, die Metaphysik eine centrale Stellung einzunehmen hat (S. V). Als Grundlage der Metaphysik erscheint dem Verfasser die Erfahrung, als ihre allein zulssige Methode die schon in den Einzelwissenschaften berall angewandte Verbindung von Thatsachen nach dem Princip von Grund und Folge. Ihre eigenthmliche Aufgabe erblickt er darin, dass sie jene Verbindung nicht auf bestimmte Erfahrungs- gebiete beschrnkt, sondern auf die Gesammtheit aller gegebenen Erfahrung auszudehnen hat (S. V VII). Hiermit knnte sich der Naturforscher als solcher, der nur Befriedigung des Verstandes anstrebt, gengen lassen. Bei dem ganzen Menschen fordert aber neben dem Verstnde auch das Gemt h mchtig Befriedigung, und so besteht denn der Zweck, den die Philosophie seit jeher bald ausdrcklich bald unausgesprochen erstrebt hat, in der Zusammenfassung der Einzelerkenntniss zu einer die Forderungen des Verstandes und die Bedrfnisse des Gemthes befriedigenden Welt- und Lebens- anschauung" (S. 2). Aus ethischen Wnschen und Forderungen gestaltet die Religion ihre Weltanschauung (S. 3); aus rein in- tellectuellen Bedrfnissen sind die Einzelwissenschaften her- vorgegangen" (S. 10). Die Aufgabe der wissenschaftlichen Philosophie aber ist es wie schon mit anderen Worten ange- deutet , die allgemeine Wissenschaft zu sein, welche die durch die Einzelwissenschaften vermittelten allgemeinen Erkenntnisse zu einem widerspruchlosen System zu vereinigen hat (S. 21): sie hat also das Facit der Naturforschung zu ziehen. Die Philoso- phie ist demnach nicht Grundlage der Einzelwissenschaften, sondern sie hat dieselben zur Grundlage -(S. 21). Und ferner: indem die Philosophie ihren Zweck darin sieht, die Ergebnisse der Einzelwissenschaften zu einer widerspruchlosen Weltanschau- ung zu verbinden, tritt sie hinwiederum jenen selbst regulirend und richtunggebend gegenber" (S. 22). Die Befriedigung der Gemthsbedrfnisse, die sie erstrebt, besteht darin, dass sie die- selben zu begreifen und ihnen im Zusammenhang aller mensch- lichen Geistesinteressen ihre Stelle anzuweisen sucht" (S. 19 . Das Buch zerfllt in eine Einleitung und 6 Abschnitte mit den folgenden Ueberschriften: 1. Vom Denken, 2. Von der Er- kenntniss, 8. Von den Verstandesbegriffen, 4. Von den transcen- denten Ideen, 5. Hauptpunkte der Naturphilosophie und endlich 6. Grundzge der Philosophie des Geistes. Wilhelm Wundt's System der Philosophie" stellt einen gross- artigen Versuch dar, die Errungschaften der Einzelwissenschaften zu einem Gesammtbilde zu vereinigen. H. Potonie. A. Gremli, Excursionsflora fr die Schweiz. Sechste vermehrte und verbesserte Auflage. Verlag von Ph. Wirz-Christen. Aarr.u 1889. Gremli ist ein ausgezeichneter Florist; jeder in der Schweiz Botanisirende hat seine lngst bewhrte, usserst handliche Ex- cursionsflora in der Tasche: sei dieser nun Florist von Fach oder Botanophil". Dein Fachmann ist das Buch unentbehrlich, weil es wissenschaftlich durchaus auf der Hhe steht, denn Gremli gehrt zu den Ersten in der Erforschung der schweizer Flora, und dem Anfnger ist es dringend zu empfehlen, weil es so gehalten ist, dass er sich aus dem Buche leicht entnehmen kann. Nament- lich wegen seiner Einrichtung zum Bestimmen der Arten nach der Lamarck'schen Methode ist dem Anfnger das Buch auf der Ex- eursion von ungemeinem Nutzen. H. P. Abhandlungen ber die algebraische Auflsung der Gleichun- gen von N. H. Abel und E. Galois. Deutsch herausgegeben von H. Maser, Verlag von Julius Springer, Berlin, 1889. In der Reihe der in deutscher Uebertragung herausgegebenen mathematischen Klassiker vermissten wir bisher besonders die Schriften von Evariste Galois, welche vielen schwer zugnglich waren. Der Herausgeber hat diese Lcke ausgefllt und sich be- mht, die usserst knappe und schwerverstndliche Sprache mg- lichst wort- und sinngetreu deutsch wiederzugeben. Es ist ihm dies gelungen, und es darf ihm als ein Verdienst angerechnet werden, dass er dadurch vielen den Zugang zu den tiefsinnigen Forschungen jenes genialen Mathematikers erleichtert hat. Auch darin stimmen wir dem Herausgeber bei, dass er die wenigen, nicht auf die Auflsung von Gleichungen bezglichen Schriften Galois' ebenfalls bertragen und die Ausgabe dadurch zu einer vollstndigen gemacht hat. Sehen wir von dem inneren Bande ab, welches die algebrai- schen Forschungen Abel's und Galois' umschlingt, so vermgen wir ein Bedrfniss fr eine Uebertragung der Abhandinngen alge- braischen Inhalts von Allel nicht zu erkennen. Denn Abel's Werke sind leicht zugnglich und auch nicht unerschwinglich theuer; berdies sind viele der brigen Schriften Abel's, so das Memoire" und die Abhandlungen ber die elliptischen Trans- cendenten, zum mindesten von derselben grundlegenden Bedeu- tung wie seine algebraischen Untersuchungen. Es lge also kein Grund vor, die ersteren nicht auch ins Deutsche zu bertragen wrde dann aber die deutsche Ausgabe der Hauptschriften 10 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. Nr. 1. Abel's so wesentlich wohlfeiler werden als die schne Original- ausgabe? Eines Comnientars zu den Sehliften Abels und Galois' hat sich der Herausgeber enthalten; in einem Anhange sind Notizen aus einigen Briefen Abel's, Anmerkungen zu der hinterlassenen Abhandlung desselben (wesentlich nach Oeuvres compl. t. II.), sowie einige kleinere Bemerkungen von Galois vereinigt. A. Gutzmer. Wilhelm Rulf, Elemente der projectivischen Geometrie. Auf Grund neuer vom Professor Carl Kpper herrhrender Defini- tionen und Beweise leicht fasslich zusammengestellt. Verlag von Louis Nebert, Halle a. S. 188. Diese Elemente der projectivischen Geometrie setzen zu ihrem Verstndniss nur die Kenntniss der Euklidischen Geometrie und eine gewisse Fertigkeit im rumlichen Denken voraus, und stellen sich als eine leichtverstndliche, den Leser schnell in das Gebiet der Projectivitt und Involution einfhrende Einleitung in die projectivische Geometrie dar. Die Behandlung erstreckt sich nur auf die projectivische Geometrie der Ebene in ihren Grundzgen, ist aber in vielen Beziehungen auch fr den Fachmann von In- teresse. Dieses gilt namentlich in Betreff der Kegelschnitte und der Kegelschnittsbschel. Dagegen sind mehrere Theile etwas zu kurz fortgekommen. Beispielsweise wre unseres Erachtens eine bedeutend strkere Betonung des so sehr wichtigen Dualitts- princips sehr am Platze gewesen; ebenso htten wir eine ein- gehendere Behandlung des reciproken Systems u.dgl. m. gewnscht. Aber diese Ausstellungen vermindern in nichts das Verdienst des Herausgebers, den eigenai tigen. von Prof. Kpper eingeschlagenen Weg weiteren mathematischen Kreisen zugnglich gemacht zu haben. Hoffentlich lsst er den Theil, welcher die hheren Curven behandelt, bald folgen. Die Ausfhrung des Textes und der einfachen, aber durch- aus zweckdienlichen Abbildungen erscheint correct. Am Schlsse des Werkes befindet sich eine fr Anfnger berechnete Sammlung von acht Aufgaben nebst Lsungen. G. Philipp, M., Das Pyridin und seine nchsten Derivate. Metzler. Stuttgart. Phlmann, R., Repetitorium der Chemie fr Studirende. 2. Theil: Organische Chemie (Chemie der Kohlenstoffverbindungen). Hirzel. Leipzig. Roese, F., Grundriss der ebenen Trigonometrie. Hinstorff. Wis- mar. Rosenthal, J., Vorlesungen ber die ffentliche und private Ge- sundheitspflege. Besold. Erlangen. Sassenfeld, J., Flora der Rheinprovinz. Anleitung zum Bestimmen der Bltenpflanzen und der Gefsscryptogamen, sowohl der wild wachsenden als der hufig angepflanzten. Zum Gebrauch in Schulen, beim Selbstunterricht und auf Ausflgen. Lintz. Trier. Schewiakoflf, W., Beitrge zur Kenntniss der holotrischen Ciliaten. Fischer. Cassel. Schenk, A., Ueber Medullosa Cotta und Tubicaulis Cotta. Hirzel. Leipzig. Schumann, K., Die Ameisenpflanzen. Verlagsanstalt und Drucke- rei Actien -Gesellschaft. Hamburg. Schumann, K., und M. Hollrung, Die Flora vom Kaiser-Wilhelms- Land. Asher & Co. Berlin. Schumann, C. R. G., Anatomische Studien ber die Knospen- schuppen von Coniferen und dicotylen Holzgewchsen. Fischer. ( Jassel. Schnauss, J., Zur Feier der 50jhrigen Erfindung der Photographie. Engelmann. Leipzig. Schulz, O., Kurze Anleitung zu hygienischen Untersuchungen. Besold. Erlangen. Schulze, F. E., und R. v. Lendenfeld, Ueber die Bezeichnung der Spongiennadeln. G. Reimer. Berlin. Seier, E., Reisebriefe aus Mexiko. Dmmler. Berlin. Specialkarte, Geologische, von Preussen und den Thringischen Staaten, 1 : 25,000. Herausgegeben von der kniglichen preus- sischen geologischen Landesanstalt und Bergakademie. 37. Grad- abth. 69, Nr. 18. Altenbreitungen. Nr. 24. Oberkatz. Nr. SO. Helmershausen. - Gradabth. 70, Nr. 1!'. Wasungen Nr. 25. Meiningen. Gradabth 71, Nr. 19. Saalfeld. Nr. 20. Ziegenrck. Nr. 25. Probstzella. Nr. 26. Liebengrn. Schropp. Berlin. Spitz, E., Sammlung methodisch geordneter Zeichnungen aus dem Gebiete der wirbellosen Thiere und der Anthropologie zum Selbstunterricht und Schulgebranch. Konkordia. Bhl. Stche, G., Uebersicht der geologischen Verhltnisse der Ksten- lnder von Oesterreieh-Ungarn. Holder. Wien. Strauch, A., Das zoologische Museum der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften zu St. Petersburg in seinem 50jhrigen Bestehen. Bericht ber die Entstehung, Vergrsserung und den gegenwrtigen Zustand desselben. Voss. Leipzig. Thomae, J., Abriss einer Theorie der Functionen einer complexen Vernderlichen und der Thetafunctionen. Nebert. Halle. Trautzsch, H., Das System der Zoologie mit Bercksichtigung der vergleichenden Anatomie. Zum Gebrauch whrend der Vorlesungen. Enke. Stuttgart. Twiehausen, O., Kleine Pilzkunde. Eine Handreichung fr Lehrer zur unterrichtlichen Behandlung der bekanntesten, essbaren und gift. Schwmme. Wunderlich. Leipzig. Unger, L., Lehrbuch der Kinderkrankheiten in kurzgefasster systematischer Darstellung. Zum Gebrauch fr Studirende und Aerzte. Deuticke. Wien. Wald, F., Die Energie und ihre Entwertung. Studien ber den 2. Hauptsatz der mechanischen Wrmetheorie. Engelmann. Leipzig. Zitscher, F., Der Substanzbegriff. Ein Beitrag zur Geschichte und Kritik der philosophischen Grundvorstellungen. Fock. Leipzig. '/jur Nachricht. Der Aufschwung, den die Naturwissenschaftliche Wochenschrift" genommen hat, beweist, dass sie mit ihrem Programm ilas Richtige getroffen hat; dieser Umstand hat wie bereits mitgetheilt die Veranlassung zu ihrer Erweiterung auf den, jetzigen Umfang gegeben, ohne dass eine Erhhung des Abonnementspreises eintritt. Was wir bereits namentlich im letzten Halbjahr erreicht haben, die klangvollen Namen der zahlreichen neugewonnenen Mitarbeiter aus allen Gebieten, sowie das Wohlwollen, das der Naturwissenschaftlichen Wochen- schrift" auch von den hchsten, irissenschaftlichen Ki eisen entgegengebracht wird, brgen fr eine gedeihliche Weitere nticickelung. Es sei uns bei dieser Gelegenheit gestattet, nochmals die Ziele der Naturwissenschaftlichen Woche nschrift" anzudeuten. Die Natnru-issenschaftliche Wochenschrift" stellt sich die Aufgabe, ber die Fortschritte der theoretischen und angewandten Naturwissenschaft im weitesten Sinne zu orientiren, und, bringt zeitgemsse, wissenschaftlich all- gemein-interessante Gegenstnde zur Sprache : sie bietet Original-Aufstze, Referate, Bcher-Besprechungen, eine ausfhrliche Liste aller im Buchhandel erscheinenden, in ihr Gebiet fallenden Schriften, beantwortet gestellte Fragen und bringt die nichtigsten Nachrichten aus dem wissen- schaftlichen Leben. Wo Abbildungen erienscht erschei neu, werden solche beigegeben. Die Natur wissenschaftliche Wochenschrift" wendet sich nicht nur an die Fachgelehrten, Aerzte, Lehrer, etc. kurz naturwissenschaftlich Vorgebildete, sondern auch an diejenigen, welche nicht in unmittelbarer Berhrung mit der Wissenschaft stehen; es werden daher, um allen gerecht zu werden, die Gegenstnde soweit dies mg- lich in einer Form behandelt, welche die Natur- wissenschaftliclie Wochenschrift" auch den letzteren verstndlich macht. Thatschlich setzt sich der Abon- nenten-Kreis vorwiegend aus akademisch Vorgebildeten zusammen. Redaction und Verlag. Inhalt: W. Preyer: Zur Physiologie des Protoplasma. G. Behrendt: Ein Baumkirchhof. Th. Albrecht: Die IX. General conferenz der Internationalen Erdmcssung. Die pratisehste Methode, Abfallstoffe zu desinficiren. Das Celebes-Schwein. Die Krage, ob Giftschlangen durch ihr eigenes Gift getdtet werden knnen. Leber die Pilzsymbiose der Leguminosen. - Die Windgeschwindigkeit auf der Spitze des Eiffel-Thurms. Litteratur: Wilhelm Wundt: System der Philosophie. A. Gremli: Excursionsflora fr die Schweiz. N. H. Abel und E. Galois: Abhandlungen ber die algebraische Auflsung der Gleichungen. Wilhelm Rulf: Elemente der projectivischen Geometrie. Liste. Zur Nachricht Verantwortlicher Redakteur: Dr. Henry Potonie, Berlin NW. 6, Luisenplatz 8, Verlag Ferd. Dummlers Verlagsbuchhandlung, Berlin SW. 12. - fr den Inseratentheil: Hugo Bernstein in Berlin. - Druck: G. Bernstein, Berlin SW. 12. ;; ^j\iyl5]f3j\f/i5]f2Jvvi51[3Jyyi5' c nyi?r ia||[n 1/ivf rg||Gi 1^iv[ pl||Gi 1/iv[ ril Aelteste Schraubenfabrik Berlins F. Rosenbaum Inhaber: . Schwartskopf BERLIN N. 50/54 Fennstrasse 50 54. . Gegrndet 1865. ;jo l ^yi\r rS||[ ^^'"[ r3|lg n'vf p'llPi l"t"f ?^ Mechanische Werkstatt fr Massenfabrikation Fagondreherei, Prcisionszieherei liefert als Specialitt: blankbearbeitete Schrauben und Muttern jeder Art fr alle Zweige der Industrie. Bei Einsendung von Mustern etc. werden schnellstens billigste Preise abgegeben. 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GJ> sprechenden Rabatt. Beilagen nach Uebereinkunft, Inseratenannajitfie . Bringegeld bei der Post 15 J> extra. JL bei allen Annoncenbureaux, wie bei der Expedition. Abdruck ist nur mit vollstndiger Quellenangabe gestattet. I. Di Indische Skizzen. Von A. Tschirch. botanische Ausrstung zu eiuer Forschung- tu l Reif se nach In dien Nicht zum geringsten Theile ist der Erfolg einer tropischen Forsehungs- Reise abhngig von der sach- genissen Ausrstung und es mag daher eine kurze, auf eigener Erfahrung beruhende, Auseinandersetzung ber die Wahl dessen was man mitzunehmen und was man zu Hanse zu lassen hat, die Reihe meiner indischen Skizzen erffnen. Ich gehe dabei von der Voraussetzung aus, dass man sieh etwa die Haltte der Zeit in den in der /weiten Skizze zu beschreibenden botanischen Grten in Hollndisch- und Englisch-Indien, die andere auf Reisen im Innern befindet. Das wichtigste, die Kleidung, kann wenn man Singapore, die Haupthandelsempore berhrt, zum grssten Theil dort herstellen 1; erhlt daselbst sowie in chinesischen Handwerkern 10 und billiger als in Europa. man sich, des ( Istens, isscn. Man allen anderen Stdten mit Anzge in 24 Stunden Doch wrde ich nur die unentbehrlichen weissen Anzge, sowie die Schlaf- anzge drben herstellen lassen und empfehlen einige bunte Anzge von europischem Schnitt aus ganz leichten Leinwandstoffen, Satin oder Wolle von Eu- ropa mitzunehmen. Diese dunklen Anzge haben mir wenigstens ganz vortreffliche Dienste besonders whrend der Seereise geleistet: fr die in Indien blichen weissen Anzge erhlt man in Europa nur schwer, fr die Schlaf- anzge gar nicht den Schnitt, letztere sind aber ganz un- entbehrlich. Da man in Indien, wenn man sich unter Dach und Fach befindet, nur auf einer Matratze, ber die sieh das weite Moskitennetz spannt, schlft und sich mit keiner Decke bedeckt, so ist es nthig, dass man whrend der Nacht dnne, weite Beinkleider und eine ganz leichte Jacke (Kabaia) trgt. In Hollndisch -Indien darf man die Schlafanzge sogar im Hause tragen. Fr Exkur- sionen ins Innere empfehlen sich bunte wollene oder Lein- wandanzge, da man nicht tglich wechseln kann, wie dies bei weissen Anzgen uuerlsslich ist. Wollene Unter- i linden. die zum Fieber neigen, im man, des heissen Klimas kleider sind besonders fr alle, bedingt nthig, doch whle wegen, nur ganz leichte wollene Hemden. Mehrere Paar feste niedrige Schuh auch diese kann man event. in den llafenpltzen machen lassen und ein paar Schaftstiefel fr den Urwald vervollstndigen die Ausrstung. Letztere sind aber nur gelt wirklich von Nutzen, sonst dringt die Feuchtigkeit doch hinein. Gummistoffe, von denen ich mir so viel fr den Erwhl versprochen hatte, haben sieh gar nicht bewhrt. Man wird so oder so doch nach kr- zester Zeit bis auf die Haut nass und ich habe es immer viel praktischer gefunden wollene Decken mitzufhren, deren man sieh dann an den Rastorten bedienen kann, wenn die Kleider am Feuer trocknen. Em eine trockene Lagersttte zu haben sind Wachstaffetdecken vorzglich. Man kann mit ihnen sich im feuchtesten Walde ein trockenes Bett herstellen. Die passenden Kopfbedeckun- gen tindet man an Ort und Stelle, doch sind merkwr- digerweise die so praktischen Korkhelme in Hollndisch- Indien schwer zu beschaffen. Man wird sich also schon in Port Said einen solchen besorgen mssen. Schirme habe ich wenig benutzt. Gegen die Sonne schtzt der Hut und gegen den tropischen Hegen schtzen unsere Zeugschirme so gut wie gar nicht. Da ist ein chinesicher Schirm aus geltem Papier schon besser, deren sich denn auch selbst die Europer z. B. in Ceylon ganz regelmssig bedienen. Schwieriger ist der wissenschaftliche Apparat zu beschreiben. Hier kommt es natrlich ganz auf den Zweck der Reise an. Ein Systematiker wird sich kein Mi- kroskop und ein Physiolog nicht grosse Ballen Herbar-Papier mitnehmen. Mir hat mein Mikroskop treffliche Dienste geleistet und ich habe es an vielen Stellen mit Erfolg benutzt. So namentlich auf Java in Buitenzorg und Tji- bodas. Viele Dinge kann man doch nur an Ort und Stelle untersuchen und man richtet sich daher berall da, wo man lnger verweilt, sein kleines Laboratorium ein. 12 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. Nr. Ich hatte alle Instrumente (Messer, Nadeln, Scheren, Pin- cetten, Lupen etc.) mitgenommen und haben sich dieselben, zur Seereise in Blech verlthet und fr den Gebranch mit Vaselin eingerieben; vortrefflich gebalten. Die Ob- jective wie alle Glassachen (Objecttrger, Deckglser etc.) muss man in Ksten mit doppeltem Hoden aufbewahren, die in der unteren Hlfte gebrannten Kalk beherbergen, sonst kann man es erleben, dass sie in Folge der fort- dauernd einwirkenden feuchten Luft blind werden, da mit Wasser gesttigte Luft Glas angreift. Sehr wichtig ist die Auswahl der mitzunehmenden Prparatenglser. Da man nicht alles an Ort und Stelle untersuchen kann oder will, so wird man sich stets reich- lich Material mit nach Europa nehmen. Ich habe mit tiiio Glsern kaum gereicht und war doch nur dreivierte] Jahr fort. Ich empfehle Glser mit weiter Oeffnung, pa- rallelen Wandungen und rundem Boden in 3 Grssen und zwar solche von 1,5 ein Weite und 10 cm Lnge, solche von 3 cm Weite und 16 cm Lnge und solche von 10 cm Weite und 30 cm Lnge, betrachte es alter als unerlss- lich. dass man schon vor der Verpackung die Glser in Europa einzeln mit gut schliessenden Korken versieht. Fr grssere Frchte habe ich mich mit Erfolg kleiner hier angefertigter und mitgenommener Zinkblechkanister bedient, die eine Hhe von 30 cm, eine Breite und Tiefe von 20 cm hatten (vergl. die Fig.). Als mir dieselben ausgingen, benutzte ich mit Erfolg die derben fr ein Spottgeld kuflich zu er- haltenden Petroleuinkanister. Fr alle Zwecke sind dieselben aber nicht zu brauchen, da sie aus Eisenblech gefertigt sind. Ausser diesen kleinen Zinkblechkanistern halte ich dann noch ein Dutzend grosse mit- genommen, die eine Lnge von 65 cm, eine Hhe von 30 cm und eine Breite von 38 cm besassen. Dieselben haben sieh zum Verpacken frischer Frchte etc. ganz vortrefflich bewhrt. Ich benutzte die Schwein- furt h'schc Methode. Die einzelnen Frchte wurden in Papier gewickelt fest neben einander gepackt, derZwischen- rauin mit Papier, Reisstroh und Reisspelzen ausgefllt und dann kurz vor dem Zulthen gerade so viel starker Aleohol darber gegossen, dass alles ordentlich damit getrnkt war, dies konservirt so ausgezeichnet, dass, trotzdem der Aleoltol in allen Kisten in Aldehyd bergefhrt worden war. doch alle Frchte so angekommen sind, als wren sie in Alcobol transportirt worden. Die Etiquetten nmss man natrlich mit Bleifeder am besten auf Paraffin- papier schreiben. Trockenes Material hat sich gut gehalten, wenn es unverlthet in Holzkisten verpackt wurde, in die reichlich Naphthalin gestreut worden war. Fr mein Herbar habe ich einen anderen Weg ein- geschlagen als Sebweinfurtlt. Ich habe die Pflanzen in der Sonne rasch getrocknet und bevor ich die Papier- bgen mit den Herbarpflanzen einlthetc, die Packete noch einmal der Mittagsonne ausgesetzt, dann noch warm sie in die Blechkisten gebracht, schnell etwas Naphthalin eingeschttet und rasch verlthet. Die Pflan- zen sind vortrefflich angekommen. Als Einlegeflssigkeit fr die in den Glsern mitge- i imeneii Prparate habe ich Aleohol, Sublimatlsung und Pikrinsure verwendet. Ich empfehle dringend ein Fsschen Alcobol mitzu- nehmen. Der Alcobol, den man in Englisch- und Holln- discli-Indien erhlt, ist sehr theuer und sehr schlecht und die geringen Frachtkosten spielen gar keine Rolle. Der Einfhrzoll ist zwar hoch, aber, wenn man sich an das auswrtige Amt wendet, erhlt man leicht von allen Re- gierungen freie Einfuhr aller zu wissenschaftlichen For- schungen dienenden Dinge. Die gesttigt anzuwendende Sublimatlsung stellt man sich ad hoc dar und nimmt das Quecksilberchlorid in fester Form mit. Ich habe sie stets benutzt, wenn ich Pflanzentheile konserviren wollte, denen der Aleohol Stoffe entzieht, die ich gern dem Organe erhalten htte. Leider fllen Gerbstoffe das Quecksilber aus. Man muss also die Anwendbarkeit dieser Conservirungstlssigkeit von Fall zu Fall prfen. Wenn man die feinere Struktur bes. bei den Chro- matophoren z. B. der Diatomeen fr sptere Studien er- halten will, so muss man natrlich Hrtungsmitte] an- wenden. Ich habe mich mit Erfolg der gesttigten Pikrin- sure bedient, in der stets noch berschssige Cristalle vorhanden waren. Die Glser habe ich in Reisspelzen und Papier ver- packt, die Kisten verlthet, Das Lthen muss man in Europa erlernen, denn es ist sehr angenehm, wenn man es kann und alle Kisten sich selbst schnell zulthen kann. Mir hat das mitgenommene Lthzeug sehr gute Dienste geleistet und ich habe im Schweisse meines Angesichtes auch selbst dort geltbet, wo ein Chinese am Orte war, der es eventuell htte thun knnen. Papier fr die Herbarien erhlt man in Hollndisch- Indien in vortrefflicher Qualitt zu billigem Preise. Es ist chinesisches Reispapier, zwar nicht sehr dauerhaft, aber ausreichend. Sehr empfiehlt es sich einen photographischen Appa- rat mitzunehmen. In einer spteren Skizze werde ich seine Handhabung in den Tropen schildern. Sie ist bei Bercksichtigung aller Umstnde relativ einfach und die photographische Aufnahme ergnzt auf das vollkommenste die Bleistift- und Farbeuskizzeu, die man unterwegs aufnimmt. Eine Reiseapotheke wird sieb jedermann mitnehmen, der in das Innere des Landes will. Es ist hier nicht der Ort eine solche Apotheke zu schildern, doch will ich nicht unterlassen die nothwendigen Mittel aufzuzhlen und einige Bemerkungen daran zu knpfen. Unerlsslich sind: Chinin, Antipyrin, Ricinusl, Sublimatlsung, < Ipiumtinctur, Heft- pflaster und einige Binden, wnsenenswerth: Collodium, Carbolsure, Arsengranules, Doversehe und Morphium- pulver, Chlorkalklsung, Aether, Chloroform, Lycopodium, Vaseline, Hllenstein, Ipecacuanhapulver, Natronbicarbonat und eine Pravaz'sche Spritze. Eine sogenannte Reise- apotheke, wie sie die Handlungen liefern, ist ganz schn und bequem, fr die wenigen Mittel aber, die man braucht, kaum nthig. Chinin, Antipyrin etc. empfehle ich in com- primirten Tabletten mitzunehmen, dieselben sind usserst bequem und sehr haltbar. Wer nach Buitenzorg geht hat nicht nthig Literatur mitzunehmen. Die Bibliothek des dortigen Gartens ist besser als die meisten deutschen botanischen Bibliotheken. Sie fllt einen ganzen Saal. Welche Literatur man sonst mitnimmt, hngt natrlich von den Plnen ab, die man mit der Reise verfolgt. Ich glaube man thut gut. sich mit Bchern mglichst wenig zu schleppen, tue Fragen, die man studiren will vorher in Europa sorgfltig vorzube- reiten und dann in Indien alsbald an die Beobachtung zu gehen. Man findet zudem auch so viel zu beobachten, dass man gar keine Zeit zum Literaturstudium hat. Mir ist es wenigstens so gegangen. Das nthigste alter, was man mitnehmen muss, ist eine gute Gesundheit. Ich hatte dieselbe leider zu Haus gelassen und habe mich daher kaum einen Tag wirklich wohl gefhlt. Im ussersten Nothfall kann man aber auch diese entbehren, denn man siebt, beobachtet und erlebt so viel, dass man gar nicht Zeit findet an sieh und das eigene Befinden zu denken, wenigstens dasselbe so lange vergisst bis die .Malaria uns daran erinnert, dass auch sie ihr tropisches Recht beansprucht, Nr. 2. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 13 Ueber Ranken der Pflanzen. Von F. Seh Versetzen wir uns zunchst in unser Beobachtungs- gebiet, indem wir rankende Pflanzen uns vorfhren. Ich nenne Tropaeolum maius und minus, das sich mchtig mit seinen rankenden Blttern in unsern Grten aus- breitet, ferner die Fumariaceen, einige Solaneen, die Clematis Vitalba, die sich massenhaft in Gebschen findet, ferner auch Nepenthes, eine Droseracee, welche als fleischverdauende Pflanze bekannt ist. Vor allem sind zu erwhnen die Cucurbitaceen, Vitaceen, die Passifloren, die wir in unsern Grten kultivirt finden. Ebenso gehren in unser Beobachtungsgebiet einige Le- guminosen, ferner als besonders charakteristisch Sicyos (Haargurke) und Bryonia (Zaunrbe), beide auch zu den Cucurbitaceen gehrig. Allen den erwhnten Pflanzen ist das Merkmal des Rankens gemeinsam. Sie besitzen eigentmliche Ge- bilde, Ranken, vermge deren sie sich an Sttzen empor- bewegen. Gemeinsam mit den windenden Schlingpflanzen ist ihnen die Aufwrtsbewegung an einer Sttze. Ver- schieden ist die Art der Bewegung, indem dort der win- dende Stengel die Arbeit besorgt, hier besondere Organe sieb zu dieser Function entwickelt haben. Verschieden sind auch die Ursachen der Bewegung, worauf spter ein- gegangen werden soll. Als Ranke bezeichnet Linne einen spiralfrmigen Faden, mit dem sich die Pflanzen an andern Krpern be- festigen. Hugo v. Mohl weist in seinem Werk Ueber den Bau und das Winden der Ranken und Schlingpflanzen (1827)" die Unkorrektheit dieser Definition besonders fr physiologische Untersuchungen nach und bestimmt den Begriff der Ranke so, Werk, Th. I. p. 1: Ranke ist jeder sehr in die Lnge gestreckte Theil einer Pflanze, der nach Vollendung seines Lngenwachstbums sich von der Spitze gegen die Basis zu, durch eine Biegung von oben nach unten, oder nach unten und auf die Seite. spiralfrmig zusammen windet." Der Unterschied, resp. Fortschritt in diesen beiden Definitionen liegt darin: Linne bestimmt die Function des Organs mehr als vom Gesamintorganismus der Pflanze ausgehend, whrend Mohl die Thtigkeit der Banken an sich und zunchst ohne Rcksicht auf die ganze Pflanze in Erwgung gezogen und beobachtet, resp. erklrt hat, Wir fassen im Anschlnss an die neueren Unter- suchungen die Ranken auf als dnne, schmale oder faden- frmige Pflanzentheile, welche zur Zeit ihres Lngen- wachsthums in Berhrung mit festen Krpern (Sttzen) Krmmungen erfahren. Die Ranken umschlingen die be- rhrte Sttze und befestigen auf diese Weise den Pflanzen- krper. (Detmer, Lehrb. der Pflanzenphysiologie p. 279.) Schauen wir uns die Pflanzen unseres Beobachtungs- gebietes auf die Natur ihrer rankenden Organe nher an, so finden wir 1. bei Vitis, Cucurbita z. B. zweighnliche Gebilde ohne Bltter, die das Winden besorgen, 2. bei Tropaeolum, den Bignoniaceen, Clematis ist der Blattstiel dieser Function ngepasst. 3. Bei Fumaria ist das ganze Blatt fr Berhrung empfindlich, wobei ihm die feine Zeit- teilung sehr zu statten kommt. 4. Auch Bltenstiele knnen rankende Bewegung ausfhren, wie Darwin nachgewiesen und beobachtet hat. Daraus geht hervor, dass verschiedene Organe sich dieser Bewegung ngepasst haben. Organe von morpho- logisch verschiedenem Werth haben durch Acco- modation an die Lebensweise physiologisch gleiche Bedeutung erhalten. Am vollkommensten fr die Thtigkeit des Rankens 1 e i ch e r t. sind die Ranken entwickelt, wie wir sie z. B. bei Cu- curbitaceen finden. Analoga fr Anpassungserschei- nungen im Pflanzenreich finden wir z. B. in der zweck- mssigen Umwandlung der Blattgebilde am blthentra- genden Spross, die der Function der Fortpflanzung dienen, ebenso in der Umwandlung von Blattgebilden zu Dornen, die dann als Schutzorgane der Pflanze fungiren. Welcher Art sind die dem Ranken eigentmlichen Bewegungserseheinungen? Wir beobachten an der Ranke zwei Bewegungen. Eine Ranke von Vitis, Ampelopsis, Cucurbita, welche sich noch nicht an einer Sttze befestigt hat, ist in ununter- brochener Bewegung. Diese geht zunchst nicht von ihr selbst aus, sondern ist seeundre Erscheinung als Folge der Drehung des Sprosses durch die rotirende Nutation. Der Spross rotirt, und die Ranke wird dadurch im Kreis herumgefhrt. In welcher Weise hierbei Wachsthums- unterschiede der konkaven und konvexen Seite in Frage kommen, ist ausfhrlich errtert in Detmer, Lehrb. der Pflanzenphysiologie. Nach Prof. Detmer's Beobachtungen, die Geschwindig- keit dieser Bewegung betreffend, hat z. B. eine Ranke von Cyclanthcra einen vollen Kreis bei ber 20 C. im Laufe einer Stunde beschrieben. Neben dieser seeundren Bewegungserscheinung ver- mag auch die Ranke selbst bei manchen Pflanzen Bewe- gungen auszufhren. Man kann diese Erscheinung beob- achten, indem man die Sprosse bindet, so dass sie den rotirenden Bewegungen des ganzen Stammes nicht folgen knnen. Die Nutationsdrehungen sind von nicht unerheblicher biologischer Bedeutung fr diese Pflanzen; denn gerade durch die Bewegung im Kreise herum wird es der Ranke umso leichter ermglicht, mit einer Sttze in Berhrung zu gerathen. Die aufflligste Bewegung der Ranken ist die zweite, die windende. Sie ist sowohl in ihren Ursachen, als auch in der Erscheinung keineswegs zu identiflziren mit dem Winden der Schlingpflanzen. Whrend es sich bei letz- terem um innere Wachsthuinserscheinungen handelt, sind es hier Kontaetreize, die die Bewegung herbeifhren. Dass Ranken gegen Berhrung empfindlich sind, lehren die einfachsten Experimente. Man berhre oder ber- streiche einen Rankenzweig mit zwei Fingern, so bemerkt man alsbald eine Krmmung. Die Krmmung ist der Strke des Reizes entsprechend, verschieden. Sicyos angulatus ist zum Experimentiren am besten geeignet; die brigen rankenden Pflanzen verhalten sich hnlich. Meist ist bei ihnen die Unterseite reizbar. Der Reiz wird auch hervorgerufen durch die Berhrung mit der Sttze. Die Folge ist ein Verhalten des ranken- den Zweigs, wie es vorhin beim Experiment hervortrat. Nach einmaligem Reiz an einer Stelle der Ranke, die empfindlich ist, tritt dort eine Einkrmmung ein. Hrt der Reiz auf, dann bewegt sich die Ranke wieder in die normale Lage zurck. Dauert der Reiz aber gerade in Folge der Einkrmmung fort, dann wird neben dem ge- reizten Punkt a der Ranke auch der danebenliegende b, c u. s. w. affieirt. Die Krmmung schreitet successive weiter, so wie der ussere Reiz sich fortsetzt. Das freie Ende der Ranke windet sich um die Sttze herum. Zu diesen Ursachen der Krmmung kommen mecha- nische Einwirkungen durch Stoss, Insecten, Wind hinzu, welche die Bewegung begnstigen. Auch das fortgesetzte Wachsthum der Ranke und der ganzen Pflanze ist von Einfluss. Durch Fixirung der Krniniungsbewegung durch 14 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. Nr. 2. Wachsthum wird die Ranke dauernd an die Sttze ge- bunden." Die Untersuchung der Mechanik der Rankenbe- wegng fhrt wie bei den windenden Pflanzen auf ver- schiedenes Wachsthum der konkaven und konvexen Seite. Die konkave Seite hat eine geringere Turgoraus- dehnung, als die konvexe. Durch Hugo de Vries wurde gezeigt, das- Ranken, welche eben angefangen hatten, in Folge eine- Reizes sich zu krmmen, durch Plasmolyse in den frheren gestreckten Znstand versetzt wurden. Er zeigte zugleich auch an lteren Ranken, dass sie durch dieselbe Behandlung unverndert gelassen wurden, woraus nach Detmer hervorgeht, dass bei lteren Pauken die Turgorvernderungen bereits mit dem Waehsthumsprozess so verschmolzen sind, dass die ersteren fr sieh allein nicht mehr zur Geltung gebracht werden knnen. Die Ursache dieser verschiedenen Turgorausdehnung ist noch nicht mit Sicherheit festgestellt. Was den Zusammenhang der Vernderung des Turgor mit dem Kontactreize anbe- trifft, so sind neuere Forscher der Ansicht, dass die Zellen der fr Berhrung empfindliehen Rankenseite in Folge eines Reizes einen Theil ihres Wassers verlieren, whrend die Zellen der konvex wachsenden Rankenseite Wasser aufnehmen und dadurch eine gesteigerte Turgorausdehnung erfahren. Bei Anwendung der Plasmolyse hat Prof. Detmer mit gereizten Sicyosranken folgendes Resultat erhalten: Nachdem die Ranken l / i , 3 A oder 1 3 A Windungen gebil- det hatten, wurden sie der Plasmolyse unterzogen. Die beiden ersten Ranken streckten sieh bald vllig gerade. Die letzte zeigte noch l / 4 Winduni;- in der Salzlsung. Trakt. 185.) Interessant ist ein historischer Ueberblick ber die Ansichten, welche frher ber diese Thatsachen herr- schend waren Zu Anfang dieses Jahrhunderts war die Mei- nung verbreitet, dass die Rankenbewegung eine Folge der Kontraktilitt der Pflanzenfaser, analog der- entsprechenden Eigenschaft der thierischen Muskulatur sei. Auch Humboldt spricht diese Ansieht in seinen Aphorismen aus der ehe- mischen Pflanzenphysiologie" aus. H. v. Mohl konstatirt dagegen in Uebereinstimmung mit Treviranus in seinem 1*'_'T erschienenen Werke ber Bau und Winden der Ranken und Schlingpflanzen," dass so wie beim Blatt, auch bei der Ranke die Bewegung durch Ausdehnung des Zellgewebes geschehe. Es lieisst pag. 36: ..ob die Ex- pansion des Zellgewebes durch Ausdehnung der einzelnen Zelle und Aufnahme von Saft in dieselbe vor sieh gehe, oder ob ihr ein Zustrmen von Saft in die Intereellular- gnge zu grnde liege, mchte schwer auszumitteln sein." Mohl war jedenfalls nicht fern von einer richtigen An- nahme. Die Berhrung mit einer Sttze, die, wie wir oben sahen, indirekt mit der rotirendon Bewegung des ganzen Sprosses die Ranke im Kreis herumfhrt und ihr Gelegen heil [riebt, mit einem Anhaltspunkte in Berhrung zu treten, gab frher zu sonderbaren Vorstellungen hierber Anlass. Man schrieb nmlich den Ranken das Vermgen oder den Instinkt zu. usserst fein empfnglich fr die Eindrcke >\r\- Aussenwclt zu sein und sich so aus innerm Trieb nach fremden Krpern zuzudrehen. Schon Mohl leugnel dies Vermgen, kennt die durch Nidation hervorgerufene Kreisbewegung des Organs und bezeichnet t; 60 das Zusammentreffen mit der Sttze als ein rein zuflliges. Die Stadien der Reizbarkeit sind je nach dem Alter der Ranke verschieden. Jugendliche Ranken und ausge- wachsene sind nicht reizbar. Zu den Bewegungen der Ranken gehr! noeh eine charakteristische, nmlich die korkzieherfr- mige Einrollung des Tlieils zwischen der Basis und der ersten Windung. Dieser Theil ist von der Umschlingung um die Sttze ausgeschlossen. Die cha- rakteristischen Windungen sind als eine Folge der Reizfortpflanzung von der Spitze aus anzusehen. Ueber die Erklrung dieser Thatsache seheint noeh nicht die rechte Klarheit zu herrschen; Pfeffer giebt in seinen Untersuchungen aus dem botanischen Institut zu Tbingen" Bd. I. Heft IV. X. in der Abhandlung ..Zur Kenntniss der Kontaktreize" pag. 528 folgende fr die Untersuchung wichtige Faetoren an. Er sagt: ..Sieher werden in diesen wie in anderen Fllen fters die Protoplasmaverbindungen der Zellen die Bahnen des Reizes sein, der bestimmte Actionen in benachbarten Zellen auslst, und unmglich ist es nicht, dass verschiedene Protoplasmafden der Uebermittelung verschiedener Reize dienstbar sind, doch werden auch gewiss manche Reize durch diosmotiscb bertretende Stoffe vermittelt und vielleicht auch dadurch, dass die Zellwand in Schwingungen gerth, welche in an- stossenden Protoplasmakrpern ein Mittnen erzielt, das zur Reizung fhrt." Er schliesst seine Betrachtungen hierber mit folgenden Worten: Im allgemeinen werden wir hier den scharfsinnigen Erwgungen Ngelis zustimmen und einen Uebertritt lebendiger Protoplasmamasse als noth wendig erachten mssen." Auch Darwin widmet in seinem Werk ber ..Die Be- wegungen und Lebensweise der kletternden' Pflanzen" der Erklrung der spiraligen Zusammenziehung einen Ab- schnitt, sich anschliessend au die Untersuchungen von Sachs und 11. de Vries, welche die Ursache in ungleichem Wachsthum finden und ihre Annahme durch die Beschaffen- heit der Querschnitte begrnden. Darwin schreibt die Ursache der korkzieherfrmigen Einrollung nicht allein dem Wachsthum zu. Er fasst sie vielmehr auch als eine Rckwirkung des Berhrungs'reizes auf. Es sei hier gleich auf die biologische Bedeutung der Spi- ralen Windungen, so wie sie Darwin annimmt, hinge- wiesen: 1. Den herabhngenden Schssling zieht die Ranke durch die spirale Kontraktion nach oben. 2. Sie macht die Pflanze elastisch. Der Zug wird gleiehinssig auf die verschiedenen angehefteten Zweige vertheilt. Auf diese Weise schtzt sich die Pflanze davor, bei str- mischem Wetter von den Sttzen abgerissen zu werden. So weit Darwin's Ansichten. Die korkzieherfrmige Ein- rollung einer befestigten Ranke erfolgt in 1 iy 2 Tag. Durch rein mechanische Einwirkungen entsteht oft mitten in der Einrollung eine pltzliche Wendung nach der entgegengesetzten Seite. Der Grad der Empfindlichkeit der Ranken gegen die mannigfachen Reize ist verschieden. Als die emp- findlichsten werden von Darwin die von Passiflora gracilis bezeichnet. Er hat daran beobachtet, dass ein Stckchen Platindraht, welches 1,23 mgr. wog, und sanft auf die konkave Spitze gelegt wurde, bewirkte, dass eine Ranke hakenfrmig wurde. Dasselbe Ergebniss hatte er, als er dieses Experiment mit einer Schleife von weichem, dnnen baumwollenem Garn ausfhrte, welche 2,02 mgr. wog. Die Spitze der Ranke fing nach 25 Sekunden die Bewe- gung an. (Vergl. Darwin. Bew. U. Lebensweise p. 132.) Auch die Ranken von Sicyos besitzen einen hnlichen Grad der Reizbarkeit. Dagegen sind z. 15. Ampelopsis- ranken in weit geringerem Grade reizbar. Nicht nur der Grad des Druckes. Stosses der Reibung ist verschieden, sondern auch die Zeit, innerhalb welcher gereizte Pflanzen zu reagiren beginnen. Sinilaxranken bewegen sich bei leichter Reizung nach l 1 | oder 1 ' _, Stunden, die Ranken der Cucurbita- ceen nach den Beobachtungen von Asa Gray nach 30 Se- kunden. Bei Ampelopsis ist die Zeitdauer zwischen Reiz Nr. 2. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 15 und Bewegung grsser, als bei Smilax. Dauert der Reiz nicht fort, so wie beim Winden um eine Sttze, dann streckt sieh die Ranke gerade. Es ist eigenthmlich, dass die Ranken nicht ohne weiteres fr Druck, Stoss und Berhrung empfindlich sind, sondern nur fr ganz bestimmte Formen und Grade. Ein- gehende Versuche hierber hat Pfeffer angestellt, i Zur Kenntniss der Kontaktreize" in den Untersuchungen des botanischen Instituts zu Tbingen.) Er reizt Sieyosranken mit in Gelatine eingetauchten Glasstbehen und konstatirt: 1) Bei zu schneller Reibung wird kein Heiz erzielt. 2) Zu starker Druck oder Stoss verursachen keinen Reiz. Durch Berhrungen mit festen Krpern (Schtteln) werden Erschtterungskrmmungen hervorgerufen , aber ohne bleibende Folgen. Sie gleichen sieh bald wieder aus. Luftreibung kann also auch nicht Reizursache werden. Pfeffer weist auf die biologische Bedeutung dieser Erscheinung hin. Wrden nmlich die durch Wind oder auf andere Weise mechanisch gereizten Ranken infolge des Reizes eingerollt sein, so wren sie nicht befhigt, eine Sttze zu ergreifen und die Pflanze zu befestigen. 3. Die Ranken werden durch einen Wasserstrahl nicht gereizt. Darwin schon zeigte dies in seinem Werk pag. 119. Er sagt: Ich sprengte wiederholt kleine Tropfen Wasser aus einer Brste auf viele Ranken und bespritzte andere so heftig, dass die ganze Ranke uni- hergesehleudert wurde; sie wurden aber nie gekrmmt." Pfeffer lenkt bei seinen Untersuchungen einen krftigen Wasserstrahl gegen die Ranken von Sicyo&. Das Resultat war negativ, vorausgesetzt, dass das Wasser keine festen, mechanisch reizenden Tlieilelien, wie Sand enthielt. Auch diese Thatsaehe ist von biologischer Bedeutung. Die z. B. infolge des Regens eingerollte Ranke wrde schwer- lich im Stande sein, sieh um eine von ihr ergriffene Sttze zu winden. Auch die mit andern Flssigkeiten, wie Oel, Queck- silber, hnlieh ausgefhrten Versuche ergeben obiges Resultat. Demnach sagen wir: Im flssigen Aggregat- zustande befindliche Krper wirken nicht reizend auf Ranken; jedoch heben sie das Vermgen, zu empfinden, nicht auf. 4. Ranken knnen sieh auch gegenseitig reizen; doch findet man diese Erscheinung selten. Als positives Resultat der interessanten Untersuchun- gen Pfeffers drfte gelten: Zur Erzieluni;- einer Reizung mssen in der sensiblen Zone der Ranke diskrete Punkte beschrnkter Ausdehnung gleichzeitig oder in gengend schneller Aufeinanderfolge von Stoss oder Zug hinreichen- der Intensitt betroffen werden." Erwhnt seien in dem Abschnitt von der Art des Reizes auch die Versuche z. B. von Mohls und Pfeffers, rankende Pflanzen mit Hlfe des elektrischen Stromes zu reizen. Pfeffer beobachtete an den Ranken Reizung bei schwachen Induktionsstrmen. Von Einfluss auf den Grad der Reizbarkeit ist die Temperatur. Bei warmem Wetter ist ein hherer Grad von Reizbarkeit vorhanden, als bei khlem. Auch die einzelnen Tbeile der Ranke zeigen ver- schiedene Grade des Empfindungsvermgens. Bei jungen Rauken ist es am meisten ausgebildet. An der Ranken- spitze ist die Reizbarkeit am grssten, an der Basis am geringsten. Interessant ist hierbei die Untersuchung der Quer- schnitte durch die Basis und an hher liegenden Stellen. Querschnitte durch die Basis zeigen radiren Bau. Wit- schen Gefsslindel regelmssig vertheilt, einen Skleren- chymring, dann grnes Gewebe und Collenchym. Jemehr nach oben die Schnitte gemache werden, desto deutlicher tritt der dorsiventrale Bau hervor, der wie ja auch an anderen pflanzlichen Organen als eine Folge der Arbeits- theilung anzuseilen ist. Die Unterseite des rankenden Organs wird mehr der Funktion der Empfindung ange- passt. Dort befinden sich die Gefsslindel und das Sklerenebym. Auf der Rankenoberseite dagegen tritt vor allen Dingen das grne Parenchym auf, welches die Assimilation besorgt. Ranken, welcher ihrer Bestimmung nicht gengen knnen, da sie keine Sttze finden, gehen zu Grunde, wie man an Ampelopsis, Cucurbita oft sehen kann. Sie rollen sieh spiralig ein und sterben bald ab. Bei Yitis, Ampelopsis bleiben sie vor dem Absterben gerade ge- streckt, Noch einer hchst interessanten Erscheinung auf dem Gebiete der rankenden Pflanzen muss hier gedacht wer- den. Wir bemerken an den Ranken der meisten Ampc- lopsisarten mehr oder weniger, dass sie zunchst be- schattete Stellen bevorzugen beim Aufsuchen einer Sttze. (Amp. elegans.) Strker tritt die Erscheinung zu Tage bei A. hederacea. Infolge des Wegwendens vom Licht kommen diese Pflanzen mit Mauern, andern Sttzen, auch wohl unter einander in Kontakt. Dabei beobachten wir die eigenthmliche Haftballenbildung bei einigen Am- pelopsisarten, z. B. A. hederacea und muralis. H. v. Mohl schon bercksichtigt die Erscheinung in seinem zu Anfang dieses Jahrhunderts erschienenen Werke Ueber den Bau und das Winden der Pflanzen." Es licisst darin 59: Die Ranke von Cissus hederacea befestigt sich an fremde Krper mit Hilfe eines merk- wrdigen Organs, welches hauptschlich durch den mit der Berhrung eines fremden Krpers verbundenen Reiz zur Entwickelung gebracht wird. Das Kpfchen besteht aus einer Anschwellung des Zellgewebes, ohne dass die Gefsse Antheil an dieser Bildung nehmen. Die Epidcrmiszellen der Ranke haben sich am Kpfehen zu Papillen ver- lngert. Das Kpfchen nimmt ganz die Form des Kr- pers an, mit dem es in Berhrung kommt," Mohl theilt die Malpighische Ansicht von der Aus- scheidung eines klebrigen Sekretes aus der Warze, ob- gleich er hierber direkt nichts beobachtet hat. Auch Darwin weist in seinem bekannten Werk S. 111 bis 113 auf die Haftballenbildung hin. (Ampelops. hederae.i Auch er glaubt, dass sich die Ballen mit Hlfe eines ausgeschiedenen Cementes" befestigen. v. Mohls Meinung, dass sich Haftballen bei der Berhrung mit irgend einem Gegenstnde bil- deten, hat Pfeffer infolge experimenteller Untersuchungen dahin modificirt, dass die Entstehung dieser Gebilde nur bei Berhrung mit einem soliden Krper erfolgt. Eingehende Untersuchungen ber die Haftballenbil- dung sind in neuster Zeit von August v. Lengerken an- gestellt worden. (Bot. Zeitung von de Bary u. Just, Jahrg. 43, No. 22-27: Die Bildung der Haftballen an den Ranken einiger Arten der Gattung Ampelopsis.) Ich lasse seine Ansichten hier folgen. L. findet den Grund der Haftballenbildung darin, dass infolge des Berhrungsreizes die schon an sich etwas anders gebaute Spitze der Ranke sieh verndert, indem sich die Epidermiszellen bedeutend in die Lnge strecken und scharf turgeszieren. Dadurch erscheint die Spitze kugelig gewlbt. Findet die Rankenspitze nun am Substrat, auf dem sie sich befindet, Unebenheiten, so vergrssern sich dort die Epidermiszellen mehr und schmiegen sich so den Unebenheiten an. Aber auch die unter der Epidermis gelegene Zellschicht verndert sich dabei in gleicher Weise. So wird der Ballen gebildet. Vernderungen in den Geweben bedingen die eigenartige Beschaffenheit z. B. der Rinde 16 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. Nr. 2. des Ballens. Schon die allerersten Anlagen der Ranken zeigen diese Kpfehenbildung. In spteren Stadien sind die Haftorgane scheibenfrmig mit hellem Rand and konvexer < Iberflche. Das Anheften wird alter nicht nur durch Vernde- rungen in der Zellbildung bewirkt, sondern vor allem auch durch ein klebriges Sekret, welches die Zellen der Epidermis absondern. Streicht man ber eine Oberflche des Haftorgans mit Baumwollenfasern weg-, so bleiben diese hngen. Sie kleben an dem ausgetretenen flssigen Stoffe, v. Mohl, Darwin, Malpighi kannten dieses Sekret und besprechen es an der betreffenden Stelle. Der Berhrungsreiz veranlasst ein Austreten des Schleimes, der, wenn er zu stark angehuft ist, die dnne Cntieula zerreisst. An der Luft erhrtet der Schleim nach einiger Zeit, die Epidermis- und Gewebezellen umwachsen die Unebenheiten des Substrats und so wird eine ungemein starke Befestigung der Ranke an ihrer Unterlage ermg- licht. An einem Rankenzweig bilden sieh oft mehrere Haft- ballen aus. Jemehr vorhanden sind, desto mehr geht der Pflanze die Fhigkeit 7.11m AVinden verloren. (Verkmme- rung' der Organe durch Nichtgebrauch.) leb sehliesse mit einem allgemeinen Gedanken ber die rankenden Pflanzen, der von Darwin am Schluss seines berhmten Werkes ber die kletternden Pflanzen ausgesprochen worden ist: Es ist oft in un- bestimmter Allgemeinheit behauptet worden, dass Pflanzen dadurch von den Thieren unterschieden werden, dass sie das Bewegungsvermgen nicht besitzen. .Alan sollte viel- mehr sagen, dass Pflanzen dies Vermgen nur dann er- langen und ausben, wenn es fr sie von irgend welchem Vortheil ist. Dies ist von vergleichsweise seltenem Vor- kommen, da sie an den Boden geheftet sind, und ihnen Nahrung durch die Luft und den Regen zugefhrt wird. Wir sehen, wie hoch auf der Stufenleiter der Organisation eine Pflanze sieh erbeben kann, wenn wir eine der voll- I kommneren rankentragenden Pflanzen betrachten." Wuthkrankheit. - In den Annales de l'Institut Pasteur 1889 No. 8 machte A. Hoegyes Mittheilungen ber die Dauer der durch die Pasteur'sche Schutz- impfung erlangten Immunitt gegen die Wuth- k rank he it. Der Autor besass 27 immunisirte Hunde, deren Widerstandsfhigkeit gegen erneute Infektion von Zeit zu Zeit geprft wurde. Der lngste Zeitraum der Immunitt betrug- 13 Monate. Pasteur theilte einen Fall mit, in welchem die Schutzkraft 2 Jahre andauerte. In Xo. '.) derselben Zeitschrift verffentlichte A. H. seine mit Untersttzung der Ungarischen Akademie der Wissen- schaften ausgefhrten Versuche ber Schutz- impfungen gegen die Tollwuth bei Thieren. Mehr als 1500 Kaninchen wurden whrend eines Zeitraumes von 3 Jahren dem Experimente unterzogen. Smmtliche Versuche, wobei die Thiere der Schutzimpfung' unter- worfen wurden, nachdem die Thiere intrakraniell oder intraokulr mit fixem Wuthgift geimpft worden waren, ergaben negatives Resultat. Ein Schutzer- folg wurde erzielt durch die Schutzimpfung' mit ver- dnnter Emulsion des frischen Markes wutbkranker Thiere nachfolgend nach subkutaner Injection von fixem Wuthgift oder iss wthiger Thiere. Durch Schutz- impfung vor der Infektion mit fixem Wuthgift wurden in den meisten Fllen die Thiere gegen die wirksamste Infektion vollkommen geschtzt. Hierdurch wird der praktische YYerth der Pasteur'schen Schutzimpfung unter- sttzt. Aus Barcelona wurde ber die Ergebnisse des dortigen Kniglichen Laboratoriums bezglich der Schutz- impfung gegen die Tollwuth mitgetheilf, dass daselbst 439 Impfungen gemacht worden seien, und zwar 90 an Personen, welche von Thieren gebissen worden waren, bei denen die Wuth durch experimentelle Beobachtungen (Infektion von Thieren mittelst des Markes vom wuth- kranken Thiere) erwiesen wurde, - - 107 an Personen, welche von Thieren gebissen worden waren, deren Er- krankung au Tollwuth durch Aerzte und Thicrrzte be- glaubigt war, 242 an Personen, welche von wuth- verdehtigen Thieren gebissen worden waren. Nur bei einer einzigen von allen der Prventivimpfung unter- zogenen Personen trat der Tod in Folge ausgebrochener Wuth ein. Ferner wurden 110 Hunde prventiv geimpft, von welchen keiner zu Grunde ging. Nhere Angaben ber die Zeitperiode dieser [mpfungen fehlen. Aus dem zu Palermo bestellenden Institute zur Heilung der Wuth durch die Pasteur'sche Schutzimpfung verffentlichten De Blasi L. und Russo-Travali den zweiten vom 1. Mrz 1888 bis Ende Februar 18811 reichenden Impfbericht: An der Station wurden geimpft 161 Per- sonen (120 m., 41 w.). Von diesen waren 80 Personen gebissen worden von Thieren, deren Wuth mit voller Sicherheit festgestellt wurde. 1 Person wurde von einem Maulesel, 1 von einem Esel, 16 von Katzen, 143 von Hunden gebissen. Von den geimpften Personen sind 2 ge- storben, trotzdem die Prventivimpfung gleich am nch- sten Tage nach erfolgtem Pisse ausgefhrt wurde; die brigen blichen von der Wuth verschont. Dr. L. Seh. Eigenbewegung bei Mikrokokken. Auf die Verffentlichung des Dr. Ali-Cohen ber einen von ihm aufgefundenen Mikrokokkus bin, welcher Eigenbewe- gung besitzt (siehe IV. Bd. dieser Zeitschrift S. 254), weist Prof. Mendoza zu Madrid auf eine bereits im Mrz 1888 in der Zeitschrift Boletin de Medieini y Cirnrgi" stattgefundene Publikation bin, worin er einen von ihm entdeckten Mikrokokkus beschreibt, welchem gleichfalls eine in der deutlichsten Weise erkennbare Eigenbewe- gung zukommt. Bei Gelegenheit der Untersuchung der Sarcina ventrieuli (Goodsir) fand Prof. Mendoza auf den Kulturplatten eine den Sarcina-Kolonien in den ersten Entwickelungsstadien ziemlich hnliche Kolonie , von welcher er einzelne Individuen mit strkerer Vergrsserung nher untersuchte. Zu seinem Erstaunen nahm er wahr, dass er es mit einem Micrococcus tetragenus mit leb- hafter Eigenbewegung zu thun habe. Morphologisch zeigt sich dieser Mikrokokkus immer tetradisch oder in Haltererform mit deutlicher Neigung zur Tetragnie. Der- selbe besitzt eine deutlieh sichtbare Kapsel, eine eigene Hlle und ein feinkrniges Protoplasma. Bei den Kul- turen in flssigen Mitteln ist die Eigenbewegung sehr deutlich zu erkennen und besteht in raschem Vorwrts- rollen der Tetraden, welche in verschiedenen Richtungen sieh um ideale Achsen drehen. Prof. Mendoza hat diesem Mikroorganismus den Namen ..Micrococcus tetragenus um bilis ventrieuli" beigelegt. Dr. L. Seh. Lokalisation der Gehirnfunktion. Die an Thieren bezglich der physiologischen Dignitt der ein- zelnen Gehirntheile gewonnenen Ergebnisse einem grsseren Gelehrtenkreise direkt vor Augen zu fhren, stsst auf die grsste, aus der Natur der Sache hervorgehende Schwierig- keit, so dass die Demonstrationsversuche gar hutig miss- lingen. Auf dem im September d. .1. zu Basel stattge- habten ersten internationalen Physiologen-Kongresse ge- lang es dem auf dem Gebiete des physiologischen Expe- Nr. 2. Naturwissenschaftliche Wochenschrift, rimentes hochberhmten Professor Victor Horsley aus London, an einem therisirten Affen hchst eindrucksvolle und die Versammlung berzeugende Versuche ber sehr fein abgestufte und lokalisirte Reizung der Gehirnwin- dungen zu erlutern. Je nach der Lokalisation des an- gewandten Reizes am Gehirn konnte der Experimentator nach Belieben die lokalisirtesten peripheren Muskel- zuckungen, wie Bewegung einzelner Finger, einzelner mimischer Gesichtsimiskeln u. s. w. augenblicklich und mit der grssten Sicherheit erzielen. Derartige gelungene Experimente, wie sie nur einzelnen gewandten Experi- mentatoren glcken, sind sehr dazu geeignet, die noch an der Lokalisation innerhalb der Gehirnrinde Zweifeln- den direkt vom Gegenthcil zu berzeugen. Dr. L. Seh. Todesflle in Folge des Genusses von Fischen sind in Japan fter beobachtet worden. Es bandelt sieh um verschiedene Arten der Gattung Tetrodon, die zu den Haftkiemern, Plectognathen, gehrt. Die Ja- paner nennen diese Fische Fugu. Den hchsten Grad der Giftigkeit besitzen diese Thiere whrend ihrer Laichzeit, welche in den April und Mai fllt. Die Erklrung hier- fr findet sich in dem Unistande, dass das Gift in den Eierstcken seinen Sitz hat. Leber dasselbe sind in jng- ster Zeil von dem Prof. Dr. D. Takahashi und dem Dr. V. Inoko in dem pharmakologischen Institute der Univer- sitt Tokio Untersuchungen angestellt worden. Die Ex- perimentatoren benutzen die reifen Eierstcke des Akame- Fugu (Tetrodon pardalis Sieb.) trad des Tora-Fugu (Te- trodon rubripes Schleg). Das Gift wirkt bei Sugetbieren (Hunden, Katzen, Kaninchen) lhmend auf die Centren des verlngerten Markes, whrend die Erregbarkeit der peripheren (iefssnerven und die hemmende Wirkung des nervus vagus erhalten bleibt. Die Herzkontraktionen be- halten den regelmssigen Rhytinus, werden aber verlang- samt und es tritt endlieh unter rasch sinkendem Blutdruck Stillstand des Herzens ein. Vorher aber hren die, eben- falls langsamer werdenden Atbembewegungen auf, aber Krmpfe treten dabei nicht ein. Bei Kaltbltern (Frschen) kommt es zu einer Lhmung der motorischen Nerven. Versuche ber die chemische Natur des Fugu-Giftes haben ergeben, dass dasselbe weder ein ungeformtes Ferment, noch eine organische Base ist. Von besonders praktischer Wichtigkeit ist der Befund, dass das Fugu-Gift durch thierische Membranen diffundirbar, in Wasser lslieh und selbst durch stundenlanges Kochen nicht zerstrbar ist. (Centralblatt fr die medicinisehen Wissenschaften, No. 29 u. No. 49, Berlin 1889. Erste und zweite vorlufige Mit- theilung.) Dr. M. Bartels. Die leuchtenden Nachtwolken im Sommer 1889.*) Die Erscheinung der leuchtenden Xachtwolken ist auch im Sommer 1889 wiederholt beobachtet worden. Allerdings drfte dieselbe nur von einem kleinen Theil des Publikums wahrgenommen worden sein, weil das Ph- nomen mit wenigen Ausnahmen nur Naehmitternachts auf- trat, und weil ausserdem in den wenigen Fllen, in welchen es Vormitternachts sichtbar war, es einerseits so lichtschwach sich zeigte, dass es kaum bemerkt wer- den konnte, whrend andererseits die untere Bewlkung fr die Sichtbarkeit sehr strend war. Naehmitternachts sind dagegen die leuchtenden Nacht- wolken ziemlich hutig, und zum Theil von prchtigem Glnze gesehen worden, und es ist der beharrlichen Aus- dauer der Herren Uhrmacher Baker in Nauen und Astro- nom Hffler in Charlottenburg, welcher in Rathenow Aufstellung genommen hatte, zu danken, dass die Er- scheinung zu bestimmten, vorher verabredeten Zeiten *) Vergl. hierzu Naturw. Wochensehr." Bd. IV, S. 4. r >. Red. wiederholt an den Orten Rathenow, Nauen und in Steg- litz von mir photographisch aufgenommen worden ist. Auch in Braunschweig sind von den Herren Professor ('. Koppe und Professor Max Mller zum Theil gleich- zeitig mit den hiesigen mehrere Aufnahmen ausgefhrt worden, whrend in Magdeburg der Vorsteher der Wetter- warte daselbst, Herr Grtzmacher einige Eandzeieh- nungen von der Erscheinung lieferte. Besonders ist die Anzahl der photographischen Aufnahmen in der Nacht vom 2. zum ''<. Juli, in welcher das Phnomen ungemein glnzend auftrat, eine ziemlich grosse. Es erscheint einigermaassen bemerkenswerth, dass in dem vergangenen Sommer die leuchtenden Nachtwolken noch aussergewhnlich spt, nmlich zuletzt am Morgen des 18. August gesehen worden sind, whrend in den vor- aufgegangenen Jahren dieselben nach dem 1. August nicht mehr bemerkt worden. Da in dem letzten Sommer die regelmssigen Beobachtungen zum ersten Male sich auch auf die Zeit nach Mitternacht erstreckt haben, so ist es mglich, dass das hutigere Auftreten am frhen Morgen, wie es in der letzten Periode der Sichtbarkeit beobachtet wurde, eine wesentliche Eigenthmlichkeit der leuchtenden Nachtwolken ist: hiermit wrde auch das aussergewhnlich spte Auftreten derselben erklrt werden. Soweit mir bis jetzt Nachrichten darber zugekommen sind, ist das Phnomen in dem vergangenen Sommer in Nord-Amerika, in Holland, in dem Kanal, in der Schweiz und mehrfach in Deutschland beobachtet worden. In Bezug auf eine zu erwartende Wiederholung der leuchtenden Nachtwolken scheint es, dass auch in den nchsten Jahren dieselben noch sichtbar sein werden. Es schreitet aber die Abnahme der Erscheinung unver- kennbar langsam fort, so dass nach wenigen Jahren ver- muthlich keine photographischen Aufnahmen mehr mg- lich sein werden. Ueber die Hhe des Phnomens nach den diesjhrigen photographischen Aufnahmen lsst sich zur Zeit noch keine Angabe machen, da die Bearbeitung des Beobach- tungs-Materials noch nicht durchgefhrt ist. Es ist aber fr die ausserordentliche Hhe der Erscheinung bezeich- nend, dass die in der Nacht vom 2. zum 3. Juli in Ra- thenow, Nauen und Steglitz erhaltenen Photographien das Phnomen fast gleich wiedergeben. (Bekanntlich hat sich aus vorlufigen photographischen Aufnahmen, welche am 6. Juli 1887 gleichzeitig von Herrn Dr. Stolze in Berlin und von mir in Potsdam gemacht worden sind, der un- gemein grosse Werth von 75 Kilom. ergeben.) Die ungefhren Entfernungen der Stationen von ein- ander sind: Rathenow-Steglitz = 70 Kilom Rathenow-Nauen = 38 Nauen Steglitz = 35 Zu den photographischen Aufnahmen der leuchtenden Nachtwolken sind Portrait- Doppel -Objective von Emil Busch in Rathenow, construirt nach Petzval, verwandt worden. Bei der Wahl dieser Objective sind besonders die Gesichtspunkte massgebend gewesen, die Erscheinung durch eine mglichst kurze Expositionsdauer zu fixiren. Es erschien dies aus dem runde noth wendig, weil die leuchtenden Nachtwolken, wie vielfach beobachtet worden ist, ihre Form sehr rasch verndern. Die Objective, welche ganz ohne Blende in Anwendung gekommen sind, haben eine Oeffnung von 78,5 mm und eine optisch wirk- same Brennweite von etwa 198 mm. Das erhaltene Bild ist scharf bis zu einer Ausdehnung von 15" im Durch- messer, und es ist ferner fr Messungszwecke noch brauch- bar bis zu einem Bildwinkel von 20" und wohl noch etwas darber. Die Belichtungsdauer fr die leuchtenden Nachtwolken 18 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. Nr. 2. ndert sich mit der Tiefe der Sonne unter dem Horizonte, [st der letztere einigermassen frei von Dunst, so ist die Be- lichtungsdauer unter den angegebenen Lichtverhltnissen des Objectives und bei Anwendung von gewhnliehen Platten ans der folgenden Zusammenstellung zu erkennen. Tiefe der Sonne Belichtungs- dauer 22 Sek. 30 42 - 60 3 sind unter bereit- unter dem Horizonte 10 14 Die photographischen Apparat willigster vorlufiger Ueber- nalime der Kosten durch Herrn Professor W. Frster, Berlin, nach nieinen Angaben von dem Mechaniker Herrn G. Braun, Berlin, ganz hnlich wie Theo- dolite gebaut, nur mit dem Un- terschiede, dass statt der Fern- rohre die Camera eingesetzt ist. unmittelbar vor der em- pfindlichen Platte ist im Innern der Camera ein rechtwinkliges Fadenkreuz angebracht, welches sich bei jeder Aufnahme auf der empfindliehen Platte mit abbildet, und welches unter gleichzeitiger Ablesung der Kreise die Einstellungsrichtung des Aiiparates und somit die relative Orientirung des abgebildeten Gegenstandes ergiebt. Die absolute Orien- tirung ist in der Regel durch diejenigen Aufnahmen der Wolken gegeben, welche bei einer Tiefe der Sonne von 12 bis 14' ausgefhrt werden, bei welchen fast immer sich hellere Sterne mit abbilden, mittelst welcher die Lage der Einstellungseinrichtung zu bestimmen ist. Von diesen Appa- raten sind 7 Stck her- gestellt wurden, welche in der Weise auf die verschiedenen Stationen vertheilt worden sind, dass Steglitz drei, Nauen und Rathenow je einen und Braunsehweig zwei Instrumente erhielt. Die Gesichtspunkte, welche bei dieser Yertheilung massgebend gewesen sind, ergeben sich aus der Ausbreitung des Ph- nomens, welche im All- gemeinen grsser ist als Fi man mit einem Apparate berspannen kann. Ex bestand daher die Absieht, an einer Station, Steglitz, soviel Apparate aufzustellen als uthig erschien, um jedesmal das ganze Phnomen abzu- bilden. Ks bedurfte dann fr die brigen Stationen keiner besonderen Verstndigung ber die jedesmal zu whlende Einstellungsrichtung, weil immer mindestens eine der Ein- stellungen in Steglitz mit einer an den brigen Stationen correspondiren musste. Indessen sind mir die nthigen Mittel fr die Bedienung eines dritten und vierten Appa- rates in Steglitz nicht gewhrt worden, und es ist daher nur einem glcklichen Zufalle zuzuschreiben, dass der grsste Tlieil der Aufnahmen in Bezug auf die Richtung nahe bereinstimmt. Bedauerlich bleibt es aber immerhin, dass von dieser epochemachenden Erscheinung (Vergleiche Himmel und Erde." 1. Jahrg. Seite 263.) nur ein ver- hltnissmssig kleiner Theil bisher photographisch abge- bildet worden ist, 0. Jesse. Objecthalter mit vertikaler Verschiebung nach Professor L. Koch in Heidelberg. Die seitherigen Objecthalter gestatten nur eine verhltnissmssig geringe Hebung des eingespannten Objectes. Diese betrgt, da ein grosser Theil der sie vermittelnden Schlittenbahn durch Micrometerschraube und Objecthalter besetzt ist, und der Messerschlitten nicht die volle Ausnutzung der Palm erlaubt, nur 34 mm. Bercksichtigt man, dass, bevor man das Object anschneiden kann, eine oft ber einen Millimeter dicke Paraffin- schicht weggenommen werden muss, ferner dass, soll die Messerfhrurig nicht zu sehr ein- geschrnkt werden, man nicht bis zur ussersten Grenze der Schlittenbahn gehen darf, so bleibt fr das Object selbst oft nicht viel mehr als ein Milli- meter brig. In den meisten Fllen reicht eine so unbedeu- tende Hebung nicht aus. Man ist genthigt, das Object wh- rend der Arbeit umzuspannen und damit dessen Orientirung aufs Neue vorzunehmen. Das hat, ganz abgesehen von der Unbequemlichkeit eines derar- tigen Verfahrens, meist den Verlust von Schnitten zur Folge. Zur Beseitigung dieses Uebelstandes habe ich nach Angabe des Herrn Prof. Dr. L. Koch in Heidelberg Ob- jecthalter mit vertikaler Verschiebung construirt. Bei einem derselben, dem in Fig. 1 abgebildeten, ist der die Objectklammer tragende Rahmen (o) in genannter Richtung verschiebbar. Derselbe luft in prismatischer Fhrung, deren Reibung eine so bedeutende ist, dass der Rahmen in jeder ihm gegebenen Lage ge- nau verharrt. Eine Fixir- vorrichtung wird somit berflssig. Die Bewe- gung wird durch Zahn und Trieb bewirkt, Der Rahmen ruht auf einer mit Zahnstange versehe neu Stahlunterlage (b). In die Stange greift ein Zahnrad ein, das durch einen bequem angebrach- ten Hebelarm (v) in Bc- >. f. i Hwegung gesetzt werden kann. Die Umlegung des Hebels bewirkt eine Hebung des Rahmens um 1,2 cm. Hierzu kommt noch die auf der Schlittenbahn zu erzielende Hebung. Zu Beginn der Arbeit gebe man dem die Object klammer tragenden Rahmen den tiefsten Stand, spanne den Paraffinblock ziemlich hoch ein und hebe durch An- ziehen des Hebels die Schnittflche bis zur Messerschneide. Die Abnahme der Paraffindecke durch Schneidenerfolge ebenfalls unter Bentzung der Yertikalverschiebung. Man kann hierbei, wenn das Object der dem Hebelarm zugekehrten Lngsseite gut durchscheint, bis dicht an dieses heran- gehen. Das Schneiden des Objectes selbst geschehe unter ausschliesslicher Verwendung der Micrometerschraube. War diese zu Ende gedreht, ist sie infolge dessen zurck- geschraubt, so gebe man dem Objecthalter wieder die alte Lage und hebe das Object vermittelst des Hebel- Nr. 2. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 19 armes aufs neue bis zur Messerscheide. Man kann somit, und das ist sehr bequem, in einer bestimmten Region des Microtoms arbeiten. Erst wenn, was selten vorkommen wird, die Vertikalverschiebung voll ausgenutzt ist, ver- werthe man unter Versetzung der Micrometerschraube die Steigung der Schlittenbahn. Sehr ntzlich ist der Objecthalter auch in alle den Fllen, in denen das Object nicht vollstndig, sondern in durch die Entwicklung seitlicher Organe etwa gegebenen Abstnden geschnitten werden soll. Fr die zu schnei- denden Partien bediene man sich der Micrometerschraube, fr die ausfallenden dagegen der Vertikalverschiebung. Zur Messung des durch die letztere vermittelten Ausfalles, mit andern Worten des Abstandes zweier der zu schnei- denden seitlichen Organe, ist ein die Hebung markirender Index (bei x) vorhanden. Einfacher construirt, fr die meisten Zwecke aber vollstndig ausreichend, ist der in der Fig. 2 abgebildete Objecthalter. Der die abstehende Objectklammer tragende, bewegliche Metallkrper k luft in prismatischer Fhrung (st), er ruht auf einer Schraubenscheibe (v), deren ent- sprechende Drehung die Hebung oder Senkung veran- lasst. Eine Fixirschraube (a) ermglicht die Feststellung in jeder Lage. Die Hebung betrgt excl. Schlittenbahn 1 cm. R. Jung. L i 1 1 e r a t u r. Bernard Borggreve, Die Verbreitung und wirtschaftliche Be- deutung der wichtigeren Waldbaumarten innerhalb Deutsch- lands. Verlag von J. Engelhorn. Stuttgart, 1888. Wie alle Werke des Verfassers zeichnet sich auch diese kleine Abhandlung durch klares und auf scharfe Beobachtung der Natur beruhendes selbststntliges Urtheil aus und wirkt durch eine Flle neuer Gedanken beraus anregend auf den Leser. Wie sich der Verfasser in seiner Fachschrift Die Holzzucht," von welcher die vorliegende Abhandlung das fr einen grsseren Leserkreis er- weiterte dritte Kapitel bildet, bemht, die vielfach verknstelte Forstwirtschaft auf mglichst einfache, naturgemssere Bahnen zu lenken, so versucht er auch hier, die besprochenen Naturvor- gnge auf mglichst einfache Thatsachen zurckzufhren. Whrend wir selbst in den neuesten pflanzengeographischen Werken die Zusammensetzung der Pflanzendecke eines bestimm- ten Erdtheiles immer wieder lediglich durch die Einwirkung von Boden und Klima erklrt linden*), beweist der Verfasser in dem ersten Kapitel: Allgemeines ber die Verbreitung der Pflanzen und Bildung natrlicher Pflanzengemeinden" die Unzulnglichkeit dieser Erklrung selbst fr die einfachsten Vorkommnisse, und zeigt, dass der innerste Grund fr die Zusammensetzung der Pflanzendecke vielmehr mit Charles Darwin in dem Kampfe ums Dasein zu suchen sei. In noch schrferem Maasse aber als dieser grosse Forscher betont, der Verfasser die Bedeutung des Einflusses von Menschen und Thieren auf die Bildung von Pflanzengemein- den. Er geht sogar hierin soweit, die Existenz wirklich natr- licher Vegetationsformen (Wiese, Heide, Steppe und Wald) fr Kulturlnder, wie Deutschland, vollkommen zu leugnen. Jede Pflanzengemeinde, welche sich dort findet, ist vielmehr, ausser durch den Einfluss von Klima und Boden wesentlich und in erster Reihe durch die Behandlung des Bodens seitens des Menschen bedingt." Die natrliche Verbreitung wie alle Organismen so auch der Holzgewchse aber ist das Ergebnis meist noch jetzt thtiger Einflsse, nmlich: 1. natrliche, erbliche Fhigkeiten der Art fr den Existenz- kampf, 2. frdernde und hemmende Einwirkungen der Aussenwelt (Klimatische, Terrestrische Verhltnisse und Einwirkungen an- derer Organismen, im Kulturlande besonders des Menschen). - In dem Kapitel ber die natrliche Verbreitung der Holz- arten unterscheidet der Verfasser ganz richtig zwischen der natr- lichen Verbreitung einer Holzart und der namhaft weiter gehen- den Kulturzone, erinnert daran, dass die Grenzen der natrlichen *) In meiner Illustrirten Flora von Nord- und Mitteldeutsch- land (S. 34 und 35 der 4. x\uflage. Verlag von Julius Springer. Berlin, 1889) sage ich, dass die Hauptursachen, welche das jetzige Vorkommen der Arten zur Folge haben, zu suchen sind 1. in geo- logischen und historischen Erscheinungen, 2. in den jetzigen kli- matischen Einflssen und 3. in den Eigenschaften des den Pflanzen als Untergrund dienenden Bodens. H. P. Verbreitung nicht als bleibende, als scharfgezogene Linien zu betrachten seien, vielmehr nur als Schranken, jenseits welcher der betreffenden Pflanzenart der Kampf ums Dasein so schwer wird, dass sich die Art. nicht mehr erhalten kann", und dass es ausser dem innerhalb des Verbreitungsbezirkes gelegenen Haupt- gebiete fr jede Holzart noch eine quatoriel gelegene mit der Erstreckung nach Sden sich vertikal immer mehr erhebenden Verbrcitungs-Parzelle giebt. Bezglich der Erklrung dieser letzten glaubt Borggreve die Hypothese der meisten Pflanzengeographen, dass diese mehr quatoriel belegenen, vom Hauptbezirke oft weit abliegenden Verbreitungsparzellen auf besondere Schpfungszentren" oder auf frheren, wenn auch vorhistorischen Zusammenhang mit dem Hauptbezirk und klimatischen Aenderungen (Eiszeit etc.) zurck- zufhren seien, entschieden zurckweisen zu mssen, da die jhr- liche weite Verbreitung von lebensfhigen Keimen und der Kampf ums Dasein eine viel nher liegende, in der Kumulirung tglich zu beobachtender Vorkommnisse begrndete Erklrung bietet." Von den einheimischen Holzarten erreichen nach Borggreve in Deutschland ihre polare Grenze: Tanne, Zerr-Eiche, Schwarz- kiefer, Esskastanie, Buche; ihre quatoriale: Fichte und Kiefer. Auf einer Tabelle findet sich die vertikale Verbreitung der Holzarten bersichtlich dargestellt. Die rtliche Verbreitung der Holzarten ist nach dem Ver- fasser bedingt, einmal durch die Mglichkeit der Ernhrung, d. h. durch die Eigenschaften des Bodens, dann durch den durch die Einwirkung anderer Organismen, namentlich des Menschen, beeinflussten Konkurrenzkampf der Holzarten untereinander. Es konnten daher die kleinsamigen, lichtbelaubten und kurzlebigen Holzarten nur dort die Alleinherrschaft erlangen und behalten, wo sie wegen anderer Eigenschaften die allein standrtlich mg- lichen waren: wie auf armen Sandboden die Kiefer, auf sehr tiefem nassen Boden die Erle und in den obersten Gebirgslagen die Fichte. Alle anderen Standorte aber, welche ausser jenen auch den anspruchsvolleren, grosssamigen und dunkelbelaubten Holzarten zusagen, mssten diesen anheimfallen. Somit mssten Tanne und Buche (auf kleinen, jenen nicht mehr zusagenden Standorten durch Hainbuche und Linde vertreten) die endlich natrlichen und dauernden Beherrscher jeder durch namhafte Eingriffe von Seiten des Menschen nicht gestrten Vegetation bilden. Diese natrliche Vertheilung der Waldbume hat aber durch die direkte Einwirkung der Forstwirtschaft so namhafte Vern- derungen erlitten, dass die thatschliche Verbreitung der Holz- arten von der natrlichen durchaus verschieden ist: so hat die Buche der Kiefer und Fichte Terrain abtreten mssen, so ist die Tanne der Fichte gewichen und der Buchen- und Eichen-Hoch- wald an vielen Orten in Eichen-Schlwald bergegangen. Im fnften Kapitel stellt dann der Verfasser nach den in den vorhergehenden Kapiteln errterten Grnden fr Deutschland i) Waldgebiete auf: 1. Das nordostdeutsche Kieferngebiet, 2. Das nordwestdeutschc Heidegebiet, 3. Das niederrheinisch-westphiilische Eichengebiet, 4. Das westdeutsche Buchengebiet, 5. Das mitteldeutsche Fichtengebiet, 6. Das sddeutsche Tannen- und Fichtengebiet, 7. Das westphlische Buchen- und Kieferngebiet, 8. Das rheinlndische Tannen- und Buchengebiet und 9. Das Aue-Laub waldgebiet; und bespricht schliesslich noch die aus Hufigkeit und Nutzbar- keit resultirende wirthschaftliche Bedeutung der Holzarten. Kgl. Gartenmeister W. Raatz. R.Colson, L'Energie et ses Transformations. Georges Carre, Editeur. Paris. 1889. Ueber die wichtigste Erweiterung unserer Erkenntniss auf dem Gebiete der Physik im umfassendsten Sinne des Wortes, ber das Gesetz von der Erhaltung der Energie, besitzen wir mehrere treffliche, auch dem mit physikalischen Kenntnissen nur in massigem Umfange Vertrauten verstndliche Vortrge und Ab- handlungen von hervorragendem, theilweise dauerndem Werthe. Die Lehre von der Erhaltung der Energie ist in denselben aufs klarste, und deutlichste auseinandergesetzt und an einigen beson- deren Fllen: gewhnlich an dem Beispiele von der Umwandlung der Bewegung in Wrme und umgekehrt, auch erlutert worden. Im Laufe der Weiterentwickelung und des Ausbaues der Physik auf der neugewonnenen Grundlage haben sich jedoch die durch das genannte Gesetz vermittelten, alle Zweige des physikalischen Lehrgebudes aufs innigste verknpfenden Beziehungen in solcher Flle geboten, dass es dem, der an der Forschung selbst nicht betheiligt ist oder dieselbe nicht mit aufmerksamem Auge ver- folgt, nicht immer gelingt, das Bindeglied zu erkennen und sich ber die einzelnen Thatsachen zu einem allgemeineren, hheren Standpunkte der Erkenntnis aufzuschwingen. - Naturwissenschaftliche Wochenschrift. Nr. An diesen verhltnissmssig grossen Kreis von Lesern wendet ende Werk: aber auch der Physiker wird dasselbe mit Interesse lesen. In sehr geschickter Darstellung und mit einer grndlichen und umfassenden Kenntniss ausgestattet, unter- nimmt es der Verfasser, die verschiedenen Formen, unter denen die I nergie im Gebiete der Mechanik, der Wrme, des Lichtes, der Chemie, der Elektricitt und des Magnetismus offen- bart, und ihren Zusammenhang zu untersuchen; gleichzeitig be- rcksichtigt er sein- eingehend die Umwandlungen der Energie, aus denen der Mensch in den Maschinen verschiedenster Art Nutzen zieht. Die Darlegungen ber den Nutzeffekt, den man berhaupt erreichen kann, und den, welchen man that schlich er- zielt, sind ebenso klar wie lehrreich und werden bei vielen Lesern wesentlich zur Aufklrung dieser ganz besonders wichtigen Frage beitragen. So wnschen wir diesem, offenbar mit grosser Liebe zur Sache geschriebenen Werke, dessen Verfasser die neuesten, theilweise noch wenig allgemein bekannten wissenschaftlichen Ergebnisse sieh zu eigen gemacht und vcrweithet hat, auch bei uns einen grossen Leserkreis. G. Dr. Fr. W. Barfuss, Handbuch der Feld-Messkunde oder grnd- liche Unterweisung in der Feldmesskunst, sowie zu grosseren Aufnahmen, zu Nivellements und zum Gebrauch der Instrumente. Vierte vollstndig umgearbeitete und wesentlich gekrzte Auflage bearbeitet von W. Jeep. Mit einem Atlas von 2 Quarttafeln, enthaltend 250 Figuren. Bernhard Friedrich Voigt. Weimar 1889. Das vorliegende Buch gehrt zu denjenigen sonderbaren Produeten der Litteratur, welche bei dem Leser eine Stimmung erzeugen, auf die er von vornherein gewiss nicht gerechnet hat. < >b diese Stimmung einen Ersatz fr den gehabten Zeitverlust bietet, lsst sich nicht allgemein entscheiden. In der Vorrede sind die Grnde angefhrt, die es nothwendig erscheinen Hessen, das im Buchhandel seit lngerer Zeit vergriffene Barfuss'sche Handbuch umzuarbeiten und wesentlich zu krzen, um es den mit wenig mathematischen Kenntnissen ausgersteten Geometern, Bauhand- werkern, Bahnmeistern, Bauunternehmern etc." verstndlich zu machen. Dieser Aussage gegenber muss zunchst Protest da- gegen erhoben werden, dass das vorliegende Werk als eine 4. Auflage des Barfuss'schen Handbuches gelten soll. Es ist von letzterem bei der Umarbeitung nichts als ein Stck des Titels brig geblieben und die neue Arbeit trgt ein so eigenartiges Geprge, dass sie als ein selbststndiges Werk des Herrn W.Jeep angesehen werden muss. Welcher Art dasselbe ist, wird kurz gesagt am besten daraus zu erkennen sein, dass es wenige Seiten des Buches giebt, auf denen nicht Verstsse gegen Wortgebrauch und Satzbildung oder richtige Darlegung des Ge- sagten vorkommen. So sind, um nur einiges herauszugreifen. die Begriffe lothrecht und rechtwinklig fortwhrend verwechselt; das Fernrohr i>r Fernglas" genannt (S. T. 15. 16. 17. 19. 2!'. 77.1: Diopter mit Fernglas" soll vielfach unter dem Namen Kipp- (S. 7) im Gebrauche sein und in einer Schelle" liegen (S. ->: das Winkelrohr (S. 10 hat .eine Glasscheibe W, e zur einen Hlfte Glas ist": bes lers confus sind der Beweis fr den Winkelspiegel (3. 9) und die mit der Kippregel nehmenden Prfungen (S. 2627); das Fadenkreuz des lases" i>t aus sehr feinen Haaren oder .Seidenfden" (S. li| hergestellt, kann auch durch ein Glas ersetzt werden, auf dem feine Linien eingeschliffen" sind; der Messtisch ist immer noch mit Diopterlineal" versehen und eine Vorrichtung dass das Brett gedreht werden kann, i>r nicht durchaus erforderlich" (S. 11); die Libellen besitzen einen kleinen lufterfllten'' Kaum : die Nivellirinstrumente ..sind aber auch auf einer Kugel !" (S. 15); nach dir Angabe S. 24 soll man den Stab in den Spiegel fallen lassen" etc. hu Abschnitt 111. der die praktischen Arbeiten auf dem Felde behandelt, befinde! sich der Verfasser auf etwas ver- trauterem Boden, obgleich auch hier die dunklen Punkte nicht fehlen; man vergl. z. B. S. 47 die Gleichung MM | \M AM JAM AM! cos M AM,; d auf der Brdoberflche von 15 bis 18 Meilen sollen noch ii (S. 94), ebenso darf angeblich bei Flchen von 12 15 D Meilen die Erdkrmmung unbeachtet bleiben (S. 96); aber Bestimmung der Mittagslinie (S. 97). Den Schluss des Buches bildet die Erklrung einiger bei den Geometern gebruchlicher Ausdrcke". Hier isl u. A. zu Depressionswinkel, Tiefenwinkel, d. h. ein Winkel dessen einer Schenkel in der horizontalen oder einer anderen Rich- tung liegt, whrend der zweite Sehenkel unter dieser Richtung liegt". Ktroptisehe Instrumente sind solche etc."' (Katroptisch kommt in der Erklrung zweimal vor); Coineidiren ist in Koni- zidieren", Collimation in Kullimation" umgewandelt; Reflexion soll Richtungsabweichimg der Lichtstrahlen" bedeuten ; Refraction ist erlutert: Brechung, hier der Lichtstrahlen. Fllt ein Licht- strahl durch einen Krper, z. B. eine Luftschicht, so wird er ab- gelenkt und . . .". Die irdische oder ..terristrische" Refraction ist besonders erlutert. Der Verfasser stellt in der Vorrede weitere Werke ber Hhere Messkunde und Markscheidekunst in Aussieht. Der Verleger hat das Buch durch Beigabe eines Atlas von 29 Quarttafeln, 250 Figuren enthaltend, in berreicher Weise ausgestattet. Vielleicht hlt Herr W. Jeep durch Herausgabe eines von ihm verfassten Fremdwrterbuches den Verleger schad- los. Allen denjenigen Fachgenossen aber, welche durch die Sprdigkeit des Stoffes veranlasst bisher der Meinung waren, dass der Feldmesskunst nicht auch eine heitere Seite abzuge- winnen sei, kann das Jeep'sche Buch zur Leetre empfohlen werden. Prf. A. Schneider. Augustin, F., Leber den jhrlichen Gang der meteorologischen Elemente zu Prag. Calve, Prag. Austaut, J. L., Les Parnassiens de la faune palearctique. Heyne, Leipzig. Ball, Sir R. S., Theoretische Mechanik starrer Systeme. Auf Grund der Methoden und Arbeiten und mit einem Vorworte von R. S. B. hrsg. von H. Gravelius. G. Reimer, Berlin. Beard, J., Morphological studies. Fischer, Jena. Birch-Hirschfeld, F. V., Lehrbuch der pathologischen Anatomie. 1. Bd. Allgemeine pathologische Anatomie. 4. Aufl. Mit veterinr- pathologischen Beitrgen von A. Johne und einem Anhang: Die pathologisch -histologischen Untersuchungsmethoden von G. Schmorl. F. C. W. Vogel, Leipzig. Burgerstein, A., Materialien zu einer Monographie betr. die Erscheinungen der Transpiration der Pflanzen. Holder, Wien. Bsgen, M., Beobachtungen ber das Verhalten des Gerbstoffes in den Pflanzen. Fischer, Jena. Caspary, B,., Einige fossile Hlzer Preussens. Nach dem Naeh- lass. Herausgegeben von Triebe]. Schropp, Berlin. Charlier, C. V. L., Leber die Anwendung der Sternphotogrnphie zu Helligkeitsmessungen der Sterne. Engelmann, Leipzig. Claus, C, Copepodenstudien. 1. Hft. Peltidieu. Holder, Wien. Con-evon, H., Les fougeres rustiques. Stapelmohr, Genf. Deecke, W., Ueber Fische aus verschiedenen Horizonten der Trias. Schweizerbart, Stuttgart. Dirichlet's, G. Lejeune-, Werke. G. Reimer, Berlin. Drasch, H., Elemente der analytischen Geometrie der Geraden und der Kegelschnitte. Holder, Wien. Ebert, Th Die Eehinidcn des nord- und mitteldeutschen Oligo- cns. Schropp, Berlin. Enneper, A., Elliptische Funktionen. Theorie und Geschichte. Akademische Vortrge. Nebert, Halle. Ettingshausen, C, Prhr. v., Das australische Florenelenient in Europa. Leusebner it Lubensky, Graz. Exner, F., Beobachtungen ber atmosphrische Elektricitt in den Tropen. Freytag, Leipzig. Exner, K., Ueber die kleinen' Hfe und die Ringe behauchter Platten. Freytag, Leipzig. Fabricius, D., "Island und Grnland zu Anfang des 17. Jahrb., kurz und bndig riach wahrhaften Berichten beschrieben. Silomon, Bremen. Falb, K., Von den Umwlzungen im Weltall. 3 Bcher: In den Regionen der Sterne. - Im Reiche der Wolken. In den Tiefen der Erde. Hartleben. Wien. Falkenheim, H., Die Entstehung der kantischen Aesthetik. Speyer & Peters, Berlin. Fischer, F., Anleitung zur Darstellung organischer Prparate. Stahe], Wrzburg. Fischer, K., Immanuel Kant und seine Lehre. Winter, Heidel- berg. Flegel, E., Vom Niger-BenSe. Briete aus Afrika. Friedrich, Leipzig. Fokker, A. P., Die ('.rundlagen der Bakteriologie. Rede. F. ( '. W. Vogel, Leipzig. Frischauf, J., Einleitung in die analytische Geometrie. Leuschnei & Lubensky, < iraz. Fuchs, K., Ueber die Oberflchenspannung einer Flssigkeit mit kugelfrmiger Oberflche. Freytag, Leipzig. Inhalt: A. Tschirch: Indische Skizzen. - V. Schleichert: Leber Ranken der Pflanzen. Wuthkrankheit. Eigenbewegung bei Mikrokokken. Lokal > Gehirnfunktion. Todesflle in Folge des Genusses von Fischen. Die leuchtenden Nachtwolken im Sommer L889. Objecthalter mit vertikaler Verschiebung. (Mit Abbild.) Litteratur: Bernard Borggreve: Die Verbreitung und ivirthschaftliche Bedeutung der wichtigeren Waldbaumarten innerhalb Deutschlands. R. Colson: L'Energie el sea Trau ... Fr. W. Barfuss: Handbuch der Feld-Messkunde. - Liste. Verantwortlicher Redakteur: Dr. Henry Potonie, Berlin NW. 6, Luisenplatz I Verlag D'erd. Dmmlers Verlagsbuchhandlung, Berlin SW. 12. fr den Inseratentheil: Hugo Bernstein in Berlin. Druck: G. Bernstein, Berlin SW. 12. Nr. 2. 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GJJ3 sprechenden Rabatt. Beilagen nach Uebereinkunft Inseratenannahme Bringegehl bei der Post 1"> & extra. Jl bei allen Annoncenbureaux, wie bei der Expedition. Alxlrnck ist nur mit vollstndiger Quellenangabe gestattet. Ueber die granitischen Gesteine des Riesengebirges. Von Dr. W. Mller. Die granitischen Gesteine des Riesengebirges sind mehrfach wissenschaftlich bearbeitet wurden, so nament- lich von K. v. Rumer, G. Kose, Th. Liebisch und Klock- niann; da je- doch diese Ar- beiten in we- nig verbreiteten und daher fr das grssere Pu- blicum schwe- rer zugngli- chen Zeitschrif- ten niederge- legt sind. SO seil im Folgenden eine gedrngte Darstellung des bisher Bekann- ten, unter Hin- zufgungeiniger eigenen Beob- achtungen, ge- geben werden. Das Riesen- gebirge und das Isergebir- ge mssen als ein geologisches Ganze aufge- fasst werden; denn einerseits sind die Cen- tralmassive bei- der eine einzige zusammenhngende Granitmasse, andererseits sind der von diesem grossen Centralmassiv ringsum abfallende, zum Tbeil steil aufgerichtete Gneiss und Glimmerschiefer Ganggranit mit kugelfrmiger Absonderung am Krtenloch bei Schwarzbach im Rlosengcuirge vor der Durchbrechung durch den Granit nachweislich zusammenhngende Formationen gewesen. Die centrale Kranitniasse zeigt ihre Hauptausdehnung genau von Ost nach West in einer Lnge von ca. neun geogra- phischen Meilen (Luftlinie), wh- rend ihre grsste Breite in der Nord - Sdrieh- tung gegen drei Meilen, die ge- ringste nur eine Meile betrgt. AufderNord- und Nordwest- seite wird das Granitmassiv fast berall von Gneiss mit Ein- lagerungen von Glimmerschiefer begrenzt; nur an vier Punk- ten: bei Voigts- dorf nordwest- lich von Warm- brunn, an dem Schwarzen Ber- ge beiSehreiber- hau, bei Lieb- werda und Ras- penau stsst der Glimmerschiefer an den Granit. Dahin- gegen ist auf der Sd- und Ostseite der Glimmerschiefer, in welchem Gneissmassen vorkommen, das herrschende Gestein 22 Naturwissenschaftliehe Wochenschrift. Nr. 3. gegen den Granit, and nur am Ochsenherg und Schmiede- berger Kamm bildet wieder der Gneiss und in der Gegend von Kupferberg Hornhlendeschiefer die Grenze. Auf den Gneiss im Norden und den Glimmerschiefer im Sden des Gebirges lagern sich Thonsehiefer, welche fr sich nur im Sdwesten auf eine Strecke hin an den Granit heran- treten. Auf der Nordseite endlich von Hirschberg bis gegen Kupferberg wird die Grenze zwischen Granit und Thonsehiefer durch Diluvialablagerungen verdeckt, weshalb es unentschieden bleibt, ob hier Gneiss oder Glimmer- schiefer zwischen Granit und Thonsehiefer liegt. Alle granitisehen Gesteine sind Mineralaggregationen von Quarz, einem "der mehreren Feldspaten, einem oder mehreren Glimmern, nebst vieariirenden und accessorischen Gemengtheilen und durch ihre richtungslos krnige Struktur charakterisirt, d. h. die Anordnung der Gemeng- t heile in jeder durch das Gestein gelegten Ebene ist die gleiche. Dieser Charakter und die Eruptivitt trennt die granitischen Gesteine scharf von dem mineralogisch gleich zusammengesetzten, aber durch die lagenweise Anordnung ilrs Glimmers geschichteten Gneiss. Nach ihrer Zusammensetzung theilt man die Granite ein in: 1. Pegmatit oder Museovitgranit [Orthoklas (Kali- feldspat), Quarz, Muscovit (Kaliglimmer)]. 2. Granit im engeren Sinne oder zweiglimmeriger Granit. [Orthoklas, Quarz, Muscovit, Biotit, (Mag- nesiaglimmer)]. 3. Granitit oder Biotitgranit. [< rthoklas, Quarz, Biotit]. 4. Hornblendegranit. [Orthoklas, Quarz, Hornblende]. Das weitaus herrschende Gestein des gewaltigen C'entrahnassivs des niederschlesiseh- bhmischen Gebirges ist mm Granitit, der Centralgranit von Raumer's. Wenn- gleich in seiner mineralogischen Zusammensetzung und namentlich in seiner Struktur nicht berall gleich, sondern mannigfache Verschiedenheiten zeigend, ist derselbe wegen der durchweg gleichbleibenden Beschaffenheit ein- zelner Gemengtheile, besonders der Feldspate, doch so typisch, dass er selbst im Mundstck, von welchem Punkte (ics weiten Gebietes es auch immer entnommen sein mag. mit Sicherheit erkannt werden kann. Aus der in ihrer Korngrsse recht schwankenden Grundmasse von Orthoklas, Plagioklas, Quarz und Biotit tritt als vorherrschender Gemengtheil des Gesteins der gewhnlich fleisch- bis braunrote, seltener weisse (Merz- dorf, Kesselkoppe) Orthoklas hervor; derselbe erscheint in 1 bis s cm grossen einfachen und Zwillingskn stallen, welche hufig ringsum ausgebildet, nieisst aussen uneben, bisweilen jedoch, namentlich in feinkrniger Grundmasse, recht glattflchig sind (Abruzzen bei Curmersdorf, ScTiolzen- berg bei Warmbrunn). Der gelblich und graulichweisse Oligoklas (Kalk- natronfeldspat) findet sieh nieist nur in unregelmssig, seltener in regelmssig begrenzten, bis 3 em grossen Kr\ stallen Abruzzen, Scholzenberg, Krummhbel). Auf frischen Spaltungsflchen zeigt der Oligoklas die charak- teristische, haarfeine polysynthetische Zwillingsstreifung der Plagioklase. Sehr hufig kommen Orthoklas und Oligo- klas in paralleler Verwachsung vor, in welchem Falle dieser eine mehr oder weniger dicke Rinde um den Or- thoklas bildet; andererseits wurde aber auch das umge- kehrte Verhalten beobachtet, wo der Orthoklas den Oli- goklas einschliesst (Warmbrunn). Wie schon angedeutet, berwiegt der Orthoklas an Menge und Grsse seiner Krvstalle den Oligoklas; nur selten (Krummhbel) betheiligt sich dieser reichlicher an der Zusammensetzung des Granitits als der Orthoklas. Der an Menge fast durchweg sehr zunicktretende Quarz erscheint in graulichweissen, rauchgraucn. auch nelkenbraunen unregelmssigen Krnern, seltener in kanten- gerundeten Dihexaedern von 1 em Grsse und darunter Abruzzen). Der quantitativ am geringsten vorhandene, jedoch durch seine dunkelgrnlichschwarze Farbe stark hervor- tretende Magnesiaglimmer findet sich in rundlichen Bltt- chen und bis ().."> cm grossen, sechsseitigen Tfelchen. Schi- hufig ist neben dem Biotit als vicariirender Gemengtheil Hornblende vorhanden, welche in Form kleiner, prismatischer Individuen von grnlichschwarzer Farbe durch das Gestein zerstreut liegt (Hain, Herms- dorf, Warmbrunn, Kesselkoppe u. a. 0.). Dadurch ist eine Tendenz zur Bildung von Hornblendegranit ausge- sprochen, welcher in der Regel durch derartige Deber- gnge mit Granitit verbunden ist. Au accessorischen Mineralien finden sieh im Granitit Orthit in dnnen, meist stark verwitterten Prismen, Titanit, Pistazit in kleinen Huscheln von gelbgrner Farbe, Eisen- kies, Kupferkies, Brauneisenerz, zum Theil in Pseudomor- phosen nach Eisenkies. Die Struktur des Granitits ist gewhnlich eine por- phyrartige, indem der Orthoklas die brigen Gemeng- theile bedeutend an Grsse bertrifft; dabei ist die Grundmasse bald grber, bald feinkrniger. Dieser por- phyrische Charakter findet sieh vorzugsweise bei den iso- lirteren Granititkuppen des Hirschberger Thaies und den peripherischen Theilen des grossen Massivs. Die gemein- krnige Struktur, bei welcher alle Gemengtheile an Grsse einander mehr gleich kommen, zeig't sich dagegen vor- wiegend in den centralen Partieen des Massivs (Schnee- gruben, Teichrnder, Kamm). Nur in den zahlreichen Steinbrchen ist frisches, unzersetztes Gestein aufgeschlossen, sonst hat die Verwit- terung berall mehr oder weniger tief eingegriffen. Die Conturen der einzelnen Granititmassen lassen jedoch er- kennen, dass die Verwitterung nicht gleichmssig vor- schreitet, sondern die einen Partieen des Gesteins strker in Angriff nimmt als die anderen. Hauptschlich folgt sie den vielen Absonderungsklften und Kissen, die das Gestein masehenartig nach allen Richtungen hin durch- ziehen, dringt von diesen aus beiderseits in dasselbe ein und verwandelt es in eine brcklige .Masse, die als Grus oder Bergkies zur Wegeausbesserung vielfach Ver- wendung findet. Zwischen diesen Gruspartieen bleiben oft grssere, kluftfreie Blcke festen Gesteins stehen, die nach Wegfhrung der lockeren Verwitterungsproducte durch die Tageswsser bereinanderstrzen und als ein Haufwerk isolirter, rundlicher oder wollsackhnlicher Felsen die Granitkuppen bedecken und diesen ein so charakteristisches, malerisches Ansehen verleihen (Forst- berg bei Fischbach, Prudelberg bei Stonsdorf, Abruzzen bei Cunnersdorf, Kynast, Saalberg u. A.) Da diese Blcke zuweilen eine kugelige Textur zeigen, indem die Glimmerblttchen parallel der Oberflche angeordnet sind, so ist man vielleicht zu der Annahme berechtigt, sie als Erstarrungscentren anzusprechen, deren spter fest gewordene Zwischenmasse den leichter verwitterbaren Granitit lieferte. Bisweilen jedoch widerstehen die parallelepipedisch zerklfteten und dann gewhnlich klein- krnigen Granititmassen der Verwitterung recht energisch; dieselben haben dann ein mehr ruinenartiges Ansehen i Teichrnder, Schneegruben u. a. 0.). Mit dem Granitit aufs engste verbunden sind die Ganggranite, welche in zahlreichen Gugen, Adern und auch Gangstcken den Granitit, seltener den Gneiss und den Glimmerschiefer in der Umrandung des ersteren durchsetzen. Selbstndig scheinen sie jedoch in den letzteren Gesteinen nicht aufzutreten, sondern sie bilden in denselben die direkte Fortsetzung der im Granitit Nr. 3. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 23 aufsetzenden Gnge, wie dies recht gut im Glimmer- schiefer des Sehwarzen Berges hei Schreiberhai] zu beobachten ist. Welche Ansicht mau auch ber die Entstehung der Ganggranite haben mag, jedenfalls sind sie von jngerem geologischem Alter als der Granitit. Gleiches Streichen findet nicht statt; dasselbe ist vielmehr bei den verschiedenen Gngen ausserordentlich wechselnd. Der Ganggranit ist ein Granitit; er besitzt fast genau dieselbe Zusammensetzung wie der Haupt Granitit, also Orthoklas, Plagioklas, Quarz und Biotit; nur ist bei ihm der Plagioklas nicht Oligoklas (Kalk- uatronfeldspat) sondern Albit (Natronfeldspat). Heide Feldspte erscheinen in dem meist klein- bis fein- krnigen Gemenge mit unbestimmten Umrissen, ersterer meist fleischroth, letzterer weiss, oft jedoch beide weiss, wobei die haarfeine Zwillingsstreifung auf der Ebene der grssten Spaltbarkeit den Albit vom Orthoklas deutlich unterscheidet. Der Quarz, meist in schriftgranitartiger Verwachsung mit den Feldspten, ist von graulichweisser Farbe, der stets sprliche, ja bis zum Verschwinden zurcktretende Magnesiaglimmer dunkel. Die Struktur des Ganggranits ist bei den Gngen von geringerer Mchtigkeit eine klein- bis feinkrnige und nur selten eine porphyrische, wie sie beim Haupt- Granitit so gewhnlich ist; bei mchtigeren Gngen bleibt das Gestein oft nur an den Saalbndern klein- krnig, whrend nach der Gangmitte zu eine grobkrnige Struktur zur Entwiekelung kommt. Solehe Riesengranite bildeten das Material der frher lebhaft betriebenen vielen Spatbrche, welche dadurch zum Erliegen kamen, dass die Porzellanfabriken ihren Bedarf an Feldspat jetzt ausnahmslos aus Norwegen decken. Whrend der Haupt-Granitit selten drusig ist, finden sich in den Ganggraniten usserst hutig grssere und kleinere Drusenrume, in denen dann die Gemengtheile des Gesteins zum Theil prachtvoll auskrystallisirt sind. Die zum Theil flchenreichen Orthoklase aus den Drusenrumen der Ganggranite nach den Unter- suchungen von Kloekmann Mikroklin sind von blass rother bis ziegelrother auch gelblicher Farbe und er- reichen bisweilen eine ansehnliche Grsse, von 80 cm und darber (Grfllieh Scbaffgotsch'sche Sammlung in Warmbrunn). Der oft vorkommende Ueberzug von fein- schuppigem Eisenglanz und die noch hufiger auftretende regelmssige Verwachsung von wasserhellem Albit mit Orthoklas sind recht charakteristisch fr den letzteren. Der ebenfalls hufig mit Eisenrahm berkleidete Quarz der Drusenrume in bisweilen riesigen Exemplaren erseheint als gemeiner Quarz von trber, hellgrauer Frbung, als Rauchquarz (mit Unrecht Rauchtopas ge- nannt), seltener als violblauer Amethyst. Im Rauchquarz kommen als Einschluss zuweilen kleine rothe Granaten in der Form des Ikositetraeders vor. Von den in den Ganggraniten beobachteten aeces- sorischen Mineralien seien erwhnt: Anatas und Brookit (Grnbuschloch bei Schwarz- bach). Eisenglanz, Titaneisen, Magneteisen (Grnbuseh- loch, Krtenloch, Lomnitz, Rabenstein bei Wolfshau n. a. 0.). Fergusonit, Xenotim, Monazit, Gadolinit, Zirkon (Stoekelslibel bei Josephinenhtte und Kochel- wiesen bei Schreiberhau - - hier auch Granal und Kochelit). Kalkurauit (Hummelberg bei Rohrlach). Uranpecherz, Uranocker, Uranophan, blauer Korund, Dumortierit (Rabenstein bei Wolfshau). Kalkspat (Cunnersdorf). Museovit, Epidot, Turmalin, Desmin, Strigovit, Flussspat, Talk (a. v. 0.). Als hchst bemerkeuswertlie Erscheinung mge das Auftreten kugeliger Formen beim Ganggranit erwhnt werden. Ausser an einer von lteren Autoren ange- gebenen Lokalitt am Kvnast tritt derartiger Ganggranit mit kugelfrmiger Absonderung in einein ca. 6 m mch- tigen Gange in der Nhe des Krtenlochs bei Sehwarz- bach unweit Hirschberg zu Tage (vgl. Abbildung). Die theils durch etwasZwischenmasse mit einander verbundenen kugeligen, theils eng aneinander stossenden und dann mehr polyedrischen Gebilde haben einen Durchmesser von circa 7 bis IT) cm. Ihr Kern wird gebildet von einem oder mehreren Orthoklaszwillingen nach dem Karlsbader Ge- setz, oder einem grobkrnigen Aggregat von Orthoklas, Plagioklas, Biotit und Quarz. Hieran setzen sich, eine radialstrahlige Textur hervorbringend, Orthoklaspartien, die von sehr kleinen Quarzkrnehen und Biotitschppchen durchwachsen sind, und nach dem Rande zu nehmen die Gemengtheile eine gleichmssige sehr feinkrnige Struktur an. Derartige kugelige Bildungen lassen den Einwand geltend machen gegen die mehrfach vertretene Annahme, dass die Ganggranite smmtlich ein Produkt des Ab- satzes aus wssriger Lsung seien, wie dies namentlich G. vom Rath fr die Ganggranite Elbas und II. Credner fr die des schsischen Granulitgebirges nachgewiesen haben. Das Auftreten von Kugelformen, das Hinein- setzen der (Snge ins Nebengestein (Schwarzer Berg bei Schreiberhau) und das Vorkommen mchtiger Gangstcke sprechen vielmehr fr die geologische Selbstndigkeit der Ganggranite des Riesengebirges und deuten darauf hin, dass sie einer spteren Eruption von Granitmagma in den lteren Granitit hinein ihre Entstehung ver- danken. Als ein ferneres gangfrmig den Granitit durch- setzendes Gestein ist der Granitporphyr zu nennen. Er kommt in Gngen von oft bedeutender Lngserstreckung und gleicher Streichungsrichtung in h. 23 (N. - 0.) vor und tritt mit seinen geradlinig verlaufenden scharfen Rcken rtlich deshalb Schrfen" genannt neben den kuppeifrmigen Granitbergen deutlich hervor. Dabin gehren: Die Schrfe bei Hermsdorf am Kynast und ihre Fortsetzung nach Sden am Sabrich und Hummel- berg entlang, nach einiger Unterbrechung bei den Schnee gruben wieder erseheinend und schliesslich am Kahlen- berg im Glimmerschiefer auf der linken Seite der Mummel noch einmal auftauchend; ein zweites System von Gngen, die sich schaaren und wieder verzweigen, beginnt bei Lomnitz, bersehreitet die Strasse von Erd- mannsdorf nach Stonsdorf, geht (istlieh von Seidorf zur Annakapelle, Brod- und Schlingelbaude hinauf bis an die Dreisteine" und ist dann wieder am Lhnberge bei den Teichen sichtbar. Ein weiterer Zug beginnt im Ziegenrcken bei Steinseiffen, setzt gegen Norden nach Buchwald fort und tritt am Brauerberge bei Fischbach und schliesslich bei Bohrlach jenseits des Bobers auf. Ferner beobachtet man Granitporphyrgnge auf der Hhe des Landesbuter Kammes, am Brenstein bei Buschvorwerk, an der Drren Fichte bei Arnsdorf, in Brckenberg bei der Kirche Wang; endlich ist auch zwischen Morchenstern und Tannwald ein h. 9V 3 (N.-W.) streichender Zug bekannt. Der Granitporphyr ist ein Granitit mit ausge- sprochenster porphyrartiger Struktur und nimmt eine Zwischenstellung ein zwischen den Graniten von kristallinisch krniger Struktur und den eigentlichen Felsitporphyren mit dichter Grundmasse. 24 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. Nr. An der Zusammensetzung des Gesteins betheiligen sich ausser den wesentlichen Gemengtheilen des Granitits (Orthoklas, Oligoklas, Quarz, Magnesiaglimmer) folgende Mineralien: Hornblende, Augit, sparsam Kaliglimmer, Magneteisen, Orthit, Apatit. Aus der usserst feinkrnigen Grundmasse treten die porphyrisch ausgeschiedenen Gemengtheile in mehr oder weniger deutlichen Krystallen schart' hervor. So erscheint der Quarz regelmssig in rundum ausgebildeten Dihex- acdern, der Orthoklas, hufig mit adularartigem Schiller, farblos bis roth, in bis zu mehreren Centimetern grossen Krystallen, ebenso der weisse, hell gelblich bis grn ge- frbte Plagioklas; der Magnesiaglimmer ist in sechs- seitigen Tafeln von schwarzer und grnliehschwarzer Farbe ausgeschieden. Die Struktur des Granitporphyrs wechselt nicht nur bei verschiedenen Gngen, sondern auch zuweilen inner- halb desselben Ganges. Nach den Saalbndern, wo die Erstarrung des gluthflssigen Magmas eine schnellere war als in der Gangmitte, tritt eine strkere Verdichtung des Gesteins ein, die feinkrystallinische Grundmasse wird kryptokrystallinisch, und die Menge und Grsse der Ein- sprengunge wird geringer. Dieser Unterschied in der Ausbildung desselben Ge- steins ist am schnsten zu beobachten in dem durch Steinbruchsarbeit vortrefflich aufgeschlossenen Gange, welcher die Strasse von Erdmannsdorf nach Stonsdorf berschreitet. Die Gangmitte dieses Granitporphyrs ent- hlt in zurcktretender rthlieher Grundmasse reichlich und gross ausgeschiedene Quarze, rthliche Orthoklase, weisse bis grne Plagioklase und grnlich schwarzen Glimmer; an den Saalbndern ist die bei weitem ber- wiegende Grundmasse viel dichter und fast schwarz und enthlt nur wenige Millimeter grosse Einsprengunge, das Gestein wird sehr splittrig und widersteht der Verwitte- rung recht energisch; es bildet ein vorzgliches Chaussee- material. Schliesslich ist noch eines granitischen Gesteins Er- whnung zu thun, welches, im Norden und Sdwesten an den Granitit des Riesen- und Isergebirges stossend, wegen seines Gehalts an Magnesia- und Kaliglimmer als Granit im engeren Sinne bezeichnet werden muss. Der westlich von Hirschberg im Schanzenberge in scharfer Grenze an den Granitit stossende Granit bildet einen am linken Bobcrufer im Gneiss hinziehenden Zug bis ber Spiller hinaus, er bildet die Spitze des malerisch am Zusammenfluss der Kemnitz mit dem Bober ge- legenen Bernskensteines. Ferner tritt er auf in insel- frmigen Partiecn im Gneiss bei Johnsdorf, zwischen Langwasser und Mtihlseiffen, zwischen Gotschdorf und Reibnitz, wo er ebenfalls an den Granitit stsst und den Popelberg bildet, zwischen Reibnitz und Berthelsdorf im Mhl- und Kohlberg, zwischen Alt- und Nen-Kemnitz auf der Nordwestseite des Hllbaches, der links in die Kemnitz geht, bei Dittersbach zwischen Heller und Heinersdorf, schliesslich an der Wittich von Menkowitz bis Bunzendorf. Im Sdwesten des Centralmassivs, auf der bhmischen Seite, legt sich der Granit in einem ca. 4 Meilen langen Zuge von Przichowitz bis Kratzau an den Granitit an. Das Gestein zeigt, wiewohl an den verschiedenen Lokalitten in der Grsse und Farbe einzelner Gemeng- theile etwas variirend, doch insofern eine gewisse Ueber- einstimmung, als der Orthoklas von bluliehweisser Farbe ist im Gegensatz zu dem rothen Orthoklas des Granitits und der Quarz gleichfalls eine mehr oder weniger tief- blaue Frbung annimmt. Der gelblichweisse Oligoklas ist in bedeutend geringerer Menge vorhanden als im Granitit. Der Magnesiaglimmer erscheint in dunkel tombakbraunen sechsseitigen Blttchen und der Kali- Flimmer in silberweissen unregelmssig begrenzten Schppchen. Von accessorischen Gemengtheilen ist Pinit zu nennen, der in ausgezeichneten Krystallen, bis zu mehreren Centi- metern gross, bei Mhlseifen und bei Wcigsdorf an der Wittich vorkommt. Die Struktur ist gewhnlieh eine sehr grosskrnige; allein auch kleinkrnige und porphyrartige Abnderungen kommen vor. wie z. B. beim Muttergestein des Pinits bei Mhlseifen. Nur erwhnt, weil nicht in den Rahmen dieser Be- trachtung gehrig, seien noch die folgenden im Gebiete vorkommenden Eruptivgesteine: Syenit, Diorit, Kersantit, Melaphyr, Basalt. Aus der Enzymologie. Von J. Ltzen. I. Ms giebt in der Chemie eine ganze Reihe von Vor- gngen, deren Erklrung die neueste Forschung noch ziemlich rathlos gegenber steht. Es sind vor allem phy- siologische l'roeesse, jene Umsetzungen der Materien, durch die das Leben der Individuen entsteht, sich erhlt und endlich vergeht. An dem rein chemischen Charakter dieser Vorgnge darf nicht mehr gezweifelt werden. Mit denselben in naher Beziehung stehen die ebenso inter- essanten Erscheinungen, die wir als Ghrung und che- mische Fermentation bezeichnen. Auf den Unterschied beider komme ich gleich unten zurck. Beide spielen im Haushalte der Natur, beim Aufbau der Thier- und Pflanzen- krper eine hervorragende Rolle, beider hat sieh, wie das auf sii vielen andern Gebieten der Fall ist, die Technik seit langer Zeit bemchtigt, whrend die Theorie, die wissenschaftliche Erklrung derselben, nur langsame Fort- schritte macht und beute noch im Stadium der Hypothese steht. Seit Jahrtausenden betriebene Gewerbe sind hier- her zu rechnen; aber was weiss man ber die Theorie des Brauprocesses, was von der Ksebereitung oder gar von der durch das Kefirferment bewirkten Umwandlung der Milch? An die Erklrung dieser Processe bat sieh die Forschung gewagt, aber das Bckergewerbe ist dem chemischen Studium noch ganz verschlossen. Immerhin sind die bisher erkannten Thatsachen so interessant, dass es eine dankbare Aufgabe ist, sie weitesten Kreisen der naturforschenden Gemeinde bekannter zu machen. Viel- leicht drfte auch ein nheres Eingehen auf das Gebiet der in Frage kommenden technischen Gewerbe selbst nicht unwillkommen sein. Man unterscheidet, wie ich schon andeutete, zwei Arten fermentativer Vorgnge: die Ghrungserscheinungen und die Fermentprocesse rein chemischer Natur, whrend die ersteren noch physiologisch gedeutet werden mssen. Als Ursache der Ghrungserscheinungen aller Art hat man in allen Fllen Organismen der untersten Stufe, der Klasse der Pilze angehrig, erkannt. Es ist nicht un- wahrscheinlich, dass eine ganze Reihe von Krankheiten auch als Ghrungserscheinungen aufzufassen sein werden. Ob die Hypothese von Pasteur, dass die Erscheinungen Nr. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. durch die Lebensfunctionen der Myceten selbst hervor- gerufen werden, richtig, bleibe dahingestellt. Die ehemischen Fermente, die Enzyme, welche die reinen Fermentprocesse bewirken, sind Verbindungen or- ganischer Natur von hchst complicirter, bisher noch un- erforschter Structur des Molekls. Ihre knstliche Dar- stellung ist nicht gelungen, sie sind smmtlich Produkte des lebenden Organismus, von denen es bis heute noch zweifelhaft ist, ob sie berhaupt characterisirte chemische Verbindungen sind, von denen man nur weiss, dass sie smmtlich stickstoffhaltig sind, aber keine Eiweissreac- tion geben. Ihre Kein - Darstellung ist noch nicht ge- lungen. Die chemischen Fennente werden nach den Pro- dukten, die durch ihre Wirkung entstehen, in 5 Gruppen eingetheilt: 1. zuckerbildende, 2. peptonbildende, o. al- buminerzeugende und endlich 4. und 5. Glycerin -- und Ammoniakbildner. Die erste Gruppe ist die zahlreichste und enthlt die bekanntesten Enzyme: Diastase, Invertin, daneben die dem Chemiker wohlbekannten Ptyalin, Myrosin, Emulsin, dem Physiologen hutig- begegnend: das thierische Invertin und ein Pankreasfermeht, sowie einige noch unerforschte Fer- mente des Thierkrpers. Fennente dieser Klasse kennt auch der Botaniker. Sie entstehen whrend des Keimens und durchdringen, soviel man weiss, das ganze Pflanzen- gewebe - , sind sie es doch, welche die Strke in Zucker berfhren und dadurch fhig machen, von einer Zelle der Pflanze in die andere zu wandern, so zur Ernhrung heitragend. Unter den peptonbildenden ist das wichtigste das Pepsin, daneben Papain, Tiypsin und Pflanzenpepsin, von denen das letzte, wie kurz erwhnt werden mge, ausser in einigen Samen besonders in den Drsen und deren Sekreten der fleischfressenden Drosera, Nepenthes, Dar- lingtonia etc. vorkommen. In die dritte Klasse gehren das Chymosin so nennt Deschamps das Labferment und die hnlichen des Pflanzenreiches. Die Fermente der beiden letzten Klassen, die fett- spaltenden und die ammoniakerzeugenden treten sehr in den Hintergrund, sind wenig untersucht und haben keine Namen. Die uns besonders in teressir enden und fr die Technik am wichtigsten sind das Pepsin, das Chymosin, Invertin und die Diastase. Auf ihr Vorkommen, ihre Darstellung und Anwendung, bezglich Wirkung will ich in der angedeu- teten Reihenfolge des Nheren eingehen, dabei jedoch von den rein theoretischen Speculationen nur soviel als unbe- dingt ntliig bringen. Das Pepsin findet sich fast nur in den thierischen Drsen des Magens und deren Sekreten, besonders reich daran sind die Magen fleischfressender Thiere und einiger Raubfische. Es wird am zweckmssigsten dargestellt aus Schweinemagen. Durch Abkratzen der Magenschleimhaut erhlt man mit vielen eiweisshaltigen Stoffen gemischtes Pepsin. Das Gemenge gerth leicht in Fulniss und die Masse niuss daher, wenn das Ferment nicht zerstrt wer- den soll, sofort verarbeitet werden. Sie wird mit AVasser, Glycerin und etwas Salzsure angerhrt, der so ent- standene Brei nach etwa 8 Tagen geklrt und abfiltrirt. Schon die so erhaltene Colatur ist so pepsinreich, dass sie fr gewisse technische Zwecke verwendet werden kann. Es ist eine eigenthmliehe Wirkung des Pepsin, die durch Zufall entdeckt, wie es scheint, in der Technik eine Rolle zu spielen berufen ist. An Stelle des Chlorkalks aut Hanf einwirkend, carbonisirt das Pepsin denselben und liefert ein usserst zartes, weisses und reines Produkt. Es wer- den hierber noch Versuche angestellt, ber die ich viel- leicht seiner Zeit Gelegenheit habe zu berichten. Aus dieser Colatur erhlt man ziemlich reines, weisslich gelbes Pepsin durch Fllen mit concentrirtem Alkohol oder nach Beilstcin mit berschssiger concentrirter Salzlsung. Die Darstellung eines annhernd chemisch reinen Produktes ist umstndlich und zeitraubend, wird auch nur fr wissen- schaftliche Zwecke ausgefhrt. Fr die technische und pharmaceutischc Anwendung gengt jener Grad der Rein- heit, Man bringt den Niederschlag auf Filter, lsst das Ferment trocknen und bringt es mit Milchzucker gemischt in den Handel. Die bekannteste und auch wohl reinste Marke ist das Pepsinum germanicum von Witte in Rostock. Seine grsste Verwendung findet das Pepsin in der Pep- tonfabrikation. Dieselbe beruht auf der Eigenschaft des Fermentes, Eiweiss und eiweisshnliehe Krper, Fibrin, Muskeln, hei Gegenwart einer sehr verdnnten Sure und bei Blutwrme in eigenthmlicher Weise zu zersetzen, so dass lsliche Krper, denen die fr die Ernhrung in so hohem Grade wichtige Eigenschaft der Diffusion eigen ist, entstehen. Bei dein Process soll das Eiweiss ein Molekl Wasser aufnehmen und dann in zwei Molekle Pepton zerfallen. Der Chemismus des Vorganges ist jedoch noch nicht erkannt, man kennt bekanntlich noch nicht einmal die Constitution des Eiweiss. In dem Magen der Thiere geht die Verdauung der eiweisshaltigen Nahrung in genau derselben Weise vor sich. Es ist daher klar, dass man durch Geben von Pepsin in irgend einer Form, die Verdauung untersttzen, eine gestrte Verdauung regeneriren kann. Das Pepsin wird als solches arzneilieh in zwei Formen gegeben, in Pillen, die aus Draganth, Pepsin und etwas Salzsure bestehen, und als Essenz. Letztere, die den Vorzug hat, gut zu schmecken und leichter genommen werden zu knnen, be- steht aus Malaga oder Sherry mit einem Zusatz von Pepsin, das in salzsurchaltigcm Glycerin gelst wird. Ein gewisser Nachtheil dieser Prparate ist der Sure- gehalt. Man hat daher seit einigen Jahren angefangen, an Stelle von Pepsin das durch seine verdauende Wirkung entstandene Pepton zu geben. Indem man so die Ver- dauungsprocesse ausserhalb des Magens vor sich gehen lsst, dem Magen das sonst erst durch seine Thtigkeit entstehende fertige Produkt giebt, welches er nur noch zu resorbiren hat, kann man die Ernhrung auch der schwch- sten Organismen knstlich leiten. Es drfte bekannt sein, dass sich die Peptonnahrung bei Kranken, Keconvales- centen und Kindern sehr gut bewhrt. b jeder Art Eiweiss ein besonderes Pepton entspricht, ist nicht bekannt, die chemische Forschung aber sagt: non ignorabinius! Unter der Rubrik Vorgnge aut geographischem Gebiet" geben die Verhandinngen der geographischen Ge- sellschaft zu Berlin u. a. ber Afrika im Jahre 1889 folgende Auskunft: Die bis jetzt verffentlichten Briefe Stanleys, nament- lich der an die Londoner geographische Gesellschaft ge- richtete, enthalten weitere Einzelheiten ber den Marsch der Expedition vom Albert Nyanza bis zum Victoria. Nyanza, welcher vom geographischen Standpunkt ans der interessanteste Theil der ganzen Reise genannt zu werden verdient. Die grosse Senkungsfurche, welche sich von ca. 3 N. Br. bis 1 S. Br. auf eine Erstreckung von ca. 400 km in nordost-sdwestlicher Richtung bei einer wechselnden Breite von 40 60 km hinzieht, wird in ihrem nrdlichen Theil auf eine Erstreckung von 170 km von dem Albert See, im centralen, ebenfalls 170 km Naturwissenschaftliche Wochenschrift. Nr. 3. langen Theil durch das Semlikithal und im sdlichen Theil durch den Muta Nzige und die letzteren umgeben- de!) Ebenen eingenommen. Die westliche Begrenzung dieses langen Spaltes bilden Plateaus, die 300 900 m steil zu ihm abfallen und sieh gegen Westen sanft zu den Flussgebicten des Huri und Loinva abdachen. Im Osten wird der Spalt im Norden zunchst durch das 300 900 m hhere Dhyoro-Plateau, sodann durch die schneegekrnte 1200 -4500 in hhere Ruwenzorikette und im Sden durch die sich anschliessenden 600 1100 m hheren Plateaus von Uhaiyana, Unyampaka und Ankori begrenzt. Die 1500 Menschen, darunter 350 eingeborene Trger zhlende Expedition Stanleys verliess Kawalli am 10. April, um das sdwestliche sumpfige Ende des Albert Sees in einem grossen Bogen zu umgehen. In Mazamboni erkrankte Stanley aber bereits am 12. April usserst heftig, so dass die Expedition zu einem 28tgigen unfreiwilligen Halt genthigt wurde. Am 8. Mai erfolgte endlieh der defini- tive Aufbruch zur Ostkste. Gleich nach den ersten Marsch tagen versuchten die Warasnra, wie dieWanyora- Scharen des Herrschers Kabba Rega allgemein von den be- nachbarten Stmmen genannt wurden, den Weg nach Osten zum Semlikithal zu versperren, wurden aber von Stanley so entschieden bei Buhobo geschlagen, dass ihm dieser Sieg auf dem Weitermarsch im ganzen Semlikithal die Zunei- gung aller von jenen Horden bedrngten Vlker gewann. Der Semliki erwies sich an der Stelle, wo ihn die Ex- pedition berschritt und in das Gebiet der Awamba ein- trat, als ein wasserreicher 7<) 90 in breiter, 3 m tiefer Strom, dessen Wasser ungemein sedinienthaltig ist, so dass die Seichtheit des sdlichen Theilcs des Albertsecs dadurch leicht erklrlich wird. Aus den weiten Gras- flchen dieses zunchst sehr ebenen Thaies trat die Ex- pedition, jenichr sie sieh den Abhngen des Ruwenzori- Gebirges nherte, in einen von Feuchtigkeit triefenden, von alltglichen Gewittergssen getrnkten Urwald ein. Der reichliche Regenfall speist reissende Bergstrme, welche, tief in das Terrain eingeschnitten, dasselbe in schmale Bergrcken zerlegt haben. Diese westlichen Urwaldabhnge des Gebirges werden von den Wakonja bewohnt, deren Drfer sieh bis 2500 m Hhe an den Flanken der Berge emporschieben und die zum Schutz gegen die feindlichen Einflle der Warasura auf den Spitzen der einzelnen Bergvorsprnge angelegt sind. Die Wakonja treiben eifrig Ackerbau. Obwohl smmtliche Europer den Wunsch hegten einen der Sehneeriesen des Gebirges zu besteigen, nuissten sie sich dies jedoch in Folge ihres geschwchten Gesund- heitszustandes versagen. Nur Lieut. Stairs machte am 6. und 7. Juni einen Versuch in dieser Richtung, bei dem er eine flhe von ca. 3200 m erreichte und in die Region der Ilaide, die liier bis 20' hohe Husche bildet, vordrang. Die ungengende Ausrstung an Kleidern und Lebcns- mitteln sowie der Umstand, dass drei tiefe Einschnitte, deren Ueberwindung sehr viel Zeit gekostet htte, den \\V^ zu dem angestrebten Berggipfel versperrten, veranlassten Lieut. Stairs jedoch diesen Besteigungsversuch aufzugeben. Etwa 75 km sdlich vom Albert See bat das Sem- likithal eine Hhe von etwa 270 m ber demselben und hier, an den sdwestlichsten Auslufern des Gebirges, mach! sieb ein erheblicher Wechsel der klimatischen Ver- hltnisse bemerkbar. Die Landschaft zeigt von da, bis /Mm Muta Nzige wieder die wogenden Grasebenen und alle Anzeichen grsserer Trockenheit. Die im Sden des Gebirges zwischen diesem und dem Muta Nzige sieb er- streckenden Ebenen des stlichen Usongora waren bis vor kurzer Zeit dicht bevlkert mit viehzuchttreibenden Wasongora. Aber die Einflle der Waganda und der Warasura haben das Eand zu einer Wste gemacht. Das Hauptquartier der Warasura bildet der Ort Ka- tive, der zwischen einem Arm des Muta Nzige und einem kleinen, 3 km langen und 1 km breiten Salzsee liegt. Dieser See, reine Salzsoolc enthaltend, lagert dicke Salz- schollen ab und das aus ihm gewonnene Salz bildet einen wichtigen Handelsartikel mit allen in der Nachbarschaft gelegenen Gebieten von Ruanda im Westen bis Ankori im Osten. Der Knig Kabba Rega hat sich dieses Ge- bietes bemchtigt und bildet dasselbe fr ihn eine reiche Einnahmequelle. Das Klima von sangora ist ein usserst heisses, der Hoden durch die glhenden Sonnncnstrahlen festgebacken, das Wasser mit Ausnahme der vom Ruwenzorigebirgc herabstrmenden Flsse voller organischer Substanzen. Es kann daher nicht Wunder nehmen, dass die Expe- dition, als sie von hier aus das hohe Plateau der Land- schaft Ankori erklomm, wo in ltiOO in Hhe Heidelbeeren wuchsen, der rasche Klimawechsel den Ausbruch heftiger Krankheiten, wie Fieber, Katarrhe, Dysenterie etc. zur Folge hatte, so dass bis 150 Krankheitsflle an einem Tag vorkamen und im Monat Juli 141 Todesflle gezhlt wurden. Der herrschende Stamm in Ankori sind die Wahuma, ein ausgezeichnet schner Menschenschlag, der an Regelmssigkeit der Gesichtszge der kaukasischen Rasse nicht nachsteht. Ankori erfreut sich seit lange in Folge seiner dichten und widerstandsfhigen Bevlkerung eines ununterbrochenen Friedens; die Wahuma sind eifrige Viehzchter. Unerforscht gelassen hat Stanley somit auf diesem denkwrdigen Zuge die Sd- und Westseite des Muta Nzige und hat der Reisende auch wenige Erkundigungen ber jene Gebiete einziehen knnen. Die Landschaft Ruanda im Sden des Sees fhrt in Ankori den Namen l'nyavingi. Die Bevlkerung soll ebenso kriegerisch und stark sein wie die von Uganda. Der franzsische Kapitn Tri vier, welcher Ende vorigen Jahres eine Durchquerung Afrikas von Loaugo aus angetreten hatte und von dem die letzten Nachrichten von den Stanleyfllen vorlagen, ist in Mozambique ange- kommen. Er scheint also den letzten Theil seiner Reise auf einer hnlichen Route wie Lenz und Wissniann ber den Nyassasee genommen zu haben. Am Kongo sind nunmehr nicht weniger als 11 bei gische, franzsische, englische und amerikanische Missions- gesellschaften, darunter 3 katholische und 8 evangelische, thtig, wie das Mouveincnt geographique" zusammen- stellt. Obwohl dieselben 28 Stationen inne haben und ca. 100 Missionare zhlen, scheint der bisher erreichte Erfolg gegenber den aufgewandten Mitteln ein sehr ge- ringer zu sein. Mit Ausnahme der katholischen Mission du Saint Esprit, welche bekanntlieh auch in Gabun und an der Loangokstc blhende Niederlassungen bat, ist es bisher noch keiner einzigen Gesellschaft gelungen, die Hilfsquellen des Landes sieh dienstbar zu machen und damit von den Muttergesellsehaften unabhngiger zu werden. Geradezu kopflos und mit nutzloser Aufwendung enormer Mittel seheint nach obiger Quelle die Verwaltung der .Mission des amerikanischen Bischofs Taylor gefhrt wurden zu sein, der im Jahre 1886 mit "21 Missionaren mnnlichen und weiblichen Geschlechts am Kongo er- schien Ungewhnlich gross sind leider die Opfer, welche das Jahre 1889 unter den deutsehen Afrikareisenden ge- fordert hat. Die Kund'selie Batanga-Expedition ist durch den Tod oder die schwere Erkrankung ihrer vier Mit- glieder vollstndig aufgehist, nachdem nunmehr auch ihr Fhrer in Folge eines durch Malariainfektion hervorge- rufenen Schlaganfalls aus Kamerun in sehr leidendem Zustand zurckgebracht ist. Aus dem Togogebiet kommt Nr. 3. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. jetzt die versptete Kunde, tlass auch Stabsarzt Dr. Lud- wig Wolf, der Gefhrte Wissmanns auf der Kassai-Ex- pedition und der Erforscher des Lomami, auf einer Reise von der Station Bismarckburg nach dem Inneren von Dahoniey am pernizisen Fieber bereits am *2t>. Juni ver- schieden ist. Si> schmilzt die kleine Zahl der erfahrenen deutschen Afrikareisenden in erschreckender Weise zu- sammen. In der Abtheilung fr Anthropologie und Ethnologie der Heidelberger Naturforscherversammlung machte Dr. B. Hagen (Homburg i. d. Pfalz) Mittheilung ber die an- thropologischen Ergebnisse einer zehnjhrigen Forschungsreise auf Sumatra, welche ber die Abstammung und die Eigenthiimlichkeiten der Bevlkerung dieser merkwrdigen Insel, ber welche bisher wenig Zuverlssiges bekannt geworden ist, Lieht verbreiten. Dr. Hagen hat an 400 Eingeborenen auf Sumatra genaue anthropologische Untersuchungen angestellt unter Zu- grundelegung des von Virchow fr die Ausfhrung von Krpermessjungen angegebenen Schemas. Zwei alte Kul- turrassen, Inder und Chinesen, haben mehr als 2000 Jahre lang die Insel besucht bezw. sich dort niedergelassen. Die Chinesen haben schon vor Jahrtausenden Eroberungs- zge nach den Sundainscln unternommen, und heut zu Tage betrgt, die Zahl der im malayischen Archipel an- sssigen Chinesen nicht weniger als eine halbe Million. Auch ist der Einfluss, den das chinesische Element auf die Bevlkerung des Archipels ausgebt hat, unverkenn- bar. Die aus der Verheirathung der Chinesen mit ein- geborenen Frauen hervorgegangenen Mischlinge, die so- genannten Baba's, geben sich regelmssig fr Chinesen aus, sie besitzen auch das Handelstalent, welches die Shne des himmlischen Reiches kennzeichnet, unterscheiden sich aber von letzteren in krperlicher Hinsicht. Der Chinese ist ausgesprochen straffhaarig, der Mahne hat meist faltiges Haar. Ueberall im malayischen Archipel hat die Hindu- Kultur ihre Spuren hinterlassen, Negritos sind aber weder auf Sumatra noch auf Borneo nachge- wiesen. Der grsste Theil des Innern der Insel Sumatra wird von einem ganz gleichartigen Volke bewohnt, die Ansiedelung der Insel kann nur von der eine grosse Ebene darstellenden Ostkste aus stattgefunden haben. Ueberall im Flachlande von Sumatra finden sieh Ruinen von Hindu- Ansiedelungen. Die im Westen der Insel wohnen- den Malaycn schicken ihre Auswanderer regelmssig nach der Ostkste Sumatras sowie nach dem gegenberliegenden Malakka. Der Redner spricht seine Ansieht dahin aus, dass die Hindu-Kultur erst zu einer Zeit eingefhrt wurde, wo bereits ein malayischer Staat auf Sumatra bestand, und dass die krperliche Beschaffenheit der Bevlkerung im Innern der Insel sich kaum seit jener Zeit gendert hat. Es stehe nichts der Annahme entgegen, dass die malayischen Stmme Central-Sumatras ein aus der Kreu- zung von indischen und mongolischen Volkselementen hervorgegangenes Product darstellen. Wahrend die Indier die langen, die Urmalayen die mittellangen Schdelformen aufweisen, sind die aus der Kreuzung der beiden Ele- mente hervorgegangenen Mischlinge in geringem Grade kurzkpfig. Die Kurzkpfigkeit beruht auf der Abflachung des Hinterhauptes und ist durch knstliche Verunstal- tungen hervorgerufen, auch zeichnen sich die Mischlinge durch Lnge des Gesichtes aus. Zum Schluss bemerkt der Redner, dass zwischen Nord- und Sdchinesen ein sehr bedeutender Unterschied bestehe und dass letztere nicht wie erstere als Vertreter der mongolischen Rasse, sondern als ein aus Vermischung der Malayen mit anderen Rassen entstandenes Kreuzungsproduct aufzufassen seien. Dr. A. A. Ueber die Farbe und das Speci.rum des Fluors. Da das Fluor sich vermge aller seiner Eigenschaften an die Spitze der natrlichen Familie: Fluor, Chlor, Brom und Jod stellt und alle diese Krper in Gas form eine spccielle Frbung aufweisen, die vom Jod bis zum Chlor allmhlich abnimmt, so war es von Interesse festzustellen, ob auch das Fluor eine eigenthmliche Fr- bung zeigt. Bei seinen ersten Untersuchungen war es Henri Moissan als farblos erschienen, indessen gelangt derselbe Forscher auf Grund neuer Versuche, die er in den Comptes rendus beschreibt, zu anderen Ergebnissen. Nach denselben besitzt das Fluor auf 0,50 m. Dicke eine. sehr reine grn-gelbe Frbung, die jedoch viel schwcher ist als die des Chlors bei gleicher Dicke und sich ausser- dem mehr dem Gelb nhert. Bei einer Dicke von 1 in. bietet das Fluor im Spcctroskop keine Absorptionsstreifen. Das Spectrum des Fluors ist von Salet bereits unter- sucht worden, welcher fnf rothe Linien fand, die dem Fluor zuzuschreiben sind. Moissan hat die spectroskopischc Untersuchung mit Fluorgas ebenfalls vorgenommen und 13 rothe Linien als vom Fluor herrhrend erkannt, deren Wellenlnge er angiebt. Darunter sind auch die fnf von Salet gefundenen rothen Linien enthalten, und es stimmen die von beiden Forschern fr diese Linien ge- fundenen Wellenlngen sehr gut berein. Ausserdem liefert die Fluorwasserstoffsure mehrere Banden im Gelb und im Violett, doch sind dieselben sehr breit und wenig rein, so dass ihre Lage nicht genau bestimmt werden konnte. Schliesslich sei ein von Moissan angestellter Versuch erwhnt, der gleichfalls von Interesse zu sein scheint. Er fllte einen Platintubus mit Fluor und Hess eine sehr kleine Menge Wasser hineingelangen; alsdann wurde das Wasser theilweise durch das Fluor zersetzt unter Bildung von Fluorwasserstoffsure und < >zon. Dieses letztere Gas entsteht in einem so coneentrirten Zustande, dass der ganze Tubus die dein Ozon eigenthmliche indigoblaue Farbe annimmt. Nach einigen Minuten zersetzt sich aber das Ozon, das Blau wird schwcher und verschwindet schliesslich. Diese Reaction des Fluors drfte den ersten Versuch bilden, bei welchem Ozon von so starker Con- eentration bei der gewhnlichen Temperatur gebildet wird. (i. Als Lufithermo- und Luftbarometer bezeichnet Anton Steinhuser eine aus zwei Thermometern bestehende Einrichtung. Ein einfaches Luftthermometer, d. h. eine Glasrhre mit kugelfrmigem Luftbehlter, in welchem ein Quecksilberfaden (Judex) ein bestimmtes Luftquantum ab- schliesst, das je nach der Temperatur lnger oder krzer ist, ist in horizontaler Lage bei einem bestimmten Baro- meterstand nach einem Quecksilberthermomctcr graduirt. Die so erhaltene Seala ist aber nur fr den Barometer- stand richtig, bei welchem sie hergestellt worden ist. Soll dieselbe auch bei hherem Barometerstande noch gelten, so muss man den auf der abgeschlossenen Luft- masse lastenden Druck vermindern, was durch Vermitte- lung des Quecksilberindex dadurch geschieht, dass man das Luftthermometer in geneigte Stellung, mit dem Index nach unten bringt. Ist der Luftdruck niedriger, so muss man dem Luftthermometer die entgegengesetzte Neigung geben. Zu dem Zwecke ist das Luftthermometer um eine horizontale Achse drehbar; die Grsse der Drehung, welche einem jeden Barometerstand entspricht, ist auf einer ver- ticalen Seala erkennbar. Sind nun Quecksilber- und Luft- thermometer zusammen aufgehngt, und dreht man letz- teres so, dass seine Angabe mit der des ersteren ber- einstimmt, so kann man an der Seala den Barometerstand ablesen. (Gretschel und Bornemann, Jahrb. d. Erf.J 28 Naturwissenschaftliche Wochenschrift, Nr. 3. Der Anschluss der Blitzableiter an Wasser- und Gasleitungsrolire. - - Die Frage, oh Blitzab- leiter mit den Rohrsystemen der Gas- und Wasserleitungen in leitende Verbindung gebracht werden mssen, ist im gegenwrtigen Jahrzehnt wiederholt aufgeworfen und be- sprochen wurden. Fr den Physiker ist dieselbe dabin entschieden, dass ein solcher Anschluss nothwendig er- scheint; in den Kreisen der Gas- und Wassertechniker sind die Ansichten dagegen noch so sehr getheilt, dass sogar neuerdings Stimmen aus diesen Kreisen sich mit aller Entschiedenheit gegen den in Kode stehenden An- schluss erklrt haben. Der fr die Blitzableiterfrage ge- bildete Unteraussehuss des Elektrotechnischen Vereins zu Berlin hat bekanntlich am 24. Januar v. .1. den Entscheid gegeben: ..dass der Anschluss der Blitzableiter an die (i;is- und Wasserleitungen fr letztere nicht nur keine Gefahr bringt, sondern dass vielmehr im Falle der Unter- lassung eines solchen Anschlusses eben jene Leitungen gerade so wie bei Abwesenheit eines Blitzableiters direkt gefhrdet sind. Demnach ist unbedingt zu fordern, dass Blitzableiter mit den in demselben Hause vorhandenen Gas- und Wasserleitungen metallisch verbunden werden. Dieser Anschluss hat an einer geeigneten Stelle vor dem Eintritt der Gas- und Wasserrhren in die Hauptmesser zu erfolgen." Es scheint nun, dass die Grundlagen, auf welchen dieser Entscheid ruht, den eine Anzahl unserer bedeutend- sten Physiker gegeben hat, in den Kreisen der Gas- und Wasser-Fachleute nicht gengend bekannt oder doeb ge- wrdigt worden sind. Daher ist es angezeigt, auf die Erwgungen zurckzugreifen, welche zu jenem Schlsse fhrten und welche soeben Professor Bernhard Weber in Breslau verffentlicht hat. Was zunchst die durch Wasser- und Gasrhren bedingte Blitzgefahr der Gebude betrifft, so heisst es am angefhrten Orte: Die im Erd- reieb ausgebreiteten und vielfach verzweigten Systeme der Wasser- und Gasleitungsrhren stehen in der Regel in ausserordentlich inniger Verbindung mit den grossen zusammenhngenden Leiterinassen der Erde. Sobald ein einschlagender Blitz an irgend einer Stelle die Wasser- oder Gasrhren erreicht, findet er auf seiner in allen Fllen nach jenen grossen Leitcrmassen gerichteten Bahn kein wesentliches Hinderniss vor, jedenfalls lenken Wasser- und Gasrhren die Bahn des Blitzes auf sich zu. Lies tritt um so energischer ein, je mehr gleichzeitig die letzten Verzweigungen der Rhren an die hervorragenden Punkte der Erdoberflche heranreichen, je weiter also diese Rhren in die oberen Stockwerke der Gebude hinauf- gefhrt sind. Ein Gebude mit Wasser- und Gasleitung ist sonacb der Gefahr ausgesetzt, dass der Blitz, die ussern Mauern oder das Dach durchbrechend, in die ge- nannten Rhren einschlgt. Diese Gefahr bleibt auch dann vorhanden, wenn der unmittelbare metallische Zu- sammenhang der Rhren durch schlecht leitende Dich- tungsmittel unterbrochen ist. Denn solche in der Hegel nur einige Millimeter dicke Zwischenschichten werden vom Blitze leicht durchschlagen und beeinflussen die gesammte Bahn desselben nur unmerklich. Es kommt vielmehr in diesen Ballen nur noch die neue, mit der Funkenbildung an den Unterbrechungsstellen etwa verbundene und im Innern der Gebude unter Umstnden nicht unerhebliche I lefabr zu der frhem hinzu." Die eigene Gefhrdung der Wasser- und Gasrhren kann in dreierlei Weisen auftreten: 1. An der Einschlags- stelle des Blitzes in die Rhren; liegt diese Stelle frei in der Bnl't zutage, so beschrnkt sich die zerstrende Wir- kung des Blitzes meist auf kleine, unerhebliche Schmel- zungen. Bei dnnen Gasrohren kann an solchen Stellen eine Entzndung des Gases eintreten. Wenn die Bin schlagstelle im Wasser, im Erdreich oder innerhalb einer Mauer liegt, so tritt eine viel bedeutendere mechanische Zerstrung ein, wie das durch neuere Versuche des Herrn Top ler experimentell dargethan ist. Diese mechanische Zerstrung der im Erdreich liegenden Rhren kann unter Umstnden sehr betrchtlichen Schaden verursachen, nm- lich dann, wenn durch Verzweigung im Erdreiche der Blitz gleichzeitig an mehreren Punkten oder lngs grsserer Strecken in die Rhren einschlgt. 2. Beim Ueberspringen der aus schlecht leitendem Material beigestellten Dich- tungsstellen. Diese Gefhrdung kann mechanische Zer- reissungen der Rhren bewirken. Eine Zndung des (!ases ist jedoch nicht wahrscheinlich, wenn die Dichtungs- stellen im Erdreich liegen, da selbst explosible Gasge- mische durch Funkenbildung nicht entzndet werden, so lange sie keine grossem Hohlrume ausfllen. Liegen diese Dichtungsstellen, zu denen auch die im Hause ge- legenen Gasmesser gehren, in der Luft, so kann Zun dng eintreten. ?>. Bei leitender Fortfhrung des Blitzes lngs der Rhren. Diese durch Erhitzung und Schmel- zung des durcliHossenen Leiters bedingte Gefhrdung ist eine sehr geringe. Erfahrungsgemss kommt dieselbe nur bei den dnnern und aus Blei verfertigten Rhren vor." Die knstlich angelegten Blitzableiter knnen natur- gemss nur mit Erdplatten versehen werden, welche in Bezug auf Grsse der Flche und innige Berhrung mit den Leiterinassen der Erde nur verschwindend klein und wenig wirksam erscheinen neben dem gewaltigen Netze der Wasser- und Gasrohren. Sobald deshalb irgend ein Auslufer dieser Rhrensysteme in der Nhe eines Blitz- ableiters liegt, erhlt der in den letztern einschlagende Blitz die Neigung, auf jene Rhren berzugehen. Dass dies wirklich der Fall, wird durch viele Beispiele be- wiesen. Hierhin gehrt z. B. der Blitzschlag, welcher am 4. August 1880 vom Abieiter der Nikolaikirche in Flensburg auf die Gasleitung des an der Kirche liegenden Schulhauses bersprang; der Blitzschlag, der 1877 vom Abieiter der Kirche in Itzehoe mit Durchbrechung einer Vj m dicken Mauer auf die Gasleitung berschlug; der Blitzschlag zu Alatri 1871, welcher einen 10 m langen. 7, in tiefen Graben aufwarf, um vom Abieiter auf die Wasserleitung zu gelangen, und viele andere. Aus Ver- suchen von Herrn Top ler ergiebt sich, dass selbst von Blitzableitern mit den ausgezeichnetsten Erdleitungen sehr betrchtliche Seitenentladungen auf benachbarte Wasser- oder Gasrhren bergehen knnen. Nur in einem sehr grossen, viele Meter betragenden Abstnde zwischen Rhren und Blitzableiter wrde, ein Schutz gegen solches Ueberschlagen zu suchen sein, wenn gleichzeitig voraus gesetzt werden knnte, dass innerhalb dieses trennenden Raumes keinerlei, auch nur vorbergehend angebrachte und auch nur massig leitende Gegenstnde vorhanden sind. Es liegt aber auf der Hand, dass innerhalb be- wohnter Gebude eine derartige Voraussetzung nur in den seltensten Fllen gemacht werden kann, da jeder gewhn- liche Klingelzug, jede Goldleiste usw. uncontrollirbare Brcken und Verbindungsglieder zwischen Blitzableiter und Rhren bilden knnen." Mit Recht wird ausdrck- lich in den Erwgungen hervorgehoben, dass die KLom- plieation der in einem Gebude vorhandenen Wasser- und Gasrhren mit einem mit letztem nicht metallisch ver- bundenen Blitzableiter allgemein als eine knstlich ge- schaffene Blitzgefhrdung desjenigen Gebudetheiles er- scheint, welcher zwischen Blitzableiter und Rhren liegt, sowie auch der Rhren selbst. Diese Folgerung liegt so klar auf der Hand, dass ein ernstlicher Einwand dagegen gar nicht erhoben werden kann. Ebenso klar ist der Weg vorgezeichnetj um diese Gefahr zu beseitigen. Ver- bindet man den Blitzableiter durch eine continuirliehe Nr. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 29 metallische Lfitmii;- mit denjenigen Theilen der Wasser- und Gasrohren, welche selber ohne Unterbrechungsstellen mit dem ganzen Netze der Rhren in Verbindung stellen, sii ist hierdurch jegliche Gefahr beseitigt. Flle, in denen bei solcher Verbindung- Schaden ent- standen sei, sind bisher nicht bekannt geworden." Nun niuss man allerdings zugeben, dass die Bedingung der lckenlosen Verbindung der (!as- und Wasserrohren eines Gebudes mit den brigen Theilen des Systems ausnahmsweise auch nicht erfllt wird. Dies wird der Fall sein, wenn entweder die in der Strasse liegenden Rhren mit Nichtleitern gedichtet sind oder wenn der An- schluss an einen nur mit Kitt gedichteten Theil der Rhren im Gebude gemacht ist oder wenn, zum Behuf von Reparaturen, die Rhrenleitung unterbrochen wird. Allein auch in diesem Falle", heisst es in den Verhand- lungen, wird der wesentlichste Theil der berhaupt in Betracht kommenden Gefahr, nmlich der mit Durch- brechung der Mauern und Bedrohung von Personen ver- bundene Ucberschlag vom Blitzableiter auf die Wasser- und Gasrohren, beseitigt sein. Es verbleiben die beim Ueberspringen der. Lcken und Dichtungsstellen etwa vorhandenen Gefahren fr die Rohrleitung. Allein es sind dies dieselben Gefahren, welche auch vorhanden sein wrden, wenn die metallische Verbindung zwischen Blitz- ableiter und Rhren nicht hergestellt worden wre; und dieselben sind berdies auch noch zu vermeiden, wenn an den Dichtungsstellen der Rhren fr metallische Konti- nuitt gesorgt wird. Durch denAnschluss des Blitz- ableiters an die Wassser- und Gasrhren ver- sehwindet daher in den meisten Fllen jegliche Gefahr, und in keinem Falle wird eine wesent- liche Vermehrung der ohne den Anschluss be- stehenden Gefahr bewirkt." Der Ausselmss hellt noch hervor, dass nothwendig sei, gleichzeitig beide Systeme, die Wasser- sowohl wie die Gasleitung, anzusehliessen, um Seitencntladungen zu verhindern. Die von Seiten der Wasser- und Gastechniker gegen den Ausschluss erhobenen Einwnde gehen in erster Linie dahin, dass hutig Unterbrechungen der metallischen Kontinuitt der Rhren, insbesondere der Gasrhren und zur Zeit von Reparaturen beschftigten Arbeiter unzulssig sei, dem Blitze durch Anschluss des Blitzableiters an die Rhren den Weg zu letztem zu erleichtern. Diesen Einwand widerlegt die Commission mit dem Hinweis darauf, dass eine sichere Fernhaltung der Blitz- ableiter von den Rhren sich ohne Beeintrchtigung der freien Hantirung mit Metallgegenstnden innerhalb be- wohnter Rume nicht durchfhren lsst und dass ferner die befrchteten Blitzwirkungen auch ohne den Anschluss stattfinden werden, da in Rohrleitungen, deren Theile nicht in kontinuierlicher metallischer Verbindung stehen, ohne Zweifel auch den Anschluss an Blitzableiter Funken- bildungen entstehen knnen, wenn irgend in der Nhe der Blitz einschlgt. Aber selbst wenn man zugehen msste, dass durch Unterlassung des Anschlusses der Blitzableiter eine geringe Verminderung dieser Unzutrg- lichkeiten stattfinde, so ist doch einerseits zu erwgen, dass mit dieser geringen Verminderung einer ohnehin ge- ringfgigen Gefahr eine sehr betrchtliche Gefahr fr die Gebude und die in ihnen befindlichen Personen ge- schaffen wird, um deren Beseitigung es sich doch in erster Linie bandelt bei den hier berhaupt in Frage kommenden, fr das Wohlbefinden und die Sicherheit des Publicums geschaffenen technischen Einrichtungen." Ein anderer von Seiten der Gas- und Wasser-Fach- mnner gemachter Einwand ist. dass die durch den An- schluss der Blitzableiter bedingten hutigen Erdarbeiten eine Strung in der sichern Funktionirung dieser Rohr- leitungen und der durch diese dem Publicum erwachsenden Vortheile hervorrufen knnten. Dem gegenber bemerkt die Commission: Wre dieses Bedenken in der That ein vllig unvermeidliches, so wrde es von einem viel all- gemeinern als dem clectrotcchnischen Gesichtspunkte zu entscheiden sein, inwieweit die Bewohner der Stdte be- wussterweise der Blitzgefahr preiszugeben seien, um i^vixvn Strungen in dem Gensse aller mit Gas- und Wasser- leitungen verbundenen Vortheile geschtzt zu werden. Fs ist indessen zu hoffen, dass sich bei geeignetem Ent- gegenkommen der Herren Gas- und Wasser- Fachmnner derartige rein mechanisch-technische Vorschriften fr die Anschlsse der Blitzableiter aufstellen lassen, dass durch deren Befolgung die befrchtete rein mechanische Beun- ruhigung der Rohrnetze nicht eintritt und dass somit die Blitzgefahr in dem vollen Masse abgewendet werden kann, wie es dem gegenwrtigen Zustande unserer Kenntnisse von der Natur und der Wirkungsweise des Blitzes entspricht." Das erste Atelier zu photographischen Auf- nahmen mittels Magnesiumblitzlichtes hat Prof. Schirm soeben zu Berlin erffnet. Wir hatten bereits bei der Besprechung der photographischen Jubilumsausstellung i .. Xaturw. Wochcnschr." IV Nr. 26) auf die ausgezeichneten Erfolge aufmerksam gemacht, welche durch das Magnesium- blitzlicht erzielt werden knnen. Im Gegensatz zu den frhe- ren Magnesiumlampen, bei welchen metallisches Magnesium- band zur Verbrennung gelangt (vergl. Nat. Wochenschr". IV Nr. ">), wird bei dem Blitzlicht metallisches Magnesium- pulver, mit sauerstoffreichen Substanzen gemischt, zur Entzndung gebracht. Die Schirm'schen Apparate sind Bunsensche Brenner, ber welchen dauernd eine kleine Zndflamme brennt, welche das beim ( effnen des Hahnes ausstrmende Gas zur Entzndung bringt; ausserdem ist an dem Brenner eine Einrichtung getroffen, vermittelst deren ein Quantum von l l / 2 Centigramm Magnesiumpulver von unten nach oben durch die Flamme geblasen wird, welches bei seiner Verbrennung, die etwa '/., Secunde whrt, ein zu einer Aufnahme ausreichendes Licht aus- strahlt. Die Auslsung geschieht auf elektrischem Wege: durch dieselbe wird zunchst die Objectivklappe geffnet, dann sofort der Beleuchtungsapparat in Thtigkeit gesetzt und unmittelbar darauf die Objectivklappe geschlossen, so dass der Objectivverschluss etwa ' lu Secunde in An- spruch nimmt. Bei den Aufnahmen von Gruppen u. s. w. gelangen mehrere solcher Lampen, die auf an der Decke befindliehen Schienen laufen, zur Verwendung. Wegen der vorwiegend blauen Strahlen des Magnesiumlichtes kommen mehr blauempfindliche Platten zur Anwendung; aus diesem Grunde bewhren sich viele sonst ausgezeich- nete und sehr empfindliche Platten nicht zu diesen Mag- nesiumlichtaufnahmen. Ist durch diese Einrichtung der Photopraph nicht mehr vom Tageslichte abhngig und vermag er dem malerischen Arrangement eine reichlichere Abwechselung zu geben, so hat Prof. Schirm es auch er- mglicht was als eine ganz bedeutende Errungenschaft auf dem Gebiete der photographischen Technik zu be- zeichnen ist , mittelst des Magnesiumlichtes zu copiren, so dass wir auch in dieser Beziehung vom Tageslichte nicht mehr abhngen. Die Copien werden auf Eastmau- papier hergestellt und mit Eikonogen entwickelt. G. Litteratur. Dr. Emil Lindemann, Die Nordseeinsel Helgoland in topo- graphischer, geschichtlicher, sanitrer Beziehung. Verlag von August Hirschwald, Berlin, 1889. Das vorliegende Buch ist kein Bdeker" oder eine Badreclame, sondern eine streng wissenschaftliche und ob- ao Naturwissenschaftliche Wochenschrift. Nr. jective Darstellung alles dessen, was sieh ber den kleinen meerumbrausten Nordseefelsen sagen lsst. Dabei ist der Stil des Buches fliessend und recht unterhaltend. Eine Reihe neuer eigener Forschungen und Beobachtungen des Verfs., die in dem Buche mitgetheilt werden, sichern demselben einen dauernden Werth. Aus der Flle des Materials Reben wir einige Notizen wieder, welche hervorragendes naturwissenschaftliches Interesse haben. Durch den Anprall der Wellen, durch die wssrigen Niederschlge, durch den Wechsel der Temperatur und die zer- strende Kraft des Frostes ist von dem einst umfangreicheren Felsen allmhlich ein Stck nach dem anderen abgebrckelt worden, und der Zerstrungspro cess ist in stndigem Fortsehreiten begriffen. .Man hat die Zukunft Helgolands nach Jahrtausenden berechnet, demgegenber weist Lindemann durch Vergleich der bisher in bestimmten Zwischenrumen stattgefundenen Abbrcke- lungen nach, dass der Rest des Felsens nur noch G bis 70U Jahre stehen und. Die vor dem Eiland liegende Dne, welche mit demselben einst durch einen Steinwall verbunden war, ist seit .Irin 1720 erfolgten Durchbruch desselben von ihm getrennt; unter dem Einfluss der Meeresstrmungen hat sie wiederholt ihre Gestalt gendert, die Helgolnder arbeiten jetzt selbst an' schnen Wintertagen durch 'Hgelaufwerfen und Buschpflanzen fr die Erhaltung der Dne. Auf der Ncbel-Signalstation werden die Raketen, welche Schiessbaumwolle enthalten, seit Kurzem nicht mehr durch brennende Lunten, sondern durch Reibung wie an Zndhlzerschaehteln zur Entzndung gebracht. Auf dem neuen Leuchtturm ist das ganze Beleuchtungssystem gendert. Eine sechsdochtige Lampe, mit einem Fresncl'schen Linsensystem, welche durch Parafin gespeist wird, verbreitet das Lieht, welches ca. 68 m ber Hochwasser sieb befindet und bei klarem Wetter auf 2(1 Seemeilen zu sehen ist. Verf. hat mehrere Monate hin- durch sorgfltige Untersuchungen ber den Ozongehalt der See- luft auf Helgoland angestellt und ermittelt, dass die Insel weitaus die hchsten Zahlen desselben aufzuweisen bat. Wodurch aber dieser grosse Ozonrcichthum der Luft bedingt ist, bleibt noch ein Rthsel. Ebenso wenig Sicheres lsst sieb ber den Salzgehalt der Seeluft sagen, der auffallender Weise bisher noch nicht experimentell nachgewiesen werden konnte , trotzdem seine Existenz aus der sanitren Wirkung der Seeluft erschlossen werden muss. In der Vorzglichkeit des Klimas steht Helgoland einzig da. Man hre nur folgende Zahlen : Im Jahre 188S starben von 2000 Helgolndern 20, also ein Procent. Von diesen 20 hatten II das siebzigste Lebensjahr berschritten, der jngste der Verstorbenen war 21 Jahre! In fnf Jahren ist dort kein Fall von Scharlach, Masern oder Diphtheritis vorgekommen. Schade, dass dieses Stckchen Land so klein ist! Dr. A. A. Wilhelm Frster, Studien zur Astrornetrie. Ferd. Dinmlers Verlagsbuchhandlung, Berlin. 188S. Der bekannte Herr Verfasser verffentlicht in dem vorliegen- den Bande sechs auf die Astrornetrie bezgliche Abhandlungen, welche innerhalb der beiden letzten Decennien bereits erschienen, alier fr Viele schwer zugnglich waren. Die beiden ersten Abhandlungen handeln ber die bisherigen Annahmen in den Transforinations-Elementen der astronomischen Ortsangaben" und waren ursprnglich im Berliner Astronomischen Jahrbuehe fr 1869 bezw. 1870 erschienen; whlend die erstere wesentliche Betrachtungen ber die Scularbewegung der Ekliptik und ilie Prcession enthlt, werden in der zweiten hauptschlich die fr die Nutation aufgestellten Formeln und Zahlenwerthe ein- gehend discutirt. In hnlicher Weise gehren die drifte und vierte Abhandlung zusammen, welche Untersuchungen zur Theorie des Durchgangs- Instiiimentes" enthalten und 1S80 bezw. 1882 zuerst verffentlicht winden. In der ersten unterzieht der Herr Verfasser die Auf- gaben des Durchgangs-Instrumentes einer eingehenden und ganz allgemeinen Behandlung und weist im Anscnluss hieran in der zweiten Abhandlung nach, dass man in dem Univcrsal-Dureh- gangsinstrument die Grundlagen fr unabhngige fundamentale Bestimmungen der Polhhen und Poldistanzen besitzt und zwar derart, das man frei ist von allen Theilungst'ehlern und Kreis- durchbiegungen und nahezu frei von den Durchbiegungen des Rohrs; ebenso ist der Einflu-s der Refraction ein betrchtlich ge- ringerer als bei den brigen Methoden. Die fnfte Abhandlung, aus dem Jahre 1878, bringt sehr ein- gehende und detailreiche Untersuchungen ber Pendel-Uhren", in denen namentlich der Einfluss des das schwingende System umgebenden Mittels, die Abhngigkeit der Pendel-Uhren vom Barometerstande untersucht wird und Vorschlge zur Beseitigung des Einflusses des letzteren gemacht werden. In der sechsten und letzten, zuerst 1884 publicirten Abhandlung hat der Herr Verfasser seine Untersuchungen ber das Fraunhofer'sehe Aequatorial" der Berliner Sternwarte niedergelegt. G. Handbuch der Physik. Herausgegeben von A. Winkelmann. Verlag von Eduard Trewendt, Breslau, 1889. < Hiwohl wir das im Erscheinen begriffene Handbuch der Physik" dasselbe ist auf '} Bnde oder 15 Lieferungen berechnet, von denen zwei vorliegen erst nach Abschluss des 1. Bandes eingehender besprechen wollten (vgl. Naturw. Wochensehr." IV. No. 15), da man an einer oder wenigen Lieferungen schwer einen Massstab fr ein ganzes Werk gewinnen kann, mge diesmal schon jetzt auf das in Rede stehende Unternehmen hingewiesen werden, das ohne Zweifel weite Verbreitung finden wird. Der besondere Vorzug dieses als selbstndiger Theil der Enzyklopdie der Naturwissenschaften" erscheinenden Hand- buches ist darin zu suchen, dass eine Reihe hervorragender Fach- mnner an demselben betheiligt ist, von denen jeder sein beson- deres Feld nach bestimmten Principien gewissermassen monogra- phisch behandelt, so dass dieses Handbuch der Physik nach seiner Vollendung den derzeitigen Standpunkt der Physik nahezu voll- kommen darstellen drfte. Natrlich ist mit einer solchen Ar- beitsteilung auch ein Nachtheil verbunden, insofern ja die Gleich- mssigkeit der Behandlung darunter Einbusse erleiden muss: es ist auch nicht schwer, auf solche Punkte in den vorliegenden Lieferungen aufmerksam zu werden. Aber trotzdem drfte dieser Umstand dem erwhnten Vorzuge gegenber nicht schwer ins Gewicht fallen. Wir glauben daher, unseren Lesern das Werk empfehlen zu drfen. Wenn auch in erster Linie fr den Fach mann berechnet, wird das Handbuch auch von dem mit den Hilfs- mitteln der hheren Mathematik nicht Ausgestatteten mit grossem Vortheil benutzt werden knnen; er wird hier ber viele Punkte (z. B. ber Energie, ber die Principien der Mechanik, ber Fohlerbestimmungen u. s. w.) klare und sichere Auskunft erhalten. Ebenso bieten die Fussnoten Hinweise auf die speciellen Littera- turquellcn. Dem Verstndniss kommt eiueReihe zweckentsprechen- der Abbildungen aufs beste zu Hilfe. Der erste Band (Lieferung 15) wird die Allgemeine Media nik" enthalten. Hiervon bringen die ersten beiden Lieferungen: Grundbegriffe der Physik Absolutes Mass und absolute Ein- heiten Mechanik starrer Krper. Einleitung und Principien Statik Dynamik Einfache Maschinen Fall und Wurf Wage und Wgung Dichte Pendel Kreiselbewegung Allgemeine Gravitation Aggregatzustnde Elasticitt im All- gemeinen Zug und Druck. (i. Geg-enbauer, L., Eine Eigenschaft der Entwicklung einer ganzen Funktion nach den Nherungsnennern von gewissen regulren Kettenbrchen. Freytag. Leipzig. Zur Theorie der Congruenzen. Ebd. Zur Theorie der Kettenbrche. Ebd. Gleichen, A., Die Haupterscheinungen der Brechung und Reflexion des Lichtes, dargestellt nach neuen Methoden. Teubner, Leipzig. Goldzieher, W., F. C. Dondcrs. Gedenkrede. Deutseh. Budapest. Grnhagen, H., Einwirkung von Methylenchloryd auf Para- und Orthotoluidin. Pohle, Jena. Haege, Th , Die Mineralien des Siegerlandes und der angren- zenden Bezirke. Montanus, Siegen. Hagemann, G., Elemente der Philosophie. III. Psychologie. Ein Leitfaden fr akademische Vorlesungen, sowie zum Sclbstunter richte. Herder. Freiburg. I Hansen, A., Repetitorium der Botanik fr Mediciner, Pharrna- eeuten und Lehrauitseandhlaten. Stahel, Wrzburg. Haerdtl, F. Frhr. v., Die Bahn des periodischen Kometen Win- neckc in den Jahren 1858 1856. II. Theil. Freytag. Leipzig. Inhalt: W. Mller: Ueber die granitischen (1. steine des Riesengebirges. (Mit Abbild. ) .1. l.tzen: Aus der Enzymologie. ifrikii im Jahre 1889. - Anthropologische Ergebnisse einer zehnjhrigen Forschungsreise auf Sumatra. Ueber die Farbe das Spectrum des Fluors Luttthermo- und Luftbarometev. Der Anschluss der Blitzableiter an Wasser- und Gas- leitungsrohre. Da erste \ teuer zu photographischen Aufnahmen mittels Magnesiumblitzlichtes. Litteratur: E mil Lindemann: Die Nordseeinsel Helgoland in topographischer, geschichtlicher, sanitrer Beziehung. Wilhelm Frster: Studien zur Astrornetrie. - A Winkelmann: Handbuch der Physik. List.-. Ben geehrten Abonnenten stellt die unterzeichnete Verlagsbuchhandlung auf Verlangen Exemplare von Nr. I Bd. V der \. \\. zur Verfgung mit der Bitte, dieselben an Bekannte zur Vertlieilung zu hringen. Verantwortlicher Redakteur i. Y.: August Gutzmcr, Berlin W. 8, Jgerstfasse 20, fr den Iuseratenthe.il: Hugo Bernstein in Berlin. Verla Ferd Dmmlcrs Vcrlac buchhandlung, Berlin SW. 12. Druck: G. Bernstein; Berlin SW. 12. Nr. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. VII DregerhOff & Schmidt, Berlin X.. Chausseestrasse Nr. 48. Werkstatt fr Kunstschmiedearbeiten, Ornamentale Eisenconstruction und Bauschlosserei fabrizirt in stilvoll einfachster Ms reichster Ausfhrung: Verzierte Fenster-. Thr- nnd turbstmbel-Bcschlge. Trger- einrichtungen. Kassenthren und Fensterladen. Gewchs- und Treibhuser, Oberlichte, Glasdcher und Ateliers. Gartcn- hallen und Balkon-Ueberbauten. Brcken-, Begrbniss-, Garten- Balkon-, Fenster-, llausthi- u. Firstgitter. Finnen- und Thrschilder. Hausthren. Garten- und Hausthorwege. Schmiedeeiserne Haupttreppen, Treppengelnder, Candelabcr, I. aii inen. Ampeln, Kronen, Wandarme fr Kerzen und M. an. Brouc. Probe- lainpe und Leuehtuiat.erial incl. Verpack. 6 M. 5U Pf. gegen Nachnahme oder Vorausbezahlung. Beste Straenbeleuchtung! Petroleumlaternen werden umgendert! 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Eine populre SarfteUung 6er &efd)td)fc bcx Sd)pfmu} mib bto llviiiBnilur uiifrrro Ulrltlib'rpcio, |o mie tot SntiuicfelungSperioben feiner Dbcrflfidje, feiner Vegetation uub feiner 3ciuobnev bi auf bc Jejstjeit. Son Dr. 23. f. H 3tmiumnnn. Siad) tem lieueften Etanbpunft tev iffenfdjaft oerbeffert Don Dr. S. /tol'tfdicr. Dozent an bet ted)iii(d)eii od;iduile tu Serliii. O.iiit 322 in ben 2ert gebruetten Slbbbuiigeu. SJSrci 7 3H.., clcgititt gcbuiibcn ') SN. SBon Dr. i\. Eieriiftetit. Ter uicrtcu cfaimutauJguk rtttcr, ucrcffcrtcr uub bk- aiif bic iicncfte 3cit fortgefhrter 3lbbntcf. 21 Zueile in '> Vaiibcu brodi. 12 *)\. fiP i't., eleg. geb. IT SPI. am Umfang 227 ritctbgen 16 leiten, Unter benen, loeldjen e oor.uigeuuetfe gelang, bie 9catunoiffen= fdjnft 5ccm ocrflnnbfid) ju machen, ber Bisher gar feine ober nur mangelhafte natunoiffenfdjaftlidjeenntniffe 51t erwerben elegenfjeit hatte, fleht ber 9ianie 3t. Sern ft ein obenan. Seine Xiarftelluitgsiueife iff eine anerkannt muflcrgiftige: fte feist Itciitcrl'ev TPorlscitnfniffc woraus uub mad)t ben Sejer mit iilleit, "felbft teu neiieften Siefultaten uub ben uod; itngclfleu 5ro= bleuten tev Dlaturiuiffenfchaft oer'traut. 2.?crtfiof& iliieibad) fagt ber baffelbe: Ein gute Sind), bo ton SBlidE in bie lbitflidie SLBelt ffnet iiuD erbellt mit jebem Sefer bauernbe jjreube bereitet, fjat ben 2itel: ,,9caturn)ifieufd)aftlidje | ; Ldtc-luidier 0011 8t. S3ernftein." SSohlfeile @efainmtau$gabe Vierte, oielfad) oevbefferte uub erutebite Stuflage. Seit .ebel'e Darftetlung bes SBeltgebube unb anbern (leinen natunpiffenfebaft liehen Slnffatien feo unbertroffenen rheinlnbifdjen JfjduSfreuube ift uidits in beutfdjev Sprache etfdjienen, unio Hafer, gefuubev uub nnfdjausHcher bie groen Grobcningeu ber SfiaturiDiffenfchnft bem jddiditeu SJerftaube barlegt, nl< ba genannte 33ud). Ter nadiftehenb aufgefhrte reidj'e Jnaft unterrichtet ber ba lliicntbehrlidjftc auf beut groen (Gebiet gefanimten 9laiUfwiffen> fdiafteu aitb 1. Sie eMjratbigfeit. Sie Sdjwere bor Srbe. SaS Sidjt uub bie Entfernung. ;iur SitteriingSfnnbe sSon ber Sttze uub ber jyvudjt. Sie DMiriingfmittel fr bn Jlf. tinilb "2. Sie rnljvimg. SSoni Snftiltft bet Jltieve. itllb .1-5. 'Bon ben gefjeinten Satur Evften. iiiiltb ii (5-iii loenig (Sfiemie. [ nilb 7. in menig lihciitie. li.'lh'bcv Sftbei: uub bereit SSirfuttg. nilb S. StwaS 00111 (rbleben. Bon bet llmbreljuttg ber grbe. sonn bei efdjminbig feit beS SidjteS. rtitb !l. 3Son her (SntttHcfelung be iliicriidjen Seben. tu^en uub SBebeutung be3 gette im meiifd)lid)ett Krper. tutttb 1013. Coiii Sebeit ber Spftanjen, bev Jliicre uub ber SMenfd)en - iuiub 14. Sie praftifdje A>duimt I. -- tiiiiib 1"). Sie piiiltinlK .eijung II. SBanbelitugen uub SSnnberungeti ber Statur. SRur eilte d)ie6e(cunpe. iiiiltb lli. Sie Bewegung im Sonnenft)ftem. ine lf)fiutafie=3teife im SBeltafl I. - ntlb 17. < ; ie l>!iaiitafic=:>ifife im SDSeltafl II Sie rfie ber @rb6a^|n. 5on bell immel.(5rid)einungeit. Unnb 18 11. 19. Sie gnne uub ba Sebeit -- iiaitb "20. erweiterte Kenntnis bcS SBeIta-3. Sie SJtiitfifel ber ternfd)uuppen uub bor S?o= nieten. ifaiib 21. Sie Speftrnlnnnlt)fe unb Die girfternwelt. Unfere Sinne, unjere Seele, unfere Spradje. Sie llneuMidifeit uub bie Statur- it'iiieuidia't. Sie Snge ber Sonne unb ilu- Stang unter bcit gtjfternen. i ^4***************** * ++4-f**+*+4++*4+4**-* Verlag: Ferd. Dmmlers Verlagsbuchhandlung, Berlin SW. 12, Zimmerstr. 94. V. Band. Sonntag, den 26. Januar 1890. Nr. 4. Abonnement: Man abonnirt bei allen Buchbandlungen uml Post- anstalten, wie bei der Expedition. Der Vierteljahrspreis ist M 3. Bringegeld bei der Post 15 & extra. y Inserate: Die viergespaltene Petitzeile 40 -J>. Grssere Auftrge c-nt- GjD sprechenden Rabatt. Beilagen nach Uebereinkunft. Inseratenannahme Jl bei allen Annoncenbureaux, wie bei der Expedition. Abdruck ist nur mit vollst: iiHligcr Quellenangabe gestattet. V. Hensen's Plankton-Expedition im Sommer 1889. Die nachstehenden Mittheilungen haben wir einem Vortrage, des Herrn Prof. Krmmel, des einen der Theil- nclnncr an der Plankton-Expedition, entnommen, den dieser in der Gesellschaft fr Erdkunde zu Berlin (vergl. Ver- liaudl. d. Gesells. fr Erdkunde zu Berlin i gehabten hat. Herr Prof. Krmmel hat die Korrektur der folgeudeu Zeilen fr die Naturw. Wochenschr." selbst bernommen. In einer der nchsten No. der N. W." soll nach einem Vor- trage des Prof. K. Brandt auf die biologischen Untersuchungen der Plankton-Expedition nher eingegangen werden. Unter dem Namen Plankton fasst V. Hcnsen alles das zusammen, was an Thieren und Pflanzen willenlos von den Wogen und Strmungen der See dahingetragen wird. Zur Erforschung des Planktons beantragte Prof. Heusen, gemeinsam mit seinen Mitarbeitern, den Herren Prof. Brandt und Privatdozent Dr. Schutt bei dem Kuratoriuni der Humboldtstiftung der Kgl. Akademie die Gewhrung ausreichender Mittel. Dadurch, dass die Kgl. Akademie, untersttzt durch Sc. Exe. den Herrn Minister Dr. v. Gossler das Interesse Sr. Majestt des Kaisers fr diese Aufgabe zu erwecken verstand, wurde eine Summe aufgebracht, welche fr eine 'i\, bis 4 Mo- nate dauernde Fahrt durch den Atlantischen Ocean aus- reichend erschien. Das ist der Ursprung der Plankton- Expedition, deren erstes Ziel also die biologische Erfor- schung des Planktons auf hoher See bildete. Dieser Aufgabe entsprechend mussten ausser dem Leiter der Expedition, Prof. Hcnsen selbst, noch zwei Zoologen, die Herren Prof. Brandt und sein Assistent Dr. Dahl, und ein Botaniker Dr. Schutt, den Grundstock des wissenschaft- lichen Stabes der Expedition zusammensetzen. Die Geophysik wurde durch Herrn Prof. Krmmel vertreten. Sie ist bei solchen Expeditionen wichtig, denn bevor z. B. ein Versuch ge- macht werden kann, mit dem Schleppnetz den Meeres- boden abzufischen, inuss man wissen, wie tief das Meer an der betreffenden Stelle ist, damit darnach die Lnge des auszulassenden Drahtseils bemessen werden kann. Ferner wirken Salzgehalt und Temperatur des Meer- wassers sehr entschieden auf die Zusammensetzung des Planktons ein. Am 15. Juli morgens konnte die Ausrstung des Schiffs als beendet angesehen und somit dem Programm entsprechend pnktlich die Reise von Kiel aus angetreten werden. Erst westlich von Sehottland wurde mit den eigent- lichen Arbeiten begonnen, von da an regelmssig zwei- mal am Tage mit" 200 und 400 m Tiefe Plankton ge- tischt u. s. w. Am 19. Juli, am Rande der tiefen Rinne, welche ber dem Thomsonrckcn das Nordmeer mit dem nordatlantischen Becken verbindet, wurde die erste Tief- seelothung ausgefhrt, auf 1523 in, am 22. Juli weiter westlich eine zweite, welche 240G m ergab. An dem- selben Tage fanden wir einen todten Walfisch treibend, von dem es gelang, den Kopf zu konserviren ; es war ein Sehnabelwaal (Hyperoodon rostratum). Das Wetter war meist ruhig und die Luft von erstaunlicher Durch- sichtigkeit, die See dagegen durch entfernte Strme oft mehr aufgeregt, als den Planktonnetzen gut war. Am 2. Abends war das Schiff dem Ostgrnlandstrom sehr uahe gekommen, die Wasserfarbe, welche westlich von Schottland ein schnes, unsern heimischen Meeren unbe- kanntes blaugrn gezeigt hatte, wurde wieder dunkelgrn wie die Ostsee, auch die Temperatur ging stndig herunter. Nachdem der vorsichtige Kapitain Heeckt Nachts sdwrts abgehalten hatte, ging das Schiff am andern Morgen wieder westlieh und Mittags befand es sich dann auch, bei strmendem Regen und undurch- sichtiger Luft, richtig im Treibeis. Es waren freilich nur kleine Trmmer von Gletschereis, alles sehr mrbe, aber malerisch geformt; ein heller Schein im Nordwesten ver- riet uns aber die Nhe grsserer Massen. Da nun See und Wind zunahmen und dichter Nebel auftrat, schien es gerafhener sieh nicht tiefer in den Eisstrom hinein zu be- geben. Doch wurde erst Plankton getischt und die mit dem Netz zugleich in die Tiefe von 200 in versenkten Thermometer zeigten die diesem kalten Strom eigene 32 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. Nr. 4. anomale Wrmeschichtung: in 200 m Tiefe war die Tem- peratur 6,6, an der Oberflche dagegen nur 3,0, freilich war diese oberste Wasserschicht leicht und hatte nur einen Salzgehalt wie unsere Nordsee (32 Promille). Die Farbe des Schmelzwassers war hellgrn, zeitweilig ganz oliv." Der Kurs ging nun sdwrts. Wasser- und Lufttem- peratur stic,-' zunchst ein wenig, ein krftiger Nordwest- sturm trieb schnell vorwrts und thrmte nach zweitgiger Dauer eine imposante hohe See auf, welche Wellcnhhen bis zu 4,5 m ergab. Am 28. Juli aber gelaugte das Schiff in den khleren Labradorstrom, das Wasserthermo- meter fiel von 12.3" auf 9,6, und zwei Tage mit dem schnsten Wetter und reichlichster Arbeit folgten. Hier sahen die Reisenden auch einen grsseren Eisberg, nach- dem ein anderer Nachts passiert war. Es ist nun freilich keine Frage, dass er nicht zu den grssten und schnsten gehrte, welche der Labradorstrom in diesem Sommer nach Sden getragen hat: er war nur 70 m lang und etwa l m hoch, dabei wrfelfrmig und ziemlich abge- waschen. Aber im hellen Sonnenglanz auf der blau- grnen, klaren See bot er doch einen fesselnden Anblick. Nun folgten Tage, an welche sich weniger angenehme Erinnerungen knpfen, Nebeltage auf der Neufundlandbank, die in verlangsamter Fahrt, in der steten Furcht von einem der Schnelldampfer unversehends ber den Haufen gerannt zu werden, berschritten wurde. Doch sahen die Theil- nehmer an der Expedition ausser den kleinen Fischer- schunern kein Schiff in bedrohlicher Nhe. Am 2. August waren sie aus der Nebelgefahr glcklich heraus und Nachmittags 1 Uhr zeigte die laue Luft und das wrmere sowie strker salzige Wasser, dass der berhmteste aller Meerestrme, der Golfstrom, erreicht war. In 21 Stunden wurden die Reisenden so aus dem Winter in den vollen heissen Sommer versetzt. Der Strom fhrte uns die ersten fliegenden Fische und Physalien zu, weisse Tropikvgel erschienen am Schiff und auch die Sargasso- bndel stellten sich bald ein und zeigten sich schon hier im Golfstrom vollstndig bevlkert von den wunderliehen Thierformen (Fischen, Krebsen), die man sonst nur aus dem eigentlichen Sargassomeer besehrieben hat, wo sie spter auch reichlich wieder gefunden wurden. Mut- masslich bewohnen sie das Sargassokraut schon in dessen eigentlicher Heimath, an den Felsksten der Antillen." Mit Sdkurs ging es so durch die blaue, klare Fluth auf Bermuda zu. Es war am 6. August. Nachmittags 2 Chr. als der Leuchtthunn von St. Davids I' 1 . wie ein kleiner, dnner Stift am Horizont sichtbar wurde, eine halbe Stunde spter lag die ganze Inselgruppe vor den Reisenden, die weissgetnchten Huser und die Festungs- werke von St. Georges auf dem grnen Hintergrnde wann deutlieh zu erkennen. Bald brachte dann der Lootse das Schiff durch verzwickte Korallenpsse, zwischen kleinen schrenartigen Inselehen hindurch in den Hafen von St. Georges, wo der Dampfer Kohlen ans dem Raum in die Bunker berfllte und die Reisenden nach 22tgiger Seefahrt wieder festes Land betraten. Am lo. August verliessen die Theilnehmcr der Expedition die phakenhaften Insulaner, um sich in Itgiger fahrt durch die Sargassosee und den nord- afrikanischen Strom nach den Kapverdisehen Inseln zu begeben. Die Sargassosee erwies sich berraschend arm an 'filieren, dagegen bewunderten die Reisenden immer Neuem das unvergleichlich transparente Blau und die er- staunliche Durchsichtigkeif des Wassers, in welchem die Planktonnetze immer in 40 m, eine grosse Segel tuebscheibe einmal in 58 m Tiefe, ein zweites Mal (mitten /.wischen den Azoren, den Kapverden und Bermuda noch in 66 in Tiefe sichtbar war: es sind das die grssten Sichttiefen, die bisher in den irdischen Meeren beobachtet worden sind*). Zwei Ticfseelothungcn, beide ber .~>00o m, ge- langen, eine unweit Bermuda mit 5250, die zweite im Osten mit 5670 m; letzteres war die grsste whrend der Reise berhaupt gelotete Tiefe. Auch die Tiefseether- mometer wurden fleissig benutzt, sodass die Beobach- tungen in Zusammenhang mit den parallel im X und S verlaufenden Routen des Challenger eine sehr genaue, physi- kalische Beschreibung des Sargassomecres ermglichen werden. Das Wetter zeichnete sich, ehe das Schiff in den Passat gelangte, durch grosse Ruhe der Luft, aber doch ziemlich starke Bewlkung und gelegentliche Regenschauer aus eine auffllige Erscheinung fr die Region der Rossbreiten, mit ihrer vorherrschend doch abwrts gerich teten, also allen Niederschlgen ungnstigsten Bewegung in der Atmosphre. Nachdem die Reisenden am 26. August noch einmal eine Tieflotung mit 4099 m ausgefhrt hatten gelangten sie Tags darauf in Sieht der hohen Insel S. Antonio und Nachmittags in den Hafen von S. Vincent, der be- kannten Postdampferstation der Kapverden. Die dort er- hofften Erfrischungen wurden den Reisenden leider nicht zu Theil, da eine Pockencpidemic auf der fruchtbaren Insel S. Antonio der Quavantainc wegen die Zufuhr von Frchten und Fleisch sehr eingeschrnkt hatte. Es ging dann weiter auf einem Umwege an der Insel Boa- vista vorber nach der grssten und reichsten der armen Kapverden, nach S. Jago, wo auf der Reede von Porto Praya einen Tag geankert wurde. Hier erhielten die Reisenden die erhhten Vorrthe. Es ging eilends weiter, sdwrts ber den Aequator nach Ascensiou zu, zunchst noch im Passat mit starkem Strom nach SW, dann vom 2. bis ">. September bei schwlem Regenwetter durch den Guineastrom. Am 6. und 7. September, wo die Linie bersehritten wurde, zeigten sich die Wassertemperaturen merklich khler (sie fielen von 2(>,0 auf 23,4 n K so dass gerade am Aequa- tor das frischeste und angenehmste AVetter whrend des ganzen Tropenaufenthaltes war. Auffallend war gleichzeitig die pltzliche und zwei Tage anhaltende Aenderung der Wasserfarbe, die seit der Neufundlandbank zum ersten Mal wieder ins grnliehe zurckging, nher Ascensiou aber das gewohnte reine Blau zeigte. Am Mittag des 10. September sahen die Reisenden unter einer grossen Kumuluswolke am sonst sonnenklaren Horizont die duftigen Umrisse der 800 in hohen Insel Ascensiou in 54 Seemeilen oder 100 km Abstand! Durch eifriges Fischen aufgehalten, verzgerte sieh indess die Ankunft auf der Reede von Georgetown bis zum spten Abend. Am 12. September frh verliess das Schiff Ascensiou, um sich vor dem Passat herlaufend nahe an Fernando Noronha vorber, ohne indess dort zu landen, nach Par in Brasilien zu begeben. Am 23. traf es vor der Mn- dung des Tocantins ein und die Arometer erwiesen, dass dessen breites Aestiiariuin nicht vom Flusswasser ausge- waschen sein drfte, sondern wie schon Agassi/, mit Recht behauptet, durch Eindringen des Meeres in das Land entstanden ist: denn halben Wegs zwischen Par und dem Leuchtschiff an der Mndung fand sich bei Flutstrom noch derselbe Salzgehalt wie in der Ostsee bei Kiel (12 Promille), bei Ebbestrom noch 4 Promille. Bei Par selbst an der Mndung des Guamflnsscs in den Tocantins, ist das Wasser immer sss. Der erste Aufenthalt dauerte eine volle Woche, weil mehrere Reparaturen am Schilfe sich als dringend nthig *) Vcrgl. NHtiinv. Woclicnsclir." 1'..!. IV. S. 209, Krmme!: Be rkungen ober die Durchsichtigkeit des Meerwassers". Nr. 4. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. erwiesen. Die Reisenden suchten die Zeit, so gut es ging, mit Ausflgen zu Boot und Flussdampfer in den nahen Ur- wald, der bis ganz nahe an die Stadt reicht, auszufllen. Als sie endlich am 2. Octobcr Nachmittags die Fahrt nach dem Amazonenstrom voll hochgespannter Erwartungen angetreten hatten, wurden sie schon am 4. frh, gerade als sie aus dem Tocantins in den Kanal nach Breves hinaufsteuerten, durch ungeschickte Lootscn bei Hoch- wasser auf eine Sandbank gesetzt, so fest und so un- glcklich, dass sie sich nach den ersten misslungencn Versuchen frei zu kommen, schon vorbereiteten, hier das Schiff zu verlassen. Aber durch die geschickte und um- sichtige Thtigkcit des Kapitains gelang es doch mit Verlust des Warpankcrs das Schilt' ganz unbeschdigt am spaten Abend des 5. Octobcr wieder abzubringen. Das Vertrauen zu den Lootscn war geschwunden, das Schiff kehrte um und gelangte auch nicht nach Para zurck, ohne dass dieselben Lootscn es eine Stunde vor der Stadt abermals auf Grund setzten. Diesmal aber bei Niedrigwasser, so dass es nach wenigen Stunden leicht abkam. Die Fahrt nach dem Amazonas zum zweiten Mal zu versuchen, erschien die Zeit nicht mehr ausreichend. Ueberdies halten einige im Tocantins gelungene Plankton- zge ein ungefhres Surrogat fr das nun aus dem Ama- zonenstrom Fehlende geliefert. Xaeli einem zweiten kurzen Aufenthalte in der Stadt Par, wurde am Montag den 7. Octobcr die Heimfahrt angetreten. Diese brachte dem Oceanographcn am 11. Octobcr (in ca. 6 U n. Hr., 43" w. L.) die Uebcr- raschung, den Guineastrom in einer fr die Jahreszeit auffallend westlichen Position noch einmal anzutreffen: Das Abtreiben der Planktonnetze, die starke stliche Stromversetzung, der geringe Salzgehalt und die hohe Temperatur des Wassers (28 C), charakterisirten den Strom unzweifelhaft. Der nun auffrischende Passat zwang den Kapitain, dann fr drei Tage etwas nrdlicher zu steuern, dann wurde bei ruhigem Wetter im Sargasso meer die acht Wochen vorher durchfahrenc Route durch- kreuzt, worauf am 21. Octobcr noch einmal fr kurze Zeit ein wenig treibendes Sargassumkraut zu Gesieht kam. Wieder musste am Schiffe reparirt werden. Der nchste Ort, wo eine Reparatur mglich war, lag fast auf dem Kurse, das Trockendock von Ponta Delgado auf den Azoren. Starke, zeitweilig fast strmische Nordwinde Hessen das Schiff nur langsam vorwrts kommen, erst am 24. Octobcr lief dasselbe in den durch einen gross- artigen Molenbau geschtzten Hafen von Ponta Delgado auf S. Miguel ein. Sonntag den 27. October wurde die Heimreise fortgesetzt, die fr einige Tage eine sehr hohe See (Prof. Krnnnel mass (> bis 6,5 m hohe Wellen;, aber stets gnstigen Wind brachte. Auch durch den Canal be- frderte ein Sdweststurm das Schiff mit sehr erwnschter Geschwindigkeit, die Nordsee war ruhig wie der Kieler Hafen und am 7. November Morgens 8 Uhr hatten die Reisenden die Heimat wieder erreicht. 11") Tage waren sie unterwegs gewesen, 15 G00 Seemeilen oder 28 900 km, fast drei Viertel des Erdumfanges hatten sie in 93 Dampf- tagen durchmessen. Ueberbliekeu wir zum Schlsse den allgemeinen Ver- lauf der Expedition, so ist nicht zu verkennen, dass sie in vieler Hinsicht den Charakter einer ausgedehnten, hastig vorwrts drngenden Recognoscierungsfabrt angenommen hat. Einigermassen abschliessende Resultate drften vielleicht fr die Strecken sdlieh von 50 u N. Br. zu er- hoffen sein; die eigentlichen Polarrume waren ja aus Mangel an Zeit von vornherein ganz aus dem Programm gestrichen worden. Die Tiefseeforschung, sowohl die zoologische, wie die geophysische, welche zwar nur eine sekundre Aufgabe bilden sollte, ist unzweifelhaft zu kurz gekommen. Es war das aus verschiedenen Grnden nicht anders mglich. Lieber das Causalittsprincip der Naturerscheinungen mit Bezugnahme auf du Bois- Reymond's academische Rede: ,,Die sieben Weltrthsel." Von I>r. Eu i Dreh Nachdem wir im vorigen Kapitel*) fast nur die Argu- mente errtert haben, welche die Annahme der strengen Causalitt aller Naturerscheinungen nicht nur gerecht- fertigt erscheinen lassen, sondern sogar unvermeidlich machen, wollen wir jetzt diejenigen Grnde kennen lernen, welche der Hypothese dieses strengen Causalncxus wider- streben. In der erwhnten Rede: Die sieben Weltrthsel" lsst es du Bois-Reymond dahingestellt sein, ob jenes un- zerreissbare Hand von Ursache und Wirkung, welches wir einem consequenten Denken gemss in den Phnomenen schauen, auch wirklich vorhanden ist. Das Zweifelsbe- kenntniss, mit dem er seinen Vortrag trotz Wrdigung der Tragweite der von ihm vorgebrachten Grnde, die eine deterministische Weltanschauung als unvermeidliches Re- sultat der Forschung erweisen, schliesst, basirt auf zwei Momenten, die man zu Gunsten di^ Vorhandenseins der Willensfreiheit geltend machen kann, die ihm wichtig ge- nug scheinen, um diesem Probleme gegenber einen skep- tischen Standpunkt einzunehmen. Die beiden Punkte aber, welche ihn bewegen, den unverbrchlichen Causalnexus in Zweifel zu ziehen, sind: I. Das Vorhandensein des ') Xutunv. Wochenscbr. D.I. IV, S. 281 ff. weil. Doceut a. d. U. Hiillc. II. nicht zu leugnenden Gefhls einer mehr oder minder beschrnkten Willensfreiheit in allen Lebenslagen. II. Die Einsicht von der Unmglichkeit: gei- stige Vorgnge aus materiellen Processen herzu- leiten. Diese Unmglichkeit motivirt aber du Bois-Reymond in nachfolgenden prgnanten Worten: ..Dass astronomische Kenutniss des Gehirnes uns das Bewusstsein aus mechanischen Grnden nicht ver- stndlicher machen wrde, schloss ich daraus, dass es einer Anzahl von Kohlenstoff-, Wasserstoff-, Stickstoff-, Sauerstoff- u. s. w. Atomen gleichgltig sein msse, wie sie liegen und sieh bewegen, es sei denn, dass sie sei einzeln Bewusstsein halten, womit weder das Bewusstsein berhaupt, noch das einheitliehe Bewusstsein des Gesammt- hirncs erklrt wrde. " Hierbei lsst es jedoch du Bois-Reymond, wie schon bemerkt, unentschieden, ob geistige und materielle Vor- gnge dennoch nicht aus einem Princip fliessen, wie dies am schrfsten der Schluss seiner Studie: Die Grenzen des Naturerkennens" ausdrckt, wo es heisst: Schliesslich entsteht die Frage, ob die beiden Grenzen unseres Naturerkennens nicht die nmlichen seien, d. h. 34 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. Nr. 4. ob, wenn wir das Wesen von Materie und Kraft 1> c greifen, wir nicht auch verstnden, wie die ihnen zu Grunde liegende Substanz unter bestimmten Bedingungen empfindet, begehrt und denkt." - - Hierbei sei bemerkt, dass dn Bois-Reymond , obwohl er sich weder als An- hnger der monistischen noch der dualistischen Weltan- schauung seinem Skeptieismus gemss bekennen kann, zu dem Monismus, und zwar zu dem Materialismus sieh hinneigt, whrend er fr den (verschwommenen) Pantheis- mus, den llaeekel mit Begeisterung als allein erlsende Wahrheit preist, gar kein Interesse verrth. Auch der spiritualistische Monismus, den Leibniz in seiner Monado- logie" vertritt, nach der sieh die .Materie in lauter Einzel- seelen, Monaden", auflst , die einer von Gott einge- setzten, prstabilirten Harmonie zufolge in Wechselwirkung zu stehen scheinen, wahrend im Grunde genommen jede Mmiade mir streng- causalgemss verlaufende Traum- bilder percipirt, ist ihm allein nur deswegen werthvoll, weil Leibniz hierbei das eherne Causalittsprincip in den Vorstellungen seiner Monaden voraussetzt. Uns, die wir als Dualisten keine Anhnger des spiritualistischen Monis- mus von Leibniz sind, halten dennoch den Gedanken des universellsten aller Philosophen : trotz seines Monismus den Einzelwesen voll und ganz Rechnung zu tragen, was fast immer die Monisten ihrem Systeme zu Lieb un- bercksichtigt lassen, fr beachtenswerth und erkennen in dem Hinstellen der Sinneswahrnehmungen als Traumbilder einen tief empfundenen Gedanken, der uns an die grssten Dichter erinnert, welche Traum und Leben so geistvoll psychologisch zu identiticiren wissen. Ich habe diesen philosophischen Standpunkt du Bois- Reymond's hier um so mehr hervorgehoben, da er nicht wenig dazu beitrgt, den Naturforseher im gnstigsten Sinne des Wortes zu kennzeichnen, dessen auf das breite Fundament der Erfahrung sich grndendes Forschen fr metaphysische Speculation, wo sie nicht zur Befestigung und zum Aufbau einer Naturphilosophie geboten sind, wenig empfnglich ist. Sollte sich aber nicht der erste Einwand du Bois-Rey- mond's: das sich Berufen auf das bestndige Gefhl einer mehr oder minder beschrnkten Willensfreiheit gegen die Annahme des Determinismus dadurch widerlegen lassen, wie das schon oft versucht worden ist. dass man dieses Gefhl fr eine Tuschung erklrt, hnlich einer Sinnestuschung-, aber durchgreifender und innerlicher als diese? Ja, sollte es nicht mglich sein, zu beweisen, dass das Gefhl einer Willensfreiheit auftreten muss, wenn wir durch mehrere einander entgegenwirkende An- triebe zum Handeln bestimmt werden? und was den zweiten Einwand anbelangt, sollte nicht dieser einfach dadurch unhaltbar werden, dass das Can- salittsgesetz, dem gemss in der Gegenwart schon die den zuknftigen Zustand der Dinge bestimmten Momente liegen, sowohl fr die geistigen, als auch fr die mate- riellen Vorgnge gilt, weil das Gesetz vom zureichen- den Grunde alles Geschehen beherrschen muss? Wenden wir uns zunchst dem Gefhle der Willens- freiheit zu, aus dessen unleugbarem Vorhandensein wir bisher unbeachtete Consequenzen ziehen wollen! Wre dieses Gefhl eine blosse Tuschung, hnlich einer durch die sinne vermittelten Drtheilstuschung, \\ ie das Empfinden einer vermeintlichen Bewegung unseres Krpers, so msste bei Anstellung geeigneter Experimente dieses Gefhl weg- fallen, wie dies hei jeder Sinnestuschung zu constatiren ist, ein ['instand, der uns allein berechtigt, derartige Wahrnehmungen als Tuschungen zu bezeichnen. Nun giebl es aber keinen Versuch, der uns das Gefhl der Willensfreiheit als Tuschung kennen lehrt. Hieraus erwchst uns aber das nicht zu bestreitende Recht dieses, in jeder Lebenslage unabweisbare Gefhl der Willens freiheit fr die nothwendige Folge einer Thatsache des Bewusstscins, d. h. fr die nothwendige Folge der Freiheit unserer Entscheidung zu halten. Die Willens- freiheit in Abrede zu stellen, heisst also, streng- genommen; nichts weiter, als aus Liebe zu einer einseitig- be- grndeten Theorie den Erscheinungen Zwang anthun. Ernst Haeekel, der dies wohl fhlt aber dem unge- achtet nicht daran denkt, seine deterministische Weltan- schauung aufzugeben, sucht daher die Sache umzukehren, und es uns annehmbar zu machen, dass wir bei einer zu treffenden Wahl gar kein Gefhl der Freiheit haben, sondern nur mehr oder minder verborgene Impulse em- pfinden, die uns das Gefhl der Freiheit vorspiegeln. In seiner berhmten ..Natrlichen Schpfungsgeschichte" erklrt er daher: Sobald man seine eigene Willensthtig- keit streng untersucht, ohne das herkmmliche Vorur- theil von der Freiheit des Willens, so wird man gewahr, dass .jede scheinbar freie Willenshandlung bewirkt wird durch vorhergehende Vorstellungen, die entweder in ererbten oder in anderweitig- erworbenen Vorstellungen wurzeln, und in letzter Linie also wiederum durch Anpas- sungs- und Vererbungsgesetze bedingt sind. " So annehm- bar dies klingt, weil es theoretisch gedacht ist, so wenig entspricht es dem Sachverhalt, der das Gefhl der Willensfreiheit allem Zweifel entrckt, wovon man sich leicht berzeugen kann, wenn man eine Wahl zwischen ziemlich gleichgltigen Dingen trifft. Je mehr wir jedoch bei einer Entscheidung interessirt sind, desto mehr tritt das Gefhl der Freiheit des Entschlusses in den Hinter- grund, ohne jedoch, an eine bestimmte Grenze gelangt, gnzlich aufzuhren. Noch sei bemerkt, dass wir es nicht als Freiheit empfinden, wenn wir ungehindert Neigungen nachgeben knnen, wie es scheint, und w ie ich dies auch frher glaubte und vertrat, sondern dass ein Gefhl der Willkr ganz allein das Freiheitsgefhl ausmacht. Freiheit und Will- kr sind mithin identisch. Als ein recht auffallender Beleg hierfr diene die Thatsache, dass wir den Zwang der Leidenschaft, so sehr er uns gefllt, voll und ganz empfinden, wenn es sich darum handelt, ihr entgegen zu arbeiten. Leider verdunkeln vielfach, ohne es recht zu wissen, Philosophen diesen Sachverhalt, um ihre, ihnen unklar vorschwebende psychologisch dederministische Welt- anschauung mit den Anforderungen der Ethik in Einklang zu bringen. So erklrt z. B. Fr. Kirchner; dass die von uns schliesslich getroffene Entscheidung .,die einzig fr uns mgliche" sei, worauf er, im krassen Widerspruch hiermit, bald nachher ausspricht: Sosehr alle Entschlsse motivirt sind, so liegt es in unserer Hand, die Motive zu vermehren und zu veredeln. " Und dies zum Trotz des berall herrschenden, sich auf das Ich auch erstrecken- den Determinismus? Viel schlimmer noch ist es bei Ber- bart, der gleichfalls als Bckenner des ..psychologischen Determinismus" die Seelenthtigkeiten, durch seine (ganz willkrlichen) mathematischen Formeln zu berechnen whnt, wobei er sich nicht einmal klar ber die Grsse einer Affection wird, geschweige denn ber die Bedeutung einer strengen Causalitt. Immerhin muss ihm als Lob an- gerechnet werden, dass er in seiner mathematischen Psy- chologie, im Gegensatz zu modernen Forschern, nur ver- hltnissmssig einfache Formeln in Anwendung bringt. Am schlimmsten aber ist es bei Hegel, der, seinem alle Logik umstrzenden Grundsatze von dem sich wider- sprechenden Weltprincip getreu, gleichzeitig dem Deter- minismus wie dem Indeterminismus huldigt. -- Auch muss man sich hten. Freiheit mit Vernunft und Moral zu ver- wechseln, die nur Bestimmungsstcke unserer Entschlsse Nr. 4. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 35 ausmachen, wie dies Plato und nach ihm Andere tliun. - Dass sieh du Bois-Reymond als Naturforscher nicht dazu entschliessen kann, die Thatsache des Gefhles der Willens- freiheit der analytischen Mechanik halber in Abrede zu stellen, kennzeichnet in diesem Punkte nur die grosse Objectivitt seines Urtheils, die wir um so hher schtzen mssen, als die materialistische Weltanschauung, deren Hauptvertreter er lange Zeit gewesen ist, aufs bestimm- teste auf einen in der Natur liegenden unabnderlichen Causalnexus hindrngt. Wie wichtig aber die Anerkennung dieser strengen Kausalitt in allem Geschehen fr den .Materialismus ist, mag der Umstand zeigen, dass der scharfsinnige, philo- sophisch geschulte Schieiden die genannte Weltanschauung einfach dadurch zu widerlegen glaubt, dass er in seiner .Schrift: Ueber den Materialismus der deutschen Natur- wissenschaft, sein Wesen und seine Geschichte" die Existenz der Willensfreiheit, die fr Schieiden eine unan- tastbare Thatsache des Bewusstseins ist, ins Feld fhrt, obwohl andere Aufstze von ihm zur Genge beweisen, dass er den Materialismus mit schrferen Waffen angreifen konnte. Notwendigkeit im Reiche der Materie, Frei- heit im Reiche des Geistes sind fr Scbleiden die aus dem Wesen der Dinge geschpften Grundanschauungen. Hiermit weicht er denn wesentlich ab von seinen philo- sophischen Vorbildern, von Kant, Fries und Apelt, welche den Mensehen als einen Brger der Erscheinungswelt der ehernen Nothwendigkeit unterwerfen, whrend sie im Widerspruche mit dieser Behauptung dem Menschen als intelligiblen Charakter- einem Postulat der prak- tischen Vernunft zufolge eine, transcendentale Freiheit zusprechen, welche sich auf die Dinge an sich" bezieht. Hiernach wrde der Mensch als Noumenon" frei sein, als ein Phnomenon" jedoch vllig gebunden, wobei man sich freilich wundern niuss, dass die Freiheit in unserem Denken sich als Nothwendigkeit malt. Von der Noth- wendigkeit, welche die Erscheinung bekundet, auf die Not h wendigkeit des ihr Entsprechenden, das hinter dem Vorhange der Erscheinungen sieh zutrgt, zu schliessen, htte grssere Berechtigung gehabt. Das Beispiel von Scbleiden zeigt aber: wie wenig ein echter Naturforscher sich dazu verstehen kann, wider- strebende Thatsachen unter das Joch einer vorausent- worfenen Theorie zu beugen. Sollte es nicht ebenso beim Philosophen sein? Wir sind fest davon berzeugt, dass jede kritische Arbeit auf dein Gebiete der Metaphysik, auch selbst dann, wenn sie nur die jeweiligen Grenzen unserer Kenntniss aufdeckt, unvergleichlich viel mehr Werth besitzt, als das Aufstellen von ganzen philosophischen Lehrgebuden, die im gnstigsten Falle (loch nichts an- deres sind, als Spiegelbilder der Einseitigkeit und Leicht- glubigkeit ihrer Autoren. Wir wollen jetzt die Annahme: dass unser Ich eine gewisse Selbstbestimmung besitzt, die sachgemss unab- hngig von jedem usseren wie inneren Einfiuss ist, auf indirectem Wege beweisen und ihr so eine grssere Sttze verleihen, als ihr die durchgreifende Erscheinungs- form der Willensfreiheit giebt. Dass wir diesen Beweis nicht direkt fhren knnen, dessen sind wir uns wohl bewusst, da wir es in Anbetracht der Willensfreiheit mit einem versehleierten Paradoxon zu thun haben, dessen Begrndung nur durch den Nachweis des Ausschlusses der entgegengesetzten Annahme, des Determinismus also, geschehen kann. Wir werden spter zeigen, dass die Hypothese des Indeterminismus gleichfalls zu widersinnigen Konsequenzen fhrt, und doch kann nur, unserem Denken gemss, der Determinismus oder der Indeterminismus Recht haben. Der apagogische Beweis aber fr das Vorhanden- sein einer Willensfreiheit, den wir hier fhren wollen, grndet sich darauf, dass das (Je fhl einer Willens- freiheit, welches als unbedingte Thatsache des Bewusst- seins von Allen anerkannt wird, selbst, wenn es auch auf Tuschung beruhen sollte, nicht vorhanden sein knnte, wenn die deterministische Weltanschauung richtig wre. Angenommen: irgend welche Impulse wirken auf unser Ich ein, die es zu verschiedenen Willensusserungen anstacheln, wie dies z. B. der Fall ist, wenn wir Neigung empfinden, zwei sieh ausschliessende Handlungen gleich- zeitig zu thun, so wrde das Ich von diesen Impulsen, in welchen schon unseren Neigungen nach allen Richtungen hin Rechnung getragen ist, beherrscht werden, wrde also nie und nimmer zu der Vorstellung gelangen, dass es sich fr die eine oder andere That entscheiden kann. Wir knnen sogar behaupten, dass unser Ich bei seinem vlligen Determinirtsein gar nicht die einzelnen, auf dasselbe einwirkenden Impulse wahrnehmen wrde, weil diese sofort zu einem rcsultire nden Antriebe ver- schmelzen mssten, welchen das Ich erst pereipirte. Hiermit knnte denn ein Gefhl der Willensfreiheit, welches uns doch die Mglichkeit der Wahl in Aus sieht stellt, sachgemss nicht aufkeimen, womit denn das Vorhandensein des Gefhls der Willensfreiheit die Existenz der letzteren beweist. Wie kann aber nach deterministischer Ansicht das Ich eine Entscheidung zwischen verschiedenen An- trieben treffen! Herrschte das Ersetz unverbrchlicher Kausalitt, so msste das Ich, statt zu einem Entschluss zu gelangen, bei dem stets alle Komponenten mit alleiniger Ausnahme von einer von dem Ich unterdrckt werden, eine Resultircnde einschlagen, d. h. allen Antrieben ihrer Strke gemss Rechnung tragen, was nie und nimmer zu einem Entschluss fhren wrde. Auf dem Ge- biete des Geistes msste, es also ebenso gut eine Resulti- rcnde gellen, wie auf dem der Materie, nur mit dem Unterschiede, dass bei der ersten Resultanten der rum- liche Charakter wegfllt. Da dies nicht der Fall ist, indem jedes Entschlussfasscn gegen las strenge Causali- ttsprineip verstsst, welches ja verlangt, dass die Wir- kung den sie veranlassenden Momenten voll und ganz gerecht wird, was zu einer unvorstellbaren Denkthtigkeit fhren wrde, so ist hiermit die deterministische Welt anschauung als widerlegt zu betrachten. Wenn aber Schopenhauer das Schwanken des Willens bei einer zu treffenden Wahl mit dem Hin- und Her- schwingen der Zunge einer Waage vergleicht und meint, dass der Aussehlag beider doch im voraus schon bedingt sei, wenn man auch nicht wisse, wie er ausfallen werde, so verkeimt er eben das Unzutreffende des Gleichnisses, indem der Wille der Freiheit des Ich zufolge schwankt, whrend die Zunge der Waage dem Beharrungsgesetze gemss hin- und herschwingt. Zieht mau jetzt noch in Betracht, dass wir der deterministischen Ansicht zu- folge um so langsamer zu einem Entschlsse gelangen mssten, je mehr die Impulse sich das Gleichgewicht halten, so berzeugt man sieh, dass die Erfahrung keines- wegs in der Weise die deterministische Hypothese be- sttigt, wie man es bei der Richtigkeit dieser Welt- anschauung erwarten msste. Einen anderen Gedankengang in Anbetracht der Mglichkeit des Vorhandenseins einer Selbstbestimmung, einer Autonomie des Geistes, wie wir die Willensfreiheil auch nennen knnen, nachdem wir sie als Willkr ge- kennzeichnet haben, verfolgt du Bois-Reymond, der, durch seinen philosophischen Entwickelungsgang gefhrt, dieses Problem von einer anderen Seite beleuchtet, als wir es 36 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. Nr. 4. getban haben. Nachdem sich du Bois-Reymond berzeugt hat, dass nicht einmal die ursprnglichste seelische Thtigkeit aus den Eigenschaften und der Constellation der Materie jemals hergeleitet werden kann, geschweige denn das Gefhl der Willensfreiheit, wobei er es, die Tragweite dieser Einsicht unterschtzend, wie gesagt, dabin gestellt sein lsst, ob dennoch nicht, im Grunde genommen, geistige und materielle Vorgnge dasselbe seien, kann er die Zweifel an der Freiheit in psychi- schen Vorgngen dennoch nicht bannen. Es ist also vorwiegend nicht das Axiom, dass jedes Geschehen seinen es bedingenden Grund haben muss, welches du Bois-Reymond einer deterministischen Weltanschauung zugnglich macht, sondern vielmehr der rein physikalische Gedanke, dass jede Bewegung das nothwendige Resultat von sie veranlassenden Krften ist. womit in den Causal- nexus der Materie nicht eingegriffen weiden kann. Wieder ist es das Gefhl der Willensfreiheit, welches du Bois- Reymond veranlasst, diesen unabwendbaren Causalnexus, der die Materie beherrscht, nicht unbedingt bei seelischen Vorgngen anzuerkennen. Ja es schimmert sogar durch ^u Bois-Reymond'sSehriften derGedanke hindurch, dass, wenn ein Dualismus hinsichtlich Geisi und Materie existiren sollte, nur die Welt des Stoffes der unbedingten Notwendigkeit unterworfen ist. Dies erinnert uns an Schieiden, der, wie gesagt, von vornherein, im Gegensatz zu vielen, sieb zum Determinis- mus bekennenden Dualisten, fr den Geist Freiheit in Anspruch nimmt, whrend er in der unbeseelten Natur das Walten rein mechanischer Gesetze zu erkennen glaubt. Uni aber das Vorhandensein eines geistigen Prineips in den sogenannten physischen Erscheinungen zu beweisen, erklrt Schieiden in seinem Essai ..Zur Theorie des Erkennens durch den Geschichtssinn*)": ..Das Lieht ausser uns in der Natur ist Bewegung des Acthers; eine Bewegung kann langsam oder schnell sein, diese oder jene Richtung haben, aber es hat offen- bar keinen Sinn, von einer bellen oder dunklen, von einer grnen oder rothen Bewegung zu sprechen; kurz: ausser uns, den empfindenden Wesen, giebt es kein Hell und Dunkel und keine Farben. -- Und was fr die \rllirnvellen selbst gilt, ist nicht minder anwendbar auf die Wirkungen, welche von ihnen in anderen Krpern hervorgerufen werden; einen chemischen Process hell zu nennen ist ebenso sinnlos, als von einer blauen Electri- citt oder einer grnen Wrme zu reden .... Wir nennen dies Gebiet, auf welchem wir erkennen, fhlen und wollen, unsere Seele, und wenn die plumpsten Materialisten sogar die Existenz derselben leugnen, so geschieht dies nur deshalb, weil sie zu trge oder zu inconseqnent sind, ihren eignen Weg ganz bis zu Ende /u gehen. Du Bois-Reymond gebt in Anbetracht der Unerklr- lichkcii der seelischen Vorgnge aus stofflichen Processen noch einen bedeutungsvollen Schritt weiter, indem er aus- drcklich hervorhebt, dass selbsr dann, wenn wir uns die einzelnen Atome beseelt vorstellen, wir aus ihrer Be- seelung nie und nimmer das einheitliche Ich des Indivi- duums herleiten knnen. Dieser Gedanke, dessen grosse Fruchtbarkeil fr Naturwissenschaft und Philosophie sieh ersl dann erweisen wird, wenn die Physiologen den Wcrth empirisch psychologischer Untersuchungen mehr zu schtzen wissen, als dies heute der Fall ist. begrssen wir als ein Vorzeichen einer neuen Epoche der Physiologie und Psychologie, wo Naturwissenschaff und Philosophie, sich gegenseitig untersttzend, das Problem des Lebens in Angriff nehmen werden. Ich sage als ein Vorzeichen Leipzig, Engel 1861. dieser Aera, denn noch hat selbst der Autor dieses Ge- dankens nicht gnzlich die Fesseln der von ihm einst mitbegrndeten physiologischen Schule abgestreift, die den ganzen Lebensproccss mit seinem Fhlen, Wollen und Denken der Herrschaft der chemisch -physikalischen Ge- setze zu unterwerfen trachtete. Und, tun mit du Bois- Reymond's eigenen Worten zusprechen: ..Unabhngige Geister, welche nicht unter die Unfehlbarkeit der Schule sieh beugten, wurden vornehm zu- recht gewiesen". So geschah es Ilaecke], weil er, im Gegensatz zu dem krassen Materialismus der Natur- wissenschaft die freilich zu wenig begrndete Hypothese von einem Bewusstsein der Atome aufstellte, eine Ansieht, die nach Voltaire's Bericht Newton auch gelegentlich ausgesprochen hat. Wir wrden uns unbedingt dieser Hypothese aa- scblicsscn mssen, wenn es gelingen sollte: durch die Annahme von einem den Atomen innewohnenden unab- nderlichen Willen, von einem Lieben und Hassen der Elemente im Sinne eines Empedokles, alle Bewegungs- ersebeinungen des Stoffes streng mathematisch herzuleiten, wobei die Hypothese selbst unergrndlich bleiben wrde. Da aber hierzu nicht die geringste Aussicht vorhanden ist, wie dies du Bois-Reymond mit einigen stichhaltigen Grnden belegt, statten wir die Atome mit Kraftanlagen aus und gcrathen auch hierbei in recht paradoxe Voraus- setzungen, so z. B. zu der von ihr Fernwirkung der Materie, zu Widersprchen, die kein Euler-Secchi'sches Aethertraumbild zu verscheuchen vermag. Wenn aber du Bois-Reymond meint, dass Atome deswegen nichts von der Aussenwelt wahrnehmen knnen, weil sie keine Sinnes- organe besitzen, so ist dieser Grund zu engherzig, um ihm Gewicht beizulegen, und dies um so mehr, ala wir trotz unserer Sinnesorgane nicht begreifen knnen, wie sie uns die Aussenwelt erschliessen, insofern der Anlass aller Sinneswahrnehmungen in Vernderungen im Central- nervensystem zu suchen ist. Sprechen wir auch den Atomen Bewusstsein ab. weil die materiellen Phnomene sich besser und einleuchtender erklren lassen, wenn wil- den Stoff als unbelebt erachten, so stimmen wir doch mit Uaeckel in Anbetracht der Annahme der Beseelung der Zellen berein. Dass wir dieser Annahme vielen Auf sehluss in Anbetracht psycho- physiologischer Probleme verdanken, habe ich bereits in mehreren Schriften nach- gewiesen*). Indem aber du Bois-Reymond in seiner Rede: ..Die sieben Weltrthsel" Uaeckel wegen seiner gegen die strenge Naturwissenschaft verstossende Annahme von einem Be- wusstsein der Atome bermssig rgt und auf Schelling und Hegel hinweist, die von derselben Pflanzsttte aus, wie nicht zu verkennen ist, eine die Wissenschaft ver- giftende Saat ausgestreut haben, bersieht er, dass dem Philosophen die naturwissenschaftlichen Theoreme nicht die lleiligthiner sein knnen, die sie dem Fachmanne sind. In seiner ..Kritik der Urtheilskraft" macht Kant schon darauf aufmerksam, dass die Krfte der materiellen Welt einen geistigen Beigeschmack besitzen. Bedenken wir, dass nach tlrr Anschauung unserer modernen Naturwissen- schaft Kraft mit Kraft sieh im Gegensatz von Materie mit Materie durchdringen soll, dass Kraft ohne jedes andere materielle Substrat als den absolut leeren Raum mit unglaublicher Schnelle ihren Ort wechseln muss, dass ferner die Krfte etwas zu wollen scheinen, so mssen wir Kant beipflichten. Ziehen wir gar noch in Betracht, dass alle unsere Sinneswahrnehmungen als von der Seele un- *) P. A. in meiner Studie: ..Her Hypuotismus, -eine Stellung zum Aberglauben und zur Wissenschaft (Neuwied Heuser' \ erlas IS89). Nr. 4. Naturwissenschaftliche Wochenschrift, bewnsst entworfene Construotionen eine durchgeistigte Aussenwelt vergegenwrtige^ in der wir nach Descartes zwischen dem Ausgedehnten, dem Materiellen, und dem Denkenden, dem Geistigen, unterscheiden, so laufen wir eher Gefahr einem spiritualistischen Monismus als einem materiellen anheimzufallen. Der Schlnss dieser Studie wird Gelegenheit bieten, die Bedeutung des Ich fr die ganze Philosophie in das rechte Lieht zu stellen und so dazu dienen, den geistigen Hintergrund des von uns Ge- dachten in den Vordergrund treten zu lassen. Wir halten dieses Fssen auf einem psychologischen Standpunkte heute fr geboten, weil dieses Denken jetzt nicht mehr im Stande ist noch sein soll, die Rechte der Physik und der Chemie auf physiologischem Oebiete anzutasten, wohl aber den herschw angliehen Perspectiven des Materialisten krftigen Abbruch zu thun. Somit ist denn die empirische Psychologie ein nothwendiger Bundesgenosse der Physik und Chemie bei allen physiologischen Forschungen. Ein Pariser Physiologe, Dr. P. Loye, hat soeben in einem sehr interessant geschriebeneu Buche die Ergeb- nisse einer Reihe eigener Versuche ber den Mechanis- mus des Todes durch Enthauptung und ber die am getrennten Kopfe noch nachweisbaren Lebens erscheinungen, besonders der Empfindung und des Be- wusstseins dargestellt, unter reichlicher Benutzung der vielen Legenden und Beobachtungen, die sich ber dieses Problem seit der Blthezeit der Guillotine angesammelt haben. Den Ausgangspunkt seiner Versuche bildete die in der Schreckenszeit der Revolution hutig aufgestellte, u. a. auch von dem deutschen Anatomen Smmering ver- teidigte Behauptung, dass ein guillotinirter Kopf sich seiner verzweifelten Lage lngere Zeit bewnsst bleibe und auch Schmerz empfinde. Eine solche Annahme wrde nur gestattet sein, wenn sich mimische und sekretorische Erscheinungen am enthaupteten Kopte fn- den, wie sie Angst und Schmerz begleiten, und wenn sich nachweisen Hesse, dass solche etwa vorhandenen Erscheinungen von Bewusstsein begleitet sind. Dr. Loye hat fr diese Untersuchungen mehrere Hunde in der Hhe des dritten Halswirbels mit einer Art kleiner Guillotine enthauptet. Im .Moment der Durchtrennung ffneten sieh stets die Kiefer wie in tiefer Athmung. Die Zunge liegt unter geringen Bewegungen fest am Mundboden, die Augenlider sind geschlossen; sie ffnen sich aber sehr schnell und lassen lebhafte Drehbewegun- gen der Augpfel erkennen. Zugleich nhern sich jetzt die Kiefer mit grosser Kraft, alle Muskeln des Gesichtes zeigen schnelle Zusammenziehung, die Lippenwinkel ver- zerren sich, die Nasenflgel zittern, die Ohren werden gespitzt, es entsteht in der That ein Ausdruck heftigen Schmerzes und furchtbarer Angst. Diese erste Phase dauert etwa zehn Sekunden, dann tritt eine gewisse Ruhe ein. die Kiefer bleiben auf einander, die Augen offen und unbeweglich. Nach etwa wieder 10 Sekunden ffnen und schliessen die Kiefer sieh unmittelbar nach einander, die Nasenlcher verengern und erweitern sich schnell, und diese an das (Jahnen erinnernden Bewegun- gen wiederholen sich mit abnehmender Geschwindigkeit etwa noch D/o Minuten lang. Dann verliert das Auge seinen Glanz und seine Liehtemptindlichkeit, die Kopt- muskulatur wird ganz bewegungslos. Genau dieselben Erscheinungen hat Dr. Loye beobachtet, wenn er die Enthauptung in tiefster Chloroformbetubung vornahm. Es fehlten nur, wie immer in der Narkose, die Reflexe am Auge u. a., sie stellten sich aber auch ein, sobald die Narkose aufgehoben war. Die unwillkrlichen Muskelbewegungen traten immer auf. Dr. Loye erklrt sie sieh aus der Asphyxie, in welche das Gehirn durch die Enthauptung gebracht wrde. Im Moment der Durchtrennung kann sich das Blut nicht mehr mit Sauer- stoff sttigen, es wird sauerstoffarm, und zugleich wer- den die Gefsse schnell blutleer. Dadurch werden die Gefssnerven gereizt, welche jene unwillkrlichen Be- wegungen auslsen. Von diesen kommen beim ent- haupteten Menschen nur wenige Zuckungen zur Beob- achtung, es ist jedenfalls aber jetzt festgestellt, dass in jener alten Fabel von dein Fortleben des enthaupteten Kopfes ein Krnchen Wahrheit enthalten ist. Gleich- wohl meint Di 1 . Loye, vernichte die Enthauptung sicherer und schneller das psychische Leben als jedes andere Mittel, besonders als die jetzt in Aufnahme Elektrizitt. ikommene Ersteigung des Kilima - Ndscharo. Aus einem Briefe Dr. 11. Meyers an Prof. Ratzel, ans Marangn vom 9. October 1889 datirt, theilt der Herr Empfnger der Gesellschaft fr Erdkunde zu Berlin folgendes aus- zugsweise mit: Dr. H. Meyer und Prof. Purtscheller veressen San- sibar am 3. September, trafen am 25. September in Ma- rangn ein und lagerten bereits am 2. Oetober auf dem Sattelplateau des Kibo in 3350 m Hhe, von wo sie am 3. October den ersten esteigungsversueh ber den Sd- und Westabhang unternahmen. In 5000 in Hhe wurden die ersten Firnflecken berhrt und unter Stufen- schlagen die von Gletscherspalten durchschnittene und karrenfeldartig zerfressene l>is 5570 m herabreichende Eishaube bis zum sdlichen Firnkamm beschritten, bei dessen Betreten sieh zeigte, dass der hchste Gipfel in einigen Klippen des Sdrandes zu suchen sei. Gegen diese richtete sich eine zweite Besteigung am 6. October, welche von einer Lavahhle in 4620 m ausging und ohne aussergcwhnliehe Schwierigkeiten die mittelste und hchste dieser Klippen, rund 6000 m hoch, erreichte. Dr. H. Meyer pflanzte die deutsche Flagge auf dieser Hhe auf, die er als erster erreichte, und schlgt vor, dieselbe Kaiser Wilhelm-Spitze zu nennen. Der Kibo- krater lag 2000 in breit und 200 m tief nrdlich von dieser hchsten Erhebung und ein gewlbter Auswurfs- kegel erhebt sieh aus demselben, umgrtet von einem Gletscher, der durch einen Spalt des Kraterrandes nach Westen austritt, Nord- und Ostrand des Kraters stellen eine Eismauer dar, deren hchste Stelle bedeutend nie- driger als jene Klippe des Sdrandes ist. Ein Firnmantel, unter welchem bei 5400 in Eis in :'.">" Neigung hervor- tritt, senkt sich auf allen Seiten vom Kraterrand herab. Am lo. Oetober sollte der Kimawensi in Angriff ge- nommen werden. Der Farbenwechsel der Rosskastanien- Blurnen. Schon vor lngeren Jahren hatte die beim Abblhen erfolgende Umfrbung der gelben Flecke auf den oberen Kronenblttern der Rosskastanie meine Aufmerksam- keit auf sich gezogen. Obgleich bereits Konrad Sprengel (Entdeckt. Geheimn. S. 211) sich mit dieser Erscheinung beschftigt hat, scheint die Deutung derselben doch noch keineswegs sicher festgestellt zu sein. Die Blthenver- hltnisse der Rosskastanie sind durch Fr. Hildebrand iGesehlechtervert, S. 11. 26) und Herrn. Mller (Blum. und Insekt, S. 154) richtiger geschildert worden als durch Sprengel, aber ber die Ursache des Farbenwcchsels haben 38 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. Nr. 4. beide Autoren sich nicht ausgesprochen. Eine Mittheilung Aschersons Naturw. Wochenschrift von Dr. Potonie II (1888) S. 129, 130, vergl. auch Sitzb. Bot. Vor. Bran- denburg 1877 S. 114), welche sich mit dieser Frage be- schftigt, hat mir den Anlass gegeben, nieine frheren Beobachtungen wieder aufzunehmen. Es ist nicht meine Absicht, die Angaben meiner Vorgnger, welche die Rosskastanienblumen untersucht 'nahen, zu besprechen, vielmehr mchte ich einfach den Thatbestand und meine Deutung desselben darlegen. Die Arten von Aesculus sind andromoncisch, d. h. in jedem Blthenstnde ist ein Theil der Blthen zwitterig, ein anderer Theil, und zwar der grssere, durch Verkm- merung des .Stempels rein mnnlich. Die Arten der Pavia- Gruppe (Aesculus flava Ait., A. Pavia L. etc.) haben Blumen, welche nach dem biologischen Typus der Faba- Blumcn gebaut sind; die Kronenbltter bilden eine Art Rhre, so dass fr unsere gewhnlichen Hummeln eine gewisse Kraftanstrengung erforderlieh wird, um sie so weit aus einander zu biegen, wie zur Erlangung des Honigs nothwendig ist. Fr sehr langrsslige Hummeln und fr die grsseren Falter muss die Honiggewinnung aus den Blthen von Aesculus flava und Vicia Faba leicht sein, aber unser Bombus terrestris findet erhebliehe Schwie- rigkeiten und zieht es hufig (bei Faba fast immer) vor, durch Einbruch zum Honig zu gelangen. In diesem Falle pflegen zahlreiche Bienen die von den Hummeln gebohrten Lcher zur Nachlese zu benutzen. Bei der Rosskastanie ist der rhrige Theil der Blume sehr kurz und wird nur durch die Ngel der Kronen- bltter gebildet, die im brigen flach ausgebreitet sind. Der im Grunde der Blumen geborgene Honig ist daher nicht allein Hummeln, sondern auch kleinen Hvmenoptercn und vielen Dipteren zugnglich. Beim Erschliessen der Blumen der Kastanien sind die .Staubbltter nach abwrts gebogen, die Anthercn nicht geffnet. An den zwitterigen Blumen ist der Griffel gerade vorgestreckt, und zwar nach vorn zu mit einer leichten Krmmung nach oben; die Narbenpapillen sind um diese Zeit gut entwickelt, die Blumen somit ausge- sprochen proterogyn. In diesem Stadiuni ist ein [nsecten- besuch bei den mnnlichen Blthen fr die Befruchtung bedeutungslos, whrend die zwitterigen sofort befruchtet werden knnen, falls die besuchenden Insekten Bollen heranfhren. Im zweiten Stadium nehmen die Staubbltter eine hnliche Stellung an wie der Griffel der Zwitterblthen, d. h. sie sind vorgestreckt mit einer leichten Krmmung nach oben. Die Anthercn entleeren nun ihren Bollen, so dass ein geeignetes besuchendes Insekt damit bestubt werden muss. I ii i dritten Stadium verndern Griffel und Staub- bltter ihre Stellung nicht, haben aber ihre geschlecht- lichen Leistungen beendet, .letzt nehmen die bis dahin wenig aufflligen gelben Flecken auf den oberen Kronen- blttern eine schn rothe Frbung an. Was ist nun die biologische Bedeutung dieses Vorgangs? In keiner roth gewordenen Blume fand ich eine Narbe mit noch frischen Papillen vor; an den Antheren haftet mitunter noch etwas Blthenstaub, aber bei der berreichen Pollenproduction der Rosskastanie kann es nicht der Mhe lohnen, diese sprlichen Reste abzuholen. Unmglich kann die Schmuck- farbe einem darauf hinzielenden Zwecke dienen. Beachtet man die Insekten, welche die h'osskastanicu- lilunieu besuchen, so findet man darunter zunchst viele Dipteren und kleine Hymenopteren, welche oft lange an einer einzigen Blthe saugen. Sic setzen sich seitlich an den Kami des engen Blumengrundes neben die Staub- fden und Griffel. Weder mit der Narbe noch mit den Antheren kommen sie in Berhrung, so dass sie fr die Befruchtung vllig werthlos sind. Selbst die Honigbienen gehren zu den ziemlich nutzlosen Besuchern, obgleich sie durch ihre krftigen Bewegungen die Staubfden erscht- tern und dann mit Bollen bestubt werden knnen, den sie jedoch nur ganz zufllig einmal an einer Narbe ab- streifen werden. Wirklich wirksame Befruchter der Ross- kastanien sind die Hummeln, welche gerade auf die Mitte der Blume zufliegen, sich mit den Beinen an beiden Seiten derselben festhalten und den Leib auf Griffeln und Staubblttern ruhen lassen. In hnlicher Weise wrden Falter wirken, doch habe ich solche nicht als Besucher der Kastanienblumen beobachtet. Hummeln besuchen die Rosskastanic ziemlich fleissig, ziehen aber offenbar die honigreichere Aesculus flava vor. Bei insektenblthigen Pflanzen mit getrennten Ge- schlechtern pflegen die mnnlichen Blumen mit strkeren Lockmitteln ausgestattet zu sein als die weiblichen, weil es fr die Befruchtung nothwendig ist, dass die mnnlichen Blthen zuerst besucht werden. Oft bedingen die An- theren allein schon eine lebhaftere Frbung (Salix), zu- weilen kommt ein strkerer Duft hinzu (Vitis). Sehr oft zeichnen sich die mnnlichen Blthen oder Blthenstnde durch grssere Kronen oder eine grssere Zahl der Einzel- blthen ans. Bei den Petasites- Arten findet sich eine merk- wrdige Verwerthung der verschiedensten Lockmittel (Ge- stalt, Grsse, Frbung, Duft und Honig), die in mannich- faltiger Weise auf die Geschlechter vertheilt sind. Bei Valeriana dioiea und Hex Aquifolium sind die mnnlichen Blthen rosa, die weiblichen weiss gefrbt. Die schn rothen Flecke auf den lteren Blumen- blttern von Aesculus knnen nach allen unsern Erfah- rungen nur als Lockmittel gedeutet werden. Ein Insekten- besuch auf diesen Blumen ist aber ohne jede Bedeutung fr das Befrachtungsgeschft Die thatsehliche Beob- achtung ergiebt ferner, dass weder Hummeln noch Fliegen bei ihren Besuchen irgend einen Unterschied machen zwischen den Rosskastanienblumen mit gelben und denen mit rothen Flecken. Die Erfahrung an andern Blumen spricht ebenfalls dafr, dass die Insekten in ihrer Aus- wahl unter den Einzelblumen eines Blthenstandes sich nicht von den besonderen Lockmitteln bestimmen lassen. Nimmt man z. B. in einem Blthenstnde einer grossblu- migen Brombeerart bei einer Anzahl von Blumen die Kronenbltter weg, so lassen sich die besuchenden In- sekten dadurch in keiner Weise beirren: die kronenlosen Blumen erhalten genau ebenso viele Besuche wie die un- verletzten der nmlichen Infloreseenz. Eine unbefangene Wrdigung dieser Thatsachen drfte den Schlssel zur Deutung der Schmuckfarben bei den alternden Rosskastanienblumen liefern. Auch in der menschlichen Gesellschaft wird der Putz, den die jungen Mdchen anlegen, oft genug durch die Diamantgeschmeide ihrer Mtter und Grossmtter berstrahlt. Die Trgerinnen dieser glnzenden Kostbarkeiten denken nicht daran, ge- schlechtliche Eroberungen zu inachen, vielmehr dient ihre Prachtliebe, neben der Befriedigung einer persnlichen Eitelkeit, vorzglich einem allgemeineren Zwecke: der Schmuck, den die Alten zur Schau tragen, ist zur Erhhung des Glanzes der Gesellschaft bestimmt. Ganz analog ver- hlt es sich mit den alternden Rosskastanienblumen: sie haben ihren eigentlichen geschlechtlichen Daseinszweck erfllt, aber sie welken nicht sofort dahin, sondern dienen noch eine Zeitlang dazu, die Oesaninitblthenstmlc an- sehnlicher zu machen. Zu Anfang der Blthezeit liegt ein Vortheil darin, wenn die pollenreichen lteren, mit viel Roth geschmckten Blthenstnde der Rosskastanie von den Hummeln frher gefunden und besucht werden Nr. 4. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 39 als die minder ausebnlichen jungen, welche fast nur weib- liche, geschlechtsreife Blumen enthalten. Es ist mir noch ein anderer Fall bekannt, in welchem abgeblhte Blumen eine schnere Schmuckfarbe tragen als die frischen. Bei Mespilus (Crataegus) nigra (W. K.) Willd. nmlich verfrben sich die vorher weissen Kronen- bltter nach dem Abblhen in Rosa. Die einzelnen Blthen- stnde gelangen nicht gleichzeitig zur Entwicklung, so dass ein Busch von M. nigra in der zweiten Hlfte der Blthezeit aus der Ferne die Tuschung hervorrufen kann, als sei er aus Weissdorn- und Rothdornblfhen zusammen- gesetzt. In diesem Falle knnen die alten rosafarbenen Blumen nur dazu dienen, die Insekten aus der Ferne auf den Strauch aufmerksam zu machen, obgleich die Besuche derselben gar nicht den rothen, sondern ausschliesslich den benachbarten weissen Inflorescenzen gelten sollen. Umgekehrt lockt beim Apfelbaum, bei Ulmaria Filipen- dula, Menyanthes trifoliata und Mina lobata das Roth der Knospen die Besucher zu den viel blasseren Blthen hin. Zur Erklrung der biologischen Entstehung der Eigen- thmlichkeiten, welche die Bosskastanie zeigt, kann am besten die Vergleichung mit unsern Apfel- und Birn- bumen dienen. Die Blthen derselben sind zwitterig, aber ihre Zahl ist so gross, dass unmglich aus jeder von ihnen eine reife Frucht hervorgehen kann. Die meisten Blumen unserer Obstbume sind somit scheinbar ber- flssig, aber sie haben, wenn sie abfallen, doch einen gewissen Daseinszweck erfllt, weil sie die Augenfllig- keit des blhenden Baumes erhht haben. Bei einer ver- wandten Art, nmlich bei der Scharlachquitte, Cydonia Japonica Pers., ist eine Stoffersparung eingetreten, indem die Fruchtbltter in einer grossen Zahl ihrer Blumen gar nicht zur Entwickelung gelangen, so dass diese nur noch als Pollenspender und als Schmuck dienen. Ebenso ver- hlt sich die Rosskastanie.*) Nur ein kleiner Theil der Einzelblthen ihrer Inflorescenzen wrde, schon um rum- licher Grnde willen, Fruchte liefern knnen; die meisten von ihnen haben, wie bemerkt, auch die Fhigkeit dazu verloren, so dass sie nur als Schmuck- und Pollenblumen dienen. In den zwitterigen Blumen sind die drei Func- tionen zeitlich gesondert: sie durchlaufen ein weibliches, ein mnnliches und ein ornamentales Stadium, whrend bei den mnnlichen Blthen das erste dieser Stadien ganz bedeutungslos geworden ist. Analoge Arbeitstheilungen finden wir im Pflanzenreiche oft genug vor; allbekannt sind die verschiedenen Functionen der Einzelblthen bei vielen Compositen, whrend bei einigen Liliaceen die Schmuckblumen nicht nur die Geschlechtlichkeit, sondern selbst den blumenhnlichen Bau so sehr verloren haben, dass sie an die extrafloralen Lockmittel, die schnen, bunten, oft kronenbllterhnlichen Hochbltter vieler Bro- meliaceen, der Bougainvillea, einiger Cornus-Arten u. s. w. erinnern. Das Ergebniss unserer Untersuchung ist somit sehr einfach. Bei den Rosskastanien dienen die alten Blthen vor dem vlligen Verwelken noch eine Zeitlang als geschlechtslose Scbniuckblumen zur Erhhung der Anziehungskraft der gesammteu Inflorescenzen. Die bescheidenere Frbung der jungen Blumen wird bedingt durch die Protero- gynie. Nach dieser Auffassung wrde die Zweckmssigkeit der Bltheneinrichtungen bei den Rosskastanien an- scheinend noch dadurch gesteigert werden knnen, dass die Umfrbung der Flecke an den Blumenblttern schon beim Beginn der mnnlichen Geschlechtsreife eintrte. Ein erheblicher Vortheil wrde dadurch aber nicht er- *) Rein weibliehe Exemplare kommen bei dieser allerdings nicht vor, whrend sie bei der Scharlachquitte vorhanden sind. reicht werden, so lange die Ueberproduktiou von Pollen bei den Bumen noch so gross ist wie jetzt. Es wrde natrlich mit der gegebenen biologischen Deutung der Umfrbung nicht im Widerspruch stehen, wenn sich her- ausstellen sollte, dass durch das Erlschen der geschlecht- lichen Leistungen die Ablagerung eines rothen Farbstoffes in den Blumenblttern der Rosskastanie oder die Um- wandlung des Gelb in Roth begnstigt wrde. Derartige Correlationen, welche durch Verhltnisse des Stoffwechsels bedingt werden, knnen unter allen Umstnden nur zur Entwicklung solcher Eigenschaften fhren, welche der Pflanze ntzlich oder mindestens unschdlich sind. Dr. W. 0. Focke. Reines, aschenfreies Albumin stellt Erich Harnack (Ber. d. deutsch, ehem. Ges. 1889, S046) aus der Kupferverbindung des Eiweisses her. Albumin wird gewhnlich aus Hhnereiweiss bereitet, das mit Wasser verdnnt, filtrirt, mit Magnesiumsulfat gesttigt wird, wo- durch die dem Albumin verwandten Globuline ausfallen, und weiter durch Dialyse gereinigt. Mit Basen verbindet sich das Albumin und bildet mit ihnen die Albuminate, von denen nur die der Alkalien in Wasser lslich sind. Deshalb wird das Eiweiss von vielen Metallsalzen in Form unlslicher Albuminate aus seinen Lsungen ge- fllt. E. Harnack fllt aus gereinigter Eiweisslsung mit Kupfersalzlsung das Kupferalbuminat als blaugrnen, feinflockigen Niederschlag. Dieser wird sorgfltig mit Wasser gewaschen, in etwas Wasser vertheilt, durch einige Tropfen Natronhydrat gelst und aus der Lsung durch Neutralisiren mit Essigsure wieder gefllt. Diese Arbeit wird mehrere Male wiederholt, zuletzt der Nieder- schlag in einer reichlichen Menge Natronlauge gelst, und die dunkelviolettblaue, beinahe gallerartige Flssig- keit 24 Stunden stehen gelassen. Durch das starke Alkali tritt eine Zersetzung der Kupferverbindung des Albumins ein. Neutralisirt man die Lsung mit Salz- sure, so entsteht ein flockiger, farbloser Niederschlag von Eiweiss, der sieh gut absetzt und filtriren lsst. Ein zu langes Auswaschen ist nicht statthaft, da zuletzt das Eiweiss aufquillt und in Lsung geht. Beim Trocknen bei 10U" gerinnt das Eiweiss nicht (im Gegensatz zum gewhnlichen), sondern schmilzt anfangs und trocknet zuletzt zu einer leimartigen, durchscheinenden, harten und sprden Masse ein. Das so gewonnene Eiweiss ist nahezu aschenfrei. Es verbrennt leicht und hinterlsst nur 0,1 pCt. Rck- stand. Es enthlt weder Phosphor, noch Spuren eines Phosphates, noch Eisen. Ein Hauptunterschied gegen gewhnliches Eiweiss besteht in seinem Verhalten gegen heisses AVasser. Whrend gewhnliches Eiweiss beim Kochen mit Wasser coagulirt, erleidet das reine keine Ver- nderung, sondern seine Lsung bleibt klar und farb- los. Das durch Abdampfen aus seiner Lsung wieder erhaltene Eiweiss ist in Wasser wieder quellbar und ls- lich. Das aschenfreie Albumin wird aus seiner wssrigen Lsung unverndert gefllt durch Suren und Neutral- salze (Chlornatrium etc.). Kocht man den durch Chlor- natrium erhaltenen Eiweissniedersehlag mit der Chlor- natriumlsung, so wird er allmhlich in die in Wasser unlsliche Modifikation bergefhrt. Im Gegensatze zum gewhnlichen wird das aschenfreie Albumin aus seinen Lsungen nicht gefllt durch Alkohol, Aether, Phenol und Tannin. E. Harnack glaubt daher, es mit reinem, unterbundenen Albumin zu tlmn zu haben, welches andere Eigenschaften zeigt als das gewhnliche, mit anorganischen Salzen dies. Calciumphosphat) verbunden. Es liegt nicht eine Umwandlung des Albumins in einen anderen Eiweiss- krper vor, da das fragliche Albumin durch Neutralsalze 40 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. Nr. 4. geflll wird; auch ist es kein Alkalialbuminat, da der durch Suren erzeugte Niederschlag im Ueberschusse un- lslieh ist. Die Entscheidung, ob das unverbundene, aschenfreie Albumin ein chemisches Individuum ist, be- darf noch eingehender Untersuchungen, welche sich bei der nicht krystallisirenden, colloiden Substanz zu sehr schwierigen gestalten. Ein wie komplexer Krper das Albumin sein muss, ergiebt sich schon aus seinem Molekulargewicht, welches nach Lieberkhn 4836, nach Harnack 4618 betrgt. Hoft'meister ist es gelungen krystallisirende Verbindungen des Eieralbumins mit Ammoniumsulfat zu erhalten. Es scheint daher die Hoft- nung nicht ganz aussichtslos, dass es spterhin gelingen wird eine g-enauere Kenntniss des Eiweissinolekls zu gewinnen und so eine der Hauptaufgaben der physio- logischen Chemie zu lsen. Dr. M. . L i 1 1 e r a t u r. Adolf Pahde : Der Afrikaforscher Eduard Vogel, geboren 1829 in Krefeld, ermordet 1856 in Wadai. Yerlagsanstalt und Druck. A.-G. (vorm. J. F. Richter), Hamburg, 1889. Noch immer steht Afrika in dem Vordergrnde der geogra- phischen Entdeckungsgebiete. Mit Spannung erwartet man die Berichte eines Emin, eines Stanley, und immer wieder erfhrt man von neuen "vielversprechenden Entdeckungsreisen. Da ist es nur zu natrlich, dass der Blick auf die Gegenwart gerichtet bleibt, und man sich nur noch selten jener lteren Afrikaforscher erinnert, welche durch ihre Vorstsse in das Herz des dunklen Welttheiles diese bis auf den heutigen Tag fortdauernde Ent- deckungsperiode eingeleitet haben. Dem Andenken eines der ausgezeichnetsten dieser Forscher ist der oben angezeigte Vortrag gewidmet. Es ist ein warm empfundenes Lebensbild des khnen aber unglcklichen Afrikareisenden. Wie wir aus den einleiten- den Worten mit Befriedigung ersehen, hat der Vortrag die An- regung dazu gegeben, dass der Krefelder Handwerker- und Bildungsverein die Geburtssttte seines verdienten Landsmannes durch eine Gedchtnisstafel geschmckt hat. A. K. Paul Mantegazza, Die Hygiene der Nerven. Verlag von Hein- rich .Mutz. Knigsberg. In oben genanntem Verlag erscheinen seit einiger Zeit kleinere Werke des bekannten italienischen Schriftstellers , der eine staunenswerthe Fruchtbarkeit entfaltet. Diese kleineren Schriften Mantegazza's stehen an Werth hinter seinen gross angelegten Werken zurck, sie enthalten keine Ausfhrungen, sondern nur Andeutungen ; aber auch sie zeichnet jener poesievolle, leicht fliessende und glnzend feuilletonistische Styl aus, welcher Mante- gazza's Bcher zur Lieblingslektre weiter Kreise gemacht hat. Als wissenschaftlicher Plauderer steht Mantegazza unerreicht da, er wirkt stets belehrend, anregend, unterhaltend und berzeugend zugleich. Das vorliegende Bchlein plaudert ber allerlei wie Nervositt, Ueberemptindlichkeit, Sentimentalitt, aesthetischen Stumpfsinn, Schmerz, Hypochondrie, ber Gemthsaffekte wie Hass, Zorn, Neid, Eitelkeit, Furcht, u. dgl. Als Heilmittel fr alle solch abnormen Zustnde des Nervensystems empfiehlt Mantegazza weniger Mittel, die aus der Apotheke bezogen werden, als vielmehr solche, die der Mensch aus seinem Innern selbst sich schaffen muss. Die Uebersetzung ist durchweg niessend; wir ver- missen aber ungern den Namen des Verfassers derselben, den man bei Werken bekannter Autoren zu sehen gewohnt ist. A. A. Paul Wossidlo, Leitfaden der Zoologie fr hhere Lehran- stalten. :;. Aufl. Weidmannsche Buchhandlung. Berlin, 1S8V). Das Buch beginnt ohne jede Einleitung mit der systema- 11 l " ii. tui die Schule berechneten Beschreibung des Schim- pansen und fhrt nach und nach in gleicher Weise und also mit 1 Wirbelthieren beginnend die wichtigsten Thiere vor. Aus den so um. i l eitung des Lehrers -gewonnenen Einzelkenntnissen gestaltet icl n Schler das System: er lernt nach und ' die Gemeinsamkeiten, Aehnlichkeiten und Unterschiede der Thiere kennen. Dementsprechend finden sich denn auch die Uebersichten der Abtheilungen immer erst an den Schluss der- selben augebracht. So lesen wir am Schluss der Sugethiere : Uebersicht ber die erste Thierklasse", in der auf 7 Seiten die Eintbeilung und systematische Beschreibung der Sugethiergruppen geboten wird und am Schluss des ganzen ersten Abschnittes Uebersicht ber das gesammte Thierreich. 1 ' Der zweite, natur- gemss kleinere Abschnitt des Buches bietet eine Beschreibung des Baues und der Verrichtungen des menschlichen Krpers. Das Buch ist reich und gut illustrirt. P. Constantin Freiherr von Ettingshausen, Das australische Florenelement in Europa. Verlag von Leuschner & Lubensky, Graz, 1890. Der Ursprungsheerd. d. h. der Ort des ursprnglichen Bei- sammenseins der Elemente der jetztweltlichen Floren, ist wie der Autor sagt insbesondere in der kaenozoischen Epoche zu suchen. Jetzt aussereuropische Pflanzenformen sind, wie be- kannt, in der Tertirflora Europas vertreten und unter diesen finden sich auch nach des Verfassers frheren Verffentlichungen australische Typen. Da letzteres namentlich neuerdings vom Marquis de Saporta angefochten worden ist, bietet v. Ettings- hausen in dem vorliegenden Heft eine ausfhrlichere Begrndung seiner diesbezglichen Ansicht. Er hlt v. Saporta gegenber aufrecht, dass die im Tertir bei Hring vorkommenden Reste von Leptomarien (australische Santalaceen) nicht, wie Saporta will, Palmen-Inflorescenzen sondern wirklich Leptomarien sind. Auch die als zu Casuarina, Dryandra, Banksia, Eucalyptus ge- hrig gedeuteten Reste meint v. Ettingshausen richtig bestimmt zu haben. Auf einer Tafel werden diese Reste vorgefhrt. Wie nun hinsichtlich der Flora der Vorwelt sich jetzt aus- tralische Elemente in Europa finden, so besitzt die australische Tertirflora auch zur Jetztzeit europische Elemente. H. P. Harms, F., Begriff, Formen und Grundlegung der Rechtsphiloso- phie, (hieben. Leipzig. Hartig, R., Die anatomischen Unterscheidungsmerkmale der wichtigeren in Deutschland wachsenden Hlzer. Rieger, Mnchen. Heider, K., Die Embryonalentwicklung von Hydrophylus piceus. Fischer, Jena. Hentschel, W., Ein uaturphilosophisches Problem. Theodor Fritsch, Leipzig. Hertwig, R., Ueber die Conjugation der Infusorien. Franz. Mnchen. Hintz, R., Ueber den mechanischen Bau des Blattraudes mit Be- rcksichtigung einiger Anpassungserscheinungen zur Verminde- rung der localen Verdunstung. Engelmann, Leipzig. Holzapfel, E., Die Mollusken der Aachener Kreide. II. Abthei- lung: Lamellibra nchiata. Schweizerbart, Stuttgart. Horbaczewski, J., Untersuchung ber die Entstehung der Harn- sure im Sugethierorganismus. Freytag, Leipzig. Humboldt's, A. v., Reise in die Aequinoktial- Gegenden des neuen Kontinents. Cotta, Stuttgart. Hueter-Lossen's Grundriss der Chirurgie. F. C. W. Vogel, Leipzig. Israel-Holzwart, K., Abhandlungen aus der mathematischen Astro- nomie. H. W. Schmidt, Halle. Klimpert, R., Lehrbuch der allgemeinen Physik (die Grundbe- griffe und Grundstze der Physik.) Julius Maier, Stuttgart. Kloos, I. H. und M. Mller, Die Hermannshhle bei Rbeland. Deutsche Photographen Zeitung, Weimar. Koller, H, Ueber den elektrischen Widerstand von Isolatoren bei hherer Temparatur. Freytag, Leipzig. Koenig, F., Lehrbuch der allgemeinen Chirurgie fr Aerzte und Studirende. A. Hirschwald, Berlin. Knigsberger, L., Lehrbuch der Theorie der Differentialglei- gleichungen mit 1 unabhngigen Variabein. Teubner, Leipzig. Kraepelin, E., Psychiatrie. Eni kurzes Lehrbuch fr Studirende und Aerzte. Abel, Leipzig. Kraepelin, K, Exkursionsflora fr Nord- und Mitteldeutschland. Teubner. Leipzig. Kkenthal, W., vergleichend-anatomische und entwicklungsge- schichtliche Untersuchungen an Walthieren. Fischer, Jena. Kpper, K., Ueber die Curven C" v. n cl Ordnung und dem Ge- schlecht p > 1, auf welchem die einfachsten Specialschaaren g ., . g V vorkommen. Calve, Prag. Inhalt: V. Hensen s Plankton-Expedition im Sommer 1889. Eugen Dreher: 1'ober das Causalittsprineip der Naturer- cheinungen Bezugnahme auf du Bois-Reymond's academisehe Hede: Die sieben Weltrthsel." Mechanismus des Todes durch Enthauptung. Ersteigung des Kilima-Ndscharo. Ueber den Farbenwechsel der Rosskastanien-Blumen. Reines. cbenfreies Albumin. Litteratur: Adolf Pahde: Der Afrikaforscher Eduard Vogel, geboren 1829 in Krefeld, ermordet 1856 in Wadai. - Paul Mantegazza: Die Hygiene der Nerven.- Paul Wossidlo: Leitfaden der Zoologie fr hhere Lehran- stalten. Constantin Freiherr von Ettingshausen: Das australische Elorenelement in Europa. Liste. wrtlicher Redakteur: Dr. Henrj Potonie, Berlin NW. G, Luisenplatz S, fr den Inseratentheil: Hugo Bernstein in Berlin. - Verlag Ferd. Dmmlers Verlagsbuchhandlung, Berlin SW. 12. Druck: G. Bernstein, Berlin SSV. 12. Nr. 4. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. IX Dregerhoff & Schmidt, Berlin N., Chausseestrasse Nr. 48. 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Dmmlers Verlagsbuchhandlung in Eerlin ist soeben erschienen: Reisebriefe aus Mexiko. Von Dr. Eduard Seier. Mit 8 Lichtdruck-Tafeln und 10 in den Text gedruckten Abbildungen. -m &r. 8. geli. Preis 6 Mark, gg- Der Verfasser, welcher Mexiko whrend der Jahre 1887 und nach den verschiedensten Richtungen hin zum Zwecke wissenschaftlicher Studien bereiste, giebti n diesem Buche eine anziehende Schilderung des von der Natur so reich gesegneten Landes, der Sitten und Gebrauche seiner Bewohner. Aber auch in wissenschaftlicher Beziehung bietet das Werk eine reiche Ausbeute hochinteressanter Mittheilungen ber Bodenbeschaffen- heit, Klima, die Flora des Landes, sowie ber bedeutsame archologische Funde, welche neue Einblicke in die Cultur ver- gangener Jahrhunderte des Azteken-Reiches gewhren. Mit einer Reihe vorzglicher autotypischer Abbildungen, welche nach photographischen Original-Aufnahmen angefertigt wurden, ausgestattet, wird das Werk von allen Bibliotheken, Ethnographen, Naturforschern u. A. als eine werthvolle Be- reicherung der Wissenschaft willkommen geheissen, des Weiteren aber auch von allen Gebildeten, welche fr Lnder- und Vlker- kunde im Allgemeinen oder fr das Land Mexiko im Besonderen Interesse empfinden, gekauft werden. 3n Scvb. Summier! SBciIagSbudjTjanblung in SBcrlin evfchieri: flu* gelten ber QttU in Ptmntjmpljicit filier feine rfdjcuttmgen nno Qkfeije. SSon Dr. 5$t. ^ajarus, SProfeffor au bei UniUevRtt Serlut. 3^ v e t 2 f) c i I c. dritte Auflage. Seber Sfieii ift in fiel) aogejefitoffen unb einzeln evfufiid). 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Wenn ich auf die Aufforderung des geehrten Herrn Rcdacteurs dieses Blattes zu der viel errterten [mpffragc liier nochmals das Wort nehme, so kann mir wohl die Thatsachc dazu Bcrcchtii j'ebcn, dass alle iscus- sionen bisher noch nicht vermocht haben, die Impfgegner- sehaft aus der Welt zu schaffen. Denn ungeachtet all des Segens den die Impfung dem Menschengeschlecht gebracht hat, indem sie die Pocken, eine der furehbarsten Menschen- plagen, zu einer seltenen Erkrankung gemacht hat, wird sie nach wie vor angefeindet und geschmht wie ein ruchloses Vergehen, wie eine Versndigung ohne Gleichen. Haben doch die Impfgegner, um der Impfung jeden Boden zu entziehen, allen Ernstes behauptet, dass die Blattern das l'roduct innerer gesetzlicher Entwiekelungsvorgnge des menschliehen Organismus seien, eine das Menschengeschlecht reinigende und strkende Krankheit, die Jeder durchaus durchmachen msse, um sein Blut von allerhand unreinen Stollen zu befreien. Solchen Behauptungen gegenber hrt jede Oiscussion auf, aber die Impfgegner haben andere Ein- wrfe gemacht, welche den Laien leicht irreleiten knnen und deshalb eine wissenschaftliche Widerlegung erfordern. Der kritischen Wrdigung der impfgegnerischen Behaup- tungen wollen wir einen kurzen Abriss der Geschichte der Impfung vorausschicken, welche fr ihren Werth schon beredtes Zeugnis ablegt. Es ist eine sehr alte volkstmliche Erfahrung, dass die knstlieh hervorgebrachten Menschen pocken, wenn z. B. das Blatterngift durch eine Wunde der Haut in den Krper ge- meist milder verlaufen als die gewhnlichen auf der Ansteckung entstandenen Pocken. Inder, Chinesen, Araber u. a. haben schon vor Jahrhunderten diese Beobachtung gemacht, und ihr gesunder Sinn hat sie darauf gefhrt, von jener Thatsachc praktische Nutz- anwendung zu machen. In Indien bten die Brahminen die Einimpfung der Blattern mit glcklichen Erfolgen. Auch in den Lndern am Kaukasus, namentlich in Cir- cassien und Georgien, hatte die Blatternimpfung schon langt, dem Wege lange Eingang gefunden. Die Weiber Circassiens waren ein kostbarer und in den trkischen Harems sehr ge- suchter Artikel, die Blattern aber verdarben hutig den zrtlichen Tscherkesscnvtcrn den Handel, den sie mit ihren theuren" Tchtern nach Stambul trieben. Grund genug fr diese eifrigen Bekcnner des Islam, ihre Kinder impfen zu lassen! Von Circassien kam die Kunst, der Impfung nach Griechenland, Thessalien und Constantinopel. Hier wurde die Gemahlin des englischen Gesandten bei der Pforte, Lady Montaguc, auf die Blat- ternimpfung aufmerksam, welche sie 1717 an ihren eigenen Kindern vornehmen liess und auch nach England ver- pflanzte. Einige Aerzte Londons folgten dem Beispiel der Lady, und so wurden einige tausend Menschen in England mit Blatternlymphe geimpft, und zwar mit dem Eii'olg, dass in einem Jahre von 100 Geimpften zwei starben, whrend an den natrlichen Blattern 14 von 100 erlagen. Es zeigte sich indess bald, dass diese mit Mcnschenhlattcrnlymphe Geimpften die Quelle der An- steckung fr ungezhlt viel Andere wurden, die dann von den natrlichen Blattern in ihrer ganzen Schwere be- tallen wurden. Darum wurde die Menschenblatternim- pfung schnell verpnt nnd war bald vergessen. Wie die Vorstellung von der Schutzkraft der Menschen- blatternimpfung, so lebte im Volke anderwrts der Glaube, dass die zufllige Vcrimpfnng der am Kuheuter vorkom- menden Poeken auf die Eiliger und Hnde der melken- den Personen Schutzkraft verleiht gegen sptere An- steckung durch die Menschcnblattern. Das waren Natur- rzte", wie Kussmaul treffend bemerkt, in des Wortes eigenster Bedeutung, welche eine merkwrdige Erfhrung, die sie tglich machten, als ein absichtliches Schutz- mittel verwertheten. Alex. v. Humboldt versichert, dass die Gebirgsbewohner Mexikos und die Indicr der Anden Sd amerikas seit langer Zeit die Sehutzkrft der Kuhpocken- impfung gekannt und benutzt haben, und das Gleiche berich- tet Bruce vom Stamme der Eliaats in Beludschistan. Aus ge- 42 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. Nr. 5. lehrten Kreisen soll Sulzer in Berlin 1713 die erste dies- bezgliche Andeutung gemacht haben, und ein halbes Jahrhundert spter haben zwei englische Wundrzte, Sutton und Fewster, neugierig ob dem Volksglauben etwas Wahres zu Grunde liege, Personen, welche sich mit Kuhpocken angesteckt hatten, die menschlichen Pocken eingeimpft, ohne die Blattern ausbrechen zu sehen. Aber diese Versuche blieben vereinzelt und unbeachtet. Im Jahre 17U1 hat ein holsteinischer Schullehrer, Namens Plett, drei Kinder mit Kuhpockenlymphe geimpft, die denn auch von den Pocken gnzlich verschont blieben, als ihre Geschwister bei einer Pockenepidemie 1794 schwer erkrankten. Die unsichere, wenig gewrdigte Vermuthung zu einer Thatsache erhoben, sie wissenschaftlich fest begrndet und ihren eminent praktischen Werth nachgewiesen zu haben, ist das hohe \ erdienst eines englischen Arztes Eduard Jenner, der unter den Wohlthtern der Mensch- heit stets in erster Reihe genannt werden muss. Auch er hatte unter der Viehzucht treibenden Bevlkeruni;- seiner Heimath, der Landschaft Gloucestershire, die Ansicht von der Schutzkraft der Kuhpocken gegen die Blattern ver- breitet gefunden. Er setzte einen Theil seines Lebens ganz und gar daran, die Wahrheit des Volksglaubens zu ergrnden. Er hat sie gefunden, zum Segen der Mensch- heit, der sie sich noch zeigen wird, wenn es lngst keine Impfgegner mehr giebt. Jenner bewies die Schutz- kraft der Vaecination in dreierlei Weise. Erstlich stellte er eine grssere Reihe von Erfahrungen zusammen, wo Personen, die zufllig von den Kuhpoeken angesteckt worden waren, spter in Blatternepidemieen trotz des Verkehrs mit Kranken frei von Ansteckung ausgingen. Sodann impfte er mehrere solcher Personen, welche sich vor Jahren zufllig die Kuhpocken zugezogen hatten, das Gift natrlicher Mensehenblattern ein, ohne dass diese ausgebrochen wren. Endlich impfte er zuerst nicht ge- bltterten Personen die Kuhpocken ein, und nach einigen Monaten oder Jahren versuchte er ohne Erfolg die Inocu- lation der natrlichen Blattern. Diese grundlegenden Versuche .fenners sind ungezhlte Male wiederholt und besttigt worden, und wer an ihrer Richtigkeit zweifelt, kann sich jederzeit selbst davon berzeugen. Durch sie ist die Basis der Kuhpocken- impfung eine so solide geworden, dass der Sturnilauf gegen die Vaecination, wie ein blindes Anrennen gegen eine feste Mauer erscheint. Solange die Impfgegner die Nichtigkeit der Jenner'schen Versuche nicht darthun knnen, das angebliche Uebel also bei der Wurzel fassen, werden sie auch den Stamm nicht fllen. Die Schutzkraft der Impfung beruht auf keiner Theorie oder Hypothese, wie man das Laienpublikum (Hauben machen wollte, sondern auf einer Thatsache, die sicherer begrndet ist als die meisten wissenschaftlichen Entdeckungen. Die Jenner' seilen Versuche haben mehr Werth als alle Impfstatistiken zusammen und berechtigen allein schon vollkommen zu ihrer praktischen Ausfhrung. Jenner seihst hat nach jahrelanger gewissenhafter, fast peinlicher Vorprfung 1796 den ersten Impfversuch heim .Menschen gemacht und Hess dann emilich nach abermals zwei Jahren seine erste denkwrdige Publika- tion An inquiry into the causes and eifects of the cow- pox, er variolae vaccinae, deutsch von Ballhorn, Hannover li'.'.i> folgen. Trutz anfnglicher Widersprche siegte rasch die Wucht der Jenner'schen Beweise. In England, Frankreich und Deutschland machte man gleichzeitig liiipl'versuche und inoculirte uamentlich auch zu experi- mentellem /wecke hei vaeeinirton Individuen wiederum die rocken, die dann in der Thal niemals zur Entwicke hing kamen. Aus der anfnglichen Khle der Aerzte wurde Enthusiasmus, seihst fast Uebersehwnglichkeit im Lob des neuen Verfahrens. 1799 wurde in London be- reits das erste ffentliche Impfinstitut errichtet, und in demselben Jahre daselbst noch an 6000 Mensehen die Impfung ausgefhrt. In Deutschland wurde die neue Methode zuerst von de Carro in Wien, dann in Halle. Han- nover und Berlin (Heim, Hufeland) ausgebt. In wenigen Monaten machte die Jenner'sche Impfung ihren Rundgang durch alle vom Fuss der (Zivilisation betretenen Lnder. Millionen ungeblatterte Menschen in Europa, meist Kinder, sind im ersten Dcccnnium dieses Jahrhunderts mit Kuh- pockenstoff geimpft und vor den Blattern, die als stndiger Gast in jedem Jahre ihren Siegeszug ber das Erdenrund hielten, in der Folge geschtzt gewesen. Wer unbefangen urtheilt, wird keinen Zweifel daran hegen, dass die hchst auffallende Abnahme der Blatternkrank- heit und -Sterblichkeit in den ersten zehn Jahren dieses Seulums auf Rechnung der damals eingefhrten Vaeci- nation zu setzen ist. Im zweiten Dcccnnium huften sich nun freilieh wieder die Pockenflle, und auch Vaccinirte wurden in grsserer Zahl von ihnen betroffen. Dadurch verlor die Impfung viel an Ansehen, man erklrte sie fr wirkungslos, und eine Anzahl Aerzte sagte sieh von ihr los. Was man damals nicht verstand, ist heute hinreichend aufgeklrt: das Erlschen der Schutzkraft des Kuhpockenstoffes nach etwa 10 Jahren war die Ursache des erneuten strkeren Auftretens der Pocken. Die Impfgegner haben auch heute zum Teil noch nicht diese Einsicht gewonnen. Schon dainalsaber blieb die Mehrzahl der Aerzte der Impfung treu, weil sie tglich beobachteten, dass die Blattern unter den Nicht-Geimpften weit reichere Ernte hielten als unter den Geimpften. Allen Anfeindungen gegenber hat die Impfung sich behauptet, immer mehr Freunde sich er- worben und weitere Ausbreitung gefunden. Der englischen Regierung gebhrt das Verdienst, zur Klrung der Impf- frage den ersten Anstoss gegeben zu haben, indem sie alle einschlgigen Erfahrungen aus aller Herren Lnder sammeln Hess und die gewonnenen Resultate in einem berhmt gewordenen Blaubuch (Papers relating to the history and practice of vaecination) verffentlichte, auf Grund dessen das englische Parlament 1857 den Impfzwang fr alle Kinder einfhrte. In jenem Blaubuch haben 539 Aerzte ihr Urtheil ab- gegeben, das bis auf zwei, welche die Impfung verwarfen, eine hei Mnnern der Wissenschaft seltene Ueberein- stimmung zeigte. Aehnlich stellt sich auch heute das Verhltniss der Aerzte zu der [mpffragc - leider giebf es noch eine solche. Kussmaul hat schon vor 20 Jahren nachdrcklichst hervorgehoben, dass die Impfung lediglich eine wissenschaftliche Streitfrage sein knne, in der sieh nur der mit Fachkenntnissen ausgestattete Arzt ein Ur- theil erlauben drfe. Denn um die Wirkung der Impfung kon- troliren zu knnen, bedarf er eines speziellen medizinischen Verstndnisses; der Laie entbehrt dessen und sein Ge- sichtskreis ist auch viel zu beschrnkt, um grssere maassgebende Erfahrungen sammeln zu knnen, er muss die Kenntniss der Thatsachen von dem Arzt immer aul Treu und Glauben hinnehmen und kann nur Schlsse selbstndig machen, leider auch falsche! Das unberechtigte Eingreifen des Laienelementes in die [mpffrage hat seine schdlichen Folgen deutlich genug offenbart. Die Gegner- schaft der [mpffeinde ist ans Missverstndnissen, Selbst- tuschungen und bser Absicht hervorgegangen. Den Aer/.ten aber hat man nachgesagt, dass sie die Impfung nur vertheidigten, weil sie ihre Kasse bereichere. Dieser Vorwurf ist ebenso frivol als dumm. Denn eine einzige Pockenepidemie wrde den Aerzten mehr einbringen als zehn Jahre Impfungen. Niemals haben sich die Aerzte Nr. 5. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 43 in ihrem wahren Berufe als Menschenfreunde glnzender gezeigt als in der Impffrage. Sie haben seihst auf den Ertrag der Impfung zum grossen Theil verziehtet, indem sie, um deren allgemeine Einfhrung zu frdern, die Errichtung von ffentlichen Lympherzeugungs- und Impf- austalten befrwortet und durchgesetzt haben, in denen Jedermann ohne Kosten sieh impfen lassen kann. Damit hat die [mpfung den Charakter einer ffentlichen hygienischen Sclmtzmaassregel erhalten, deren Durch- fhrung fr den Einzelnen ebenso vortheilbringend ist wie fr die Gesammtheit. Was die Regierungen der verschiedensten Kulturlnder ihren Untertbanen. auf- zwingen, ist eine Wohlthat; seihst dem beschrnktesten Verstnde muss es doch einleuchten, dass die Regierung eines modernen Staates nicht eine Maassregel zum (leset/, erliehen wird, deren Ntzlichkeit wie Unschdlichkeit sie sich nicht versichert htte. Die Regierungen sind besser unterrichtet als die Herren Impfgegner, und haben sieh deshalb den Blick fr den Segen der Impfung durch die Mngel, die ihr noch anhaften, nicht trben lassen. Im Folgenden wollen wir nun die Einwendungen der Impfgegner selbst einer nheren Beleuchtung unterziehen. Sic lassen sieh im Wesentlichen in drei Stze zusammen- fassen: 1. Die Kuhpoekenimpfung ist unwissenschaftlich, da man sich die Entstehung der Immunitt nicht erklren kann. So richtig der Nachsatz, so falsch ist der Vorder- satz dieser Behauptung; denn wollte die Heilkunde tun von anderen Zweigen der Wissenschaft garnieht zu sprechen -- nur von solchen Dingen Gebrauch machen, deren Wesen und Wirkung offenkundig darliegt, so knnte man den gesammten Arzneischatz im Portemonnaie mit sieh trauen. Wer erklrt denn die gnstige Wirkung des Chinins gegen das Wechselfieber, des Morphiums gegen Schmerzen und Schlaflosigkeit, der Salicylsure gegen Gelenkrheumatismus u. a.V In jeder Wissenschaft gengen uns Thatsachen, die verbrgt sind, auch ohne erklrt zu sein, um sie praktisch anzuwenden Wir wollen berdies erwhnen, dass es nicht an Theo- rien fehlt, welche die Immunittswirkung der Vaccine zu erklren versuchen. Nur die hauptschlichsten der neueren Hypothesen mgen hier einen Platz finden. I. Die soi;-. Erschpfungstheorie Pasteur's, darauf be- ruhend, dass die Bakterien des Impfstoffes die im Krper vorhandenen Stoffe, welche die Disposition zu Infektions- krankheiten bedingen, durch ihren Lebensprocess ver- nichten. 2. Die Anpassungstheorie von Grawitz, nach welchem ein Kampf ums Dasein zwischen den Zellen des Krpers und den Mikroorganismen des Impfstoffes statt- findet. 3. Die Gegengifttheorie, gesttzt auf die Ermitte- lungen von Klehs, Salkowski u. a., dass hei akuten In- feetionskrankheiten im Harn Stoffe gefunden werden, welche Umsetzungsprodukte darstellen und wenn sie sieh im iutieirten Krper anhufen, als Gift auf die Mikro- organismen wirken. Nach den Untersuchen von .1. Pohl- Pincus kommt es nach der Impfung zunchst zu einer Strmungshinderung um die Impfstelle und innerhalb des iutieirten Hautgebietes zu einer Vermehrung des Impf- stoffes. Vom Impfheerde aus wird dann eine Umstim- mung in den Saftwegen der einzelnen Zellen durch einen Krper erzeugt, welcher durch den Impfstoff aus den Zellsften des Impfheerdes abgespalten wird. Diesen vorlufig noch hypothetischen Krper, welcher der Er- zeuger der Immunitt ist, knstlich zu zchten, ist das Ziel, welche das Gebude die Vaceinationslehre krnen muss. U. Die Vaccination schtzt nicht vor den na- trlichen Blattern. Hier citiren die Impfgegner die Impfstatistiken und beweisen oder vielmehr wollen der alle Impfgegner demonstriren wollen. Vaccine, dann htte. mit denselben Zahlen, durch welche von den Aerz- ten tue Sehutzkraft der Vaccination erhrtet wird, das Gegentheil beweisen! Whrend fr die starke Almahme der Pockenerkrankungen im ersten Dezennium dieses Jahrhunderts, wie oben erwhnt, ein ausreichender Grund offen daliegt, haben die Impfgegner die Erklrung dieser merkwrdigen Erscheinung sehr weit hergeholt. Sie fhren drei verschiedene Ursachen an. Dr. theol. Hansjacob, ein katholischer Priester, ist mit der Be- hauptung hervorgetreten, dass der Herrgott zur solennen Skularfeier des Jahres 1800 den Blattern ein: ..Bis hier- her und nicht weiter" zugerufen habe. Diese Erklrung bedarf keines Commentares. -Martini, ein Leipziger Rechtsanwalt, hat von as preussische 5,65 2,68 0,33 II Naturwissenschaftliche Wochenschrift. Nr das sterreichische Beer, in dem die allgemeine Impfung nicht durchgefhrt ist, 101 1"'. 67 Poekentote auf 100 000 Mann. Nachdem das deutsche Reichsimpfgesetz, welches die Revaccination der Schulkinder (orderte, 1875 in Kraft getreten war, blieb die Pockensterblichkeit vollstndig aus der deutschen Armee verschwunden, sie wurde Null; in der sterreichischen Armee starben bis 1879 im jhr- lichen Durchschnitt noch 19,1, in der franzsischen Armee 1881 noch 15,1 auf 100000 Mann an Pocken. Entsprechend verhlt sich auch die Pockenerkrankungs- statistik in diesen Heeren. In den Jahren 1870 und 71 erkrankten im deutschen Heere 1.280,44 auf 100 000 Mann - sterr. - 1503,05 - Seit dem Inkrafttreten des Reiehsimpfgesetzes hatte im Durchschnitt die deutsche Armee bis 1882 4,1)4 - sterr. 1879 354,00 - franz. 1*71 li'>l>,72 jhrliehe Poekenerkrankungen auf 100000 Mann. Naturgemss liegen fr die allgemeine Durchfhrung der Impfung die Verhltnisse in den Civilbevlkerungen ungnstiger als in den Armeen, aber auch hier behalten die Zahlen noch eine absolute Beweiskraft. Anfangs der siebziger Jahre brach bekanntlieh eine grosse Pocken- epidemie aus, welche in Oesterreich etwas spter auftrat als in Preussen, dort aber weit mehr Opfer forderte als hier. Dieselbe steigerte in ( lesterreieh die Pocken- mortalitt so, dass auf 100 000 Einwohner im Jahre 1873 323,36 starben, wahrend in Preussen die Sterblichkeit ihren Hhepunkt mit 262,37 Todesfllen auf 100000 Einwohner erreichte. Nach dem Jahre 1875 war in Preussen das deutsche Impfgeselz in Kraft getreten, und seit dieser Zeit bis 1882 schwankte daselbst die Pocken- mortalitt zwischen 0,34 und 3,64, in Oesterreich aber, welches ohne Impfzwang blieb, in derselben Zeit zwischen 39,28 und 82,67 auf 100 000 Einwohner. Vergleicht man insbesondere Berlin und Wien, so ergiebt, dass die Mor- talittsziffern, nach dem gleichen Yerhltniss berechnet, in den Jahren 1875 bis 1883 in Berlin zwischen 0,33 bis 5,19 schwankten, in Wien zwischen 9,6 und 107,8. Wer diese Zahlen unbefangen betrachtet und beur- theilt, kann der anders als die Wirksamkeit der Impfung aus ihnen herauslesen? Wenn Zahlen beweisen und das wird im Ernst gewiss Niemand bestreiten , tlmn es diese. Die bisherige Statistik hatte dabei noch manche Mngel und Lcken, welche die Zusammen- stellung des Materials beeintrchtigten. Eine Impfstatistik, wie sie sein soll, wird erst gegenwrtig vorbereitet, sie ist seit einigen Jahren (nach den von der deutschen Impf- kommission 1883 gegebenen Gesichtspunkten) im Entstehen begriffen und wird in Blde ein ber jeden Zweifel er- hobenes Resultat liefern. Die Impfgegner manvriren fters mit dem Ein- wurf, dass der Schutz der Vaccination kein absoluter sei. indem auch Geimpfte noch von den Blattern be- fallen wrden. Diese Thatsache stellt gewiss Niemand in Abrede, aber wird man ein Beilverfahren aufgeben, weil es unter 10000 Fllen vielleicht einmal ohne Erfolg bleibt? Zudem wissen wir ja, dass derjenige, der vor lnger als zehn Jahren geimpft ist, garnicht als Geimpfter mehr betrachtet werden kann, weil die Schutz- kraft der Vaccina bei den meisten Menschen innerhalb dieser Zeit erlischt. Es ist brigens sehr bezeichnend, dass die Impfgegner nur so lange die Impfung ver- dammen, als die Pocken nicht da sind; bricht aber die Seuche herein, dann lassen sie sieh selbst und ihren Kindern das Gift Jenners" schleunigst einimpfen (so war es 1864 in Stuttgart, 18G7 in Halle u. s. w.); dann allerdings leider oft zu spt. Denn die Immunitt gegen die Pocken tritt erst am 6. oder 7. Tage nach der Impfung ein, und daher haben die Impfgegner auch Misserfolge dieser Art mit Unrecht als Beweise der Un- wirksamkeit der Vaccine ins Feld gefhrt. III. Wir kommen zu dem dritten hauptschlichsten Ein- wand der Impfgegner, durch den sie am meisten auf das Volk erschreckend eingewirkt haben: es ist die Behaup- tung Mm der Gefhrlichkeit der Impfung fr Gesundheit und Leben. Mit den Schden der Vaccination steht es sii wie mit ihrer Unwirksamkeit, sie treten in einzelnen unter Tausenden vonL'llen auf und knnen desshalb den Werth der Impfung gar nicht erschttern. Nicht der Allgemeinheit bringt die Vaccination einen Schaden an ihrer Gesundheit, sondern nur einigen Wenigen; um einen sehr geringen Preis erkaufen wir den Segen der Impfung. Man bat behauptet, dass seit Einfhrung des Impfzwanges gewisse Infectionskrankheiten wie Masern, Scharlach, Typhus, besonders aber Diphtheritis hufiger geworden seien. Gegen diese Annahme sprechen sowohl die ein- fachsten Ueberlegungen wie statistische Beobachtungen. Mit der Zunahme der Bevlkerung und der allgemeinen Erkrankungsziffer ist natrlich auch eine Vermehrung der Diphtheritiscrkrankungen eingetreten, und eine grosse Anzahl von Personen, welche sonst den Pocken erlegen wiiren, sind, wenn auch gegen diese durch die Impfung gefeit, doch allen anderen Krankheiten, und da es sich zumeist um Kinder handelt, besonders der Diphtheritis ausgesetzt. Ferner ist das Ueberhandnehmen der Diph- therie auch in solchen Lndern herangetreten, in denen gar kein Impfzwang besteht, und in Berlin, sowie in einer Anzahl preussischer Regierungsbezirke wie Arnsberg, Hildesheim u. a. hat die Diphtherie gerade in den Jahren 187G und 77 weniger Opfer gefordert als 1875, in welchem Jahre das Reiehsimpfgesctz erst in Kraft trat, und selbst in den Jahren 1881 und S2, in denen im Allgemeinen eine Steigerung der Diphtheritissterblichkeit erkennbar war, ist in einigen Bezirken die Mortalitt geringer ge- wesen als in den Vorjahren. Die Behauptung von einem Zusammenhange zwischen Impfung und Diphtheritis schwebt also in der Luft. In manchen Kreisen des Volkes lebt nun die Vor- stellung, dass der Impfakt selber die Kinder krank mache; das beweise ja die starke Rthung und die Schwellung der die Impfstelle umgebenden Haut, sowie das mehr- tgige Fieber und die Strung des Allgemeinbefindens, welche man fast bei allen Impflingen beobachten knne. Das sei ja auch kein Wunder, denn Lymphe sei Jauche. Um Letzteres zuerst zu widerlegen, so brauchen wir uns nur auf das Zeugniss eines Jeden zu berufen, der einmal Lymphe und auch einmal Jauche gesehen hat. Sie unterscheiden sich wie Tag und Nacht, schon bei makros- kopischer Betrachtung sieht man, dass die eine eine helle, klare, reine Flssigkeit, die andere ein missfarbiges Ge- misch von allerlei Schmutz und Eiter dargestellt. Die Lymphe ist ein den Sften des menschlichen Krpers durchaus gleichartiger und gleichwertiger Stoff, der, in den Organismus eingefhrt, demselben nie Schaden bringen kann. Jene oben erwhnten Gesundheitsstrungen sind der Ausdruck der Wundreaktion, wie sie der kleinste chirurgische Eingrifl gelegentlich mit sich bringt; sie haben durchaus nicht die Bedeutung von ernsteren Krank- heitserscheinungen, sondern sie sind nach wenigen Tagen spurlos verschwunden, sind berhaupt sehr selten stark ausgebildet. Die Impfung kann wohl einmal schwchliche Kinder oder solche, die whrend ihrer Zhnung oder zu ungnstiger Jahreszeit geimpft werden, krank machen, Nr. 5. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 45 aber solche Kinder erhalten ja von jedem Arzt Aufschub fr die Impfung, selbst bis zum 4. Lebensjahr. Die Schden, welche die Impfung gelegentlich mit sieli bringt, - - diese Thatsache soll durchaus nicht ge- leugnet werden sind nicht der Impfung selbst, sondern einer mangel- und fehlerhaften Ausfhrung derselben zu- zuschreiben, und in dem Maasst , wie wir in der Technik der Impfling Fortschritte machen, werden auch jene Seliden immer seltener und sicherlich einmal gleich Null werden. Was zunchst die Wundrose, die Lympbgcfss- und Lyinphdrsenentzndung anlangt, die zuweilen nach der Impfung auftreten, so entstehen diese durch eine In- feetion der Impfschnittc resp. -stiebe bei der Operation und lassen sieb dalier mit Sicherheit vermeiden, wenn fr diese kleine Operation genau dieselben Kegeln der Wundbehandlung Anwendung linden, welche in der mo- dernen Chirurgie im Allgemeinen blich sind: das ist die peinlichste Reinlichkeit des Kindes selbst wie der Opera- tionsinstrumente und der Lymphe. Die letztere bleibt, wenn sie vorsichtig aufbewahrt wird, auf Jahre hin in untadeligem Zustande. Dass die Skrophnlose und Tuberkulose durch die Lymphe auf den Impfling bertragen werden knnen, ist von den Impfgegnern unendlich oft behauptet, aber nie bewiesen worden. Da jene Krankheiten oft nach der Impfung ausbrechen, so machen die Impfgegner den lo- gischen Trngschluss post hoc, ergo propter hoc," ohne zu bedenken, dass jene Leiden gerade im Kindesalter so ungemein hufig sind, dass man sie zu jeder Lebenszeit entstehen sieht. In der Praxis ist die Uebertragung der Krankheiten schon deshalb nicht mglich, weil der Arzt den Abimpfling, von dem die Lymphe genommen ist, mag es nun der Mensch oder die Kuli sein, auf das Genaueste untersuchen muss, ehe er dessen Lymphe weiter ver- wendet. Der schrecklichste der Schrecken aber, welche die Impfung erregt hat, ist die Uebcrtragbarkeit der Syphilis. Unter den vielen Hunderttausenden von Impfungen hat man in kaum drei Dutzend Fidlen dieses ble Ereigniss nachweisen knnen, aber immerhin legen sie die Vcr ptlichtiing auf nicht zur Verwerfung der Impfung, sondern zur Beachtung grssmglichster Vorsieht. Wenn es vor- gekommen ist, dass vielbeschftigte Practiker" sich nur die Oberarme der Impflinge entblssen liessen, ohne die- selben weiter zu untersuchen, so ist die ganze Aerztcwelt durch die traurigen Folgen gengend gewarnt! Ueber- dies ist auch in rztlichen Kreisen die Anschauung ver- treten, dass die reine Lymphe selbst syphilitischer Kinder, der weder Blut noch Eiter beigemischt ist, das syphilitische Gift garnieht enthalte. Doch wird die Praxis von dieser nicht sicher erwiesenen Annahme gern absehen. Nach unseren eigenen Erfahrungen ist es Weniger die Furcht vor etwaigen schdlichen Folgen der Impfung als vielmehr die Furcht vor dem Impfakt selbst, die Furcht vor dem Messer, welche namentlich die niederen Kreise der Bevlkerung zu Impffeinden macht. Die Thatsache, dass selbst beute noch eine grosse Anzahl Mtter, nur weil sie gezwungen sind, ihre Kinder zur Impfung hergeben, lsst sich nicht leugnen. Aber dieses Widerstreben beruht sicher nur auf Unverstand, und in dem Maasse wie wir Bildung ins Volk tragen, wird auch das Verstndniss fr die segensreiche Wirkung der Im- pfung aufgehen. Neuerdings ist nun dem Schreckensgespenst von der Gesundheitsgefhrlichkeit der humanisirten Lymphe das Lebenslicht ausgeblasen worden durch die Einfhrung der Kuhlymphe als Impfstoff. Haben doch schon ver- schiedene deutsche Regierungen Lympherzeugungsanstalten errichtet, aus denen jeder Arzt echte und reine Kuhlymphe beziehen kann. Der Abgabe von schlechter Lymphe ist dadurch vorgebeugt, dass jedes Tbier, von dein Lymphe entnommen worden ist, hinterher getdtet und genau, be- sonders auf Perlsucht, jene mit der Tuberkulose des Menschen identischen Kinderkrankheit, untersucht wird. Man muss anerkennen, dass, wenn der Staat die zwangs- weise Schutzimpfung anordnet, er auch die Verpflichtung hat, dafr zu sorgen, dass die Durchfhrung dieser all- gemeinen Maassregel ohne Schdigung der von ihr Be- troffenen erfolge. Dieser Verpflichtung ist nun bereits ein grosser Theil der deutschen Staaten nachgekommen, indem sie fr einen vollkommen einwandsfreien Impfstoff gesorgt haben. Freilich bleibt den Regierungen fr die Zukunft noch vieles zu thun brig: wie z. B. die allge- meine Durchfhrung der Impfung mit Kuhlymphe, die Prfung der Aerzte in der Technik der Impfung u. dgl. m., man kann indessen nicht daran zweifeln, dass die Re- gierungen bei dem regen Interesse, dass sie jeher der Impffrage zugewandt haben, auch die vollstndige Er- ledigung derselben sich anlegen sein lassen werden. Wir wollen zum Schluss noch die Frage des Impf- zwanges errtern. Sie ist keine niedicinische, sondern eine staatsrechtliche und kann nur von den Gesetzgebern auf Grund der Thatsachen, welche durch rztliche Er- fahrung sicher gestellt sind, entschieden werden. Ist ein- mal die Thatsache festgestellt, dass jeder einzelne Un- geimpfte bei dem Ausbruch einer Blatternepidemie sowohl selbst in seinem Leben gefhrdet als auch der Trger und Verbreiter des Pockengiftes auf Tausend Andere wird, so geht daraus mit zwingender Notwendigkeit die Forderung der Durcliiinpfiing der Bevlkerung hervor. Besonders werden durch jene Ungeimpften die Kinder in Mitleidenschaft gezogen, die aus irgend einem Grunde mit oder ohne Verschulden der Eltern noch nicht geimpft sind. Wollte man die Impfung der Willkr der einzelnen berlassen, so wrden, wie es ja die Erfahrung hinlng- lich bewiesen hat, Dummheit, Nachlssigkeit, mangelndes Pflichtgefhl und bser Wille wetteifernd ihrer allgemeinen Durchfhrung hinderlich sein. Macht man den Impfzwang von der gnzlichen Gefahrlosigkeit der Impfung abhngig, so konnte vor Jahrzehnten noch das Bedenken obwalten, dass es doch eine missliehe Sache sei, die Bevlkerung zu einer Maassregel zu zwingen, welche einzelnen einen Schaden an ihrer Gesundheit bringt; heute kann dieses Bedenken gnzlich schwinden, da wir die Impfling, nach richtiger Methode ausgefhrt, gegenwrtig als vollkommen gefahrlos betrachten drfen. Es ist ein alter Satz, dass, wer die Rechte eines Staatsbrgers geniessen will, auch die Pflichten eines solchen bernehmen muss. Zu diesen Pflichten eines ordentlichen Staatsbrgers gehrt es auch, sich selbst und andere vor Krankheit und Tod nach Mg- lichkeit zu schtzen. Bietet sieh uns einmal die seltene Gelegenheit dazu, so sollte mau sie nicht aus Unverstand vernachlssigen noch aus Bsswilligkcit missachten, sondern als eine glckliche Fgung des Schicksals sie freudig begrssen. Auf die Impfung und ihr Geschick in der Geschichte der Menschheit findet das schne spa- nische Sprichwort Anwendung, dass es keinen Erlser giebt, der nicht gekreuzigt wird. 415 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. Nr. o. Die botanische (theoretische) Morphologie und Goethe. Von II. Potonie. Ueber das Thema: Goethe und die Metamorphose der Pflanzen", beziehungsweise Morphologie der Pflanzen, isi unglaublich viel geschrieben worden; im Anfang der SO er Jahre habe ich die Litteratur ber diesen Gegenstand gesammelt, ohne jedoch spater hiermit fort- zufahren, ursprnglich, um - auch ber Goethe's Ein- flussauf die heutige botanische Morphologie des Lngeren zu schreiben. Das habe ich nun allerdings aufgegeben ; aber ich werde es nie unterlassen, wenn die Gelegenheit es fordert, zu betonen (wie ich das bei Gelegenheit der Be- sprechung der sachgemssen K. F. Jordan'sehen Schrift: Goethe -- und noch immer kein Ende" schon einmal in der Naturw. Wochenschr.? Bd. II. S. 191 gethan habe), dass Goethe der Entwicklung der botanischen Morphologie durch den Einfluss, ( l < m sri nc unklaren Anschauungen ausgebt haben, wesentlich geschadet hat, und dass diese Diseiplin leider im eh heute unter dein Druck dieses Einflusses leidet. Dass ich nun heute etwas mehr ber das in Rede stehende Thema sage, wird ver- anlasst durch die allerdings etwas versptete Einsendung eines Rccensinscxemplarcs" einer Arbeit von Maximilian Ilaberland: ..Die Entwicklung der Lehre von der Metamor- phose der Pflanzen von .1. W. von Goethe an bis auf die neueste Zeit" (Robert Jacoby, Neustrelitz 1887), die ich noch nicht kannte, da sie aus dem Ende der 80er Jahre stammt, als ich den oben erwhnten Plan lngst aufgegeben hatte. Es kommt hinzu, dass ich gern Ge- legenheit nehme, meinen Ausspruch gegen den gttlichen Meister Goethe nher zu begrnden und zwar durch Hin- weis auf einige Unklarheiten, die mau sieh heutzutage in der theoretischen Morphologie zu Schulden kommen lsst, ja Fehler, die in ihr gebruchlich sind, bei denen der Goethe'sche Einfluss leicht ersichtlich ist. Denn eine Rechtfertigung meiner Ansicht gegen Goethe liegt be- reits in kritischen Wrdigungen der Gocthe'schen Ab- handlung Versuch die Metamorphose der Pflanzen zu erklren" vor; ich knnte hier nur von Anderen Gesagtes wiederholen: durchaus treffend wird meines Erachtens der W'erth der Goethe'schen botanischen Arbeiten in der oben eitirten .lordan'schen Abhandlung beurtlieilt. Was nun zufrderst die Abhandlung Haberland's an- betrifft, so gehrt auch sie zu denjenigen, welche sieh bei der Wrdigung von Goethe's wissenschaftlicher Thtigkeit frei machen von dem Druck, den sein Die h terr u hm bei der Beurtheilnng jener leicht ausbt, und das bertriebene Lob. das dem Dichter auch auf wissenschaftlichem Gebiete vielfach zu Theil geworden ist. auf das richtige Maass zurckzufhren bemht sind. tch citire diesbezglich nur zwei Stellen der Abhand- lung, nmlich erstens: Verhehlen wollen wir .... nicht, . . . . , dass der Weg, den Goethe durch seine Meta- morphosenlehre der weiteren Entwicklung der Botanik ge- wiesen, nahe an gefhrlichen Klippen vorbeifhrte, ja vielleicht nicht einmal vorbei, - und dass es der Wissen- schaft nicht geglckt ist, diese Klippen zu vermeiden. Wir mssen Schleideu's Worten beipflichten: Die un- glckliche Saat, die Goethe geset bat, wucherte mit trauriger Schnelligkeit auf und nchst dem Schellingia nismiis verdanken wir es ihm, dass Phantasiespielc in der Botanik an die Stelle ernster und scharfer Wissenschaft lichkeil getreten sind."" Und zweitens: Wer Goethe's Versuch" ohheVoreingenoi inheil liest, findet derStellen gar viele, wo die Erfahrung aufgehrt bat. die sichere Basis seiner Schlsse zu sein, wo er sich dem Spiele der Phantasie Uberlsst und ihn selbst sein Vorwurf trifft: ,. Im Auslegen seid mir frisch und munter! Legi ihr nichts aus, so legt was unter."" Wenn sich nun auch die Stimmen gegen Goethe's botanische Verdienste mehren, so wird es wohl noch lange dauern, ehe in der Sache das letzte Wort gesprochen sein wird; denn es ist eine dem Geschichtsforscher wohlbekannte Thatsache, dass es sehr schwer ist, einen Gedanken, den erst die Neuzeit zu voller Klarheit ge- bracht hat, geschichtlich in seinen ersten Anregungen zurck zu verfolgen und dabei nicht in den Fehler zu verfallen, nunmehr in der unendlichen Flle der Litteratur den Gedanken vermeintlich an vielen Stellen zu finden, an denen in Wahrheit gar nicht von ihm die Keile ist. Es wird an solchen Stellen herumgcdeutelt, um aus Liebe zu dem lteren Autor diesem den klaren Gedanken unter- zuschieben. Und je mchtiger eine neue Ansieht ein- greift: je eifriger werden Vorgnger derselben gesucht und gefunden. Wer sieh z. B. ruhig und sachlich mit der Geschichte der Darwinschen Theorie beschftigt hat,, weiss, was ich meine, und eine vernnftige Gegen- strmung hat ja auch hier bald Platz gegriffen. Wenn sich nun gar bei einem Manne wie Goethe, der so vieles gesagt und geschrieben hat. ein Anklang an neue Er- rungenschaften findet, kann man es da jemandem ver- denken, wenn er auch in Gebieten, in deren Behandlung ihm tbatsehlich nun einmal die Befhigung mit zu frdern fehlte, die unnahbare (irsse, die ihn sonst auszeichnet, ebenfalls zu finden whnt? Ich finde das zwar be- greiflich, aber darum darf die ruhigere Geschichts- forschung, wenn sie zu anderer Ansicht gelangt, doch nicht schweigen! Um nun meine eigenen Gedanken ber den Begriff der Morphologie der Lebewesen in aller Krze zu geben, muss ich etwas ausholen. Wenn De Mary von der Morphologie eines Pilzes spricht, so nieint er damit nur die auf den Bau be- zglichen Verhltnisse desselben: nennt jedoch Eichler eine seiner Arbeiten Beitrge zur Morphologie . . . der Marantaceen", so will er die von ihm an die Betrachtung der Gestaltungen angeknpften theoretischen Errte- rungen besonderer Art als das Wesentliche seiner Unter- suchung beachtet wissen. Man versteht also unter Mor- phologie zweierlei, und wollen wir eine sich auch in den Bezeichnungen kundgebende Eintheilung der morpholo- gischen Diseiplin vornehmen, so werden wir die erste Art der Betrachtung passend eine organographisehe (Organ beschreibende), die zweite eine theoretisch-morphologische nennen. Ueber die Organographie ist nicht viel zu sagen: aus praktischen und pdagogischen Rcksichten pflegt man den Inhalt derselben in zwei Abtheilungen vorzu- tragen, indem man sieh in Lehrbchern und botanischen Vortrgen zunchst mit den leicht erkennbaren usseren Konstriiclions-Yorhltnisscii abgrbt, um erst spter die innere Striictur (Anatomie), zu deren Erkenntniss die An- wendung von Instrumenten, wie Messer u. s. w. noth- wendig erscheinen, zu erlutern. Viel lsst sich hingegen ber die theoretische Morphologie sagen. Schon lngst konnte man sich in der Wissenschaft nicht gegen die l'ebereinstimniung der Entwicklungs-, Stcllungs- und Gestaltungsverhltnisse gewisser Organe verschiedener Thier- und Pflanzen-Arten verschliessen, sondern fand sieb genthigt, das Ucbcrcinsthnniende her- Nr. 5. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 47 vorzuheben und begrifflich zusammenzufassen. Bekannt- lich hat Cuvier, der grosse Gegner der Descendenz-Lchre, durch seine vergleichenden Untersuchungen diese Be- trachtungsweise ganz wesentlich gefrdert. Darwin meint, dass die Morphologie einer der interessantesten Thcile der Naturgeschichte sei und deren wahre Seele genannt werden knne (Ueber die Entstellung der Arten . . . . Seite 516 der 6. Aufl., Stuttgart 187.6 , und man begreift dies viin seinem Standpunkte aus, da die Morphologie die Hauptgrundlage der von ihm 18-79 so umsichtig' und ineister- haft begrndeten Descendenz-Lehre werden inusste, weil erst durch die letztere die morphologischen Eigentmlich- keiten begreiflich werden. Heutzutage wird denn auch von botanischen Autoritten auf unserem Gebiete die Des- cendenz-Tlieorie ausdrcklich anerkannt. Der Grund der erwhnten Uebcrcinstimmungen im Aufbau verwandter organischer Wesen liegt nach jetziger Annahme in der gemeinsamen Abstammung der Organismen, welche ihre Besonderheiten vererben, soweit diese den durch Anpassung an andere Verhltnisse umgebildeten Nachkommen nicht strend sind, in welchem Falle, sie im Kampf ums Dasein ja verschwinden wrden. Wenn nun ein postulirter thierischer Vorfahr Nachkommen erhlt, die sich nach zwei Richtungen hin ndern und wenn wir z. B. annehmen, die eine Reihe htte sieh als vordere Gliedmassen Flgel, die andere Beine zum Laufen erworben, whrend der Vorfahr an Stelle derselben Flossen besass, so dass also Flgel und Beine aus letzteren im Laufe der Genera- tionen entstanden wren: so nennen wir die Flgel und Beine homologe Organe; und wenn eine dritte Reihe von Nachkommen endlich die Flossen beibehalten bat, so werden wir auch diese als homolog den ersteren be- zeichnen. Sprechen wir jedoch von metamorphosirten (umgewandelten i Organen, so mssen wir wahrscheinlich machen knnen, dass das metamorphosirte Organ durch Umbildung aus einem anderen bestimmten Organ hervor- gegangen ist. In unserem Falle wrden wir also Flgel und Beine metamorphosirte Flossen, aber nicht umgekehrt Flossen metamorphosirte Flgel resp. Heine nennen drfen, whrend alle drei Arten der Bewegungswerkzeuge unter einander homolog sind*). Es ist also bei theore- tisch - morphologischen Fragen immer ganz nachdrck- lich zu beachten, welches von den homologen Organen aus dem anderen hervorgegangen ist oder hervorgegangen sein mag. Bei den mit Flossen versehenen Nachkommen halien wir es, verglichen mit ihren Vorfahren, mit einer Ho- mologie ohne Funktions Wechsel, in den beiden an- deren Fllen mit einer Homologie mit Fnktions- wechsel zuthun. Wenn es nun auch einzelne Beispiele giebt, die uns berechtigen, von einer rckschreitenden Metamor- phse" insofern zu reden, als die Nachkommen eine von ihren Vorfahren erworbene komplizirtere Bauart aufgeben, um wieder einfachere resp. ltere Konstructionen anzu- nehmen, so besttigt doch die Palontologie, dass im All- gemeinen Vorfahren einfacher gebaut waren, als ihre Nachkommen. Die letzteren werden also viele Stcke aufweisen mssen, fr welche wir Homologa bei den er- steren nicht finden knnen, und es ist als eine Unklarheit zu bezeichnen, wenn die theoretischen Morpholgen, wie das sehr oft ohne triftige Grnde geschieht, von den koin- plizirtesten Organen ausgehen und nun die einfacheren dadurch auf diese zurckzufhren suchen, dass sie die fehlenden Stcke z. B. als verkmmert (abortirt) be- zeichnen. Was berechtigt uns z. B. das differenzirteste *) In obigem ist also immer nur von phylogenetischer Metamorphose die Rode, nicht von der Metamorphose der Indi- viduen, deren bekannteste Beispiele sieh bei den Insekten und Amphibien rinden. Laubblatt als Vorbild anzunehmen und nun berhaupt allen Blttern entsprechende homologe Stcke zu vindi- ziren, d. h. die nicht vorhandenen Stcke als verkmmert anzusehen? Mau wird eben immer noch durch die Macht der Gewohnheit verfhrt, sieh in Gedanken wie Goethe eine alle morphologischen Stcke aufweisende Fr pflanze zu koustruiren, von welcher nur gewisse Thcile weggenommen zu werden brauchen, um in jedem Einzel- fall ein Gewchs von derselben abzuleiten, whrend doch eine wirkliche Urpflanzc so einfach und unge- gliedert als nur irgend denkbar vorausgesetzt werden muss. Der angedeutete Fehler wiederholt sich sehr oft. Viele Zoologen gehen, um noch ein anderes Beispiel anzufhren, von dem differenzirtesten Gebiss, dem der Fleischfresser (Carnivoren), aus und suchen nun in den anderen Abtheilungen der Sugethiere mit einfacherem Gebiss -- auch dort wo keine Grnde fr die Annahme einer Rckbildung im Verlaufe der Generationen sprechen womglich dieselben Zhne wieder, sprechen z. B. ohne Weiteres von Eckzhnen, wo thatschlich keine sind, ohne vorher die zur Entscheidung der Frage, ob wirklich metamorphosirte Eckzhne vorliegen, unumgnglich not- wendige Untersuchung nach dem genetischen Zusammen- hang der Arten in Betracht zu ziehen. Noch auf einen anderen, namentlich bei botanisch- morphologischen Errterungen hufig wiederkehrenden Fehler will ich hier aufmerksam machen. Es besteht nmlich die Gewohnheit, Organe, die sich nicht ohne Weiteres als Wurzel-, Stengel- oder Blatt-Organe oder als Thcile derselben erkennen lassen (sofern man sie nicht als Emergenz- oder Haarbildungen bezeichnet) auf alle Flle fr eine dieser Bildungen zu erklren, auch wenn die fr jene angenommenen Definitionen durchaus nicht passen wollen: es werden dann aber Schein-Grnde ge- sucht und gefunden, welche eine Unterbringung recht- fertigen sollen Dass wegen der hierbei notliweniligcn Unwissenschaftlichkeit (Unlogik) der Grnde eine Einig- keit unter den theoretischen Morphologen bei kritischen Organen nicht erzielt wird, ist klar. Oftmals kann man in botanischen Sitzungen den Fall erleben, dass von der einen Partei ein Organ fr ein Blatt, von der anderen fr ein Stengelgebilde erklrt wird, ohne dass -- beider zur Gewohnheit gewordenen Sachlage - eine Verwunde- rung ber die Uneinigkeit herrschte. Stets und zwar meist unbewusst) von dem Urbilde" der hchstentwickelten Pflanzen ausgehend, die natrlich alle Stcke wohl ent- wickelt und daher wohl delinirbar aufweist, sucht man alles demselben anzupassen, whrend es doch einzig richtig ist. das weiter Entwickelte aus dem weniger eomplicirt Gestalteten herzuleiten und somit auch die niederen Pflanzen zur Erklrung heranzuziehen. Diese -- nament- lich die Algen -- weisen nun aber deutliche Uebergnge zwischen den Organen auf, d. h. man findet hier Organe, die - lim nur ein Beispiel zu nehmen weder Stengel noch Bltter im Sinne der hchsten Pflanzen, noch aber auch Thallus- (Lager-) Bildungen im Sinne der niedrigsten Gewchse sind: es sind Glieder, die -- wenn man ein- mal die jetzt geltenden Definitionen fr Stengel und Blatt festhalten will - hiernach weder das eine noch das an- dere sind, sondern Eigentmlichkeiten aufweisen, die einerseits den Stengeln, andererseits den Blttern der hchsten Pflanzen zukommen. Auch bei hheren Pflanzen giebt es also Glieder, die man nicht ohne Weiteres als zu den Blttern" oder Stengeln" gehrig - diese beiden Be- griffe in ihrem bestimmten morphologischen Sinne ge- nommen bezeichnen darf. Ernst Halber z. I!. sagt diesbezglich sehr gut auf S. ;>()1 seines krzlich bei Ferdinand Enke in Stuttgart) erschienenen Buches Kultur- gese'hichtc des neunzehnten Jahrhunderts in ihren Be- 48 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. Nr. Ziehungen zu der Entwicklung der Naturwissenschaften": Man spricht .... von Achsenorganen (Zweigen) mit begrenztem Wachsthum wie bei den Wedeln der Cycadeen oder von Blttern mit unbegrenztem Wachsthum wie bei den Wedeln von Lygodium. Gerade diese Bezeichnungen alier, durch welche man einen der Hauptunterschiede zwischen Achse und Blatt wieder aufhebt, zeigen aufs deutlichste, dass es eine scharfe, fr alle Flle stichhaltige Grenze zwischen Achse und Blatt gar nicht giebt." Es giebt also Gebilde, die scharf delinirt weder z. 15. Bltter noch Stengel sind, da sich eben die hchste Gliede- rung und scharfe Sonderung erst allmhlich entwickelt hat. Bei der Einreibung kritischer Organe sollte dies stets bercksichtigt werden, was bisher leider nicht b- lich ist. Wir wrden die Morphologie nach folgendem Schema eintheilen*) : ,,.,,.*. c - \ Morphologie lim weitesten bmno). i >rganographie Theoretische Morphologie = Morphologie im engeren Sinne = Lehre von den Homologieen. Organ. Organ. der usseren der inner. T. = Thi'ile. Anatomie. Ilomologicen Homologieen ohne mit Funktions- Funktions- wechsel. Wechsel. ) In einer in der Zeitschrift ..Kosmos" !S81 erschienenen Abhandlung Ueber das Verhltniss der Morphologie zur Physio- logie" gebe ich eine andere Eintheilung; auch siml die Beispiele daselbst unglcklich gewhlt. Vcrgl. auch meinen Artikel Was versteht man unter Morphologie?" in der Pharmaceutisehen Zeitung" vom 10. Juli 1886. Zur Frage der Vererbung erworbener Eigen- schaften theilt Prof. Forcl aus Morges in der Schweiz folgende Beobachtung mit. Die beiden Shne eines Vor- stehhundes, dem der Schwanz abgehauen war, wurden mit einem Stummelschwanz geboren. Der eine dieser Shne zeugte wiederum einen kurzschwnzigen Sohn, unter dessen Nachkommen sich eine Familie von 7 Hunden be- fand, welche alle kurzschwnzig waren, einer besass gar keinen Schwanz. Noch weitere Nachkommen waren kurz- schwnzig. Forcl glaubt nicht, annehmen zu drfen, dass hier ein Fall von Vererbung einer durch eine chirur- gische Operation erworbenen Eigenschaft vorliegt, Auch Roscnthal schlicsst sich dieser Meinung an und hebt besonders die Unkenntniss von der Organisation der Vor- eltern des ersten Hundes hervor, dem der Schwanz abge- hauen war. Es ist mglich, dass dieser Hund aus einer schwanzlosen Familie stammt und nur ausnahmsweise mit einem Schwnze geboren wurde, aber die Scbwanzlosig- keit oder Kurzschwnzigkcit wieder auf seine Nachkom- men vererbte. Eine andere Frage ist es, ob die hufige Wieder- holung einer und derselben Operation in vielen aufein- ander folgenden Geschlechtern Anlass zur Vererbung der so gleichsam wiederholt erworbenen Eigenschaft Riebt. Das ist die Ansicht des Herrn Dingfclder. Die Erfah- rung bei der rituellen Beschneidung hat bekanntlich ge- zeigt, dass trotz der Lnge der Zeit, seitdem die Ope- ration an so vielen Individuen aufeinander folgender Ge- schlechter gemacht worden ist, angeborener Mangel der Vorhaut nicht gerade hutiger bei .luden als bei Christen auftritt.*) <(b es bei der Operation des Schwanzabhauens bei Hunden anders ist, das soll eben entschieden werden. Spruchreif ist also die Frage durchaus noch nicht." Vcrgl. Biolog. Ccntralblatt, 1889. K. *) Vergl. mit obigem die Mittlicilung Zur Erblichkeit er- worbener Eigenschaften" in der Natunv. Wochenschr." Bd. IV S. 309. Ueber Schalen- und Kalksteinbildung stellt G. Steinmann (Berichte der naturforschenden Gesellschaft zu Freiburg i. I!., Bd. IV 1889) eine usserst interessante Hypothese auf, die allerdings in manchen Punkten der Beweisfhrung des Verfassers nicht ganz berzeugend ist. Steinmann beobachtet, dass Eiwciss aus Lsungen von Kalksalzcn, wie schwefelsaurem Kalk oder chlor calcium, Kalkkarbonat fllt, auch ohne Zusatz von kohlen sauren Alkalien. Hierbei frbt es sieh nach lngerem Stehen brunlieh wie die Conchiolinmasscn, welche die unliesclialten Krpertheile vieler Mollusken berziehen, und nimmt auch die chemischen Eigenschaften dieser Materie, ihre fast vollstndige Unlsbarkeit in Alkalien wie Suren vollstndig an. Das gefllte Kalkkarbonat tritt in kugeligen Krnern auf, die eine berraschende Achnliclikeit mit Globigerineri oder Orbulinenschalen er- kennen lassen und das gleiche chemische und optische Verhalten zeigen wie die Coccolithen der Mccresabstze, der Kreide und hnlicher Bildungen. Daraus folgert der Verfasser, dass einmal die Kalkgerstc der Foraminiferen, Mollusken und Korallen einem analogen, also rein chemischen Vorgange ihre Bildung verdanken, dass aber andrerseits auch der kohlensaure Kalk, wie er in den meisten Schichtengesteinen auftritt, durch hnliche Pro- zesse ausschliesslich von der organischen Welt gebildet wurde. Steinmann erwhnt eine Reihe von Thatsachcn, welche dafr sprechen, dass die Schale der Mollusken nicht ausschliesslich vom Mantel, der fr diesen Thicr- kreis typischen Hautduplicatur erzeugt wird; die ver- breiterten Rckenarme der Argonauta sondern auf dein ursprnglichen Secrct des Mantels eine Armschicht ab; die seitlichen Ohren der Kopfkapuze von Nautilus pom- pilius erzeugen den Nabelwulst an seiner Schale; der Sipho der Pholadcn umkleidet sich mit Kalk und der Deckel der Gastropoden zeugt von der Fhigkeit des Fusscs, Schalenmassc zu produciren. Ebenso finden sich in dem brunlichen Conchiolinbclag, der viele stark muskulse, unbesehalte Theilc des Molluskenkrpers um- kleidet, bei mikroskopischer Untersuchung stets sphrische Kalkkrper, die periodisch abgestossen und dann wieder erneuert werden. Diese gelangen in das umgebende Meerwasser und tragen so zur Bildung ausgedehnter Kalkablagerung neben den grberen Ueberresten des organischen Lebens wesentlich bei. Da das Kalkkar- bonat, welches dem Meere durch die Flsse zugefhrt wird, fast vollstndig in Sulfide und Chloride umgewandelt wird, so msste der Prozentsatz dieser Verbindungen im Seewasscr ein bedeutend erheblicher sein, wenn er durch die Thtigkeit der organischen AVeit, d. h. hier durch das chemische Verhalten des Eiweisses demselben nicht bestndig entzogen werden wrde. Soweit die Ansicht des Verfassers, die, wie ich glaube, von der Wissenschaft nicht ohne weitgehende Beschrnkung angenommen werden drfte. Was Stein- mann hinsichtlich der fortdauernden Absonderung und Abstossung von kohlensaurem Kalk auf den schalenlosen Organen mariner Organismen und der Bedeutung dieser Elemente fr die Bildung der marinen Kalksteine beob- achtet, ist ebenso folgerichtig wie einleuchtend. Hin- sichtlich der Schalenbildung scheinen denn aber doch noch ganz andere Einflsse, in erster Linie die vitalen Nr. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 49 Prozesse der Epithelialzellen betheiligt zu sein. Wenig- stens wird die zellige Struktur der Schalensubstanz, ihre regelmssige und fr die einzelnen Gruppen typische Ausbildung, endlieh die mit geringen Modifikationen stets wiederkehrende und von Generation zu Generation sieh vererbende Gestalt und Zusammensetzung der Schale selbst, durch Steinmanns Theorien, wenigstens soweit sie bisher vorliegen, in keiner Weise erklrt; auch steht die starke Schalenentwicklung der landbewohnenden Organismen, der Pulmonaten und Cyclostomiden, in schein- bar unlsbarem Widerspruche zu seinen Annahmen. Dr. P. 0. Ueber Rauhreif und Glatteis. a) Rauh- reif. In der Naturw. Wochenschr." No. 31 v. .1. macht Herr Dr. 0. Volger unter Bezugnahme auf eine Verffent- lichung des Herr Dr. Assmann darauf aufmerksam, dass man Rauhreifeis nicht als amorphes Gebilde bezeichnen drfe. Es wird ausgefhrt, dass ein Krystall sich in regelmssiger Form nur dann entwickeln kann, wenn die Kristallisation nach allen Richtungen hin unter gleich- massigen Bedingungen erfolgt. Dies ist selten der Fall, zumal nicht bei dem Rauhreif, dessen Gestalt durch die rundliche Form der durch den Wind angetriebenen Wassertrpfchen bedingt wird. Die schnen Eisgebilde, die sog. Eisblumen, zeigen sieh an den Fenstern unserer Gebude in reiner Form, wenn das Glas von oben bis unten nicht perlenfrag beschlagen, sondern von einer durchsichtigen dnnen Wasserschicht berkleidet ist. Dem Krystall ist dann in der Flche der Scheibe Ge- legenheit zu hbscher Ausbildung geboten; auch hier jedoch nicht nach allen Riehtungen in gleicher Weise. Es wchst die Eisblume zumal von unten nach oben, weil die im Innern an der Scheibe erkaltende, nieder- fliessende, nchst anliegende Luftschicht unten klter ist als oben. Minder schne Eisblumen bilden sich, wenn die Scheibe durch Trpfchen beschlagen ist, weil diese das Weiterwachsen regelmssiger Blattformen stren, bisweilen sogar fast verhindern. Es wird sicherlich auch der Rauhreif ein Bestreben zeigen, nach kristallinischen Achsen zu wachsen, wiewohl die Gebilde in ihrer Gestaltung wesentlich dadurch be- einflusst werden, dass die Eismasse nur dort wachsen kann, woselbst durch aufschlagende Nebeltrpfehen sich Wasser zum Gefrieren vorfindet. Herr Dr. Assmann hat nachgewiesen, dass bei Temperaturen zwischen Null und etwa 10 Grad Celsius Klte der Nebel noch in Form fissiger Trpfchen auftritt, deren rundliche Oberflche noch nach dem Aufschlagen auf einen festen Gegenstand, resj). auf ein Rauhreif-Gebilde theilweise auch nach dem Gefrieren noch erhalten bleibt, Die Nebeltrpfchen werden den schon festen Gebilden durch den Wind zu- gefhrt; dabei zumal die Kanten und vorderen Ecken, weniger die glatten Flchen von Trpfchen getroffen werden. Es wachsen mithin entstandene zweigartige Gebilde schneller als grssere Flchen, zumal schneller als der Untergrund, auf welchem die zweigartigen Ge- bilde sitzen. Durch die Seitenflchen eines Krpers, z. B. die Flchen eines mit feiner Schneide dem Winde ent- gegen gerichteten Keiles, wird der Luftstrom abgelenkt. Es weht an den Seiten der Wind parallel zu den Flchen, so dass auch die Nebeltrpfehen die Richtung gegen die Flchen hin verlieren. Das Trpfchen a trifft die Spitze des Keiles (vergl. Skizze). Das Trpfchen b dringt bei b' in jenen parallel zur Keilflche abgelenkten Luf'tstrom ein, welcher hier jedoch noch geringe Dimension, in Richtung senkrecht zur Keilflche gemessen, besitzt. Die als Folge der Windgeschwindigkeit v in der Masse des Trpfchens b' angehufte lebendige Kraft reicht hin dem Trpfchen eine Wurfbahn vorzuschreiben, deren Endpunkt in b" die Flche des festen Gegenstandes trifft. Das Trpfchen c ist in c' noch mit der Geschwindigkeit v be- gabt, welche nach Grsse und Richtung der Windge- schwindigkeit entspricht. Bei c' tritt der Nebeltropfen in den abgelenkten Luftstrom ber, dessen Dimension, senk- recht zur Aussentlche des Gegenstandes gemessen, schon grsser geworden ist, indem die Windschichten 1, // und III zur Ablenkung gelangt sind. Die in c' dem Trpfchen anhaftende lebendige Kraft reicht nicht hin die Schichten III, II und / zu durchdringen. Die Wurfbahn c' c" ver- luft in c" der Oberflche des Gegenstandes fast parallel. Die Wahrscheinlichkeit, dass unser Trpfchen c die Aussenfiche des Gegenstandes noch treffen wird, ist eine geringe. Hier wchst also vorwiegend die Spitze des Keiles' durch Erstarren der zwischen u und b" anschlagen- den Nebeltheilchen. Es entsteht eine gegen den Wind wachsende Schneide. Nach Vorstehendem wchst der Rauhreif etwa pro- portional der Windgeschwindigkeit und proportional der Dichtigkeit des Nebels. Dabei wird vorausgesetzt, dass die Frostklte hinreicht, die angetriebenen Trpfchen so- gleich in Eis zu verwandeln und dass der Wind nicht zu heftig auftritt; derselbe wrde sonst die Rauhreif-Gebilde von dem festen Gegenstande abblasen oder von den Zweigen der Bume abschtteln. Rauhreif. Im Schwarzwald nennt der Frster den also gebildeten Rauhreif bezw. Rauhfrost Duft - . b) Glatteis. Ist das Korn des Nebels zu grob, ist der Nebel zu dicht und der Frost zu schwach dann ge- friert nicht jeder einzelne angeschlagene Nebeltropfen fr sich. Bevor die Eisbildung beendet, treten andere Trpf- chen hinzu, der vergrsserte Tropfen fliesst zu einer Flche aus. Es bildet sich eine Eisrinde um den Gegenstand, deren Dicke auf der dem Winde zugekehrten Seite am strksten ist. Eventuell tropft auch Wasser ab und ge- friert auf dem Boden. Je grber das Korn des Nebels, desto mehr nhert sich derselbe dem Regen. Die im Nebel minimale Fall- geschwindigkeit der Trpfchen wchst, so dass die Bahn- richtung der Tropfen nunmehr schrge nach unten ge- richtet ist. Der Ansehlag erfolgt am reichlichsten gegen schrg aufwrts der Bewegung des Regens entgegen ge- gerichtete Spitzen oder Flchen. Die zur Erzeugung des Glatteises nothwendige Frostklte wird meistens durch die untere Luftschicht geliefert, deren Temperatur von voraufgegangener kalter Witterung her, noch unten Null liegt. In geringerem Maass bietet nach einer Frostperiode die tiefe Temperatur der Gegenstnde die zur Eiserzeu- gung erforderliche Klte. Im October-Heft v. J. berichtet Herr Oberfrster von Huene ber Glatteisbildung, welche durch berkalteten Regen bei + 5 C. Lufttemperatur auftrat. Diese Art der Glatteiserzeugung habe ich in der Ebene niemals beobachtet. Nach der Ursache des Waldschadens unterscheidet 50 Naturwissenschaftliehe Wochenschrift. Nr. 5. der Forstmann Schneebruch, Duftbruch (Rauhreif;, Eis- bruch, Windbruch". Reifbilchrag betreffend kann noch angefhrt werden, dass im Volksmund liier im Sden /wischen Wasserreif und achtem Eeif unterschieden wird. Ersterer besteht aus gefrorenen, bei zuvor hherer Temperatur gebildeten Thautropfen, welche noch fast wasserhell sind und dem G.tilde einen nur schwach weisslichen Schein verleihen. Aechter Eeif schlgt sich nicht erst in Form grsserer Thautropfen nieder, sondern schiesst in weissen Nadeln an. Whrend der Wind die Rauhreif-Bildung begnstigt, hemmt derselbe die unter freiem nchtlichen Himmel statt- habende Entstehung von Thau und Eeif. Der Wind mssigt die Erkaltung der Grashalme und die Iberflchen- erkaltung anderer rauhen Gegenstnde unter die Tem- peratur der umgebenden Luft und benimmt den Krpern die Fhigkeit gengend erkaltend auf die nchst an- liegende Luftschicht und kondensirend auf die derselben beigemengte Feuchtigkeit ein zu wirken. Ausserdem ver- mindert Wind berhaupt die relative Feuchtigkeit unterer Luftschichten, weil bei eintretender, durch die Windwirbel herbeigefhrter Mischung oberer und unterer Schichten, letztere bekanntlich an relativer Feuchtigkeit verlieren mssen. Prof. M. Mller in Karlsruhe. L i 1 1 e r a t u r. Friedrich Katzer, Geologie von Bhmen. Verlag von Is. Taussig, Prag, 1889. Bei dem ausserordentlich raschen Anwachsen der special- wissenschaftlichen Literatur und der dadurch schwieriger weiden- den Orientirung ber den jeweiligen Stand des Wissens auf den verschiedenen Forschungsgebieten muss es immer als e'n verdienst- volles Unternehmen gelten, wenn wieder einmal die gesammten Ergebnisse des Specialstudiums in zusammenfassender Weise und objektiv kritischer Beleuchtung vorgefhrt werden. Dieser Gesichtspunkt leitete Friedrich Katzer be; der Her- ausgabe seiner Geologie Bhmens. In genanntem Werke, von welchem vor einigen Monaten die erste Abtheilung erschienen ist, ist der Verfasser bestrebt, uns eine die Entwickelung und die Foitschritte der Forschung bercksichtigende und auf die lite- rarischen Hifsmittel verweisende, gewissenhafte Zusammenfassung des gegenwrtig Bekannten und eine Andeutung dessen zu geben, was noch zu erforschen bleibt, und die Anregung hierzu. Bei der Ausfhrung dieses Planes verfahrt nun der Verfasser so, dass er zunchst in gedrngter Krze eine auf geognostischer Grundlage beruhende topographische Uebersicht Bhmens giebt. Danach theilt er das ganze Land in folgende Gebirgsglieder und geoguostische Bezirke: 1. Das bhmisch-mahrische Hochland, zu welchem der ganze Sdosten Bhmens, mehr als ein Drittel der Gesammtoberflche des Landes gehrt : 2. das mittelbhmische Granitgebirge, westlich von jenem gelegen ; 3. das mittelbhmische Urschiefergebirge, an das Granit- gebirge im Westen grenzend ; 4. das mittelbhmische Waldgebirge, ein Conglomerat- und Grauwaekengebirge mit ausgedehnten ijuurzitrcken, ziemlich in der Mitte des mittelbhmischen Urschiefergebirges ; 5. das mittelbhmische Kalksteinplateau, inmitten des Wald- gebirges und diesem aufgelagert; 6. das Kohlengebirge, westlich vom Urschiefergebirge; 7. den Bhmerwald und zwar aj die Sumava vom Plcken- stein bis zum Osserberge, b) den Bhmischen Wahl, von der Su- mm. i durch eine Einsenkung getrennt, von den < 'on hou bergen bei Klenetsch bis zum Dillenberge bei Eger sich hinziehend; 8. das Karlsbader Gebirge, welches im < isten vom Plateau des Kohlengebirges, im Sden vom mitteiblnnis.hen Urschiefer- gebirge begrenzt \\ ird; 9. das Fichtelgebirge, soweit Bhmen Antheil daran hat; 10. das Erzgebirge; 11. das Kegelgebirge mit seinen zahlreichen glocken- oder kegelfrmigen Bergen von geologisch jugendlichem lter, welches sich namentlich im nordwestlichen und nrdlichen Bhmen aus- breitet (Duppauer, Leitmeritzer und Semiler KegelgebirgeJ; 12. das Sandsteingebirge, das der Kreideformation angehrige Gebirgsland Nordbhmens : 13. das Lausitzergebirge; 14. das Isergebirge; 15. das Riesengebirge; 16. das Faltengebirge; 17. das Erlitzergebirge; IS. das Eisengebirge, parellel jenem, benannt nach dem einst regen Eisenbergbau ; 19. schliesslich das Saarer Gebirge, welches grsstentheils Mhren angehrt und sich im Sdwesten an das bhmisch -mh- rische Hochland anschliesst. In dem nun folgenden speeiellen Theil seines Buches behan- delt der Verfasser im ersten Kapitel die arehaeische Formations- gruppe, das Urgneiss- und Urschiefersystem, mit ihren zahlreichen geschichteten Gesteinen und den dieselben durchsetzenden Erup- tivmassen. Soweit die oben aufgezhlten Gebirgsglieder in das Bereich der archaeischen Formation fallen, werden sie der Reihe nach abgehandelt. Dabei ist der Verfasser bemht, Alles, was in tek- tonischer und petrographischer Beziehung ber die einzelnen Fonnationsglieder bekannt ist, in usserst klarer und anziehender Weise zur Schilderung zu bringen; selbst die neuesten Ergebnisse der mikroskopischen Gesteinsforsehung werden bercksichtigt. Um das Buch auch einem grsseren Leserkreise interessant zu machen, bringt der Verfasser eingehende Darstellungen der tech- nisch nutzbaren Mineralien und Gesteine und ihrer Gewinnung, wobei ihm eine ausserordentliche Flle von historischem Material in Bezug auf den uralten Bergbau Bhmens zur Verfgung steht. Ferner sind lesenswerthe Schilderungen ber Bodenkultur, In- dustrie und der damit im Zusammenhang stehenden Besiedelunii des Landes vorhanden. In der vorliegenden ersten Lieferung des Katzer'schen Werkes ist die Beschreibung der archaeischen Formationsgruppe noch nicht abgeschlossen, sie greift in die zu erwartende zweite Liefe- rung ber. Daraus und aus dem ganzen Programm des Verfassers ist ein stattliches Werk zu erwarten. Dem Buche sind ausser den Portrts der beiden um die geologische Erforschung Bhmens hochverdienten Mnner, Joachim Barrande und Aug. Einan. Reuss, zahlreiche bildliche Darstellungen, wie landschaftliche Aufnahmen, geologische Profile, Abbildungen mikroskopischer Gesteinsschliffe, Lagersttten u. a. beigegeben. Von denselben ist ein grosser Theil scharf und recht instruktiv: einige jedoch htten, ohne den Werth des Buches zu schmlern, weggelassen werden knnen, bei andern ist die Ausfhrung usserst drftig, so z. B. die orographische Uebersichtskarte Bhmens, auf der eigentlich Nichts zu erkennen ist. Das geognostisehe Ueber- sichtskrtchen wirkte vorteilhafter, wenn es colorirt wre und die geographischen Bezeichnungen fhrte. Dem Wcrthe des Buches "entsprechend htte der Verleger berhaupt eine vorteilhaftere Ausstattung, vor Allem durch besseres Papier, daranwenden knnen. Dr. W. Mller. Ladenburg. Handwrterbuch der Chemie, 7. Band. Verlag von Eduard frewendt, Breslau, 1889. Der vorliegende Band beginnt mit Magnesium und endigt mit der Naphtalingruppe. Die zwischenliegenden Gebiete sind auf fast rund 600 Seiten abgehandelt, woraus schon ersichtlich, dass das Material in ausgiebigster Weise verwandt ist. Uebersichtliche Anordnung und beraus reiche Litteratur- angaben sind Vorzge des Werkes; fast smmtliche Gebiete, es seien mir' erwhnt die Mereaptane und die Naphtalingruppe, sind derart bearbeitet, das- sich ein Unterschied zwischen grossein Lehr- und Handwrterbuch kaum mehr erkennen lsst, und es will fast scheinen, als htten die Herausgeber eine solche Verschmelzung im Auge gehabt. Dr. R. Fischer. Berichtigung. In der Besprechung der Schrift Boggreve's Die Verl, reitung und wirthschaitliche Bedeutung der wichtigeren Waldbaumarten innerhalb Deutschlands" Xu. 2, S. 19 muss es am Schluss in der Aufzhlung der Waldgebiete heissen: 7. Das es i rheinische Uneben- und Kieferngebiet. S. I)a< reichslndische Tannen- und Buchengebiet. Inhalt: A. Albu: Impfung und Impfzwang. H. Potonid: Die botanische itl -etische) Morphologie und Goethe. Vererbung erworbener Eigenschaften. Ueber Schalen- und Kalksteinbildung. Ueber Rauhreif und Glatteis. ("Mit Abbild.) Litteratur: Friedrich Katzer: Geologie von Bhmen. Ladenburg: Handwrterbuch der Chemie. Berichtigung. Verantwortlicher Redakteur: Dr. Henry Potonid, Berlin NW. . Luisenplatz 8, fr den [nscratentheil: Hugo Bernstein in Berlin. Verlag Ferd. Dmmlers Verlagsbuchhandlung, Berlin S\V. 12. Druck: litli-i'itis. Masern. Scharlach, Schwindsucht. Keuchhusten, Brechdurchfall. Flechten etc. Auch als Vorbeugungsmittel unbertroffen. Ferner mit grsstem Erfolg angewendet gegen Blutarmnth, Nervenleiden, Astliiua. Skrophulose und dergl. In Flaschen zu 2 Mk. zu beziehen durch jede Apotheke. Wenn irgendwo nicht zu haben, senden wir auf Nachricht durch Karte Piospecte, Zeugnisse und Verzeichniss der grsseren Niederlagen von ganz Deutschland. Dr. Graf & Co., Berlin S. 42 Man verlange nur I>r. raf's Antibakterikon. Nchste Ziehung I. Februar 1890. 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I JL Inserate : Die viergespaltene Petitzeile 40 &. Grssere Auftrge ent- sprechenden Rabatt. Beilagen nach Uebereinkunft. Inscratenannahme bei allen Annoncenbureaux, wie bei der Expedition. /\ Aixlrm-U ist mir mit vollstndiger Quellenangabe gestattet. Nomenklatur der neueren Arzneimittel.*) Von Eduard Ritsert. Es handelt sich um die Entscheidung- der Frage: Sollen zur Bezeichnung der neuen Arzneimittel die nieist krzeren empirischen oder die rationellen, oft sehr zu- sammengesetzten Ausdrcke verwandt werden? Ohgleich diese Frage schon verschiedentlich in den Fachzeit- schriften errtert wurde, scheint man sich in den maass- gebenden pharinaceutischen Kreisen der verschiedenen Lnder ber dieselbe doch noch nicht vollkommen klar geworden zu sein, denn die neu erschienenen Pharma- kopoen zeigen in Bezug auf die Nomenklatur der neueren Arzneimittel sehr verschiedene Charaktere. So hat die 1888er Pharmac. Ilungarica in dem lateinischen Texte z. Th. nur die empirischen Namen aufgefhrt, in dein un- garischen Texte dagegen auch rationelle (s. Antifehrin, Antipyrin). Die neue sterreichische Pharmakopoe (1889) hat die empirischen und die wissenschaftlichen Bezeich- nungen aufgenommen. Die neue hollndische Pharma kope (1889) war auf dem besten Wege die rationellen Namen einzufhren, ist aber auf halbem Wege stehen geblieben und vor dem rationellen Ausdruck fr Antipyrin zurckgeschreckt. Ganz ebenso erging es unserer Phar- makopekommission, welche in dem Entwrfe zur Pharm. Germ. Ed. III wohl Acetanilid rationell bezeichnet, da- gegen fr Antipyrin, Sulfonal, Phenacetin die empirischen Namen als Titel beibehalten bat. Es lsst sich nicht verkennen, dass die empirischen Namen, wenn sie kurz sind und den Krper doch einiger- maassen charakterisiren, namentlich als Gebrauchsnamen (Vulgrnamen) vor den zusammengesetzten rationellen einen gewissen Vorzug haben; ob es aber gerechtfertigt ist, diese empirischen Bezeichnungen als Titel in den *) Der obige der PharmaGCotisehen Zeitung" Berlin ent- nommene Aufsatz scheint uns fr die Nomenklatur aller che- mischen Prparate berhaupt bemerkenswert!]. I >ie Korrectur des obigen Abdrucks hat der Herr Verfasser selbst besorgt. Red. Pharmakopoen zu fhren, ist zu bezweifeln, denn die Pharmakopoen sind doch fr die Apotheker das Gesetz- buch und zugleich der Ausdruck des jeweiligen prak- tischen und wissenschaftlichen Standes der Pharmacie. Die Neuausgabe einer Pharmakopoe ist immer in der fortschreitenden Entwicklung der Medizin, Chemie und Pharmacie begrndet, sie wird jedesmal ein Denkmal in der Geschichte der Pharmacie und Medizin sein. Da in unserer Zeit aber eine Neuausgabe der Pharma- kopoen nchst den Fortschritten der analytischen Metho- den hauptschlich durch die Einfhrung der der orga- nischen Chemie entstammenden neuen Arzneimittel in den Arzneischatz verursacht war, man in der chemischen Wissenschaft aber so weit vorgeschritten ist, dass man in diesen neuen organischen Krpern nicht in ihrer Zu- sammensetzung unerkannte, sondern ganz genau bekannte Stoffe vor sich sieht, so wren auch jetzt die zu dieser Zeit neu erscheinenden Pharmakopoen in dem Geiste dieser Zeit zu schreiben. Es wre in den Pharmakopoen, als auf wissenschaft- licher Grundlage bearbeiteten Gesetzbchern, unbedingt die wissenschaftliche rationelle Bezeichnung als Titel ein- zufhren und als Synonyme die im Handel und vielleicht auf Rezepten gebruchlichen Trivialausdrcke zu belassen. Wohl manchen, namentlich lteren Apothekern, wird es sehr komisch vorkommen, in der Pharmakopoe Namen, wie Phenyldimethylpyiazolon, p-Acetphenetidin oder Oxthylacetanilid oder Ditliylsulfondimethylmethan zu finden, weil sie die rationelle ehemische Bczeichnungs- weise der organischen Verbindungen bei ihrem frheren Studium noch nicht gelernt halten. Alter da es doch vor Allem das Bestreben sein muss, die Pharmacie dahin zu fhren, dass ihre Jnger sich eine Vorstellung von den Krpern machen knnen, mit denen sie tglich umgehen, so mssen auch Vorkehrungen getroffen werden, dass den 52 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. Nr. fi. Apothekern die chemische Natur der neuen Arzneimittel bekannt wird". Die Fchpresse thuf darin ihr Mglichstes, alier das ist uueli nicht durchgreifend. Man frage heute einmal in Apotheken, was ist Sulfonal, was ist Antipyrin? In 50 Fllen unter 100 wird man auf eine richtige Ant- wort vergeblich warten. Vielleicht hrt man: ..Eine or- ganische Substanz von sehr komplizirter Zusammensetzung." Am besten und am richtigsten wrde das Verstndniss fr die chemische Zusammensetzung der neueren Arznei- mittel durch die Pharmakopoen verbreitet, indem dort die rationellen Bezeichnungen und die Formel angegeben wrde. Unter dem Namen Sulfonal z. B. hlt es schwer, sich von dem chemischen Krper einen Begriff zu machen, der praktische Apotheker hat auch nicht immer Zeit, Fischer's ..Neuere Arzneimittel" nachzusehen und sich die Konstitution wieder einmal ins Gedehtniss zurckzurufen; wenn dagegen in der Pharmakopoe als Ueberschrift dieses Kapitels stnde Dithylsulfondimetliylmethan (Sulfonal), dabei die Formel: rii, Np/ so,C,II 5 CH a >'y\H;, C < CH 3 OH H thylmethanhydroxyd Chloral Trichlor(thyl)aldehyd C = C1 3 Sulfcnal Dilbylsulfondimethyl- methan CH. S0,C 3 H s ch/ n so 2 c.,ii. C = OH Cbloralbydrat Trichlor(thyl)aldc- C = C! 3 Amylium nitrosum Amylnitrit (Pentylnitrit) Ch 3 / CH C1L-CH 3 ONO hydrat l/OH C-H \OH II N Chlovalformamid Trichloraldehyd- formamid C = CI, (Hl C 11 \HCoNII Jodol Tetrajodpyrrol /\ C 1 .I,N-H=JC C.l II II JC-CJ Antipyrin l'lienyldimelhylpyra- N ' H. Paialdehyd Trithylaldehyd /C = H 3 \ 1 3 \C = OH/ zolon CILN CH 3 -C = C H Spiritus Aethylalkohol C = H 3 Bcnzolum Benzol C H | /N 1 (Aethylhydroxyd) 1 C : _: ILOII Acid. carbolicum Benzolhydroxyd c,H.,olI (Benzolpbenol) Aether Aethylther H 3 = C CH ., (Monooxybenzol) oll (1) CoH 4 < OH (3) (Aethyloxyd) =(0 2 H 5 ) 2 H 2 = C C=U 2 Resorcin Metadioxybenzol Bromthyl Aethylmonobromid C = H 3 Pyrogallol Trioxybenzol C II 3 (0II) 3 1 C = H 2 Br Acid. tannicuin Digallussureanhydrit C 6 H(0H) 3 C0\ n (Di-Trioxybenzoe- ; C 6 H 2 (0H) 3 C0 Spirit. aether. nitros. Aethylnitrit (spirituos) eni, sureanhydrit) 1 Acid. benzoicum Benzolmonocarbon- c u 5 coon CsHaNO. sure (Benzoesure) Aether. aceticus Aethylacetat H 3 = C C = H 3 CII 0H L 'o u *\COOII (Aethylessigsureester) 1 1 Acid. salicylicum Benzolorthooxycarbon- U, = C 0-0 C sure (Orthooxybenzoesure) Acid. aceticum Methylearbonsure 11 ; CII "" (Aethansure) 1 Salol Salicylsurephenyl- COOII ester (Oxybenzoesure- phenylesler) ^\s\s vyl -u5 Acid. oxalicum Dicarbonsure COOH eil " n 1 COOH Betol Salicylsure-/J-Naph- thylester Glycerinum Propenyltrihydroxyd (Propenylalkohol) CH, OH Guajakol Bi enzkatechinmouo- r , T /0CH 3 '"l Uli 1 methylther CH OH 1 CIL 011 Aseptol, Sozolsure Orthooxybenzolsulfon- sure CII "" Nitroglycerinum Propenyltrinitrai OH.oNo.. 1 Soznjodolsurc Dijodparaphenolsulfon- sure C H 3 J 3 Si CHONOa 1 CHaONO a Antifebrin leetanilid (Phenylacetamid) ,' u \ " Colls-N nH || Acid. lacticum < Ixythylidencarbon- CH, Exalgin Methylacetanilid L o'Lelschieht, die Wirkung mithin fr die Fahrzeuge so gut wie verschwindend sein. Aehnlich wird berichtet, dass die Eskimos, wenn sie ihre Familie von einem Orte nach einem andern schaffen, fr die Fahrt des Urniak, des Frauenbootes, dadurch eine ruhige Flche herstellen, dass sie am Hintertheil des Kajak, mit dem sie eine be- trchtliche Strecke vor dem Umiak herfahren, ein mit Oel (Thran) geflltes durchlchertes Fell schleppen. Durch die ausserordentliche Geschwindigkeit, mit der sich das Oel auf dem Wasser ausbreitet, und durch die sehr geringe Dicke der entstehenden Schicht wird es be- dingt,' dass der Verbrauch von Oel ein verhltnissmssig sehr geringer ist; nach den vorhandenen Berichten be- trgt die verwendete Menge ' o bis zu 9 Liter in der Stunde. Natrlich kommt auch sehr viel auf eine geeig- nete Vorrichtung zum Ausfliesscn des Oels an; als sehr gnstig haben sieh Scke von losem Gewebe erwiesen, die mit Oel gefllt und so angebracht werden, dass sie etwas ber der Wasserflche hngen. Infolge 1er Zer- stubung der austretenden Tropfen durch den Wind er- reicht mau schnell eine sehr feine Oelsehieht. Bei der 56 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. Nr. 6. Aushngung dieser Oelscke hat man natrlich die Lage des Schiffes und die Richtung des Windes zu beachten. Die oben angedeutete Erklrung fr die besnf- tigende Wirkung des Oeles auf die Wellen lsst es zu- gleich einleuchtend erscheinen, dass dieser Eiiitiiiss haupt- schlich auf offener, tiefer See vorhanden sein wird, dass dagegen auf Untiefen, oder bei der Brandung der Wellen an Klippen u. dergl. diese Wirkung nicht oder nur in sehr geringem Masse auftreten kann. Man hat zwar auch zahlreiche Versuche angestellt, um die Verwendbar- keit des Oels zur Beruhigung der Zugnge zu Hfen fest- zustellen, die Strmen ausgesetzt sind; der Erfolg hat aber den Erwartungen nicht entsprochen. Zu Petcrhead ist man dabei so zu Werke gegangen, dass man Blei- rbren, die mit feinen Lchern versehen waren, am Grunde des Hafens befestigte: zieht ein Sturm herauf, so presst man Oel durch dieselben, welches durch die feinen Ocff- nungen entweicht, vermge seines geringeren speeitischen Gewichtes emporsteigt und an der Oberflche eine Oel- schicht bildet. Eine andere Methode, die man ver- wendet bat. um bei strmischem Wetter den Zugang zu Hafen sicherer zu machen, besteht darin, dass man ein Projectil in die See hinausschleudert, das Oel ent- hlt. Dieses Projectil besteht aus einer starken Blceh- rhre, die an einem Ende mit Blei beschwert ist: die Rhre wird mit Oel gefllt und die Oeffnung ver- stopft. Wenn nun das Projectil abgefeuert ist. kehrt es sieh um, der Znder bringt das Pulver zur Explosion, der Pfropfen wird ausgetrieben und das Oel fllt auf das Wasser. Indessen ist der Erfolg dieser Versuche, die be- sonders in den Vereinigten Staaten von Nordamerika ange- stellt worden sind, leider nur ein massiger. Die namentlich in den letzten Jahren immer hufiger eingelaufenen Berichte ber Flle, in denen durch die Verwendung des Oeles ohne Zweifel Schiffe und deren Besatzung vor dem Untergang bewahrt worden sind, sowie die zahlreichen Schiffsunflle, bei denen durch Anwendung des Oeles eine Rettung der Schiffe oder doch der Mann- schaft und der Passagiere sieber htte bewirkt werden knnen, lassen es durchaus nothwendig erscheinen, dass sowohl die Schiffe selbst als auch die Boote derselben stets mit einem entsprechenden Vorrath von Oel u. s. w. versehen sind. Wie oft hat man nicht gelesen, dass die Boote sieh fllten oder umschlugen; es ist durchaus ber- flssig, Beispiele hierfr anzufhren. Vielleicht ist es aber von Interesse, einige Flle aufzuzhlen, in denen das ( lel selbst bei usserst heftig erregter und in ihren Tiefen aufgewhlter Set' selbsi kleine Boote vor dem sicheren Untergang bewahrt hat. So ereignete es sieb ganz krzlich, dass die Italia der Hamburg-Amerikanischen Gesellschaft auf der Fahrt von Havrc nach New- York die Welle zerbrach. In diesem Zustande wurde sie von dem derselben Linie angehrigen Schiffe Geliert angetroffen und ins Schlepptau genommen; das Schlepptau wurde durch starke Ankerketten soweit verlngert, dass die Entfernung zwischen beiden Schiffen etwa im ii) |"uss betrug. Als aber ein starker Nordweststunn losbrach, war zu befrchten, dass die Italia aufgegeben werden iuusie sieh an den unteren Seiten viel weniger bemerklich machen als wenn sie auf dieselben beschrnkt bliebe. Bei dem Ostwinde dagegen wird das Rotationsmoment Nr. 6. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 57 durch die Reibung an der Erdoberflche vefgrssert; die beschleunigte Luftmasse findet sich schon in der Gleich- gewichtslage, die sie innerhalb ihrer Schicht einzunehmen hat, und wird nur quatorialwrts in die vorliegenden Schichten hineindrngen. Wird sie zugleich erwrmt, so geschieht ihr Aufsteigen langsamer als in einer unten ruhenden Luftschicht. Die verzgerte Luftschicht wird auf der nrdlichen Halbkugel als Nordost gegen den Aequator vorwrts drngen, dabei aber immer wieder als (istwind erscheinen, da sie auf schneller rotirende Zonen der Erdkugel zu liegen kommt. Die ber ihr liegende Luft wird in den unten frei werdenden Raum einrcken (usserer Rand der Passatzone) und mit unverndertem Rotationsmoment unten als Ostwind er- scheinen. Durch diese Einscliiebung der unteren Schichten der Passatwinde wird es bedingt, dass, whrend unten wohl meist continuirliehe Uebergnge in der Temperatur und dem Rotationsmoment der Schichten stattfinden, oben die Rnder der sieh ausbreitenden Calmenzone sieh unmittel- bar mit den unterliegenden Schichten von geringerer Rotationsgeschwindigkeit und Temperatur berhren. Solche Bewegungen knnen aber, da das Gleichgewicht an ihrer Grenzflche ein labiles ist. nicht lange bestehen, sie lsen sich vielmehr in Wirbel auf, welche eine ausgedehnte Vermischung der Schichten bewirken. Es lsst sieb zeigen, dass in diesem Falle, wo die untere Schicht schwerer ist, die Strungen zunchst hnlich den durch den Wind erregten Wasserwegen verlaufen mssen. Der Vorgang wird sichtbar durch die gestreiften Cirruswolken, welche sieb zeigen, wenn an der Grenze der beiden Schichten Nebel niedergeschlagen werden knnen. Durch den Wind erregte Wasserwogen zeigen denselben, Hin- durch den grsseren Unterschied der speeifischen Ge- wichte gradweise verschiedenen Vorgang. Im Ganzen mssen in dieser Zone der Mischungen an der Erdoberflche Westwinde voimerrschen, weil der Zuwachs des gesammten Rotationsmomentes, welches die Luftmasse durch Reibung in den Ostwinden der l'assat- zone erfhrt, schliesslich so weit steigen, bis irgendwo wieder Westwinde den Erdboden berhren und hin- reichender Reibung unterliegen, um jenen Zuwachs voll- stndig wieder abzugeben. Ausserdem muss der fallende Regen, der grsstenteils aus den Indien Westwinden her- kommt, deren Bewegung auf die durchfallend! Schichten bertragen. Eine andere dauernde Quelle von Winden bildet die Khlung des Hodens an den Polen. Die kalten Schichten streben am Hoden auseinanderzuflicssen und Ostwinde (bez. Anticyklonen) zu bilden. Die darberliegen- den wrmeren Schichten fllen die Lcke aus, doch ge- langt es zu keinem Gleichgewicht, weil die unteren Schichten durch Reibung schnellere Rotationsbewegung gewinnen; dabei mssen sie am Hoden bleiben, was durch die Erfahrungstatsache besttigt wird, dass unsere winterliehen Nordostwinde hutig nicht die Gipfel der norddeutschen Gebirge mit ihrer Klte erreichen. An den vorderen Rndern dieser in wrmere Gegenden gelangenden Ostwinde werden wieder Wirbelbewegungen eine Vermischung der Luftschieliten herbeifhren. Die Ausbreitung dieser polaren Ostwinde geht verhltniss- nissig unregelmssig Mir sieb, weil einmal der Kltepid nicht mit dem geographischen (Rotations-) Pole zusammen- fllt und weil andererseits bereits niedrige Gebirge er- heblichen Einfiuss ben. Dazu kommt, dass Nebel der kalten Zone massige Abkhlung dickerer Luftschichten, klare Luft sehr intensive Abkhlung niedriger Schichten be- wirken wird; Durch solche Unregelmssigkeiten wird es bedingt sein, dass die anticyklonische Bewegung der unteren und der grosse und allmhlich wachsende Cyklon der oberen Schichten, die am Pole zu erwarten wren. sich in eine grosse Zahl nregelmssig fortwandernder Cykloneu und Anticyklonen mit Uebergewieht der ersteren auflsen. Aus diesen, der ersten Mittheiluiig entnommenen Er- wgungen zieht Herr von Heimholt/, nun den Schliiss. dass die hauptschlichste Hemmung der Cirknlation unserer Atmosphre, welche verhindert, dass dieselbe nicht ausserordentlich viel heftigere Winde erregt, als es that- Sehlich der Fall i-t, nicht sowohl in der Reibung au der Erdoberflche, als in der Vermischung verschieden bewegter Luftschichten durch Wirbel gegeben ist. die durch Aufrollung von Discontinuittsflehen entstehen. Im Innern solcher Wirbel werden die ursprnglich getrennten Luftschichten in immer zahlreicheren und deshalb immer dnner werdenden Hagen spiralig um einander gewickelt, und ist daher hier durch die ungeheuer ausgedehnte Berhrungsflche ein schneller Austausch der Tempe- ratur und Ausgleichung ihrer Bewegung durch Reibung mglieh. Die zweite der erwhnten Mittheilungen bringt Unter- suchungen zur Theorie von Wind und Wellen". Auch aus dieser wichtigen Abhandlung wollen wir die Er- gebnisse zusammenstellen. In der ersten Abhandlung ist nachgewiesen wurden, dass im Luftkreise regelmssig Zustnde eintreten mssen, wo Schichten von verschie- dener Dichtigkeit bereinandergclagert sind. Die grssere Schwere der tiefer liegenden Schicht wird entweder durch ihren geringeren Wrmegehalt oder ihre geringere Uni- laufsgeschwindigkeit oder durch beide Umstnde bedingt sein. Wenn aber eine leichtere Flssigkeit ber einer schwereren mit scharf gezogener Grenze liegt, so sind an dieser Grenze die Bedingungen fr das Entstehen und die regelmssige Fortpflanzung von Wogen gegeben, wie wir sie an der Wasserflche kennen, nur dass hier, wie schon oben erwhnt, der Unterschied der speeifischen Gewichte der Schichten bedeutender ist. Herr v. llelm- holtz untersucht nun. welche weiteren Unterschiede im Verhalten der Luftwellen und Wasserwellen daraus folgen. Wenn wir auch dergleichen Wellensysteme an der Grenzflche verschieden schwerer Luftschichten meistens nicht wahrnehmen, ist ihr hufiges Vorkommen doch nicht zweifelhaft; sie treten offenbar nur dann in sichtbarer Oestalt auf, wenn die untere Schicht so weit mit Wasser- dampf gesttigt ist, dass die Wellenberge, in denen der Druck geringer ist, Nebel zu bilden anfangen. Dann treten streitige parallele Wellenzge in sehr verschiedener Breite auf, sich zuweilen ber breite Himmelsflchen in regel- mssiger Wiederholung erstreckend. Die von Herrn von Heimholt/, angestellten Rechnungen zeigen ferner, dass bei den beobachteten Windstrken sich in der Atmosphre nicht nur kleine Wellen, sondern auch solche von meh- reren Kilonietern ausbilden knnen, die, wenn sie in der Hhe von einem oder einigen Kilometern ber dem Eni boden hinziehen, die unteren Luftschichten stark in Be- wegung setzen und sogenanntes biges Wetter hervor- bringen mssen. Das Eigenthmliehe desselben liegt darin, dass Windstsse, oft von Hegen begleitet, nach ziemlich gleichen Zwischenzeiten und in ziemlich gleichem Verlauf mehrmals des Tages an demselben Orte wieder- kehren. Herr von Heimholt/, glaubt annehmen zu drfen. dass diese Wellenbewegungen der Atmosphre die hu- figste Veranlassung zur Vermischung der Luftschichten und, -wenn die aufsteigenden Massen Nebel bilden, zu Strungen eines nahezu labil gewordenen Gleichgewichts geben. Unter solchen Bedingungen, wo wir Wasserwellen branden und Schaumkpfe bilden sehen, werden zwischen 58 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. Nr. 6. den Lustschiebten sich ausgiebige Mischungen herstellen mssen. Nach der mechanischen Wrmetheorie ist die Rei- bung in den Gasen als die Vermischung verschieden be- wegter, die Wrmeleitung als die Vermischung verschieden 1 1 in 1 k riiii r Schichten aufzufassen; dies macht es ver- stndlich, dass rill' strkere Vermischung der Luftschichten dii' Wirkungen der Wrmeleitung in erhhtem Masse her- vorbringen muss, allerdings nicht in ruhigem, gleichms- sigem Fortgange, sondern dem besonderen Charakter der meteorologischen Processe gemss ruckweise springend. Deshalb ist es wichtig, die Theorie der Wellen an der gemeinsamen Grenzflche zweier Flssigkeiten zu behan- deln. Herr von Heimholt/, beschftigt sich bei dieser schwierigen Untersuchung mit dem relativ einfachsten Fall, der Bewegung gradliniger Wellenzge, die an der ebenen Grenzflche unendlich ausgedehnter Schichten zweier verschieden dichter Flssigkeiten, die verseliieden strmende Bewegung haben, sieh in unvernderter Form und mit constanter Gescbwindigkeil fortpflanzen. Wogen dieser Art werden stationre Wogen genannt. Was den ( >rt der Wogenbildung zwischen den Luft- schichten betrifft, so zeigt Herr von Heimholt/., dass der- selbe namentlich in den tieferen Schichten zn suchen ist, whrend in den hheren Schichten Rotation und Tempe- ratur vorwiegend continuirlich in einander bergehen. Die Grenzflchen verschiedener Luftschichten, auf denen die Wellen verlaufen, werden ein Ufer am Erdboden haben und die Schichten dort seicht auslaufen. Durch Erfahrung und Theorie wird gelehrt, dass die gegen ein seichtes Ufer lautenden Wasserwellen dort branden; sogar Wellen, die ursprnglich dem Ufer parallel fortliefen, pflanzen sich in seichtem Wasser langsamer fort, sie krmmen sich, wobei sie die convexe Seite ihres Bogens dem Ufer zuwenden, sie laufen auf dieses zu und zerschellen. Ganz streng sind nun zwar diese Verhltnisse von den auf dein Ufer zerschellenden Wasserwellen nicht auf die Luftwellen zu bertragen, aber die Bedingungen sind dnch nicht so erheblich verschieden, dass mau nicht schlicssen drfte, dass Luftwellen, die in dem idealen. rings um die Axe symmetrischen Luftkreise zunchst nur in weststlicher Richtung laufen knnten, einmal erregt, sieh der Erdoberflche zuwenden und in nordwest- licher Richtung (auf der nrdlichen Halbkugel) gegen diese anlaufend zerschellen mssen. Ein anderer Process, der das Branden der Wellen auf der Hhe ihrer Berge be- wirken kann, ist die allmhliche Steigerung des Windes. Die Analyse des Herrn von Heimholt/, lsst erkennen, dass Wellen von gegebener Lnge nur bei beschrnkter Windstrke bestehen knnen. Nun knnte eingewandt wnleii. dass hoch aufgetriebene Wasserwellen immer schmalere, strker gekrmmte Wellenberge und breitere, flacher gekrmmte Thler haben, dass hingegen Luft- wellen, wenn sie uns als Wolkenstreifen sichtbar werden, rundere Kpfe haben. Aber dieser Einwand ist nicht stichhaltig, da Luft, welche Nebel gebildet hat. leichter wird als sie vorher war. Was wir als Nebel erscheinen sehen, drngt also nach oben und sehwellt die Wellen- berge mehr als es in der durchsichtigen Luft der Fall /ii sein braucht. Herr von Heimholt/, sucht nun solche gradlinigen Wellen auf, welche ohne Aendemng ihrer Form sieh mit constanter Geschwindigkeit fortpflanzen, und folgert aus dem l'rineip der mechanischen Aehnlichkeit, dass, wenn man fr diese Form der Luftwellen dieselbe Windge- schwindigkeii erhalten will wie fr geometrisch hnliche Wasserwellen, man die Wellenlnge der Luftwellen im Verhltnis I : 2630,3 steigern rauss; fr die niedrigsten Wellen wird dieses Verhltniss I : 2039,6, was fr 10 in. Wind ber 900 m. Wellenlnge giebt. Den bei massigen Windstrken hutig auftretenden Wellen von einem Meter Lnge wrden in Luftschichten von 10 Temperaturdif- ferenz Luftwellen von 2 bis 5 km., grsseren Meereswellen von 5 bis 10 m. wrden Luftwellen von 15 bis 30 km. entsprechen, die schon das ganze Firmament des Be- schauers bedecken und den Erdboden nur noch in einer Tiefe, die kleiner als die Wellenlnge ist, unter sieh haben wrden, also den Wellen in seichtem Wasser zu vergleichen wren, die das Wasser am Grunde schon er- heblich in Bewegung setzen. Der Wind unter den Wellen- tlern ist bei unterer Windstille der Fortpflanzungsge- schwindigkeit entgegen, unter den Wellenbergen aber gleich gerichtet. Aenderungcn des Barometerstandes sind nur zu erwarten, wenn beim Vorbergang der Wellen starker Windwechsel merklich wird. In dem letzten Tlicile seiner Mittheilungen untersucht Herr von Heimholt/ die Energie der Wellen und gelangt dabei zu wichtigen Ergebnissen; es mag hiervon nur das Folgende erwhnt werden. Brandend verspritzte Wogen in der Luftmasse werden Mischung der Schichten hervor- bringen. Da die Hebungen der Wellenberge im Luftkreise viele Hundert Meter betragen knnen, werden Niederschlge in ihnen oft eintreten knnen, die dann sehnelleres und hheres Steigen bedingen. Da ganz scharfe Grenzen zwischen verschieden bewegten Luftschichten jedoch selten vorkommen werden, so werden sich vorwiegend nur Wogen von grosser Wellenlnge bilden, obwohl Wellen von kleiner Wellenlnge theoretisch mglich sind. Da derselbe Wind Wellen von verschiedener Lnge und Fort- pflanzungsgeschwindigkeit erregen kann, kommen Inter- ferenzen zu stnde, so dass sich hhere und niedere Wellen abwechselnd folgen, wie dies am Meere zu be- obachten ist. Wenn sich aber zwei Wellenberge verschie- dener Wellenzge einholen, so werden sie leicht eine Hhe erreichen, bei der sie berschumen. Es wre dies ein Vorgang, analog der Erzeugung von Combinationstnen, durch den Wellen von erheblicher Lnge zur Ausbildung kommen. Aus diesen vielfach wrtlich den von Ilelmholtz'schen Abhandlungen entlehnten Darlegungen drfte erhellen, dass wir es mit einer hochbedeutsamen Untersuchung zu tliun haben, welche, neue Gesichtspunkte in die theoretische Meteorologie trgt und die letzten ein erhebliches Stck weiter fhrt. In Bezug auf die nhere Begrndung des hier Zusammengestellten wie bezglich weiterer Einzel- heiten sei auf die Originalabhandhingen selbst verwiesen. (i. Fragen und Antworten. Warum ergrnen die Grser unter Bumen frher als auf den Wiesen P Die Beantwortung obiger Frage findet sich in den Verhandl. der k. k. zool.-bot. Gcsells. in Wien" (Jahrg. 1889 . wo sich Prof. E. Rthay wie folgt ber den frag- lichen Gegenstand ussert: Ich befasse mich - sagt der Verfasser - seit einer Reihe von Jahren mit der merkwrdigen, durch verschie- dene Pilze auf unseren Wiesen hervorgerufenen Erschei- nung der Hexenringe, und da ich hierbei die Bemerkung machte, dass das Ringgras im Frhlinge vor jenem der Umgebung ergrnt, so interessirtc es mich zu beobachten, dass die Grser auch noch auf gewissen, ausserhalb der Hexenringe gelegenen Stellen frher als auf den brigen Theilen unserer Wiesen ergrnen. Solche Stellen sind folgende: 1. Die mit Jauche oder mit Stallmist gedngten Tbeile der Wiesen. In dein hbsehen Aufstze, welchen Nr. 6. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 59 Professor Julius Gremblich ber unsere Alpemviesen ver- ffentlichte, findet sich gleich Eingangs und spter noch- mals die Angabe, dass gedngte Wiesen zeitlicher als ungedngte ergrnen, und ich berzeugte mich oftmals von der Richtigkeit dieser Angabe. Auf jedem mit Jauche oder Stallmist gedngten Rasentheile sprossen im Frhlinge die Grser frher. 2. Die Rasensume lngs der Fusspfade. Dass die Grser auf diesen Rasensumen in der That frher als auf den brigen Rasentheilen ergrnen, beobachtete ich bereits in fnf aufeinanderfolgenden Frhlingen, und zwar sowohl auf wagrechten, als auch geneigten Fuss- pfaden. Uebrigens fiel vielleicht die in Rede stehende Erscheinung bereits Hermann Masius auf, indem dieser schrieb: ..Wenn nach trben Wintertagen der Strahl der Sonne wrmer und voller herabdrngt, dann ist es die Wiese, der grasumsumte Fusspfad, der quellige Rasen, der die ersten grnen Halmspitzen zeigt." 3. Die Rasensume lngs kleiner Wasserrinnen. Es ist eine auffallende Erscheinung, dass die Grser unserer Wiesen lngs kleiner Wasserrinnen frher ergrnen. 4. Die Rasenflchen unter Bumen. Die Erscheinung, dass auf unseren Wiesen im Frhlinge die Grser, welche sich unter Bumen befinden, frher als die brigen er- grnen, wurde zuerst von Buchenau beobachtet, und von diesem auf die durch Salzgehalt bedingte dngende Kraft, welche das aus den Baumkronen herabtrufelnde Wasser besitzt, zurckgefhrt. Aber E. Koehne, welcher in Just's Jahresbericht ber den diesbezglichen Aufsatz Buchenau's referirt, meint, dass bei der Erklrung der ' in Rede stehenden Erscheinung zunchst au die durch den Schutz der Baumkrone verminderte Wrmestrahlung zu denken sei. Ich selbst suche die Erklrung fr das frhe Er- grnen der Grser unter Bumen in einer Erscheinung, welche mir im vorigen Frhling zum ersten Male auffiel. Ich bemerkte nmlich an mehreren aufeinanderfolgenden nebligen Tagen, dass sich die Nebelwasser an den Aesten und Bumen niederschlug und von diesen zwar langsam, aber doch in solcher Menge abtropfte, dass z. B. in einer Lindenallee der unter jeder Baumkrone befindliche Boden ganz nass wurde. Und in diesem Winter beobachtete ich in derselben Allee, dass im Laufe von 2 1 > Tagen, whrend welcher bestndig Nebelwetter herrsehte, sich unter jedem Baume aus dem von dessen Krone nieder- geschlagenen und abgetropften Nebelwasser eine einen halben Centimeter dicke Eiskruste bildete, welche die Schulkinder als Schleife bentzten, whrend der Boden der Umgebung von einer solchen Eiskruste frei blieb. Uebrigens ist es selbstverstndlich, dass die Menge des . von den Aesten und Zweigen eines Baumes aufgefangenen Nebelwassers umso bedeutender ist, je umfangreicher und verzweigter seine Krone ist. Ein Lindenbaum schlgt wegen seiner reichen Verzweigung ungleich mehr Nebel- wasser nieder, als ein ebenso grosser aber dabei weniger verzweigter Kirschenbaum. Ein vortrefflicher Kenner unserer Alpenwiesen, nm- lich der schon erwhnte Julius Gremblich, schreibt ber das Ergrnen wrtlich Folgendes: Es vergeht aber nach dem Schmelzen des Schnees noch eine geraume Zeit, bis unsere Wiesen zu grnen beginnen, was mir so recht eigentlich den Beginn des pflanzenphaenologischen Frhlings und das Erwachen der Vegetation zu bezeichnen seheint. Fllt aber ein warmer Regen, so lsen sich die Bande, welche das Wachsthum solange gebannt hielten, und wie mit einem Zauber- schlage verlieren die Wiesen ihre matten Farbentne, schieben die dichten Rasenstcke ihre spitzen, mit zartem Gelb angehauchten grnen Bltter hervor, um sich vor unserem Auge als ein grosser Teppich auszubreiten." Und dass auch auf unseren Wiesen das Ergrnen ganz allgemein nur dann eintritt, wenn die oberflchliche Bodenschichte, in welcher sich die Wurzeln der Grser befinden, sehr feucht ist, aber im entgegengesetzten Falle selbst bei sehr warmem Wetter unterbleibt, weiss ich aus eigener Erfahrung. Bedenkt man nun das eben ber das Ergrnen der Wiesen Gesagte, so liegt es sehr nahe zu vermuthen, dass das frhe Ergrnen der unter Bumen befindliehen Grser auf der Wirkung des von denselben herabge- tropften Nebelwassers beruht. Da aber dieses nur dann eine Wirkung hervorzurufen vermag, wenn der Boden trocken ist, und ausserdem nicht in jedem Frhlinge nebliges Wetter herrscht, so erklrt es sieb, warum die Grser unter Bumen nicht alljhrlich frher ergrnen. Wo erhlt man praktische Stnder zur Aufstellung von Fossilien? Praktische Stnder zur Aufstellung von Fossilien u. s. w. in Sammlungen sind im Comptoir geologique et minera- Fossilieu-Stnder. logique" von Alexander Stuer in Paris zu haben. Die Einrichtung der Stnder wird gengend durch die bei- stehende Abbildungen erlutert, sodass eine nhere Be- schreibung berflssig ist. Litteratur. Dr. E. Dreher, Der Hypnotismus, seine Stellung zum Aber- glauben und zur Wissenschaft. Heusers Verlag, Berlin und Neuwied a. Rh.; 1889. . Der Schwerpunkt dieser kleinen Schrift liegt nicht in der gegebenen kurzen Darstellung der hypnotischen Erscheinungen, sondern in den Betrachtungen, die der Verf. daran anknpft und die darin bestehen, dass einestheils aus dem Hypnotismus eine in gewisser Beziehung gerechtfertigte Auffassung von dem Wesen des menschlichen Geistes gefolgert wird, anderntheils eine Reihe hypnotischer Vorgnge in das Gebiet des Aberglaubens verwiesen erden. Nach einigen einleitenden Bemerkungen von mehr all T gemeiner, philosophischer Natur wendet sich der Verf. in dem ersten Abschnitte seiner Schrift der Suggestion zu und bespricht einige Hauptpunkte der Geschichte des Hypnotismus, die Arten des llv|,iiotisirens, die Empfnglichkeit fr die Hypnose und die Kennzeichen der letzteren. Nachdem der Verf. im zweiten Ab- schnitte eine Anzahl besonderer Flle und Erscheinungen der Hypnose eingehender errtert hat, wendet er sich in dem dritten und letzten Abschnitt zunchst einer Kritik der bersinnlichen Gedankenbertragung oder Suggestion mentale zu. Die Ent- scheidung darber, ob der Annahme einer solchen wissenschaft- liche Berechtigung beizumessen ist, erblickt Herr Dr. Dreher in folgendem Grundsatz: Gesetze aufzustellen oder auch nur zu vermuthen, die bisher keine Besttigung in der Erschei- nungswelt gefunden haben, die allem durchaus wider- sprechen, was wir gewhnt sind, als den natrlichen Zusammenhang der Dinge zu betrachten, die nur der Neigung, ein mystisches, unheimliches Band in den Naturerschei- nungen Hilden zu wollen, Genge leisten, ist nicht Aufgabe der 60 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. Nr. (j. Wissenschaft, sondern des Aberglaubens'-. (S. 23 u. 24.) Dieser Satz zeigt uns nicht klar, welche Art von Gesetzen der Verf. aus dem Rahmen der Wissenschaft ausgeschlossen wissen will. Meint er, wie es mir aus dem Wortlaut am ehesten hervorzugehen scheint, alle solche Gesetze, welche die Erscheinungswelt bisher nicht besttigte, die vielmehr einen neuen Zusammenhang der Din^e nachweisen, und erklrt er deren Herkunft nur nebenher dural den folgenden Satz, dass sie der mystischen Neigung Ge- nge leisten: so kann ich den angefhrten Grundsatz durchaus nicht anerkennen. Denn die Wissenschaft fhrt uns in ihren wirklichen Fortschritten stets aufs Neue ber die Grenzen des Bekannten und Gewohnten hinaus, und es ist ihre Aufgabe, dies zu thun gleichgiltig, ob neu entdeckte Gesetzmssig- keiten zu den bisher herrschenden Anschauungen passen oder ihnen wiedersprechen, sofern sie nur thatschlicher Natur sind. Wenn hingegen die angefhrten Worte des Herrn Dr. Dreher besagen sollen, dass unter den auf neuen Boden tretenden Gesetzen diejenigen zur Verweisung aus dem Gebiete der Wissenschaft auszuwhlen sind, welche nur dem Verlangen nach der Erkenntniss eines mystischen, unheimlichen Bandes in den Naturerscheinungen zuliebe aufgestellt werden, so muss ich diese Bestimmung in ihrer Allgemeinheit als eine ungenaue und unbrauchbare bezeichnen; denn was ist nun mystisch und un- heimlich? Dass es berhaupt eine missliche Sache ist, irgend eine Anschauung schlankweg und stolz als Aberglauben zu be- zeichnen und damit als wissenschaftlich werthlos zu verdammen, geht aus des Verfs. eigenen Worten hervor (S. 31), dass in Manchem, was wir als Aberglauben bisher mitleidig belchelten, ein Stck Wahrheit zu liegen scheint". Indem nun der Verf. von seinem erwhnten Grundsatze practische Anwendung auf die bersinnliche Gedankenbertragung macht und sie als einen der Wissenschaft unwrdigen Gegenstand bezeichnet, begeht er einen sachlichen Fehler, indem er ausfhrt (S. 24), dass sieh bei derselben die Seelen der verschiedenen Individuen ohne jede materiell e Vermittelung offenbaren sollen." Die bersinnliche Gedankenbertragung besteht vielmehr nur darin, dass Mittheilungen von Geist zu Geist auf anderem Wege als durch die Sinne stattfinden; eine materielle Vermittelung wre also immerhin noch denkbar (etwa durch die Lebensstoft'e im Sinne Gustav Jgers). Aber auch wenn eine solche aus- geschlossen sein sollte: an und fr sich knnte doch auch die Wissenschaft und nicht nur der Aberglaube dem Gedanken nahe treten, dass nicht nur zwischen Krper und Krper oder zwischen Krper und Geist, sondern auch unmittelbar zwischen Geist und Geist Wechselwirkungen stattfinden natrlich nur dann knnte jenes die Wissenschaft, wenn die Thatsachen sie unweigerlich dazu drngten, und dies ist bis jetzt noch nicht der Fall. In dem weiteren Verlauf der Errterungen des dritten Ab- schnitts wendet sich Herr Dr. Dreher der zuerst von Pierre J anet angeregten Auffassung vom menschlichen Geiste zu, wonach wir demselben eine doppelte Thtigkeit zuzuweisen haben: eine bewusste und eine unbewusste, welch' letztere im Gegensatz zur ersteren die nicht von dem Ich herrhrenden geistigen Vorgnge umfasst. Die unbewusste Geistesthtigkeit ist von anderer Seite als Unterbewusstsein bezeichnet worden, und man hat von zwei Bewusstseinssphren oder Bewusstseinsschichten, auch von einem Doppel-Ich gesprochen u. s. w. Eine eingehendere Besprechung dieser Anschauung wird der Leser in meinem Auf- satze Das Rthsel des Hypnotismus" finden, welcher dem- nchst in der Naturwissenschaftlichen Wochenschrift" erschei- nen soll. Hier sei nur soviel gesagt, dass Herr Dr. Dreher (gleich einigen anderen Forschern) die Wirkungsweise der hypno- sigenen (die Hypnose erzeugenden) Vornahmen darin erblickt, dass sie die Herrschaft des Ich ber die anderen Seelenrder schwchen, wodurch diese selbstndiger als unter gewhnlichen Verhlt- nissen arbeiten knnen." Dr. K. F. Jordan. Jaekel, O , Die Selachicr aus dem oberen Muschelkalk Lothringens. Strassburger Druckerei und Verlagsanstalt, Strassburg. Kempf, P Meteorologische Beobachtungen in den Jahren 1884 bis 1887. Engelmann, Leipzig. 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Zukal, H., Entwicklungsgeschichtliche Untersuchungen aus dem Gebiete der Ascomycetcn. Freytag. Leipzig. Inhalt: Eduard Ritsert: Nomenklatur der neueren Arzneimittel. Beseitigung der Rauchbelstigung durch Elcctricitt. Zchtung von Apus produetus. Ueber die Wirkung (\r* Oels auf die Wellenbewegung des Meeres. Ueber atmosphrische Bewegungen. Fragen und Antworten: Warum ergrnen die Grser unter Bumen frher als auf den Wiesen? Wo erhlt man praktische Stnder zur Aufstellung von Fossilien? (Mit Abbild.) Litteratur: E.Dreher: Der Hypnotismus, seine Stellung /'im Aberglaub en und zur Wissenschaft. Liste. Verantwortlicher Redakteur: Dr. Henry Potonie, Berlin NW. 6, Luisenplatz s. fiir den Inseratentheil: Hugo Bernstein in Berlin. - Verlag Ferd. Dmmlers Verlagsbuchhandlung, Berlin SW. 12. Druck: G. Bernstein. Berlin SW. 12. Nr. 6. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. XIII Licht! Bnnge'&as selbst erzeugende Lam- pen liefern brillant leuchtende Gas- flammen. 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Nr. 6. gn 5evb. Summiert a'eitagbiicfiljnnbiuua in SJeiltii ift fueben erfchienen: Qexxtfdj -Afrika unb feine ilac^ax-n im fcOwarjen ^rfeif. ine Kuithreife in nbgerunbeten Duiturfchilbenutgen, 2ittcnfcenen unb etf)nogrnp)ifi})en (ifjcminerbilbern. llnrij rn neurflrn un lieen (Quellen fr jKUltitt fr gfopnpljirdjfii gOilTrnrdjaft un im goloniaHicfirrliiinen, fotoie fr ben pfjeven Unterricht. Sott Dr. 3ofjcmnes ^iattuuiarfctt, Cbertebver am mnafium ju ftoblcnj. Dcti einer Acute on -Deutfd) = 5tfnfu. 3n>itc, vexmeffttt il n s o > o c. ^rei brocfjirt 5 HI., gebunben, in ber 3!crIaQ?l)itMuug fteto borroil)ig, G !l. 50 $f. Nchste Ziehung 1. Mrz 1890. Grosse Anleihe- Serien -Geldverloosung mit Gewinnen im Gesammtbetrage von IST 5,097,828 Mark " in 12 monatliehen Ziehungen. Iteilie Nieten. Einlage pro Jahr 48 Mark. Man verlange vor Betheiligung Propeet und Spielplan gratis und portofrei Allgemeine Serienloos-Iiesellscliaft in Berlin, Berlin SW., Wilhelmstr. 28. 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JL bei allen Annoncenbureaux, wie bei der Expedition. Abdruck ist nnr mit vollstndiger Quellenangabe gestattet. Indische Skizzen. ii. Dem in Europa bewhrten Beispiele sind die nach dem Orient gewanderten Europer gefolgt. Sie haben .Sammlungen lebender Pflanzen zu Grten vereinig} und in mehr oder weniger malerischer Anordnung- Anlagen geschalten, die gleicbcrniaassen den Forscher intoressiren wie sie dem Laien Unterhaltung verschaffen. Diese tropischen Grten sind aber so verschieden von denen unserer Heimath und auch untereinander so abweichend gestaltet, dass es sich wohl verlohnt bei ihnen etwas zu verweilen. Gern zaubere ich mir wieder die farbenprchtigen Bilder tropischer Ueppigkeit und Flle, wie sie diese Grten dem trunkenen Auge bieten, aus der Erinnerung hervor. Was bei uns in grosse glasgedeckte und mit Glas verkleidete Gewchshuser mehr eingezwngt wie eingeschlos- sen und durch knstliche Wrme und Wasserdampf zu kmmerli- chem Dasein erweckt und zu spr- lichem Wchse angeregt wird, all' die specifisch tropischen Gewchse, die Palmen, Pandaneen, Cycadeen, Bambusen, die Orchideen und Baumfarn, die Feigenbume und Bananen: hier entfalten sie sich im freien Lande ungehemmt zu ihrer natrlichen Pracht und Grsse. Ge- wchshuser, die unseren schnen botanischen Grten in Europa nicht gerade zur Zierde gereichen, findet man drben nicht. Nur eine, bisweilen glasgedeckte, schattige Halle in der Nhe der Verwaltungsgebude dient den Von A. Tschirch. Drei botanische Grten in Indien. jungen Pfleglingen, die noch nicht ins freie Land ge- bracht werden drfen, wo sie den versengenden Strahlen der tropischen Sonne gar zu sehr ausgesetzt wren, als schattiges Asyl und dem Grtner Fig. 1. Canarienallee im botanischen Garten in ititen/.org. als Vermehrungsraum. Alles an- dere wurzelt im freien Lande oder, wie die Epiphyten, auf ihren natrlichen Wirthspflanzen. Nicht frdern muss man dasWachs- thum, wehren muss man ihm, nicht das Pflanzen, sondern das Jten spielt die Hauptrolle und macht dem tropischen Grtner die Haupt- arbeit. Samen, die bei uns nur schwierig oder gar nicht zum Keimen zu bringen sind, hier gehen sie alle auf, die die Hand dem Boden anvertraut und die kaum gereifte Frucht bildet, durch den Wind v